Kanzleramt wirbt für Lockdown - Die Ungerechtigkeit ist alternativlos

Einen Tag vor der Corona-Konferenz mit den Ministerpräsidenten ist die Rede von einem „Lockdown light“. Es ist ein Dilemma: Angesichts des aktuellen Infektionsgeschehens scheinen Ausgangsbeschränkungen unvermeidbar, gleichzeitig treffen sie – wie so oft – die Falschen.

kanzleramt-merkel-lockdown-light-ausgangsbeschrankungen-gastronomie-veranstaltungen-corona-ministerprasidenten
Angesichts des Infektionsgeschehens zunehmend besorgt: Bundeskanzlerin Angela Merkel / dpa

Autoreninfo

Johanna Jürgens hospitiert bei Cicero. Sie studiert Publizistik und Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Zuvor arbeitete sie als Redaktionsassistenz beim Inforadio des RBB.

So erreichen Sie Johanna Jürgens:

Angela Merkel konnte wohl keinen Tag länger warten. Die eigentlich für Donnerstag angesetzte Konferenz mit den Ministerpräsidenten der Länder findet nun schon am Mittwoch statt. Ein klares Signal an all diejenigen, die angesichts der Frequenz dieser Treffen und den darauf folgenden Appellen bereits abgestumpft sind: Die Lage ist (wieder) ernst. 

Vieles spricht dafür, dass beim morgigen Bund-Länder-Treffen wieder strengere Maßnahmen beschlossen werden. Nach Bild-Informationen will das Kanzleramt für weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens werben, die Rede ist von einem „Lockdown light“, also begrenzten Ausgangsbeschränkungen. 

Angebot auswählen und weiterlesen

  • Monatsabo
    i
    Unsere Empfehlung
    • 4 Wochen gratis
    • danach 9,80 €
    • E-Paper, App
    • alle Plus-Inhalte
    • mtl. kündbar
     
    0,00 €
  • 3-Monatsaktion
    i
    • 3 Monate lesen, 2 zahlen für 19,60 €
    • danach 9,80 pro Monat, mtl. kündbar
    • E-Paper
    • alle Plus-Inhalte 
    19,60 €
Klaus Damert | Di, 27. Oktober 2020 - 15:21

"Die Unverletzlichkeit der Wohnung erfordert einen Vertrauensvorschuss der Regierung gegenüber den Bürgern." Was für ein untertäniges Weltbild.

gabriele bondzio | Mi, 28. Oktober 2020 - 08:44

In reply to by Klaus Damert

Tja, Herr Damert, "der Untertan" (H.Mann) hat in hundert Jahren in DE keine echten Nachfolger gefunden. Nicht nur beim lesen merken wir, was unsere Gegenwartsliteratur und gewisse Situationen im Leben, der Gegenwart schuldig bleiben.

Jens Böhme | Di, 27. Oktober 2020 - 15:52

Da im Privathaushalt die meisten Infektionen, darf man gespannt sein, was für Tipps für Weihnachten und Silvester kommen. Bisher sind 2020 alle Feiertage bzw. deren Feste verboten bzw. durch unerfüllbare Regeln unmöglich gemacht worden. Weihnachtsmärkte, braucht man nicht philosophieren, fallen ebenso flach.

Rainer Mrochen | Di, 27. Oktober 2020 - 16:33

klare, eindeutige Kommunikation. Soweit ich es beurteilen kann, dienen alle getroffenen Maßnahmen im wesentlichen, einer Vorbeugung der Überlastung der intensivmedizinischen Betreuung. Sicher scheint auch zu sein, daß die Ausbreitung des Virus die gesamte Bevölkerung treffen wird. Es geht also darum, Zeit zu gewinnen, um effektive Abwehrmassnahmen zu generieren.
Würde all das einmal klar gesagt werden, könnte man sogar mit einem positiven Effekt der Solidarisierung aller hier lebenden Menschen rechnen, weil es einem Überziel dienlich wäre. Wär stattdessen nur Bedrohungsszenarien aufbaut und mit Verboten droht, darüberhinaus die Statistiken nicht eindeutig erklärt, darf am Ende auf wenig Verständnis hoffen.

