Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier äußert sich bei seinem letzten Termin, dem Besuch des Stadtgartens City Sprouts, gegenüber Medienvertretern zu seiner Reise nach Singapur.
Frank-Walter Steinmeier vernebelt den Blick auf von ihm mitverantwortete Missstände / dpa

Kontra Allgemeine Dienstpflicht - Den Gemeinsinn fordern, den man torpediert

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat für die Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht plädiert. Verwunderlich ist das nicht, denn das Thema Dienstpflicht ist ein bequemer Weg, um mit warmen Worten für einen Gemeinsinn zu plädieren, den man zuvor torpediert hat – und dabei den Blick auf die eigentlichen Probleme zu vernebeln.

Ulrich Thiele

Autoreninfo

Ulrich Thiele ist Redaktionsmitglied bei Cicero und lebt in Hamburg. Auf Twitter ist er als @ul_thi zu finden. Threema-ID: 82PEBDW9

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Hier argumentiert Cicero-Mitarbeiter Ulrich Thiele gegen eine allgemeine Dienstpflicht. Am Dienstag argumentierte Ben Krische dafür.

Frank-Walter Steinmeier hält eine „soziale Pflichtzeit“ beim Militär oder in Sozialeinrichtungen für eine gute Idee. „Es geht um die Frage, ob es unserem Land nicht guttun würde, wenn sich Frauen und Männer für einen gewissen Zeitraum in den Dienst der Gesellschaft stellen“, sagte das Staatsoberhaupt der Bild-Zeitung. Man komme „raus aus der eigenen Blase“, treffe „ganz andere Menschen“ und könne helfen: „Das baut Vorurteile ab und stärkt den Gemeinsinn.“

Dass ein solches Plädoyer für den Gemeinsinn, das wohl auch als Reaktion auf die außenpolitische Situation und auf die Nöte im Gesundheitswesen zu verstehen ist, ausgerechnet von ihm kommt, entbehrt nicht einer gewissen Schamlosigkeit. Schließlich hat sich Frank-Walter Steinmeier auch schon gefragt, ob es unserem Land nicht guttun würde, wenn er sich an seine Russlandkontakte verkauft und Deutschland in die energiepolitische Putinabhängigkeit lenkt. Steinmeier hielt als Kanzleramtschef von Gerhard Schröder und Architekt der Agenda 2010 auch die Gesundheitsreform für eine gute Idee, im Zuge derer das System der Fallpauschalen im Krankenhausbetrieb eingeführt wurde – die heutigen Mängel im Pflegesektor gehen bekanntlich auch auf den damaligen Ökonomisierungshype zurück (lesen Sie dazu dieses Interview mit einem Pflegewissenschaftler).

Billige Arbeitskräfte sollen Regierungsversagen kompensieren

Steinmeier ist natürlich nicht allein verantwortlich für alles, was außen- und sozialpolitisch im Argen liegt. Aber dass der Vorschlag von ihm kommt, ist symptomatisch für die Hybris der Dienstpflichtdebatte. Denn das Thema Dienstpflicht ist der bequemste Weg, um mit warmen Worten für einen Gemeinsinn zu plädieren, der zuvor torpediert wurde, und dabei den Blick auf die eigentlichen Probleme zu vernebeln.

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Auch wenn Steinmeier nicht explizit von einer Pflicht für junge Menschen sprach, hat sich die Debatte um die Frage nach einem Dienst im Anschluss an die Schulzeit entfacht. Viele der Argumente, die dabei von Befürwortern angeführt werden, fußen auf einer solchen Vernebelung.

