Klimastreik - Warum verhängen die Schulen kein Bußgeld, Herr Piazolo?

Vor zwei Tagen hatte Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) Schülern noch mit einem Bußgeld gedroht, wenn sie am Klimastreik teilnehmen. Jetzt rudert er zurück. Weil die Schulen Angst haben, eine Sache zu sanktionieren, die von der Politik für „gut“ befunden wird?

20.09.2019, Nordrhein-Westfalen, Köln: Jugendliche demonstrieren am Rhein bei der Friday for future Demonstration für einen besseren Klimaschutz. Die Demonstranten folgen dem Aufruf der Bewegung Fridays for Future und wollen für mehr Klimaschutz kämpfen. Sie wollen damit die Streik- und Protestaufrufe in der ganzen Welt unterstützen.
Schule schwänzen für ein Sonnenbad ? Der Klimastreik lockte Tausende Jugendliche auf die Straßen / picture alliance

Autoreninfo

Antje Hildebrandt hat Publizistik und Politikwissenschaften studiert. Sie ist Reporterin und Online-Redakteurin für CICERO.

So erreichen Sie Antje Hildebrandt:

Herr Piazolo, seit Monaten schwänzen Schüler bundesweit den Unterricht, um freitags für mehr Klimaschutz zu streiken. Jetzt haben Sie die Schulleiter in Bayern aufgefordert, Sanktionen wie ein Bußgeld oder Schulverweise zu verhängen. Warum?
Meine Position hat sich nicht verändert. Ich begrüße sehr, dass sich die Schülerinnen und Schüler politisch engagieren – gerade bei einem so wichtigen Thema. Aber wir haben nun mal eine Schulpflicht, nicht nur in Bayern, auch in den anderen Bundesländern. Deshalb gilt: Wer demonstrieren möchte, sollte dies außerhalb der Unterrichtszeit tun. Für Schüler, die während des Unterrichts demonstrieren, sieht das Gesetz eine Reihe von Maßnahmen vor, die im Verantwortungsbereich der Schulleiter liegen. Ich habe den Eindruck, dass unsere Schulleiter in den vergangenen  Monaten sehr angemessen reagiert haben.

In welcher Form?
Das Schulgesetz sieht pädagogische und erzieherische Maßnahmen vor. So gibt es in vielen Fällen Projektunterricht zu den Themen des Umweltschutzes. Ebenso gibt es die Möglichkeit, den ausgefallenen Unterricht nachzuholen oder auch einen Verweis zu erteilen. 

Hat es schon Verweise gegeben?
Ja, wobei ein Verweis kein Verweisen der Schülerin oder des Schülers von der Schule ist. Es handelt sich um einen schriftlichen Hinweis an die Schülerinnen und Schülern und deren Eltern. Es wird sehr viel über das Thema gesprochen innerhalb der Schulfamilie. Es gibt Eltern, die sich an die Schule wenden und gemeinsam nach einer Lösung suchen. Auch die Schülerinnen und Schüler suchen immer häufiger das Gespräch.

Über die Konsequenzen fürs  Schulschwänzen?
Ja, und das durchaus mit Erfolg. In vielen Fällen hat man sich darauf geeinigt, dass die Demonstrationen außerhalb der Schulzeit stattfinden.

Gab es schon Bußgelder?
In Bayern nicht.

Kein Wunder. Die gibt es nur bei unentschuldigtem Fehlen. Wer schlau ist, lässt sich von seinen Eltern eine Entschuldigung schreiben. 
Mag sein, dass dies eine theoretische Möglichkeit ist, aber es würde dem widersprechen, was uns in der Schule wichtig ist: gegenseitiges Vertrauen. Es ist fraglich, ob die Eltern damit ein gutes Vorbild abgäben. Aber auch da habe ich wahrgenommen, dass Eltern eher das Gespräch suchen und man versucht, sich gegenseitig zu überzeugen und eine Lösung zu finden, die allen entgegenkommt.

