Dröge
Katharina Dröge / picture alliance | Andreas Gora

Katharina Dröge auf Evitas Spuren - Die Grünen fordern gegen die Inflation eine inflationierende Politik

Mit neuen Forderungen nach sozialstaatlichen Gaben machen die Grünen der Linkspartei Konkurrenz. Die Teuerung wird mit Ignoranz, Ressentiments und peronistischen Maßnahmen beantwortet, die die Partei noch forcieren will.

Ferdinand Knauß

Autoreninfo

Ferdinand Knauß ist Cicero-Redakteur. Im März erscheint sein Buch „Der gelähmte Westen. Chronik einer Selbstaufgabe“. 2018 erschien „Merkel am Ende“.

 

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Die Grünen gelten als Partei für Akademiker. Sie rühmen sich oft, „keine einfachen Antworten auf komplexe Fragen“ zu geben – wie das sogenannten Populisten stets vorgeworfen wird, die vermeintlich niedere Instinkte und intellektuelle Kurzschlüsse des ungebildeten Populus bedienen. 

Wie soll man nun aber die Antwort der grünen Bundestagsfraktion auf die Steigerung der Lebenshaltungskosten nennen? Es ist die einfachst denkbare Reaktion: Der Staat soll die Kosten übernehmen. 

Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge stellt also im RND-Interview einen „Pakt für bezahlbares Leben“ vor, den sie schon in der Bundestagsgeneraldebatte so genannt hatte. Familien könnten sich das Leben in Städten nicht mehr leisten, also soll der Staat unter anderem ein „Sozialleasing“ von E-Autos, kostenloses Schulessen und ein Deutschlandticket für 49 Euro bereitstellen. Mit einem „Bezahlbares-Wohnen-Programm“ soll der Staat außerdem mehr Gemeinnützigkeit im Wohnungsbau fördern, eine Deckelung von Indexmieten einführen und eine sogenannte Nebenkostenbremse etablieren.

Ein Pakt gegen die Inflation, der die Inflation beschleunigen würde

Das alles sind letztlich zusätzliche Sozialausgaben des Staates. Der Staat soll Kosten übernehmen, die die Konsumenten dann kurzfristig nicht spüren – kurzfristig! Denn mittelfristig und langfristig werden sie – und erst recht ihre Kinder – durch übermäßige, schuldenfinanzierte Staatsausgaben erst recht zur Kasse gebeten. 

Die Unbezahlbarkeit, die Dröge beklagt, also die Inflation, ist schließlich gerade durch das entstanden, wovon Dröge nun noch mehr verlangt. Inflation ist die Folge einer Politik des lockeren Geldes durch einen Staat, der mehr ausgibt, als die Volkswirtschaft leisten kann, und daher Schulden aufnimmt, die die Notenbank und die Privatbanken zur übermäßigen Schöpfung zusätzlichen Geldes aus dem Nichts anregt, dem keine realen Werte entsprechen. Soziale Ausgabenprogramme des Staates wie das von Dröge und Co. geforderte sorgen also dafür, dass die Ursache der Ausgaben – die Verteuerung – erst recht weiter angekurbelt wird. Die Wohltaten werden schließlich doch von den Bürgern bezahlt – durch ihre spätere Enteignung auf dem Wege der Inflation. 

Ressentiments und ökonomische Unkenntnis

Teuerung ist kein Katastrophenschicksal und auch nicht die Schuld von bösen Produzenten, Einzelhändlern und Immobilienbesitzern. Das zu unterstellen, wie es die Linke im Bundestagswahlkampf tat („Ist dein Einkauf zu teuer, macht ein Konzern Kasse“, „Ist deine Miete zu hoch, freut sich der Vermieter“) und auch Dröge jetzt tut („Verbraucher und Landwirte leiden gleichermaßen unter dem Druck der Supermarkt-Riesen“) ist eine der giftigsten politischen Lügen der Gegenwart. 

Ganz offenkundig fremdeln nicht nur die Linken, sondern auch die Grünen mit der Preisfreiheit, also einer der Grundlagen der Marktwirtschaft und einer liberalen Gesellschaft. Dröge und die Grünen-Politiker, die dieses „Programm für bezahlbares Leben“ entworfen haben, verstehen entweder selbst nicht die einfachsten makroökonomischen Zusammenhänge oder sie ignorieren diese Zusammenhänge nach dem altbewährten Leitsatz „Nach uns die Sintflut“ bewusst und hoffen darauf, dass auch ihr Publikum ökonomisch kurzsichtig und von Ressentiments gegen Vermieter und „Supermarkt-Riesen“ geleitet ist.

Katharina und Heidi auf Santa Evitas Spuren

Wie desaströs solche Programme enden, kann man unter anderem an der Geschichte Argentiniens nachvollziehen. Die dortige Verarmung durch Hyperinflation, die Javier Milei nun mit drastischen Methoden stoppt (mehr dazu im nächsten Cicero-Heft), hat ihren Urgrund in der verantwortungslosen Sozialpolitik des Juan Peron, der in den 1940er und 50er Jahren regierte, und seiner politischen Bewegung, die bis heute das Land prägt. Der „Peronismus“, Inbegriff des Umverteilungsstaates, hat sehr viel dazu beigetragen, dass aus einem der reichsten Länder der Welt ein mehrfacher Bankrottstaat wurde. 