Etwa die Behauptung, dass eine soziale Dienstpflicht eine Unterstützung für überlastete Sozialeinrichtungen und deswegen gut wäre. Das ist ein typisches Beispiel für das Vertauschen von Ursache und Symptom. Im Grunde sagt man damit, dass junge Menschen als dürftig bezahlter Notnagel für die Schäden der Regierungspolitik herhalten sollen. Allerdings ohne so ehrlich zu sein, es so zu benennen. Die wirkliche Unterstützung, beispielsweise im Pflegesektor, wären mehr Pflegekräfte, ergo bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne, die sich am Verantwortungslevel, am Bildungsniveau und an den jeweiligen Aufgaben von Pflegekräften orientieren. Wo bleiben die Veränderungen, die zahlreiche Politiker vor zwei Jahren ankündigten, als Krankenhäuser teils überlastet waren und Pflegekräfte für ihre Arbeit bejubelt wurden?

„Die“ Jugend lebt nicht nur in Bullerbü

Ein weiteres Argument, das auch in Steinmeiers Plädoyer anklingt, zeugt von einem empiriefernen Gesellschaftsbild. Endlich, so der Tenor, würde die verwöhnte Generation Z mal den Ernst des Lebens kennenlernen und aus ihrer weltfremden Blase herauskommen. Bemerkenswert daran ist, dass dieses Gesellschaftsbild selbst nichts jenseits einer heilen Mittelschichtswelt auf dem Radar hat, die man dann wiederum polemisiered gegen „die Jugend“ richtet.

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Gerhard Lenz | Do., 16. Juni 2022 - 08:53

Dass ein Sozialdemokrat wie Steinmeier solchen Unfug aufs politische Parkett hievt, ist allerdings bemerkenswert. Eigentlich sind es in der Regel strunzkonservative Politiker vom Schlage eines Linnemann, die offensichtlich von der Idee besessen sind, man müsse jungen Erwachsenen irgendeine Art von "Ertüchtigung" beibringen.

Man schaue nur auf die begeisterten Kommentare in diesem Forum: Im AfD-Umfeld beweint man die grün-weichliche Entwicklung unseres Nachwuchses, die sich doch tatsächlich mit Klimafragen und "solchem Zeug" befasst. Nein, hart wie "Kruppstahl", das wäre es, das kennt man. So wie der AfD-Vordenker Hoecke meinte, Deutschland müsse "männlicher" werden. Und, wie man sieht, wenn es sein muss eben mit Zwang.
Entwicklung des Gemeinsinns? Lernen fürs Leben?
Ich war nach meiner Wehrdienstzeit der Überzeugung, die Bundeswehr - so wie sie damals funktionierte - wäre so nötig wie ein Kropf. Stumpfsinn, Kadavergehorsam, abgebrochene Hauptschüler als Ausbilder...

Lächerlich.

Es ist aber doch schön zu hören, Herr Lenz, dass Sie ihre gesetzliche Pflicht getan und Wehrdienst geleistet haben. Dafür danke ich Ihnen. Wenn niemand mehr so einfach verweigern darf, werden unter den Ausbildern dann auch keine abgebrochenen Hauptschüler mehr sein, sondern Abiturienten. Außerdem sollten in unseren Tagen natürlich auch die Frauen ran. Die Wiedereinführung der Wehrpflicht würde Deutschland realistischer machen. Und mit mehr Realismus würden sich viele Probleme von selbst erledigen. Ob unrealistische Klima-Phantasien oder die rechtsradikale AfD, niemand braucht den Plunder.

Herr Franke? Bitte Argumente. Deutschland braucht diese Partei definitv, schon wegen Leuten wie Ihnen. Denn Fakt ist: An der Situation in diesem tief in den Abgrund fallenden Land sind die Hauptverursache die Wähler, so wie Sie. An keinem einzigen politischen Kriegsschauplatz, der hier vom Zaun gebrochen wird, oder schon Jahrzehnte schwelt, hat die AfD in irgendeiner Art und Weis eine Schuld. Warum nicht? Weil sie diffamiert, gegen sie agitiert und sie von jeglicher Teilhabe abgeschottet wird. (Siehe überraschendes Urteil des Bvfg gegen Merkel) Das kann man auch ganz einfach daran erkennen, dass leere Phrasen einfach hirnlos übernommen und rezitiert werden.

