Der Fraktionsvorsitzende Oskar Lafontaine (Linke) spricht während der Plenarsitzung des saarländischen Landtags. Am Morgen findet die 36. Sitzung der aktuellen Legislaturperiode statt
Der Fraktionsvorsitzende Oskar Lafontaine während der Plenarsitzung des saarländischen Landtags / dpa

Die Linke im Saarland - „Lafontaine hat mehr Dreck am Stecken als ich“

Vor der Listenaufstellung für den Bundestag kracht es in der saarländischen Linken: Der Landesvorsitzende Thomas Lutze fordert Oskar Lafontaine zum Rücktritt auf. Gegen Lutze wird derzeit wegen des Verdachts auf Urkundenfälschung ermittelt. Im Interview wirft er Lafontaine eine Schmutzkampagne vor.

Ulrich Thiele

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Thomas Lutze ist seit 2009 Mitglied des Deutschen Bundestages. Seit September 2019 ist er Vorsitzender des Landesverbandes der Linken im Saarland. Früher waren er und Oskar Lafontaine Verbündete, dann kam es zum Bruch. Die Schlammschlacht schwelt seit 2013, im Jahr 2017 eskalierte sie erstmals. Bei der Landesversammlung am Sonntag tritt der von Lafontaine unterstützte 27-jährige Landtagsabgeordnete Dennis Lander gegen Lutze an.

Herr Lutze, was mögen Sie an Oskar Lafontaine?
Seine fachliche Kompetenz, sein Durchsetzungsvermögen und seine Gradlinigkeit. Egal, was man alles an ihm kritisieren kann, man weiß immer klar, wofür er steht.

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Dorothee Sehrt-Irrek | Sa, 5. Juni 2021 - 15:54

Paradies für die sogenannten etablierten Parteien.
Man war zwar offen für Geläuterte der Nazizeit, aber ein Pardon für neue rechte Parteien gab es nicht!
Man stand vor allem geschlossen gegen Linke, auch die SPD.
Ich fand das unfair und meinte, die Linken hätten nach dem Fall der Mauer eine zweite Chance verdient.
Will sagen, ich hätte es verkehrt gefunden, wenn die SPD, Brandts und Schmidts Haltung gegenüber den Linken etwa noch ausgebaut hätten.
Gehofft hatte ich allerdings, dass Linke sich besinnen und auf die SPD einschwenken würden.
Theoretisch hatte ich mit Frau Wagenknecht nicht viel am Hute, aber Respekt vor ihrer intellektuellen Leistung.
Dass Lafontaine zu den Linken gegangen ist, habe ich nie verstanden und würde fast meinen, nach dem Lesen dieses Interviews, dass er diese Partei doch besser in Ruhe lassen und verlassen sollte.
Sie ist in der Bundesrepublik politisch unbedeutend.
Lafontaine hat aber der SPD einen Bärendienst erwiesen.
Begann damals der Niedergang der SPD?

"Geläuterte" Nazis gab es wenige. Wenn Sie die Liste der MdB 1950 bis 1970 prüfen - es gibt eine tolle Aufstellung, damals gefordert von der PDS - erkennen Sie, dass dort hohe und höchste Nazis saßen, die weiterhin versuchten, ihr Süppchen zu kochen... Naumann in NRW, wurde nur unterbunden, durch vorläufige Festnahmen. SWH war teilweise zu 60 % in Alt-Nazis Hand. Mit Reinefahrt, einem SS General und Mörder der Einsatzgruppen im Baltikum hatte die CDU einen BM auf Westerland lange Jahre.
Das Justizministerium besonders, aber auch andere Ministerien strotzen vor Nazis. Von den tausenden Juristen, die teils erbärmliche Todesurteile sprachen wurde nur EINER verurteilt.
Die SED Mitglieder hat man deshalb etwas härter angefasst, aber die vielen Mitläufer, die in Leipzig studierten, haben unsere Republik bereits unterhölt.

►Die Selbstaufgabe und antikommunistische Implosion der SED ermöglichte die relativ gewaltfreie und friedliche Einheit Deutschlands!

►Das heutige Deutschland hat die Einheit vor allem den vormals 2,4 Millionen Mitgliedern der implodierten SED zu verdanken. Ebenso den 90.000 Mitarbeitern des MFS und 150.000 der NVA. Weiterhin den 500.000 Angehörigen der sogenannten Kampftruppen der Arbeiterklasse.

►Es war eben nicht die sog. ostdeutsche Bürgerbewegung, die über Westmedien und westdeutschen Parteien als Aktivisten der gesellschaftspolitischen Wende verkauft und gefeiert wurden, die die relativ gewaltlose Einheit herbeiführten!

PS: Die antikommunistische und vor allem westdeutsche bürgerliche Wissenschaft Deutschlands bedarf noch ihrer wissenschaftlichen Korrektur und historischen Richtigstellung!

●, die deutsche Geschichtsschreibung darf man nicht den gut geschmierten Antikommunisten und berufenen Neoliberalen überlassen. Es bedarf der Wissenschaft in Deutschland und Europa!

auch deshalb seitens der Bundesrepublik schonender behandelt, weil es evtl. historisch doch Humbug war, dem Deutschen Reich und Österreich komplett den 1. Weltkrieg anzuhängen, es mithin Gründe gab, warum sich National-Liberale und National-Konservative in der Weimarer Republik formierten und von Seiten der Besatzungstruppen, evtl. vor allem den USA, weil es mittlerweile den Warschauer Pakt/Kalten Krieg gab.
Die evtl. vielen SED´ler konnte man wohl schlecht umsiedeln.
Für mich sind sowohl die Militaristen der Monarchie, wie die Faschisten des 3. Reiches und dann auch die SED´ler der DDR nicht ganz unbedeutende Teile unseres Landes und viele Gruppen rückwärts gedacht.
Ich halte eine sie und hoffentlich den ganz großen Rest der Bevölkerung umfassende Erzählung für möglich, nicht als Einheitsdoktrin, auch nicht nur als soziale, ökonomische oder staatliche, sondern auch als kulturelle.
Persönlich bewerte ich Frau Merkels Beitrag zu diesem allerdings schwierigen Prozess als extrem negativ.

