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Es kann nur einen geben / dpa

Drama um Kanzlerkandidatur bei der Union - Lasst die Fraktion entscheiden!

Jetzt rächt es sich, dass CDU und CSU kein verbindliches Verfahren zur Kür des gemeinsamen Kanzlerkandidaten haben. In dieser verfahrenen Situation kann es nur noch eine vernünftige Lösung geben: Die Bundestagsabgeordneten beider Parteien abstimmen zu lassen.

Autoreninfo

Michael Sommer lehrt an der Universität Oldenburg Alte Geschichte. 

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Michael Sommer

Das wichtigste Amt, das die Republik von jetzt an bis zur Bundestagswahl am 26. September zu vergeben hat, gibt es eigentlich gar nicht. Deutschland ist eine parlamentarische Republik nach dem Modell von Westminster: Per Volkswahl gewählt wird das Parlament, das nach Artikel 63 Grundgesetz auf Vorschlag des Bundespräsidenten ohne Aussprache den Bundeskanzler bestimmt.

Dennoch ist es guter Brauch, dass die Parteien dem Souverän, den Wählern also, bereits geraume Zeit vor dem Urnengang die „K-Frage“ beantworten, wie es neudeutsch-infantil heißt, mit anderen Worten: einen Kanzlerkandidaten nominieren, mit dem sie in die Wahlschlacht ziehen. Das ist so, seit sich in den 1950er Jahren die Parteienlandschaft in Deutschland per Konzentration auf zwei Volksparteien so sortiert hat, dass der Kanzler entweder aus den Reihen der Union oder der Sozialdemokraten kommt. Die SPD ist diesmal bereits vor geraumer Zeit vorgeprescht und hat sich für Olaf Scholz entschieden, die Grünen wollen ihre Kür – erstmals überhaupt – am 19. April vornehmen und dann sagen, ob ihre Galionsfigur Annalena Baerbock oder Robert Habeck heißt.

Im Rampenlicht der Medien

Die SPD liegt zur Zeit in den Umfragen bei gut 15, die Grünen bei über 20 Prozent. Nach jetzigem Stand ist der SPD-Kandidat in sämtlichen denkbaren Koalitionskonstellationen chancenlos, die Nominierung von Scholz allenfalls von akademischem Interesse. Spannender ist die K-Frage schon bei den Grünen, die, sollte am Ende die Ampel für Rot-Rot-Grün auf Grün stehen, wohl den Zugriff auf den Posten des Regierungschefs hätten.

Unbestritten die besten Aussichten auf das Amt des Regierungschefs hat trotz dramatischer Verluste in den Umfragen der letzten Wochen aber noch immer der Unionskandidat, ob er nun Laschet oder Söder heißt. Deshalb ist Unions-Kanzlerkandidat in den kommenden fünf Monaten der Job, auf den es ankommt: Niemand wird medial vergleichbar im Rampenlicht stehen wie der Mann, den CDU und CSU ins Kanzleramt hieven wollen.

Keine einheitlichen Kriterien für die Kandidatenkür 

Das Gezerre um die Kandidatenkür rückt einen nur vordergründig überraschenden Befund ins Blickfeld: dass es in den Unionsparteien kein von allen akzeptiertes Verfahren gibt, einen Kanzlerkandidaten zu bestimmen. Vordergründig deshalb, weil es das Amt ja weder nach den Parteistatuten noch nach dem Bundeswahl- oder gar Grundgesetz überhaupt gibt. Mit Blick auf die Bedeutung der Kandidatenfrage in der öffentlichen Wahrnehmung kann man allerdings angesichts der Aporien, in denen die Schwesterparteien jetzt stecken, nur den Kopf schütteln.

Auf einen Modus haben sich auch andere Parteien nicht verbindlich festgelegt. Bei der SPD hat 2020 der Vorstand in Klausur Scholz auf den Schild gehoben. In der Vergangenheit hatte die Partei immer wieder auch mit Mitgliederentscheiden geliebäugelt, dann aber stets die Finger davon gelassen. Auch bei den Grünen entscheidet der Bundesvorstand. Bei CDU und CSU dagegen ist es kompliziert. Die Schwestern sind zwei Parteien, jede mit eigenem Vorstand und Präsidium. Die Spitzengremien der CDU haben sich auf Laschet festgelegt, die der CSU dagegen auf Söder. Was also tun?