nicht.
Abgebrochene Hautschüler gab es im Bildungswesen der DDR kaum. Wer die Hauptschule nicht schaffte, war so dämlich, den hat noch nicht mal die NVA genommen. Jedoch wurden viele männliche Jugendlichen mit Real od. Gymnasialabschluss mit „Einsicht in die Notwendigkeit“ überzeugt 3 Jahre zu dienen. Ganz einfach aus den unterschiedlichsten Gründen. Z.B. Beruf Automechaniker, Arzt oder Architekt (wenn das letzte Zehntel am Notendurchschnitt fehlte) Pilot, selbst Klemptner fiel in diese Katigorie der „gefragten“ Berufe. Mich hat man z.B. als Gedienter nach dem Diplomabschluss „überzeugt“ Reserveoffizier zu werden weil ich zu einer Bestimmten mir selbst ausgesuchten Arbeitsstelle wollte, um eben nich für 2 Jahre zwangsvermittelt zu werden. Gut, mit Mitte 20 hat mich das scho
angek ……tzt. Aber im Nachhinein, geschadet hat’s mir nicht.
Mit freundlichen Grüßen aus der Erfurter Republik

"...die offensichtlich von der Idee besessen sind, man müsse jungen Erwachsenen irgendeine Art von "Ertüchtigung" beibringen..."

Das ist bei Weitem keine besessene Idee. Diese "Strunzkonservativen" haben zumeist Ihren Dienst abgeleistet, egal, ob aktiver Wehrdienst oder Ersatzdienst. Und dabei evtl. Grundwerte wie ggst. Achtung, Respekt, Manieren, Anstand, Rücksicht und Einige nicht zuletzt einen strukturierten Tagesablauf gelernt. Das die sich daraus resultierenden Zivis die Pflege unterstützen, kommt als Schmankerl noch hinzu. Es geht um Pflicht für dein Land. Kennedy hat mit der Aussage damals völlig recht:

„Frage nicht, was dein Land für dich tun kann – frage, was du für dein Land tun kannst.“

Viele Leute, besonders junge, stellen immer nur Forderungen an das Land und den Staat und sind im Gegenzug nicht bereit, erst einmal in Vorleistung zu gehen. In dem Wort steckt das Wort „Leistung“ schon drin, doch damit können viele junge Leute heute nix mehr anfangen. Traurig genug.

Gerhard Lenz | Do., 16. Juni 2022 - 16:33

Antwort auf von Stefan Forbrig

Leute wie Sie und ich? Vielleicht auch der 18-jährige, der keinen Bock hat auf verschriebene Zwangsertüchtigung? Oder gehört der nicht zum "Land"?

Schon gut. Sie gehören wahrscheinlich zu jenen Leuten, die Alter und "Lebensleistung" als Ausweis von Autorität und Lebensweisheit mißverstehen.

Die selbstverständlich "wissen", was für die verwöhnten Schnösel gut ist.

Gegenfrage: Was haben SIE eigentlich für MEIN Land getan? Etwa in der Volksarmee gedient? Wow, hab' ich ja irre was von..

Im Grund machen die meisten Menschen irgendwas für dieses Land. Ob sie beim Bäcker Brötchen verkaufen oder die Straße fegen, jeder leistet auf eine bestimmte Art und Weise seinen Beitrag. Auch der Student, der weder Bund oder Sozialdienst geleistet hat, wird irgendwann in Wirtschaft oder Verwaltung zum Gelingen unseres Gemeindienstes beitragen. Aus Notwendigkeit oder Überzeugung.

Und ja, auch Politiker gehören dazu.

Irgend ein Zwangsdienst dagegen ist so überflüssig wie ein Raser auf der Autobahn.

"...Was haben SIE eigentlich für MEIN Land getan? Etwa in der Volksarmee gedient? Wow, hab' ich ja irre was von.."