Sie meinen, die Eltern versuchen, die Lehrer zu überzeugen?
Ja, die einen Eltern unterstützen das Engagement ihrer Kinder, die auf die Demonstration gehen wollen. Die anderen machen sich eher Sorgen. Letztere vertrauen darauf, dass die Kinder während der Unterrichtszeit in der Schule sind. Man versucht dann, eine Lösung zu finden, die allen entgegenkommt. Und die gibt es auch. So zum Beispiel Demonstrationen, die bewusst in die Zeit nach dem Unterricht gelegt wurden.

Fridays for Future ist aber gerade deshalb so erfolgreich geworden, weil die Bewegung mit dem Reiz des Verbotenen spielt. Kämpfen Sie  vor diesem Hintergrund nicht einen aussichtslosen Kampf?
Mir haben Mitglieder von Fridays for Future gesagt, sie begingen den Regelverstoß, um Aufmerksamkeit in den Medien zu bekommen. Das ist auch gelungen. In den ersten Wochen hat man allerdings beinahe mehr über die Verletzung des Schulgesetzes geredet als über das eigentliche Anliegen. Aber die mediale Aufmerksamkeit ist jetzt da. Die Schüler werden auch zur Kenntnis genommen, wenn sie außerhalb des Unterrichts demonstrieren. Ich persönlich glaube, dass man auf diesem Weg sogar eine höhere Legitimationskraft erlangt.

Die Veranstalter der Demonstrationen argumentieren damit, dass es um ihre Existenz geht. Was ist wichtiger, Klimaschutz oder ein Unterrichtstag?
Beides ist wichtig. Ich kann voll nachvollziehen, dass der Klimaschutz für viele Schüler von fundamentaler Bedeutung ist. Deshalb haben wir in den vergangenen Jahren diese Thematik immer verstärkter in den Unterricht aufgenommen. Das erfolgt schulartspezifisch und abhängig vom Alter in unterschiedlichen Fächern. Beispiele wären unter anderem Biologie, Geographie oder Sozialkunde. An den Gymnasien beschäftigen sich zudem immer mehr unserer Projektseminare der Oberstufe mit Themen des Klima- und Umweltschutzes.  

 

Michael Piazolo / picture alliance
Michael Piazolo / picture alliance

Aber wie wollen die Schulen ein Bußgeld verhängen, wenn sie nicht wissen, ob die Schüle den Unterricht wegen der Demos geschwänzt haben?
Ein Bußgeld für die Teilnahme an den Klimastreiks steht nicht im Fokus. Schule ist eine pädagogische Einrichtung. Lehrerinnen und Lehrer suchen das Gespräch und ergreifen pädagogische Maßnahmen. Genauso kennen Schulleiter die Möglichkeiten der gesetzlich vorgeschriebenen Ordnungsmaßnahmen und wissen entsprechend zu reagieren.

Aber Sie haben in Zeitungsberichten selber von Bußgeldern gesprochen. Warum rudern Sie jetzt zurück?
Keinesfalls. Ich habe in Interviews über die Bandbreite von Ordnungsmaßnahmen gesprochen. Ich wurde gefragt, ob dazu auch Bußgelder gehören. Diese Frage habe ich bejaht.

Sind Sie gegen ein Bußgeld?
Ich halte mich bewusst damit zurück, den Schulleitern  vorzuschreiben, wie sie auf Verstöße zu reagieren haben. Damit würde nämlich auch ich einen Verstoß begehen, schließlich ist rechtlich klar geregelt, dass ein Schulleiter hier eigenverantwortlich und souverän entscheidet. Unsere Aufgabe ist es, die Schulleiter nicht alleine zu lassen und zu beraten, und auch in der Abstimmung der Schulen untereinander zu unterstützen. Wichtig ist immer der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit mit Blick auf den Einzelfall, den der Schulleiter vor Ort am besten kennt.