Das Wolfrathshauser Frühstück 

In der Vergangenheit war die Nominierung eines Spitzenkandidaten nie ein Problem, wenn die Union – und das war dann stets die CDU – den Kanzler stellte und der sich wieder zur Wahl stellte. Das war 1953, 1957 und 1961 so, als Konrad Adenauer zur Wiederwahl antrat, ebenso 1965, als Ludwig Erhard, und 1969, als Kurt Georg Kiesinger sich zur Wahl stellte. Dito 1983 bis 1998, als Helmut Kohl, und 2009 bis 2017, als Angela Merkel jeweils die Wiederwahl anstrebten.

Potentiell konfliktträchtig wurde es, wenn die Unionsparteien aus der Opposition in Bundestagswahlen gingen. 1972 einigten sich die Schwesterparteien ohne Probleme auf den CDU-Vorsitzenden Rainer Barzel, 1976 auf seinen Nachfolger Helmut Kohl als Kanzlerkandidaten. Ebenso unumstritten war 2005 die Nominierung Angela Merkels. Offen war das Rennen dagegen 2002, als – nachdem zwei Jahre zuvor Wolfgang Schäuble infolge der CDU-Spendenaffäre vom Parteivorsitz zurückgetreten war – mit Angela Merkel, Edmund Stoiber und Friedrich Merz gleich drei Unionspolitiker ihr Interesse angemeldet hatten. Damals wurde die Kandidatenfrage im kleinsten Kreis zwischen Merkel und Stoiber beim „Wolfratshauser Frühstück“ entschieden: zugunsten von Stoiber, nachdem die Umfragen ihm die wesentlich besseren Chancen eingeräumt und sich auch viele CDU-Ministerpräsidenten für ihn ausgesprochen hatten.

Das Duell zwischen Albrecht und Strauß 

Zum Eklat kam es im Vorfeld der Bundestagswahl 1980, nachdem der CSU-Vorsitzende Franz Josef Strauß bereits im Jahr zuvor sein Interesse an der Kandidatur bekundet, der CDU-Bundesvorstand sich aber für den niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht ausgesprochen hatte. Ein Hauch von Kreuth lag in der Luft, denn wochenlang wurde, zum Schaden für die Union und für beide Kandidaten, öffentlich und sehr kontrovers diskutiert, bis schließlich die gemeinsame Bundestagsfraktion sich in geheimer Abstimmung mehrheitlich – mit 135 von 237 abgegebenen Stimmen – für Strauß aussprach, der prompt die Wahl gegen Helmut Schmidt verlor.

Schon jetzt ist klar, dass es 2021 auf eine Art Neuauflage von 1980 hinausläuft. Die für alle Seiten vorzuziehende Option wäre ein Frühstück in Nürnberg oder Aachen gewesen, aber diese Chance war spätestens in dem Moment vertan, als Söder seine Ankündigung zurücknahm, eine Entscheidung der CDU-Spitzen für Laschet „ohne Groll“ zu akzeptieren und sich seinerseits Rückendeckung durch das CSU-Präsidium besorgte.

Armdrücken oder Urwahl durch die Mitglieder? 

Jetzt fällt der Union vor die Füße, dass sie sich nicht auf verbindliche Regularien für die Kandidatenbestellung geeinigt hat. Einen Rücktritt vom Anspruch auf die Kandidatur würde keiner der beiden Streithähne ohne Gesichtsverlust überstehen. Will man also die K-Frage nicht durch ein zünftiges Armdrücken zwischen den Parteichefs ausknobeln, bleiben als legitimitätsstiftende Verfahren nur die Urwahl durch die Mitglieder beider Parteien oder die Kür durch die gemeinsame Bundestagsfraktion.

Ein Mitgliederentscheid wäre viel zu zeitaufwendig und hätte, wie die SPD mehrfach leidvoll erfahren musste, sowieso seine Tücken. Will die Union den Schaden nicht ins Unermessliche wachsen und am Ende die Frage vielleicht irrelevant werden lassen, wen sie nominiert, dann muss die Fraktion die Entscheidung herbeiführen, und zwar zügig.