Ach Herr Lenz, das ist IHR Land? Ich dachte immer, daß ist unser aller Land. Deutschland gehörte für mich schon immer zusammen, Ost und West. Und ja, ich habe in der NVA gedient, Grundwehrdienst 1,5 Jahre, und ich habe keine Lust dazu gehabt, aber es hat mir nicht geschadet und mich erwachsen gemacht. Ich hatte leider nicht das Privileg, im Freien Westen aufzuwachsen und wie Sie, die Demokratie in den Schoß gelegt zu bekommen. Ich habe dafür streiten und Angst haben müssen und am Abend des 9.11.89 mit einem verdammt mulmigen Gefühl am Grenzübergang Warschauer Str. in den Lauf einer Kalaschnikow von dem DDR-Soldaten vor mir schauen müssen. Und ich wußte nicht, wie es endet, ob nicht doch der Schießbefehl kommt. Ich stand in der ersten Reihe, die hätte dran glauben müssen. Da gehörte echter Mut und Kampfgeist dazu, Eigenschaften, die viele Westdeutsche noch lernen müssen.

Da haben ja H. Kuban, Fr. KGE, F. Baerbock, F. Lang H. Kühnert u.a. ja noch Zeit ihren Abschuss zu machen.
Im übrigen gab es keinen Zivieldiest in der DDR. Der wurde für wohlstandsverwöhnte Helldeutsche eingeführt.
Mit freundlichen Grüßen aus der roten Rammelo Republik

... beipflichten. Wir hatten mal einen, der uns (verkappte Einzelkämpfer-Ausbildung in "Bayrisch-Kongo") nach oben wegtreten ließ (= Bäume hoch). Ich konnte wenigstens zum Ausgleich ab und zu abends (mit einem Architekten zusammen, während die meisten beim Schafkopfen und Biersaufen waren) das Theater in Straubing besuchen.
Zwei Ausbildungswochen (ungeschönt) für alle PolitikerInnen ... dann wäre das "Kriegsgeschrei" relativ schnell verstummt...

Christa Wallau | Do., 16. Juni 2022 - 08:54

Boten ankreiden sollte, darf man auch eine vernünftige Maßnahme nicht deshalb verurteilen, weil sie von einem vertreten wird, der viel Mist gebaut hat.
Kurz: Die allgemeine Dienstpflicht als muß man unabhängig von dem Heuchler Steinmeier betrachten.
Selbstverständlich darf eine Dienstpflicht nicht als billiger Ersatz für ein personell miserabel ausgestattetes Pflegesystem dienen.
Der dort seit Jahren bestehende dringende Handlungsbedarf muß vorher erfüllt werden!
Aber der Gedanke, daß jeder junge Mensch in Deutschland sich aus Solidarität mit seinen Mitbürgern 12 Monate seines Lebens für die Gemeinschaft zur Verfügung stellt, ist und bleibt eine gute, vernünftige Idee. Sie trägt sehr zur Gleichstellung bei, weil eben a l l e - Begüterte und Arme, Menschen ohne und mit Migrationshintergrund - hier zur Mit-Verantwortung für das Gemeinwesen herangezogen würden. Wie ich bereits an anderer Stelle schrieb: Es dürfte dabei keine Ausnahmen u. Bevorzugungen geben!

Wir sind bereits das Land mit den höchsten Steuern, der längsten Lebensarbeitszeit, den höchsten Energie- und Lebenshaltungskosten, mit einem der geringsten Median-Vermögen der EU, wir werden durch verblödete MINT-Fächer-abholde, infantilisierte Polit-Idioten mit willkürlichen krankmachenden Corona-Maßnahmen kujoniert, wir werden genötigt, gezwungen, uns eine ausgewiesene Giftbrühe mit ausschließlich gesundheitsschädlichen bis tödlichen Nebenwirkungen injizieren zu lassen, wir werden diffamiert, geschulmeistert und verhöhnt, die Zukunft unserer Kinder und Enkel wird kaputt gemacht, wir sollen hungern und frieren für die Freiheit ... und jetzt sollen wir für diese Verbrecher auch noch ein weiteres Jahr Lebenszeit opfern? NEIN! NEIN! Und nochmals NEIN! Ich war W15-Soldat, "Bürger in Uniform" aus Überzeugung, war Gymnasiallehrer, habe meinen Beitrag in der Industrie geleistet. Wollte meinen Lebensabend als Lehrer verbringen. - Aber heute: Kein Finger mehr krumm für dieses kaputte Land!

