Gesinnungsterror in der Kita - Wie man die Linken von morgen erzieht

Eine vom Bundesfamilienministerium geförderte Broschüre gibt Erzieherinnen in Kitas Tipps, woran sie erkennen, ob Kinder aus rechtsextremen Elternhäusern stammen. Das Papier hat einen Sturm der Entrüstung entfacht. Kein Wunder: Es ist eine Anleitung zur Gesinnungsschnüffelei. Von Alexander Grau

Sind Zöpfe schon verdächtig? Bundesfamilienministerin Franziska Giffey unterstützt die Gesinnungsschnüffelei in Kitas / picture alliance

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Er veröffentlichte u.a. „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“. Im Oktober erscheint sein Essay „Kulturpessimismus. Ein Plädoyer“ bei zu Klampen.

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Ihre Tochter ist im Kindergartenalter? Sie ist gut erzogen, trägt ihr Haar gern in Zöpfen und liebt Kleider? Und sie macht gerne Handarbeiten? Das ist natürlich dumm, denn das macht Sie – also ihre Eltern – politisch verdächtig. Nicht ausgeschlossen, dass so ein Mädchen aus einem rechtsextremen, völkischen Elternhaus stammt. 

In diesem Fall muss der Kindergarten umgehend reagieren. Sicher ist sicher. Etwa mit Angeboten der Primärprävention, also mit Ansätzen aus der Vielfalt- und Demokratiepädagogik – zumindest, wenn man den Empfehlungen der Broschüre „Ene, mene, muh – und raus bist Du. Ungleichwertigkeit und frühkindliche Pädagogik“ der Amadeu-Antonio-Stiftung folgt, herausgegeben mit Unterstützung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Sind Zöpfe schon verdächtig? 

Dass das keine Realsatire ist, weiß man, seit das Apothekenblättchen „Baby & Familie“ im seiner Februarausgabe 2016 vor rechten Eltern in Kitas warnte und Heike Radvan, damals Leiterin der Fachstelle Gender und Rechtsextremismus der Amadeu-Antonio-Stiftung, mit den Worten zitierte, dass Kinder rechter Eltern manchmal erst nach längerer Zeit auffielen, „weil sie sehr still und sehr gehorsam sind“.

Radvan, inzwischen Professorin an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg, gehört selbstredend ebenso zu den Mitautoren von „Ene, mene, muh“ wie die Diplom-Sozialarbeiterin Eva Prausner, die seinerzeit in „Baby & Welt“ akkurat geflochtene Zöpfe und lange Röcke als Hinweis für Eltern mit rechter Gesinnung ausmachte. Zöpfe scheinen in der Gedankenwelt der genderbunten Kämpfer*innen der Amadeu-Antonio-Stiftung ein echtes Problem zu sein.

Gesinnungsschnüffelei in der Kita 

Warum das so ist, ist klar. Denn um Demokratiebildung oder gar das Kindeswohl geht es den Aktivisten mitnichten. Unter dem Deckmäntelchen des Kampfes gegen rechts soll vielmehr endgültig eine linke Erziehungsagenda in die Kindergärten Einzug halten. Die Schlagworte lauten: Genderpädagogik, Migrationspädagogik, Pädagogik der Vielfalt und Demokratiepädagogik.

Unter diesen harmlos wirkenden Parolen soll Kindergartenkindern, also den Wähler von morgen, die richtige Gesinnung anerzogen werden. Multikulturalismus, Genderideologie und die reichlich angestaubten Vorstellungen antiautoritärer Erziehung werden zu Leitlinien deutscher Kindergartenpädagogik ernannt. Eltern, die sich dagegen wehren, laufen Gefahr, als Träger rechter Gesinnung gebrandmarkt zu werden. Genau das aber kann zu einem echten Problem werden: privat, gesellschaftlich, beruflich.

Ist es schon sexistisch, wenn Mama kocht?    

Da vielen Menschen dieser Preis zu hoch ist und der Anlass vergleichsweise nichtig, nehmen viele Mütter und Väter die ideologische Indoktrination ihrer Sprösslinge zähneknirschend in Kauf und hoffen einfach, dass sie an den Kindern ohnehin vorbeigehen wird. Eine verständliche Reaktion, schließlich hat man andere Sorgen.

Und so kommt es schließlich, dass eine Minorität linker Ideologen die Diskurshoheit auf dem Schlüsselgebiet der Kindererziehung gewinnt. Abschließend muss man nur noch dafür sorgen, dass auch wirklich alle Kinder in einen Kindergarten gezwungen werden. Wer weiß, was sie sonst zu Hause alles mitbekommen. Am Ende kocht Mama das Essen, und Papa kommt abends von der Arbeit nach Hause. Das ist schließlich Sexismus pur.

Der Kampf um die Mitte 

Man kann eine Handreichung wie „Ene, mene, muh“ als Albernheit verwirrter politischer Sektierer abtun. Und natürlich ist sie ein Zeugnis erbärmlicher Gesinnungsschnüffelei. Dass hier zudem im Namen des kindlichen Rechtes auf eine eigene Meinung abweichende Meinungen verfolgt werden, sei nur am Rande erwähnt.

Denn das wirkliche Problem liegt woanders: Das Papier gibt vor, auf die rechtspopulistischen Herausforderungen der Gesellschaft zu reagieren. Doch das ist Augenwischerei. Tatsächlich zielt das Papier der Amadeu-Antonio-Stiftung nicht auf den rechten Rand der Gesellschaft, sondern auf deren Mitte. Hier soll die Deutungshoheit und das Meinungsmonopol darüber errungen werden, was als legitime politische Haltung zu gelten hat und was nicht. Denn wenn die bürgerliche Mitte gelernt hat, linke Positionen als einzig opportune zu akzeptieren und sich nicht mehr traut, ihre berechtigten Anliegen zu artikulieren, dann – so das berechtigte Kalkül – ist der ideologische Kampf gewonnen. In diesem Sinne ist „Ene, mene, muh“ tatsächlich ein brisantes Papier.

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