Ernst-Günther Konrad | Mi, 14. April 2021 - 13:25

Dieses Kasperletheater ist doch gewollt. Das lenkt doch gerade völlig davon ab, dass der Föderalismus, mithin die Demokratie abgeschafft werden soll. Etliche Artikel zum Thema Söder vs. Laschet, aber keiner fragt eigentlich Angela. Warum denn nicht? Sie entscheidet doch sonst alles. Warum wird sie nicht gefragt, wen sie als Nachfolger wünscht. Ah, ich weiß schon. Sie wünscht sich das selber, durch Verschiebung der BT-Wahlen und am liebsten die Bitte an sie, weiterzumachen, weil sich die streitenden Bubis nicht einigen können.
Das alles vor einer der wichtigsten politischen Entscheidungen diese Woche im BT zur Änderung des IfSG.
Stimmen die Abgeordneten und später der Bundesrat zu, gibt es einen Aufstand. Nein, nicht auf der Straße, sondern im Bereich der Justiz. Da wird es Klagen nur so hageln. Was die Justiz inzwischen von dem ganzen Corona Gedöns hält, sieht man in Urteilen des AG Weimar, AG Weilheim und OVG Sachsen-Anhalt zur Testpflicht. Es wird Zeit, dass das BVG urteilt.

Deren Urteile sind immer gut, wenn sie das eigene Weltbild stützen.

Ansonsten darf man ruhig schon mal wegschauen. Wenn z.B. Demonstrationen des Covidioten-Wanderzirkuses verboten werden, die üblichen Rechtsextremisten, Reichsbürger, Verschwörungsgläubige, esoterische Schwitzhüttenbewohner und Teppichflieger trotzdem aufmarschieren. Und ihre Kinder vor sich herschieben, um sich vor dem "Gesetz" zu schützen.

Was die Skandalurteile von Weilheim und Weimar angehen - bei denen sich offensichtlich geneigte Richter auf die gleichen, den Covidioten nahestehende Fachleute berufen: Mittlerweile wird gegen den Weimarer Richter wegen Rechtsbeugung ermittelt.

https://www.spiegel.de/panorama/justiz/weimar-staatsanwaltschaft-prueft…

Anni Geuge | Mi, 14. April 2021 - 16:52

In reply to by Gerhard Lenz

Haben Sie eigentlich noch nie davon gehört,dass bei den besagten Demonstrationen ganz normale Leute mitlaufen - in der Regel sogar die Mehrheit -, die sich einfach Sorgen um die Folgen der ständigen Lockdowns machen? Da sind Ärzte,Apotheker, Lehrer und vor allem besorgte Eltern sowie Großeltern dabei. Ständig machen Sie Leute runter,die nicht Ihrer Meinung sind. Welchen Sinn haben denn die Lockdowns bisher ergeben? Albert Einstein, sinngemäß: Wahnsinn ist,wenn man ständig dasselbe macht und andere Ergebnisse erwartet.

Veit Jakof | Do, 15. April 2021 - 11:29

In reply to by Anni Geuge

das Albert Einstein zugeschrieben wird, möchte ich ihren Ausführungen noch anfügen, Frau Geuge:
"Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.".
Und wie sie am sehen stimmt es :-)

Ann-Kathrin Grönhall | Do, 15. April 2021 - 08:17

In reply to by Gerhard Lenz

warten Sie mit "Argumenten" auf die haltloser und abstruser nicht sein könnten,
Bezeichnungen wie "übliche Rechtsextremisten, Reichsbürger, Verschwörungsgläubige, esoterische Schwitzhüttenbewohner und Teppichflieger"
kann man nicht anders als widerwärtige Hetze bezeichnen die mit den Fakten NICHTS zu tun hat.
Bei den Demostrationen bestand die große Menge aus Bürgern aller Altersgruppen, die eindeutig demokratisch auftraten.
Auch Flaggen der „Antifaschistischen Aktion“ und eine Flagge der „Freien Linken“. wurden in Stuttgart gesichtet.
Der Soziologe Oliver Nachtwey der Universität Basel hat herausgefunden, dass die Bewegung nicht von Rechten dominiert wird.
Bei den letzten Bundestagswahlen hat der größte Prozentsatz der Querdenker für die Grünen gestimmt (23 Prozent),
überproportional viele (18 Prozent) wählten die Linke,
die AfD „nur“ 15 Prozent, also kaum mehr als im Bundesdurchschnitt.

Kein anderer Forist hier "argumentiert" überwiegend so sehr mit Hass und Hetze!