kann ich sehr gut nachvollziehen.
Alles, was Sie über die katastrophalen Fehlentscheidungen unserer Regierungen in den letzten Jahrzehnten schreiben, ist zutreffend:
Wir Bürger wurden und werden von ihnen verar...t!
Das weiß ich nicht erst seit gestern, und deshalb habe ich mich ja auch am Aufbau der AfD beteiligt.
Dennoch: Wer hier weiter leben will bzw. muß, weil er nicht auswandern kann,
braucht auch weiterhin einen Staat, in dem die Bürger ein Mindestmaß an Gemeinsinn entwickeln, damit es nicht zu einem totalen Gegeneinander und Chaos in Deutschland kommt, in dem nur die Bessergestellten sich noch in geschlossenen, bewachten Wohnanlagen (gated communities) geborgen und sicher fühlen können. Ich vermute mal, daß Sie zu dieser Gruppe von Leuten gehören.
Gemeinsinn ist und bleibt aber die Grundlage für jeden Staat, in dem es einigermaßen zivil zugehen soll. Wenn dieser Sinn nicht bewußt gefördert wird, und zwar bei a l l e n , die im Lande leben gleichermaßen, dann gute Nacht!

Ich kann auch Ihren Standpunkt nur zu gut nachvollziehen, weil er eigentlich meinem innersten Impuls entspricht! Ich komme aus einem ärmlichen Bauernhaus, unsere Eltern haben uns gelehrt, mit den Händen Land urbar zu machen. Ich bin heimat-verbunden, wie man es nur sein kann. Aber es ist zu spät. Die Schäden sind irreversibel. Die Zukunft für meine Kinder und Enkel in unserer Heimat ist kaputt. Die Brunnen sind längst vergiftet. Heute mache ich wieder mit meinen Händen Land urbar - aber sehr weit weg von Deutschland und den Deutschen, mit denen ich nichts mehr anfangen kann.

...werter Herr Schultheis.
Jedes Argument kann ich unterschreiben.
Soll doch Mal ein Klein Kevin oder Ricarda Lang direkt und sofort Vorbild sein.
Aber nicht mit der dicken Kohle im Hintergrund die monatlich fließt.
Und was jeder weiß ist, das unsere Politversager ihre Kinder oder Enkelkinder geschickt davor bewahren oder in gut Jobs unterbringen. Notfalls werden sie ins Ausland verfrachtet.
Nein, keinen Finger krumm machen für diejenigen die diesen Staat an die Wand fahren. Nein!!!

Christoph Kuhlmann | Do., 16. Juni 2022 - 10:00

sich einer der Architekten der Harz IV Reform erlaubt einfach mal die von Unterrichtsausfällen geplagte Jugend mit ca. 12 000 - 20 000 Euro Verdienstausfall durch ein "soziales" Jahr zu belasten. Auch viele Studenten leben unter- oder nahe der Armutsgrenze. Deren Zeit als Geringverdiener würde sich um ein weiteres Jahr verlängern.

Karl-Heinz Weiß | Do., 16. Juni 2022 - 10:14

Ich gebe dem Autor recht: Steinmeiers Weltbild gründet unverändert auf dem des SPD-Aufsteigermilieus der 70er Jahre. Die Zeiten haben sich aber geändert. Trotz Studium und hoffentlich gutem Einkommen ist für Paare in der Familienphase Immobilienerwerb dank der EZB-Politik der vergangenen Jahre zunehmend illusorisch. Mit dieser Klientel sollte der Bundespräsident öfters reden.