Ihre baden-württembergische Kollegin Susanne Eisenmann (CDU) war die erste Kultusministerin, die sich offen für Bußgelder ausgesprochen hat. Warum haben sich die Kollegen aus den anderen Bundesländern in dieser Frage noch nicht positioniert?
Wir haben uns darüber in der Kultusministerkonferenz ausgetauscht. Ich hatte den Eindruck, dass die Kollegen eine ähnliche Linie verfolgen. Natürlich ist es möglich, dass unterschiedliche Minister auch unterschiedliche Schwerpunkte setzen.

Hängt das davon ab, ob das Land  – wie Baden-Württemberg – von Grünen mitregiert wird?
Ich würde es nicht so zuspitzen. Mein Eindruck war, dass wir vom Grundsatz nicht weit auseinanderliegen. Zum einen wäre es ja auch seltsam, wenn Kultusminister nicht sagen würden, sie freuten sich, wenn Schüler politisch aktiv werden. Zum anderen müssen wir sicherstellen, dass der Unterricht gewährleistet wird. Denn wir tun sehr viel, um diesen Unterricht sicherzustellen.

Nachdem Susanne Eisenmann sich für Bußgelder ausgesprochen hatte, hatte die Stadt Mannheim die bereits angekündigten Sanktionen gegen einige Gymnasiasten wieder zurückgezogen. Es hatte bundesweit Proteste dagegen gegeben. Kann es sein, dass sich jetzt  kein Kollege mehr traut, die Schulen zu ermutigen, Bußgelder verhängen zu lassen?
Nein, das glaube ich nicht. In Bayern regelt der Artikel 86 im Schulgesetz die Ordnungsmaßnahmen. Darin ist ein Satz ganz wichtig: „Alle Maßnahmen werden nach dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit ausgewählt.“ Das heißt, der Anlass und das Mittel müssen in einem Verhältnis zueinander stehen. Ich glaube, das ist der Grund, weshalb in Bayern und in den anderen Ländern noch kein Bußgeld verhängt worden ist.

Wäre es nicht auch ein Offenbarungseid, wenn ein Schulleiter zugeben müsste, dass er ein Bußgeld beantragen muss, weil er mit pädagogischen Maßnahmen keinen Erfolg gehabt hat?
Der Begriff der Schulfamilie ist hier wohl der passendste. Man versucht die Dinge möglichst einvernehmlich zu regeln und Verständnis füreinander zu gewinnen. Ich habe den Eindruck, dass die meisten Schüler schon an Unterricht interessiert sind und um dessen Wert wissen. Fridays for Future ist nach meiner Auffassung auch keine Provokation der Schulen. Es ist ein Zeichen, dass viele in der Politik in den vergangenen Jahren nicht genug gemacht haben für den Klimaschutz. Das sollte man unterscheiden, und auch weil es eben nicht gegen die Schulen gerichtet ist, gelingt es vielen Lehrkräften und Schulleitungen, hier eine gewinnbringende Gesprächskultur aufzubauen.

Aber von den 1,7 Millionen Schülern in Bayern gehen freitags tausende während des Unterrichts auf die Straße. Das sind doch tausende Verstöße gegen das Schulgesetz.
Es ist sehr schwer, hier Zahlen zu fassen, zumal nicht nur Schülerinnen und Schüler demonstrieren und die Veranstaltungen nicht jeden Freitag stattfinden. Von daher könnten wir hier nur schätzen. 

Kritiker der Bewegung sagen, die Schulleiter drückten beide Augen zu, weil sie das Anliegen von Fridays for Future unterstützen. Gibt es gute Gründe, gegen das Schulgesetz zu verstoßen – und schlechte Gründe?
Da sprechen Sie ein wichtiges Thema an. Es gilt die Schulpflicht, da darf nicht die Frage nach einem guten oder einem schlechten Streik gestellt werden. Dann würde sich nämlich sehr schnell die Frage stellen: Wer entscheidet, was eine gute oder eine schlechte Demonstration ist? Diese Aufgabe können wir keiner Lehrkraft und keinem Schulleiter aufbürden. Das ist auch nicht die Aufgabe eines Ministers. Wir haben in den Schulen ein Neutralitätsgebot, das wir einhalten müssen. Für solche Fragen haben wir ein Gesetz und das sagt: Es gilt die Schulpflicht.