Söder hat einen entscheidenden Satz gesagt, der leider überhört worden ist: "Wir können den Grünen und der SPD unser Land nicht überlassen!" Damit ist der Vorhang von der Realität gerissen. Söder zeigt damit, dass sein Kriechen vor Merkel nichts anderes als Mimikry war, um der Macht näher zu kommen. Aber der alte bayrische Kern, weder grün noch rot zu sein, scheint unter dem Make-up nun wieder hervor. Alles war also nur Verstellung eines Poker-face. Wenn Söder Kanzlerkandidat werden sollte, würden wir einen heftigen Wahlkampf gegen Links-Grün erleben. Und das wäre gut so. Gegen Söder gehalten ist Laschet nur ein flatterndes Fähnchem im Wind. Söder ist zwar keiner, dem man nicht das Tragen der Monstranz anvertrauen würde, wenn er allerdings den Kampf mit den grünen Blumenkindern und den Kühnert- und Eskens-Sozis aufnehmen sollte, würde die CDU wohl haushoch die Wahlen gewinnen. Mit der Abgrenzung gegen Grün und SPD ist auch die links-grüne Merkel ins Abseits gestellt. Glück auf!

...ist mir auch haften geblieben.
Und selbst wenn ich mich Ihrer Schlußfolgerung über einen harten Wahlkampf anschließe, so komme ich immer wieder auf die Tatsache zurück das wir es hier mit einem Politiker zu tun haben.
Versprechen tun alle viel. Nur was bleibt am Ende. Dann wird man uns Schwarz Grün als Alternativlos verkaufen. Der einzige der die Grünen, insbesondere bzgl. Wirtschaftsflüchtlingen (die allerwenigsten sind echte Asylanten) eingehegt hat war Kurz in A.
Da sehe ich aber bei uns keinen der nur in die Nähe dieser Konsequenz kommt.
Ja. Laschet wäre die nächste pastorale Katastrophe nach Merkel. Alleine schon sein Verhalten gegenüber Söders plötzlichen Anspruch zeigt es: Er hat keinen Biss. Die Grünen würden den zum Frühstück verspeisen.
Und Söder?
Vielleicht auch nur alles Ablenkung wegen Verschärfung Infekt.Sch.G.

Bis vor einem Jahr dachte ich wie Sie, in der Krise habe ich die Meinung geändert.
Der König der Opportunisten, Markus Söder, hat nur ein Programm- sich selbst.
Einer größenwahnsinnigen Egomanin, der bisherigen Kaiserin der Opportunisten, darf keine zweite Merkel- männlich/weiblich folgen. Das wäre unser Ende. Mit Laschets christlichen Wurzeln haben wir noch eine Chance.

Ich kann Ihnen nur zustimmen. Wir werden medial auf Herrn Söder als besseren Kandidaten eingepeitscht, das mediale Framing läuft auf Hochtouren. Dabei wird uns eingeredet, die durch Corona beeinflussten Kandidatenumfragen würden sich als Prozente bei der Wahl widerspiegeln. Dagegen sind die Umfragewerte der Union ganz andere, trotz unserer allseits beliebten Angela.
Söder regiert in Bayern mit den „Bienenfreunden“, hat sich oft für schwarz-grün ausgesprochen und der grüne BW-MP ist sein bester Freund. Was soll da anderes als grüne Politik bei herauskommen, ganz gleich wer vorne steht.
Ich weiß nicht, ob der „Strippenzieher“ Laschet eine andere Politik macht, aber seltene Anzeichen deuten darauf hin. Vielleicht daher der mediale Gegenwind. Schließlich muss bei der Wahl Grün herauskommen.
Ich finde es schade, dass alle Autoren beim Cicero sich am Laschet-Bashing beteiligen. Ist die Politik neuerdings so einfach, dass niemand zu einem anderen Schluss kommt?

Christoph Kuhlmann | Mi, 14. April 2021 - 14:38

Bei Söder muss man mit der ein oder anderen Wende rechnen. Das heißt allerdings, man traut ihm zu eine Meinung zu vertreten und nicht sofort dass hohe Lied von Ko0mpromiss und Konsens anzustimmen, noch bevor er inhaltlich Position bezogen hat. Wie sang Ina Deter doch: Ich sprühe es an jede Wand, neue Männer braucht das Land!
https://www.youtube.com/watch?v=Y_AecDARj8w

Karl Kuhn | Mi, 14. April 2021 - 15:26

Ich verstehe nicht, warum die CDU sich da von der CSU unbedingt reinreden lassen will. Sollen sie Laschet als Kandidat der CDU aufstellen, Punkt. Dann kann Söder ja der Kandidat der CSU werden. Wäre eine für ihn angemessene Lachnummer.