Dr.Andreas Oltmann | Do., 16. Juni 2022 - 10:15

Bin kein Sympathisant von Steinmeier. Aber hier hat er mal eine gute Idee gehabt und auch die richtigen Argumente. Täglich erlebe ich einen zunehmenden Egoismus und Rücksichtslosigkeit, beim Einkaufen, im Verkehr, in den Öffis. Und die eigene Befindlichkeit ist, politisch gefördert, das oberste Gut.
Eine allg. Dienstpflicht soll nicht den Personalmangel in der Pflege beheben, kann aber helfen. Eine Wehrpflicht soll nicht eine Berufsarmee ersetzen, aber die Möglichkeiten der Selbstverteidigung erhöhen, die Freiwilligen in der Ukraine beweisen es gerade.
Die Forderung, alle Leistungen in unserer Gesellschaft müßten freiwillig und gegen angemessene Bezahlung erfolgen, ist falsch.
Einmal im Leben einen persönlichen Einsatz von jedem Staatsbürger zu verlangen, der ansonsten bezgl. Bildung und Selbstverwirklichung alle Chancen dieses Staates (und letztlich der Bürger und Steuerzahler) selbstverständlich in Anspruch nimmt, ist nicht Zuviel verlangt. Abgesehen von den pers. Erfahrungen.

Günter Johannsen | Do., 16. Juni 2022 - 10:31

dass sie ausgerechnet von BP Steinmeier kommt, ist schon sehr merkwürdig:
1. Der Bundespräsident wurde nicht vom Volk gewählt, deshalb ist er für mich nicht akzeptabel. Die Mehrheit im Volk wollte ihn nicht! (Wer bestimmt eigentlich die Persönlichkeit*innen in der Bundesversammlung?)
2. Steinmeier ist kein Präsident des Volkes, denn er hat das höchste Amt der Bundesrepublik mehrmals beschädigt: ... z.B. als er die RAF-Terroristin Gudrun Ensslin in der Reihe großer Frauen Deutschlands nannte, hatte er die rote Linie überschritten. Nun bleibt ihm nur noch eines: RÜCKTRITT! DAS wäre für das BP-Amt gut!
Nicht nur den Jugendlichen würde ein Soziales Pflicht-Dienstjahr gut tun, sondern auch unseren sozialen Einrichtungen: Heilpädagogische WGs der Jugendhilfe; Krankenhäuser, Pflege- und Altenheime! Außerdem wäre es doch auch ein guter Ausgleich für´s Schuleschwänzen bei "Fridays for Future"!

Jens Böhme | Do., 16. Juni 2022 - 10:32

Wählen mit 14 oder 16 Jahre dürfen/sollen Jugendliche, ihren Lebensweg selbst bestimmen hingegen nicht. Mit 14 Jahre dürfen/sollen Jugendliche ihr biologisches Geschlecht per Zuruf selbst ändern, als Gegenleistung werden sie in der Pflege zwangsverpflichtet. Sicherlich kennen nicht alle Jugendlichen den Pflegealltag aus eigener Familiensituation. Den kann man aber auf anderem Weg kennenlernen, als in der Pflege für begrenzte Zeit zwangsverpflichtet zu werden. Die Krankmeldungen der Zwangsverpflichteten hat anscheinend niemand auf dem Schirm.

Thorwald Franke | Do., 16. Juni 2022 - 11:01

Der eigentliche Sinn einer Wehrpflicht liegt darin, das Todesrisikio im Krieg möglichst gerecht auf alle Bürger zu verteilen. Dieses Grundprinzip kann unmöglich mit anderen Dienstpflichten vermengt werden. Denn was würde das im Ernstfall bedeuten? Es würde bedeuten, dass die einen zum (potentiellen) Sterben abkommandiert werden, die anderen jedoch nicht.

Sämtliche "Erleichterungen" rund um die Wehrpflicht wie z.B. leichtes Verweigern (früher) oder soziales Jahr statt Bundeswehr (jetzt angedacht) entpuppen sich als lächerlich und undurchführbar, wenn man sich die konkrete Kriegssituation vorstellt. Man stelle sich vor, wir stünden im Krieg wie die Ukraine! Die Stimmung würde sofort kippen.