Perons Frau Eva wurde mit Verteilungsprogrammen derselben Art, wie sie Dröge jetzt fordert, zur „Santa Evita“, zur Heiligen der Armen und post mortem zum Thema eines Musicals und einer Drama-Miniserie. Die legendäre Beliebtheit der vermeintlichen Volkswohltäterin Evita war leider auch nachhaltig prägend über Argentinien hinaus. Von ihr haben Sozialpolitiker gelernt, dass man durch Verteilung von staatlichen Geschenken (die später umso teurer bezahlt werden) beliebt wird. In den Köpfen von Katharina Dröge oder Heidi Reichinnek scheint der Traum der argentinischen „Heiligen der Armen“ noch wild zu spuken. 

Was dabei herauskommt, ist das finanzielle und soziale Desaster, unter dem Argentinien nun leidet. Und auf das die Sozial- und Schuldenstaaten Europas mittelfristig zusteuern. Steigenden Lebenshaltungskosten durch schuldenfinanzierte Sozialpolitik zu begegnen – das schlug noch immer früher oder später auf die Bürger, also auch die vermeintlichen Wohltatenempfänger selbst zurück in Form einer schließlich noch stärker galoppierenden Inflation. 

Wer etwas gegen die steigenden Lebenshaltungskosten tun will, muss ihr Ansteigen aufhalten. Das gelingt nur mit einer Politik des harten Geldes, also der Vermeidung von Staatsschulden. Auch das kann man von Argentinien, nämlich seinem aktuellen Präsidenten Javier Milei, lernen. 

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Peter William | Fr., 19. September 2025 - 13:25

sehr sehr gut. Artikel lesen ich gleich. Damit beerdigen sich die Grünen selbständig, wunderbar. Nach einstelligen Wahlergebnissen wird diese Partei aus den Parlamenten verschwinden. 3 von 4 Gründungsdogmen sind falsch, der Umweltschutz ist mittlerweile allgemein in DE verankert, würde ich meinen. Die Grünen können weg!

Jochen Burghardt | Sa., 20. September 2025 - 09:55

Antwort auf von Peter William

Ihr Optimismus in allen Ehren. Ich kann mich dem leider nicht anschließen. M.E. sind viel zu viele Wähler für Vernunft und Fakten (außerhalb von "die" Wissenschaft ist sich einig) unerreichbar. Es wird, davon gehe ich aus, immer mindestens 20% geben, die "Grüne", "Linke" oder sonstige Linksradikale Parteien wählen.
Und noch größer wird die Zahl, wenn man auch SPD und CDU mit berücksichtigt.
Wie die letzten Wahlen leider eindrucksvoll gezeigt haben.

Achim Koester | Fr., 19. September 2025 - 13:51

hat ihr erster (und hoffentlich letzter) Wirtschaftsminister auf eindrucksvolle Weise bewiesen.
Seine planwirtschaftliche Ideologie hat unser Land (mit dem er nie etwas anzufangen wusste) an den Rand des Abgrunds geführt, wenn nicht sogar der "Point of no return" bereits überschritten ist.

Elisa Laubeth | Fr., 19. September 2025 - 14:07

Artikel wie dieser, der nüchtern und mit Sachverstand die Lage analysiert, könnten täglich erscheinen und würden doch nichts bewirken. Die Grünen sind und waren im Kern immer eine sozialistische Partei, Themen wie Umwelt- und Klimaschutz waren nur Tarnmäntelchen um die wahren Umverteilungsabsichten zu verbergen. Allein die sog. Klimawende, die von Grünen Vorfeldorganisationen über Jahrzehnte mit gezielter Panikmache vorbereitet worden ist, hat die Bürger dieses Landes an EEG-Abgabe eine halbe Milliarde an entgangenem Vermögen gekostet. Mittlerweile befinden wir uns in einem von Grünen geschaffenen, undurchdringlichen Dschungel von Gesetzen, Vorschriften und Bestimmungen, den niemand mehr überblickt, aber alles teurer macht. So beruht ein großer Teil der hohen Wohnnebenkosten auf sinnlosen Vorschriften. Es ist das ganz große Versagen vor allem der CDU dem nichts entgegengesetzt zu haben. Jetzt ist man bewegungsunfähig an linke Parteien gekettet, derweil das Bürgertum zur AfD flüchtet.

Thomas Veit | Fr., 19. September 2025 - 21:46

Antwort auf von Elisa Laubeth

Danke! Insbesondere bezüglich des Versagens der CDU/CSU an der Regierung.