Urban Will | Di, 27. Oktober 2020 - 17:11

und ihr Tross ebenso wenig.
Es ist jetzt die Stunde der Parlamente und der Gerichte. Sie müssen dem Treiben, das morgen stattfindet, ein klares „Nein“ entgegenhalten.
Der Merkel – Kurs, mitgetragen von den meisten MP's und vielen anderen aus unserer Obrigkeit, ist falsch. Er war es auch im Frühjahr, nur war da noch alles neu, es fehlte Erfahrung, somit war es nachvollziehbar.
Alle Länder mit erneut strengem Lockdown haben eher größere Probleme.
Wann endlich kommt die Obrigkeit weltweit auf Idee, ein Leben mit dem Virus für alle überzeugend zu gestalten, den Leuten völlig ohne Druck klar zu machen, dass sie aufpassen sollen?
Ja, viele werden nichts darauf geben (da kann man auch kulturelle Unterschiede erkennen, aber das darf im politisch – korrekt -durchgeknallten Deutschland ja nicht gesagt werden), aber die halten sich auch an keinen Lockdown.
Und da es definitiv die Falschen trifft, wird die Ablehnung der Maßnahmen in zunehmende Verachtung der Regierenden umschlagen.

Man kann natürlich den Kopf in den Sand stecken, so tun, als wäre das Virus halt Teil unserer neuen Realität und alle Folgen schulterzuckend ignorieren.
Hauptsache, die Wirtschaft brummt und, wichtiger noch, man selbst hat keine Einbußen zu befürchten. Nur auf die Krankenzahlen schauen, die Zahl der Infizierten ignorieren, gleich ob die vielleicht den Einen oder Anderen anstecken! Pandemiebekämpfung als Entscheidung des Einzelnen? Wer so spricht, hat ALLES gesagt, und man muss nicht weiter zuhören.
Für diejenigen, die den Ernst der Stunde dagegen verstanden haben, ein Bericht aus Belgien:
https://www.saarbruecker-zeitung.de/nachrichten/politik/belgien-steht-v…
Darin sagt ein Virologe den entscheidenden Satz - es wurde zu früh und zu schnell gelockert.
Da hat die Politik versagt - stattdessen hat sie die Zeit damit verplempert, Verständnis bei unbelehrbaren Coronaleugnern und -verharmlosern zu finden. An vorderster Front übrigens: Armin Laschet.

Das Ziel kann doch nur sein Infektionen zu erkennen und Infektionsketten zu brechen. Dazu müsste man viel, viel mehr, sehr flexibel und mit sehr kurzen Reaktionszeiten, testen, testen, testen. Wenn man aus Berchtesgaden-Land 2500 Herbst-Touristen nach Hause zwingt, ohne zu testen ob jemand davon infiziert war, ohne überhaupt wissen zu wollen ob die Unterkünfte Infektionen haben, dann will man nur etwas anordnen, man will aber nicht wirklich Infektionen erkennen und mögliche Ketten brechen. Beherbergungsverbote ähnliches Thema - man durfte nicht eine Woche an die Nordsee fahren. Man weiß immer noch nur bruchstückhaft wo eigentlich die Infektionen entstehen - weil man viel zu wenig testet.

Lieber Herr Lenz,

dieses Mal teile ich Ihre Meinung nicht.
Egal, wann gelockert wird, das Virus tritt wieder vermehrt in Erscheinung, sobald gelockert wird.
Die Länge des Lockdown verzögert nur die Ausbreitung.
Das Virus kann schließlich nicht mehr verschwinden. Ein vor SARS-CoV-2 kann es somit nicht mehr geben. Auch Influenzaviren, Noroviren, Rhinoviren oder andere Coronaviren befallen uns immer wieder in unserem Leben.
Ich halte die Forderungen der "Great Barrington Declaration " sehr sinnvoll.
Zum Nachlesen:

https://gbdeclaration.org/

Schönen Abend.

zu meinem „Lieblings – Kommentator“ ernennen, damit meine Antworten hier erscheinen.
Noch immer habe ich großen Zweifel daran, dass Sie wirklich zwischen Kritik einerseits und „Leugnen“ oder „Verharmlosen“ andererseits unterscheiden können (@ C: war das jetzt schon wieder zu hart?).
Ich kann nicht erkennen, dass es „verplemperte“ Zeit ist, mit Gegner zu diskutieren, wer so denkt, sollte mal über sein Demokratieverständnis nachdenken.

Wer mit Thesen wie „es ist alles gesagt“, etc. die Diskussionen verweigert sollte erst seinen eigenen Kopf aus dem Sand ziehen, bevor er anderen dies vorwirft.
Die Fronten der kritiklosen Maßnahmen – Befürworter bröckelt langsam, auch die heute beschlossenen Lockdown – Maßnahmen werden nicht alle Länder umsetzen. Gut so.

Ich denke, Ihnen geht es gut, sie brauchen sich keine Sorgen um Ihre Existenz zu machen.
In meinem Umfeld redet man nicht, ob, sondern nur noch, wie viele es treffen wird. Kündigungen hoch spezialisierter, gut bezahlter Jobs.