Aber das alles sind vernünftige Überlegungen. Vernunft und ihre Resultate sind nicht gern gesehen in einer Wohlfühlgesellschaft, die von Traumtänzerei zu Traumtänzerei tappt. Ja, es ist Dekadenz.

Hans Jürgen Wienroth | Do., 16. Juni 2022 - 11:12

In Ihrem Kapitel „DIE Jugend lebt nicht nur in Bullerbü“ beschreiben Sie im 2. Absatz Probleme, die z. T. durch die „Liberalisierung“ entstanden bzw. auf die gesellschaftlichen Veränderungen zurückzuführen sind. Welche sozialpolitische Reform soll die Armut beseitigen, wenn diese am Durchschnittseinkommen gemessen wird. Ein Kommentar in unserer Zeitung sagte aus, dass sich die Zahlen der Schulabgänger ohne anschl. Aktivität (Schule, Ausbildung etc.) verdoppelt hat, Schule gab diesen Jugendlichen Struktur.
Unser Sozialstaat wird immer mehr gefordert und die Leistungsbereitschaft sinkt. Wie viel Wohlfühlgesellschaft können wir uns leisten, wenn die Ansprüche immer weiter wachsen? Heute wird von der Schule erwartet, dass sie, neben den schulischen Anforderungen, auf die Probleme des Alltags vorbereiten. Dabei wird der Generation Z von Eltern und Großeltern erklärt, zunächst das Leben zu genießen. Passen dazu Freiwilligendienst, Pflege oder Handwerk, die Leistungsbereitschaft erfordern?

Ernst-Günther Konrad | Do., 16. Juni 2022 - 11:28

Ein sehr guter Artikel als Gegenstück zu Herr Krischkes Aussagen. In beiden Artikeln gibt es durchaus überlegenswerte Gedanken und Sichtweisen. Vielleicht sollte man hergehen und die Diskussion zwischen Dienstpflicht im Allgemeinen und dem Wehrdienst im Besonderen trennen. Ein sog., soziales Jahr wäre sicher richtig und wichtig, aber nur, wenn die Politik zeitgleich ihre Hausaufgaben macht und die brisanten unterbesetzten Berufe in der Pflege parallel dazu deutlich auffüttert und die Dienstpflichtigen als Ergänzung und nicht als Ersatz sieht.
Was die BW anbetrifft braucht es Wehrhaftigkeit durch gut ausgerüstetes und personell ausreichendes Personal. Nur sollte man erst einmal die Debatte darüber führen, welchen Stellenwert die BW künftig in der Gesellschaft und vor allem der Politik haben soll. Bislang wurde die BW ausgezehrt und in Verruf gebracht wegen ein paar wenigen Idioten, die man in allen Berufsfeldern findet. Was für eine Armee will man haben? Roboter oder Selbstdenkende?

für den sehr gut durchdachten Kommentar. Ich kann in allen Punkten mitziehen.
" ... welchen Stellenwert die BW künftig in der Gesellschaft und vor allem der Politik haben soll. Bislang wurde die BW ausgezehrt und in Verruf gebracht ... "
Das gleiche trifft auch auf unsere Polizei zu. Selbst im TV (Tatorte u.a.) werden die Polizei-Beamten immer öfter als Luschen und mit privaten Problemen behaftet dargestellt. Ist das so gewollt? a.) von wem? b.) warum - mit welchem Ziel? Reicht es nicht, wenn im Internet und in den Leipziger Aufmärschen der linksextremen Antifa-Indymedia "die Bullenschweine" diffamiert, diskreditiert und zum Verprügeln freigegeben werden? Das wird mit solchen miesen Darstellungen unserer Polizei in den ÖR-Medien noch unterstützt?
Jetzt muss man mal genauer hinschauen, welches Klientel sich in den gutbezahlten ÖR-TV-Jobs sein Sesselchen sichern konnte!
Gut tut sowas unserer Demokratie nicht. Ist das auch Absicht? Könnte man denken!