Würden die Schulleiter auch beide Augen zudrücken, wenn sich die Demonstrationen von Rechten gegen die Migrationspolitik der Bundesregierung veranstaltet würden?
Ich glaube nicht, dass unsere Schulleiterinnen und Schulleiter beide Augen zudrücken. Im Gegenteil. Sie halten ihre Augen sehr offen und ziehen die nötigen Konsequenzen. Es handelt sich hier um erzieherische Maßnahmen. Die Bandbreite ist hier groß und wird angemessen eingesetzt. Entscheidend für den pädagogischen Nutzen ist, dass man sie erklärt.

Petra Führmann | Fr, 20. September 2019 - 16:19

nichts als eine momentane Mode, man fühlt sich gut, auf der richtigen Seite, hat plötzlich Macht, braucht nicht zur Schule zu gehen... wobei ich keinesfalls meine, dass mit unserer Erde nicht schonender umgegangen werden muss. Allerdings auf andere Weise als die, was unsere tolle Regierung jetzt wieder ausgeheckt hat: Den Bürger zu schröpfen. Ich sagte es schon: Ich werde das Gefühl nicht los, von sehr vielen Geisteskranken oder intellektuell Minderbemittelten umgeben zu sein.

Christa Wallau | Fr, 20. September 2019 - 16:54

Wenn die "Schulfamilie" demnächst geltendes Recht an jeder Schule individuell mißachten darf, dann Gnade uns Gott!
Ich stelle mir eine Schule in Neukölln vor, die als "Familie" dafür plädiert, daß die Prügelstrafe wieder eingeführt werden soll, nachdem zig-tausende Türken (Männer, Frauen, Kinder) in "Thursdays-for-Education"- Märschen monatelang für dieses Ziel protestiert haben.

Die Angst vor klarem, eindeutigem Vorgehen
g e g e n illegale, militante Minderheiten hat inzwischen alle staatlichen Organe erfaßt. Daher konnten sich zum Beispiel die Familien-Clans und kriminelle Organisationen aller Art in Deutschland so massiv verbreiten.
Wer ruhig u. gesetzestreu seiner Arbeit nachgeht - dessen Interessen spielen keine Rolle mehr, der wird beim kleinsten Vergehen bestraft. Nur aufgepeitschte Krakeeler bestimmen die Politik, es sei denn: sie sind "Rechts"! Dann drohen ihnen soziale Ächtung und härteste Sanktionen. Solches "Pack" darf natürlich niemals als "Familie" agieren!

die Bestimmungen und Gesetze sind da, aber man scheut die Auseinandersetzung, welche ihre Anwendung eventuell mit sich bringen könnte.
Deshalb zieht der Schulleiter lieber den Kopf ein und lässt es passiv geschehen. Und die Reaktion der höheren Stellen und Ministerien gibt ihm Recht.
Dem wäre nicht so, wenn jeder Schulleiter, der duldet, dass die Schulgesetze missachtet werden, selbst mit Strafe rechnen müsste, oder noch besser mit dem Verlust Pensionsanspruchs.
Aber merkwürdigerweise ist es nicht so. Kein Schulleiter muss offenbar mit Konsequenzen gegen sich selbst rechnen, wenn er einfach nur passiv bleibt.

Es agieren nicht nur arglose Schüler, sondern auch professionelle Weltbeglücker und PDS-Revanchisten, die einen Systemwechsel erzwingen wollen. Menschen, die linksradikales Gedankengut verbreiten wollen, sind die Hauptakteure. Sie fordern den Systemwechsel: „Vorwärts und nicht vergessen“: wir wollen zurück zum realen Sozialisdmus! Im großen Ablenkungsmanöver um den Hype Greta geht es nicht um den unbestrittenen Klimawandel (bestritten wird nur, dass er menschengemacht ist!), sondern um Ablenkung vom eigentlichen Ziel der Organisatoren. Erkennbar ist am roten Fahnenmeer, wohin die Reise der kommunistischen Einheitsfront tatsächlich gehen soll: "Vorwärts nimmer, rückwärts immer!"