Merkel, ihre Anhänger und Berater sind nicht bereit, über Alternativen ihres Handelns nachzudenken und den von ihnen eingeschlagenen Kurs zu ändern.
Jeder, der a n d e r s denkt und entsprechende Vorschläge macht. wird sofort
diffamiert: wahlweise als Leugner, als Scharlatan, als Idiot, als verantwortungsloser
Extremist. Natürlich gibt es auch solche in der Bevölkerung, aber nicht a l l e , die den Regierungskurs ablehnen sind pauschal dumm oder bösartig.
Kein einziger Kritiker des Merkel'schen Corona-Kurses dringt zu ihr und ihrem Kreis vor und wird ruhig angehört. Alternativen werden nicht durchdacht.
Also geht das Ganze in dieser hysterischen Form weiter und wird die Wirtschaft
ruinieren.

Im nächsten Jahr, wenn die finanziellen Einbrüche dramatisch zutage treten,
dürfte von der Kanzlerin die Bemerkung kommen:

"Ist mir egal, ob ich schuld an der Pleite tausender Betriebe und der Arbeitslosigkeit vieler Menschen bin - nun sind die Folgen halt da!"

die Beratungsresistenz von Frau Merkel ist unfassbar. Die Alternativlose duldet keinen Widerspruch. Als sich im Frühjahr, die durch den Lockdown verursachten Verwerfungen zeigten, war ich ganz sicher, das machen die nie wieder. Ein Bekannter behauptete damals, dass für den Herbst ein zweiter Shutdown geplant sei. Das war für mich reine Verschwörungstheorie. Jetzt werde ich dort wohl Abbitte leisten müssen. Jetzt heißt das Ding vielleicht etwas anders, die Folgen werden ähnlich verheerend sein.

Bernd Muhlack | Di, 27. Oktober 2020 - 17:27

"Angela Merkel konnte wohl keinen Tag länger warten.
Und auch Merkels Ton wurde in den vergangenen Wochen schärfer, zumindest intern."

Aha soso, werte Frau Jürgens.
Wissen Sie, unserer Kanzlerin, unserer Regierung steht hinsichtlich der Maßnahmen gegen Corona keinerlei fachliche, juristische Kompetenz zu, keinerlei!
Wenn Frau Dr. Merkel meint, sie könne auch hier die selbstherrliche Sonnenkönigin spielen liegt sie vollkommen falsch!
Ihre Moderation der Treffen der Ministerpräsidenten ist quasi eine Funktion Maischberger, Illner, Will de Luxe. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Ja, sie kann Anregungen, Vorstellungen, Wünsche äußern; das ist wie der weihnachtliche Wunschzettel von Kindern.
Das wars dann aber auch schon; den Rest regeln die Länderchefs.
Dieses Gesülze, Hype vom tollen Krisenmanagement der Kanzlerin ist unerträglich!

Diese Frau ist Kritik, Widerspruch nicht gewohnt, kann dies als Alternativlose auch nicht ertragen, verstehen.

"Ich liebe euch doch Alle!" - Erich Mielke

"Maischberger, Illner, Will de Luxe": einfach köstlich und darüber hinaus der Wahrheit Rechnung tragend, Herr Muhlack. - Devot ist Merkel nur Erdogan gegenüber, den Deutschen hingegen bürdet sie Zumutungen auf, hinsichtlich derer Bürger anderer Länder mit Stangen und Mistgabeln den Reichstag gestürmt hätten.

P.S.: Lieber Herr Muhlack, Ihre erfrischende Art zu kommentieren, bereichert dieses Forum auf eine besondere Weise. - Ich habe - Ihrem Wunsch gemäß - ein Gedicht für Sie verfasst, unter dem Artikel:
"Die Ideologen der radikal egalitärern Gesellschaft" (Gendergerechte Sprache contra Verstand und Fantasie) Viel Freude damit...

Manfred Sonntag | Di, 27. Oktober 2020 - 17:51

Ein Grundrecht wird jetzt zu einem Vertrauensvorschuss deklariert? Weder sind die Labore noch der PCR Test durch Prüforganisationen validiert bzw. verifiziert. Ständig gibt es Fehlinformationen (falsche Testungen-z.B.:Fußball). In Berlin kann und will der Senat dem Abgeordneten Luthe, also dem Repräsentatanten der Bürger, keinerlei Daten zum Test nennen. Sind die wirklichen Erkrankungen, die Hospitalisierungen, die Intensivbetreuung oder gar die Sterblichkeit durch Corona gestiegen? Nein! Die Zunahme in den Krankenhäusern sind jahreszeitbedingt. Wer gibt den Politikern das Recht, solch eine PCR Fehlinterpretation als Entscheidungsgrundlage für Einschränkungen über unsere Grundrechte zu nehmen? Mein Vertrauen in die Regierung ist jedenfalls aufgebraucht. Die totalitäre Bevormundung haben wir 89 nicht aus Spaß beendet, Frau Jürgens.
MfG
Manfred Sonntag

A. Merkel kann nicht anders. Entweder weil sie es nie gelernt hat – oder sie es nie gewollt hat. Warum nur würde ich einem Kanzler Helmut Schmidt einfach vertrauen? Wohl weil er auch Irrtümer öffentlich eingestehen würde – und korrigieren. Kann A. Merkel aber nicht – oder will es nicht. Einfach bockig, die Dame.