Politikwechsel >> 🤔 -- "War doch nur Spaß? 🤣" [ihre CDU/CSU!] /Ironie

Jürgen Goldack | Fr., 19. September 2025 - 15:01

Wie ein Absolventin eines Volkswirtschaftsstudiums in Köln so einen hanebüchenen Unsinn heraus plappern kann, ist nur auf eine von den Grünen manisch betriebene extrem links motivierte Deutschland-Vernichtungsideologie zurück zu führen. So blöd kann nicht einmal ein einzelliges Pantoffeltierchen sein. Übrigens, dass mit der "Akademiker-Partei" halte ich für ein Gerücht - außer es gibt einen mir bis dato unbekannten Studiengang nur für grüne "Alles-Besser-Wisser", der mit einem irgend einem mir auch nicht bekannten akademischen Grad abgeschlossen werden kann. Denkt man an die Intelligenzbölzin Annalena, die mehrerer Studiengänge nicht absolviert hat oder auch an Frau Haßelmann (studierte Sozialarbeiterin), auch keine Leuchte der logischen Denkfähigkeit, scheint das mit der Partei der Akademiker doch eher ein feuchter Traum dieser grünen Politdilettanten zu sein. Die zweite Möglichkeit für grüne höhere Lehranstalt- Absolventen ist wohl "linke Ideologie verbrennt Hirn und Geist". Na ja...

Dirk Weller | Fr., 19. September 2025 - 17:00

meiner Meinung nach, daß in der Politik fast nur noch Linkspopulisten ohne jegliche Qualifikation oder sinnvollen Fähigkeiten ihr Unwesen treiben.
Die Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge und auch ihre Kollegin Haaßelmann sind zwei Paradebeispiele für dieses komplette Versagertum.
Mit ihren realitätsfernen und schrägen sozialistischen bzw. kommunistischen Gedanken können die nur noch die komplett ungebildeten oder die "scheingebildeten" erreichen.
Aber das scheinen ja immer noch um die 11% zu sein, und das ist das traurige.
Diese 11% sollten verpflichtet werden sich die Geschichte Argentiniens in den letzten 30 Jahren anzuschauen.
Vielleicht wird dann der eine oder andere doch noch erwachsen.

Christoph Kuhlmann | Fr., 19. September 2025 - 17:26

Und im Etat ist kein Geld für Erstattung von Leistungen an nicht Beitragszahlern oder zur Senkung der Energiepreise. Abschaffung der Co2 Bepreisung Abschaffung des Verbrennerverbotes und Wirtschaft und Verbraucher brauchen keine Subventionen.

Wolfgang Borchardt | Fr., 19. September 2025 - 18:09

bevor es verteilt werden kann. Die Prognose ist schlecht angesichts der wirtschaftlichen Probleme und Kosten einer gescheiterten Migrationspolitik. Und dann muss Frankreich vor dem Ruin gerettet werden. Grüne haben den Kopf voll von Ideologie, da bleibt kein Platz für die Realität oder Wissen um Energie, Ökologie oder Ökonomie.

Ernst-Günther Konrad | Sa., 20. September 2025 - 10:21

Wenn auch nur in kleinen Schritten, schmilzt die Wäherschaft der Grünen dahin bzw. wandert ab. Da wird eben versucht mit noch so unsinnigen und hanebüschenden Forderungen irgendwie Aufmerksamkeit zu bekommen und evtl. Zuspruch. Das sich bei der Grünen Klientel niemand wirklich Gedanken macht, wo das Geld herkommen und wer das Ganze bezahlen soll ist schon klar. Bei fehlenden Schul- und oder Berufsabschlüssen, bei reinen Parteikarrieren bleibt hat elementares Wissen aus der Mathematik auf der Strecke.
Was mich nur ärgert ist, dass die noch immer so viel Gehör bekommen? Würden nicht einige Msm und der ÖRR nicht so links-grün lastig sein, würde die niemand mehr ernst nehmen.
Und von der größten Opposition wird nur dann berichtet, wenn man iregndetwas skandalisieren kann und häufig die Unwahrheit verbreiten kann. Und die Frau steht doch für Ihren Namen "Dröge". Lt. Wörterbuch: Trocken, Langweilig, reizlos. Also muss sie mal auffallen und wenn es durch diesen gefährlichen Unsinn ist.

Markus Michaelis | Sa., 20. September 2025 - 14:24

wird im Detail so komplex, dass man alle möglichen Standpunkte und auch deren Gegenteil vertreten kann - je nachdem welche Annahmen man macht (zB wie Menschen reagieren (sollen)) und in welches Gesamtkonzept man das einbettet.

Ja, die zu oft vorgebrachte These, dass "Populisten" die Dinge zu simpel sehen, während die bürgerliche Mitte (oder wer auch immer) sich dem komplexen Ganzen widmet, halte ich auch für zu oft vorgebracht und oft eher kontraproduktiv, weil sie gewisse Sichtweisen zu oft schon voraussetzt - statt zu erklären, warum man das so sehen muss. Und oft kann man das glaube ich nicht erklären, weil man es eben auch anders sehen kann. Zuviele Dinge werden von der "Mitte" als klar angesehen, die eigentlich eher Entscheidungen in einem Raum mit vielen Unbekannten sind.