Heidemarie Heim | Fr, 20. September 2019 - 16:58

Mir kamen während der Lektüre und den m.E. ausweichenden Antworten meine eigenen Schulunfälle in den Sinn, sowie unsere Trödeleien und Umwege zur und von der Schule und dem damals unerlaubten Entfernen vom Schulgelände, um über die nicht verkehrsberuhigte Straße den Stammkiosk mit den Süßigkeiten zu erreichen;-). Alles was im Ernstfall dazu geführt hätte, das die gesetzliche Unfallversicherung für Schüler und Lehrer die Schadenregulierung verweigern könnte. Habe die heutigen Vorschriften dazu noch mal kurz überflogen und festgestellt, das Kultusminister wie Schulleiter laut dessen ganz schön in einer Grauzone des Versicherungswesens wandeln. Denn die Schüler sind auf den Demos nur gesetzlich versichert,wenn der Besuch einer solchen Veranstaltung durch die Schulleitung explizit als zum Unterricht bzw.im weitesten Sinne von der Schule initiierten Aktivitäten (Ausflüge,ect.)ausgewiesen werden. Also DEMO
versus Schulpflicht/Verweis auf eigene Gefahr?
Deshalb diese seltsamen Antworten?

Günter Johannsen | Fr, 20. September 2019 - 17:21

Es war der schwedische PR-Unternehmer Ingmar Rentzhog, der Greta Thunberg als Aushängeschild für die Geschäfte seines Klima-Unternehmens „We don’t have Time“ nutzte, um Investoren anzulocken, ein Partner von Al Gores Climate Reality-Projekts. Es war die radikale Klimaschutzorganisation Extinction Rebellion, die Schulstreiks als Idee erstmals ins Spiel brachte und die es Greta Thunberg ermöglichte, ihre Rede auf dem UN-Klimagipfel zu halten.

Klaus Ramelow | Fr, 20. September 2019 - 22:13

In reply to by Günter Johannsen

Ist es nicht besonders ein Zeichen der mangelnden Unterrichtsgestaltung in unseren Schulen, wenn auch unsere Schüler den Unterricht so wenig "packend" empfinden, dass sie die Stimmung einer solchen DEMO als verlockender ansehen, als den im Unterricht gebotenen Stoff ?
Der Verzicht auf das Durchsetzen einer Schulpflicht stellt also auch einen Verzicht auf die Durchführung des ordnungsgemäßen Unterrichts dar, zu dem wir unsere Jugend den Schulen anvertraut haben.
Wie wollen die so verursachten Unterrichts-Defizite von den beauftragten Schulen gerechtfertigt werden ?
Dieses sollte selbst (also im eigentlichen Sinne ein selbst-ständiges) Denken - bei den Schülern und den Lehrern - nicht nur erlauben, sondern fördern !
Das Mitschwimmen auf einer solchen Welle mit der Möglichkeit sich so auch scheinbar politisch herauszustellen (nicht zu verwechsel mit profilieren), ist bei diesen DEMOs nicht zu übersehen !

Gerhard Schwedes | Fr, 20. September 2019 - 17:25

Unsere ganze Republik ist feige geworden. Da gibt es Schulen, die vor Schülern in die Knie gehen, einen Kultusminister, der das auch noch für gut befindet. Da beten alle Parteien und ViPs schön brav die Gendersprache nach, dass es einem den Magen umdreht. Da gibt es Wähler, die sich selbst in der Wahlkabine nicht getrauen, Protest zu wählen (Man kann ja nie wissen! Und im Freundeskreis mag man sich nicht verstellen). Da gibt es Eltern, die auf der Höhe der Zeit sein wollen und den Mädchen blaue Höschen und den Jungen rosarote Röckchen anlegen. Es gibt eine vom Familienministerium legitimierte Broschüre, die hinter Mädchen mit Zöpfen ein faschistisches Elternhaus vermutet und Feministinnen, die das Kopftuchtragen als einen Akt freier Selbstbestimmung deklarieren. Da gibt es Kirchentage, auf denen man inbrünstig für Terroristen betet und Workshops für "Vulven malen" und "Schöner kommen". - Aber es gibt kaum Bürger, die Einhalt gebieten wollen und rufen: Jetzt ist es aber genug!