Albert Schultheis | Do., 16. Juni 2022 - 12:43

Vor 45 Jahren war ich W15-Soldat und habe meinen Eid auf die Verfassung der BRD aus Überzeugung geleistet. Der "Begriff Bürger in Uniform" war mir eine Ehrenpflicht. Spätestens 2015 hätte mich dieser Eid dazu genötigt, mit militärischen Mitteln gegen die Gesetzes- und Verfassungsbrecherin Merkel vorzugehen, weil sie unser Land mit uns feindlich gesinnten Menschen geflutet und die Demokratie der BRD mit ihrem "unverzeihlich!", "das muss rückgängig gemacht werden!" Zerstört hat. Meinen Kindern habe ich damals dringend angeraten, keinen Beruf zu wählen, der sie von diesem korrupten und demokratiefeindlichen Staat abhängig macht! Stattdessen sollten sie Fremdsprachen lernen, in ihren Berufen Wissen und Können ansammeln, damit sie jederzeit ihre Heimat verlassen könnten, um im Ausland ihr Brot zu verdienen. Kein Beitrag mehr für die verkommenen, verblödeten und infantilen Herrscher Deutschlands, die sich über 17 Jahre systematisch und mit voller Absicht de-legitimiert haben!

Wolfram Fischer | Do., 16. Juni 2022 - 20:04

Ich greife hier nur einen Nebenaspekt auf, weil damit so viel Unsinn getrieben und argumentiert wird.
Zitat:
"Dabei werden laut dem Paritätischen Wohlfahrtsverband rund 2,8 Millionen Minderjährige in Deutschland trotz sozialpolitischer Reformen als arm eingestuft,"
Wie aber ist "arm" denn definiert?
Lt. EU-Definition liegt die Armutsgrenze bei 60 Prozent des mittleren bedarfsgewichteten Nettoeinkommens der Bevölkerung in Privathaushalten.
Aha. Wenn es also einige Superreiche mehr gibt, weswegen natürlich der Durchschnitt steigt, gibt es nur genau deswegen auch einige mehr "Arme" - obwohl sich an deren Lebenssituation wegen der Neu-Existenz von ein Superreichen ja nullkommanull geändert hat.
Eine solche Definition ist daher Schwachsinn, mit dem sich zwar prima (im Normalfall linksideologisierte) Politik machen lässt, aber den Intellekt denkfähiger Menschen beleidigt.

Hans Schäfer | Fr., 17. Juni 2022 - 11:05

Verblödete Herrscher*innen kommen durch uns verblödeten Wähler*innen an die Macht. Zu den verblödeten Wähler*innen gehören nicht nur Hauptschulabrecher*innen.
Diese verblödeten Herrscher*innen erlassen Regeln, aus denen sich dann verblödete Wähler*innen die raussuchen, die sie ihrem Weltbild zur Folge als beachtenswert betrachten. Regelungen, die dem Weltbild nicht entsprechen, sind in ihren Augen für die kruppstahl Gestärkten gedacht.
Notfalls entsprechen sie nicht den Werten.
Werte, die die verblödeten Herrscher*innen von verblödeten Wähler*innen verlangen (TH-LT, Cum ex, Dr.-T) selbst nicht beachten.
Das ist alles andere als lächerlich!
Was ich mich Frage: Wer soll, wenn wir in einen militärischen Konflikt hineingezogen werden, die Stirn hinhalten, die abgebrochenen Schulabsolventen*innen?
Um nicht dem Verdacht der Diskriminierung ausgesetzt zu werden, bitte ich die Nennungen von Herrscher*innen, Wähler*innen, jeweils mit Diverse -*innen passt da wohl nicht? - zu ergänzen

Martin Falter | Fr., 17. Juni 2022 - 13:15

Elche waren früher selber welche.

Steinmeier und aber auch unser Staat insgesamt, quetscht uns und vorallem die Jugend und damit unsere Zukunft immer schamloser aus. Kinder kriegen, Eltern versorgen und dabei noch schön Steuern zahlen und sozial Dienst machen. Für Normalos wird es immer schwerer und Politiker und ihr Nachwuchs können nicht verstehen warum alles so schwer sein soll.