Jasmin Gerigk | Mi, 14. April 2021 - 16:21

In reply to by Karl Kuhn

Ist doch letztlich egal, wer Kanzlerkandidat der CDU wird. Der Wähler wählt Parteiabgeordnete, und die wählen den Kanzler. Ob dann der gekürte Kanzlerkandidat auch Kanzler wird, entscheiden die gewählten Abgeordneten, und abschließend Merkel. Großes Kino, und im Hintergrund wird an der massiven Einschränkung der Bürgerrechte gearbeitet!

Timo Richter | Mi, 14. April 2021 - 16:50

In reply to by Karl Kuhn

... sollte dem CDU-Präsidium überlassen werden. Soll dort doch festgelegt werden, wer nächster Kanzler wird: Markus Söder oder Annalena Baerbock.

Hans Giger | Mi, 14. April 2021 - 16:49

Furchtbar, wenn man über die letzte verbleibende Volkspartei Sätze lesen muss wie: „ Jetzt rächt es sich, dass CDU und CSU kein verbindliches Verfahren zur Kür des gemeinsamen Kanzlerkandidaten haben“, oder: „ Jetzt fällt der Union vor die Füße, dass sie sich nicht auf verbindliche Regularien für die Kandidatenbestellung geeinigt hat“.
Ein Armutszeugnis auf der ganzen Linie.
Und nun hat trotz der dramatischen Verluste in den Umfragen der Unionskandidat die besten Aussichten auf eine Nominierung. Und man schwafelt von Demokratie, vom Souverän, von gutem Brauch… Wissend, dass bei einem solchen Fehlentscheid CDU und mit ihr die CSU weg vom Fenster sind, Herr Laschet möglicherweise noch Außenminister (ein Horrorgedanke) werden wird…
Bitte ganz, ganz rasch eine Fraktionsentscheidung herbeiführen und dem gesunden Menschenverstand eine Chance bieten. Danke.

Rob Schuberth | Mi, 14. April 2021 - 18:18

M. E. ist Herr Söder ein typischer Opportunist.

Er hat das Faible sehr schnell und oft vor seinen Mitbewerber die Zeichen einer Zeit zu sehen.
Und dann nutzt er sie eben auch.

Sein Versuch es noch u seinen Gunsten zu drhen ist nur allzu verständlich.

Immerhin gibt es kein festgelegtes Prozedere (haben beide Parteien versäumt, oder bewusst nicht gewollt) und er HAT nun einmal seit Mon. die weit besseren Umfragewerte.

Für den Showdown trägt er nicht die Schuld.
Das ist das Ergebnis wenn man (die Unionsparteien) eine wichtige Sache immer wieder vor sich herschiebt.

Thomas Hechinger | Mi, 14. April 2021 - 20:17

"1972 einigten sich die Schwesterparteien ohne Probleme auf den CDU-Vorsitzenden Rainer Barzel, 1976 auf seinen Nachfolger Helmut Kohl als Kanzlerkandidaten."
1976 habe ich aber anders in Erinnerung. Auch damals schon drängte es den CSU-Vorsitzenden Franz-Josef Strauß ins Kanzleramt, und es war überhaupt nicht klar, nach welchem Verfahren die Unionsparteien ihren Kanzlerkandidaten bestimmen sollten. Kurt Biedenkopf, damals Generalsekretär der CDU, preschte vor, und das CDU-Präsidium machte Helmut Kohl zum Kanzlerkandidaten. Franz-Josef Strauß fühlte sich überfahren, akzeptierte aber widerwillig. In Erinnerung ist mir aber noch, daß die CSU damals sagte, sie hielte Strauß für den besseren Kandidaten, nehme aber den Beschluß der CDU zur Kenntnis. So oder ähnlich klang das damals. Nicht zu vergessen auch, daß nach der knapp verlorenen Bundestagswahl Strauß das Bündnis zwischen CDU und CSU aufkündigte. Nicht zuletzt sein Groll gegenüber Kohl und Biedenkopf dürfte da mitgespielt haben.