Tomas Poth | Di, 27. Oktober 2020 - 18:53

Kinder wenn ihr nicht pariert dann setzt es was.
Hier kommt ihr ganze sozialistische Grundstruktur zu Tage. Auch etwas von preussischer FDJ-Pomeranze, alles hört auf mein Kommando!
Sie ist keine Demokratin, wird es nie werden! Demokraten aller Parteien wehrt euch endlich!

Carola Schommer | Di, 27. Oktober 2020 - 21:33

"Die Unverletzlichkeit der Wohnung erfordert einen Vertrauensvorschuss der Regierung gegenüber den Bürgern." Ich dachte zuerst, ich hätte falsch gelesen.
Soll das heißen, die Regierung (wer ?), die mir nicht vertraut, hat das Recht in meine Wohnung einzudringen ? Werte Frau Jürgens, Sie studieren Literaturwissenschaften, dann schreiben sie darüber. Ansonsten würde ich Ihnen Rechtswissenschaften empfehlen !

Reinhard Kreis | Mi, 28. Oktober 2020 - 00:37

Da wir bei diesem Tempo ohnehin alle früher oder später infiziert werden, dann ran, lieber früher als später, zumal kaum ein Infizierter tatsächlich krank ist.

Ferdinand Schulze | Mi, 28. Oktober 2020 - 07:13

Jeder Einzelne kann sich mit einfachen Mitteln (FFP2-Maske, Hände waschen und dergleichen) vor Infektionen schützen, wenn er denn will, und Risikopersonen wie ich werden das auch tun und nicht auf die Regierung warten. So groß ist der Unterschied für mich zu dem, was im letzten halben Jahr angesagt war, nicht mehr. Der Verzicht auf Urlaubsreisen und größere Veranstaltungen aller Art, Restaurant- oder Kneipenbesuche war auch bisher schon üblich. Familienbesuche werden mit entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen (notfalls Schnelltests, wenn sie nicht gleich wieder ausverkauft sind) auch zu Weihnachten möglich sein.
Wer das alles nicht will, den sollte man nicht zu seinem "Glück" zwingen, sondern ihn selbst unter Abschätzung persönlicher Risken entscheiden lassen. Dazu gehört dann auch das Risiko, ggf. in übervollen Krankenhäusern nicht mehr adäquat behandelt werden zu können. Die Bundesbürger mit Hirn im Kopf können das für sich selbst entscheiden.

gabriele bondzio | Mi, 28. Oktober 2020 - 07:58

Was ja nun, mit dem Wort „werben“ sehr „liebevoll“ von Ihnen ausgedrückt wurde, Frau Jürgens. Die WHO beispielsweise, warnt im Gegensatz vor einem Lockdown. David Nabarro ( Arzt und einer von sechs Sonderberichterstattern der WHO):„Wir müssen lernen, einen Weg zu finden, mit diesem Virus zu koexistieren! Das Virus in Schach halten und gleichzeitig die Wirtschaft und das soziale Leben am Laufen zu halten. Wir denken, das ist machbar.“
Der Mann warnt gleichzeitig von einen starken Anstieg der Armut (weltweite Verdoppelung) und appelliert an alle Regierungschefs gegen den Lockdown, als Hauptmittel. (siehe New York Post/ meinbezirk.at. ) Scheinbar ist das nicht zu Ohren von Frau Merkel gelangt. Oder sie verfolgt ihre eigenen Ziele. Überwachung der Bevölkerung, wobei ihr Misstrauen gegenüber der Bevölkerung vorausgeht.
"Misstraue deinem Urteil, sobald du darin den Schatten eines persönlichen Motivs entdecken kannst." (Marie von Ebner-Eschenbach)

Cornelia Oles | Mi, 28. Oktober 2020 - 09:44

streikt oder eine Flugreise ansteht werden Leute ungehindert zusammengepfercht, da sagt keiner was. Restaurants, Cafe und Gaststätten haben sich alle Mühe gegeben die Abstände und Hygienekonzepte einzuhalten ebenso wie Theater und Kinos mit deutlich geringerer Auslastung. Diese Leute jetzt zu bestrafen halte ich für falsch. Dass man Bars und Discos zumacht kann man ja noch verstehen aber man kann nicht alle über einen Kamm scheren. In den oben genannten Räumlichkeiten steckt man sich eher nicht an als bei den Privatparties zuhause.