Ob es damals schon angefangen hat, kann ich auch nicht exakt sagen.

Bekannt ist aber, dass die SPD mit Auftreten prominenter Personen, wie O. Lafontaine u. S. Wagenknecht, einen recht gr. Stimmenanteil an die Linke verloren hat.

Mittlerweile ich der aber weiter zur AfD gewandert.

Das Problem der SPD ist doch dass sie für offene Grenzen ist.

Das wird nur nicht offen kommuniziert.
Als ehemalige Partei der Arbeiter/Gewerkschafter ist sie mittlerweile eine glatte Null.

und nicht nur die SPD, Werte Frau D. Sehrt-Irrek, weil Macht den Menschen vereinnahmt & die dunkle Seite des Menschen fördert. Und dieser Weg begann bereits mit der Säule von der SPD Gewerkschaft, wo einzelne ohne Risiko & geistigen Erfindertum zu Macht & Reichtum kamen. Und dies wie zuvor die Kirche zu Beginn des Mittelalters. Und diesen Weg gehen nicht nur Parteien oder Glaubenseinrichtungen (die zentralisiert sind), sondern auch Unternehmen wie die Pharmaindustrie, Medizin, Justiz oder einst humanistische Vereine &&&.
Hinzu kommt das Problem für den Stellwert Zeit & Inhalte für die Ausbildung, für vielschichtiges Wissen. Wenn die Entwicklung weiter so geht, werden in naher Zukunft die Bürger von Kindern regiert. Ein weiteres Problem sehe ich in der "Entfernung" (nicht km!) Familie.

Solange für ein SYSTEM keine Transparenz & keine Rechenschaftspflicht besteht, die auch dann bei Vergehen zu moralischen, wertsenkenden & gesellschaftlichen "Abgang" führt, solange wird sich nichts ...

Ronald Lehmann | Mo, 7. Juni 2021 - 10:54

In reply to by W.D. Hohe

ODER - wehr an mehr Dreck am Stecken?

Die fast keiner mehr kennt (auch ich nicht vollständig 😞)
1. Neid,Eifersucht
2. Wollust
3. Völlerei, Masslosigkeit
4. Hochmut, Stolz
5. Habsucht, Gier
6. Trägheit, Faulheit
7. Zorn, Wut

Und vergebe uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern (oder dem Gegenüber, der anders tickt).

Thomas Hechinger | Sa, 5. Juni 2021 - 17:11

Nette Truppe, da, die Linken im Saarland.
Da war Laschet-Söder dagegen eine nach Regeln ablaufende kleine Rauferei unter Buben.

Ernst-Günther Konrad | So, 6. Juni 2021 - 08:19

Mich wundert das nicht. Gerade Lafontaine ist doch bekannt dafür, dass er als ausgesprochener Machtmensch alle Register zieht, sich selbst oder seine Vasallen für sich und seine Zwecke auszunutzen. Das war ein gutes sehr informatives Interview. Was Herr Lutze da antwortet, hat für mich Hand und Fuß, ob es auch in allen Punkten der Wahrheit entspricht, mag die Staatsanwaltschaft und im weiteren Gerichte klären. In jedem Fall dumm ist es aus meiner Sicht, unmittelbar vor einer Bundestagswahl ein solches Fass zum Überlaufen zu bringen. Das wird der LINKEN schaden. Und nein, ich bin darüber nicht traurig, wegen mir können die ganz verschwinden.
Lafontaine wäre besser im Ruhestand geblieben.
Es dürfte aber seinem Naturell entsprechen, immer und überall im Mittelpunkt zu stehen und irgendwo an den Fäden der Macht zu ziehen. Es wäre interessant mal hier zu lesen, wie dieser ganze Ärger ausgegangen ist, wenn denn Fakten vorliegen und entschieden wurde. Helfen wird es den LINKEN aber nicht.

der Stichwortgeber für Sahra Wagenknecht. Und die findet doch bei Anhängern der AfD ausgesprochen viel Zustimmung.

Auch Lafontaine versucht ständig, im Wählerreservoir der AfD zu wildern: Dazu bedient er sich der gleichen Rhetorik, die auch von Wagenknecht oder einem Boris Palmer zu hören ist: Nicht jeder AfD-Wähler wäre ein Rechtsextremist, das übliche Geschwätz halt.

Auch in Sachen Migrationspolitik klingt er kritisch: Wie Wagenknecht behauptet er, Migranten könnten gegen sozial schwache Einheimische ausgespielt werden und damit zur Vertiefung sozialer Ungleichheit führen.

Lafontaine ist eine saarländische Lokalgröße. Die dortigen Erfolge der Linkspartei sind sicher ihm zu verdanken. Andererseits verliert auch im Saarland die Linke kontinuierlich; Oskar zieht eben immer weniger.

In der Bundespolitik hört sowieso keiner mehr auf ihn. Zeit, abzutreten.

"Auch Lafontaine versucht ständig, im Wählerreservoir der AfD zu wildern: Dazu bedient er sich der gleichen Rhetorik, die auch von Wagenknecht oder einem Boris Palmer zu hören ist: Nicht jeder AfD-Wähler wäre ein Rechtsextremist, das übliche Geschwätz halt."
Meinen Sie es wirklich ernst, dass für Sie jeder AfD-Wähler ein RechtsEXTREMIST ist?!?