H. Stellbruch | Mi, 14. April 2021 - 21:33

Die Union wird sich entscheiden müssen, ob sie die Wahl gewinnen oder mit Würde in die Opposition gehen will. Auch wenn Laschet ein Stehaufmännchen zu sein scheint, stehen die Chancen für eine Wahl zum Kanzler schlecht, für Söder wohl besser.
Opportunisten sind beide, Laschet wenigstens ein eindeutiger Merkelianer, Söder mit mehreren 180-Grad-Wenden in verschiedenen Politikfeldern, nicht unbedingt eine Empfehlung für das, was diese Republik jetzt braucht.
Letzte Reste der Parteiprogramme der Unionsparteien lassen sich bei Beiden nur unter der Lupe erkennen, deshalb dürften sich viele Wähler angesichts fehlender Alternativen für andere Parteien entscheiden. Ein kleineres Übel ist nirgendwo zu erkennen, und keiner von beiden steht für einen Ausweg aus der babylonischen Gefangenschaft im linksgrünen Lager.

Fritz Elvers | Mi, 14. April 2021 - 21:35

ist in seinem jeweiligem Land der größere Pandemieversager? Hier in NRW sieht man zwar überall den Niedergang der Gewerbetreibenden, aber von Impfzentren und anderen Katastrophenschutzmaßnahmen ist weit und breit nichts zu sehen, wahrscheinlich, weil auch kein Impfstoff vorhanden ist. Das wird hier nicht so schnell vergessen werden, wie Laschet wohl hofft.

helmut armbruster | Do, 15. April 2021 - 09:20

denn sie gibt ihnen Gelegenheit täglich darüber zu tratschen (beinahe hätte ich "zu berichten" geschrieben) und so ihr journalistisches Brot zu verdienen.
Weder der Bürger, noch der Wähler, noch irgendein Journalist können bei der K-Frage in irgend einer Weise mitreden. Es ist am Ende eine Entscheidung, die durch Gemauschel in Hinterzimmern zustande kommt.
Warum also dieser Frage so viel Platz und Interesse widmen?
Es wäre doch viel besser wir hätten eine direkte Wahlmöglichkeit, etwa analog zu der Präsidentenwahl in Frankreich. Dann, und nur dann, würde es sich auch lohnen so ausführlich über die Kandidaten zu berichten. Bei Mauschelkandidaten ist es der Mühe nicht wert.

Alexander Brand | Do, 15. April 2021 - 13:52

Söder hat sich am Sonntag in der gemeinsamen Pressekonferenz entlarvt. Er sagte man müsse sich dem „Zeitgeist“ anpassen und genau das ist grundfalsch und es zeigt seine Einstellung zu Politik! Ein ernstzunehmender Politiker MUSS seine Überzeugung vertreten und diese versuchen durchzusetzen, jemand der dem „Zeitgeist“ folgt, hat keine eigenen Überzeugungen. In diesem Sinne wäre Söder ein „würdiger“ Nachfolger der Merkel, es geht ihm wie der Merkel nicht um Inhalte, sondern um die eigene Macht! Und genau aus diesem Grund ist Söder unwählbar, denn das was er heute verspricht kann/wird schon morgen nichts mehr wert sein – genau so wie es bei Merkel immer war. Solche Politiker braucht die Welt nicht! Für mich ist die CDU seit Merkel unwählbar, daran ändern weder Laschet noch mit Söder etwas, leider! Vermutlich ist es diese Einstellung, die dazu führt, daß die Medien Söder bevorzugen, die meist linken Medien geben den „Zeitgeist“ vor und Söder folgt, das geht gar nicht!

Petra Horn | Do, 15. April 2021 - 20:14

Die Abgeordneten sollen Gesetze machen. Sie können auch den Kanzler wählen. Einfach ein konstruktives Mißtrauensvotum durchführen, damit Merkel endlich weg ist. Aber die Abgeordneten dürfen als solche nicht bestimmen, wer in den nächsten Bundestag kommt. Die künftigen Abgeordneten dürfen dann wiederum den Kanzler wählen.
Hoffentlich tun sie das dann auch umgehend. Noch ein Gewürge wie vor dreieinhalb Jahren können wir uns nicht leisten. Auch keine Neuauflage von Merkel.
Aber die (Spitzen)kandidaten werden von den Parteien aufgestellt. Solche Machtansprüche der Fraktionsmitglieder sollte man denen schnell austreiben. Am besten nicht mehr aufstellen!! Es gibt auch so schon zu viele Egomanen in der Politik.