und ich verstehe Sie vollkommen, weil es mir genau geht. Sie liegen ja so richtig mit allem, was Sie da aufzählen.
Aber hat man seinen Frust abgeladen, folgt die Ernüchterung, die eigentlich noch frustrierender ist als das Abladen. Man sieht wie völlig machtlos man ist. Man erkennt, dass man absolut nichts machen kann außer vielleicht im Cicero einen Kommentar schreiben.
Und man weiß genau, dass auch das rein gar nichts ändert.

Und genau da, bei Ihren letzten zwei Sätzen, liegt der Hase im Pfeffer.
So stelle ich mir das "Abgleiten" in die Totalität vor. Nicht nur jetzt, denn das wäre ja nicht das erste Mal. Es grault mich wieder einmal vor dieser speziellen Eigenschaft des deutschen Volkes!
Dagegen helfen auch keine siebzig Kommentare in einem gutmeinenden Forum wie diesem hier. Mit Distanzierungen und "klugen" Reden ist es nicht mehr getan!

Cecilia Mohn | Fr, 20. September 2019 - 17:28

Ja natürlich ist CO2 in der Luft und unsere Umwelt bedroht . Aber irgendwie kommt mir dieser Friday komisch vor. Einmal wird Schule geschwänzt, was definitiv nicht gut ist, denn der Lehrplan ist ohne Wegfall eines Freitags schon schwer zu schaffen usw. - aber ich habe noch weitere Bedenken. Die Politik unterstützt diese Bewegung. Da werde ich hellhörig, was soll denn das sein? Normalerweise setzt die "Straße" Dinge gegen den Willen der Obrigkeit in Bewegung. Nicht hier. Bekanntermaßen halten ja einige Parteien den Klimawandel für ein Märchen. Ganz besonders eine Partei, die jetzt im Aufwind ist. Die soll natürlich nicht noch mehr Anhänger bekommen, und schon gar nicht unter der Jugend. Also "inszeniert" man diesen Freitag. Und bewirken werden die ganzen Demonstranten gar nichts. Jedenfalls nichts fürs Klima. Nur, dass die Ideen einiger Konservativer immer weniger salonfähig werden. Mannomann.

Stefan Forbrig | Fr, 20. September 2019 - 18:40

In reply to by Cecilia Mohn

"…Bekanntermaßen halten ja einige Parteien den Klimawandel für ein Märchen. Ganz besonders eine Partei, die jetzt im Aufwind ist..."

Das ist eine falsche Behauptung. Nicht der Klimawandel wird angezweifelt, sondern daß dieser größtenteils menschengemacht ist und das wir in Deutschland diesen Klimawandel aufhalten könnten. Das ist ein großer Unterschied. Warum wird sowas immer wieder behauptet? Ebenso mit "Klimarettung" oder "Klimaschutz". Das Klima ist ein chaotisches System, ein statistisches Mittel. Sie können das Klima nicht schützen oder retten, Sie können höchstens die Umwelt retten oder schützen.
Wenn Sie eine klare Sprache einfordern, dann sollte diese auch benutzt und angewandt werden. Sowas regt mich auf…

helmut armbruster | Fr, 20. September 2019 - 17:56

Das machen aber die meisten Eltern heute nicht mehr. Vielmehr wollen sie der Kumpel ihrer Sprösslinge sein.
Diese machen so nie die Erfahrung, dass sie sich nach den gegebenen Umständen richten müssen und nicht die Umstände nach ihren Launen und Vorlieben.
Läuft es dann in ihrem späteren Leben anders als sie es sich gedacht hatten, dann folgt unweigerlich die große Enttäuschung und womöglich sogar ein verpfuschtes Leben. Sie haben ja nie die Erfahrung gemacht, dass es nicht so läuft wie sie es wollen.
Gute Vorbereitung auf das Leben sieht anders aus, also so wie es unser Zeitgeist z.Zt. vorgibt.

Gisela Fimiani | Fr, 20. September 2019 - 20:04

Dieser Minister präsentiert die politische Königsdisziplin: die Relativierung.
Hier werden viele Pelze gewaschen, doch niemand mit Nässe belästigt.
Selbstschutz (Schutz des eigenen Postens) ist die derzeit vornehmste „Politikerpflicht“.

Ernst-Günther Konrad | Sa, 21. September 2019 - 08:36

heisst ein altes christliches Sprichwort. Ich glaube Ihnen kein Wort Herr Piazolo. Selten ein solches Rumgeeiere gelesen, wie Ihre Aussagen in diesem Interview, da färbt der Wendehorst aber deutlich ab. Die Schulleiter sollen/dürfen/müssen selbstständig entscheiden? Seit wann das denn? Das Beamtenrecht kennt das Weisungsrecht und das wird mal so und mal so angewandt. Einen Erlass werden Sie sich sicher verkneifen. Es gibt aber so etwas wie Handlungsanweisungen. Möchte den Schulleiter sehen, der sich dem Konflikt mit dem Kumi aussetzt und dessen "Wünsche" oder "Empfehlungen" nicht umsetzt. Schulpflicht hin- oder her. Verhältnismäßigkeitsgrundsatz wird bei Behörden doch klein, ganz klein geschrieben. Der findet nur da statt, wo es politisch opportun ist. Erzählen Sie mir doch nichts. Jeder kleine Parksünder wird gnadenlos abgezockt. Ihr seht in den Eltern und Schülern Wähler bzw. künftige Wähler, denen handelt ihr nach dem Mund. Da passt ihr Euch als FWG aber gut an den grünen Söder an

heißt der Titel eines Buches. Sie haben Recht Herr Konrad.
Ein Tip zu den Parksündern: sollte ich Geld zahlen müssen wegen regelwidrigen Parkens, lege ich Widerspruch ein mit der Begründung, dass ich in Sachen Klimawandel unterwegs bin.
Denn in Mannheim hat das funktioniert, dort wurden die Bußgeldbescheide an die Schüler wegen Schulschwänzen ja zurück genommen.
Mit der Begründung Klimawandel ist alles erlaubt, so verstehe ich auch das Interview mit den nichtssagenden Antworten diese Phrasendreschers.

Hans-Jürgen Schulze | So, 22. September 2019 - 19:15

Es ist schon bezeichnend für die rot-grüne Färbung der Politiker.
Wenn selbst ein Kultusminister von seiner guten Ansicht vor Angst umfällt,was soll da noch an Gegenstimmen zu hören sein.Auch ich bin der Meinung dass die fachlich ausgebildeten Lehrer in naturwissenschaftlichen Bereichen verpflichtet sein müssten ihr Wissen den Schülern zu vermitteln.Leider habe ich das Gefühl das diese Fachlehrer selbst ihr Fach nicht beherrschen. Würden diese sonst noch bei diesen Streik´s mitlaufen oder diese für richtig halten?
Ich finde, mit den richtigen Worte kann man auch jüngere Streiker vom Sinn und Unsinn fachlich "bekehren" Stelle hier zum Beispiel
das hohe Vertrauen unserer Politiker (Brandenburg) die berechtigte Wahlmöglichkeit ab 16 Jahre dagegen. Soll eigentlich
heißen, sind diese Schüler schon politisch reif genug? Haben diese Schüler eventuell diese Fächer sogar abgewählt? Sind die Lehrer auch der heutigen Zeit entsprechend ausgebildet worden?