Susan Sziborra-Seidlitz
Susan Sziborra-Seidlitz bei einer Wahlkampfveranstaltung / picture alliance / Wolfgang Maria Weber | R7172

Kampagne gegen Grüne wegen Nazivergangenheit ihres Ehemannes - Das zweierlei Maß „unserer Demokratie“

Demokratie heißt auch, Menschen Veränderung zuzugestehen. Der Fall des Ehemanns der Grünen Susan Sziborra-Seidlitz zeigt, wie sehr bei rechtsextremen Biografien mit zweierlei Maß gemessen wird.

Porträt Mathias Brodkorb

Autoreninfo

Mathias Brodkorb ist Cicero-Autor und war Kultus- und Finanzminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Er gehört der SPD an.

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Manchmal ist Deutschland ein merkwürdiges Land. Vielleicht sogar ein wenig schizophren. Das wird vor allem an Themen deutlich, über die heftig gestritten wird. Da lässt man gerne mal Argumente für andere gelten, die man für sich selbst niemals akzeptieren würde.

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Ernst-Günther Konrad | Mo., 31. August 2026 - 16:22

ob die Tatsache, dass der Ehemann von der Grünenchefin Sziborra-Seidlitz mal Neonazi war nicht doch noch Auswirkungen haben wird. Ja, alles schon bekannt. Ja, auch dieser Mann kann sich geläutert haben, kann komplett seine Gesinnung geändert haben. Und ja, warum soll man ihm das vorhalten. Resozialisierung für alle, oder? Eben nicht. Genau diese unsympathische Grüne wollte Siegmund vorwerfen, er beschäftige ehem. Neonazis in seinem Team, die vor mehr als zwanzig Jahren zur NPD gehört haben sollen. Nein, zweifle ich nicht an. Aber gilt dann für diese Mitarbeiter nicht das Gleiche, wie für den Ehemann von Seidlitz? Hätte sie das nicht ausgegraben, wäre diese alte Märe mit ihrem Gatten wahrscheinlich vergessen geblieben, zumal sie ja darüber vor Jahren bereits Rede und Antwort gestanden hat. So aber holt diese Grüne ihre eigene Doppelmoral ein. Ob die Restwähler der Grünen das alle so toll finden. Die FDP ist ohnehin raus und die SPD? Ob die wirklich die 5% sicher überspringen werden?

Maria Arenz | Di., 1. September 2026 - 11:28

Antwort auf von Ernst-Günther Konrad

könnte man auf die Idee kommen, daß die "stabile Läuterung" des Gatten auch noch ganz praktische Gründe gehabt haben könnte, die mit irgendwelchen Geschehnissen im Oberstübchen nichts zu tun haben.

Ingo Frank | Mo., 31. August 2026 - 16:24

das dies der Grünen Spitzenkandidatin der Sprung über die 5% Hürde kostet, um das „Zweilerlei Maß- messen“ mal am eigenen Leib zu verspüren ……
Aber selbst wenn, daraus entsprechende „Lehren“ gegenüber des einzigen politischen Gegners gezogen würden, ist dies bei den Grün linken Ideologen verlorene Liebesmüh und Schadenfreude ist nun mal die schönste Freude ….. zumindest in diesem speziellen Fall …..
MfG a d Erfurter Republik

Markus Michaelis | Mo., 31. August 2026 - 16:28

Vor Gericht gilt das wohl. Für Journalisten sollte es glaube ich auch eher gelten, bzw. Vermutungen sollten klar als solche gekennzeichnet werden. In der Politik gilt das für mich aber explizit nicht. Politik beruht prinzipiell nicht auf Beweisen. Das steht dem nicht im Wege, dass man sich um Ehrlichkeit, Begründungen, Beweise bemühen sollte, aber sie sind prinzipiell nie das letzte Argument. Politik ist letztlich immer eine Sache des Vertrauens, von "Wir und Die", von unbeweisbaren Vorlieben und Entscheidungen. Demokratie ist prinzipiell, dass Menschen zusammen Entscheidungen treffen, zusammen die Konsequenzen tragen, und sich damit als Solidaritäts- (Haftungs-) Gemeinschaft automatisch als Wir von anderen trennen, die andere Entscheidungen getroffen haben.

Ich finde es sehr gut, Menschen nicht auf eine Schublade festzunageln, aber ich würde das mit weniger Pathos und nicht an ganz heiligen Dingen festmachen. Das ist mehr auf dem Boden, situationsbezogen, vertrauensbasiert.

Dorothee Sehrt-Irrek | Mo., 31. August 2026 - 16:28

Herr Brodkorb.
Sehr differenziert geschrieben.
Ich bin gerne bei Cicero

... denn wenn ich mich nicht grundlegend verändert und weiterhin wie vor über 50 Jahren eine Revolution mit anschließender Diktatur des Proletariats als religionsähnlichen, nur halt "linken" Aberglauben erkannt hätte, wäre ich als vielleicht Einziger heute noch im Kommunistischen Bund Westdeutschland oder bei den von manchen seiner führenden Kader mitgegründeten Grünen.
Die Ausführungen Herrn Brodkorbs zu Peter Brandt und seinem eigenen Weg wie auch zu seiner Rolle bei besagter Doktorarbeit sind für mich neu und ausgesprochen erfreulich, und ein Wort gegen Ende des Artikel ist mir aufgefallen im Satz "die Fahne ... vor sich hertrügen": genau da steckt für mich der Begriff trügerisch drin.
Fahnen, egal welcher Art, vor sich herzutragen oder ihnen auch hinterherzulaufen, ist deshalb seit 40 Jahren nicht mehr so meins, und ich hoffe dabei auf Verständnis bei allen zu über 100% von was Überzeugten hier im Forum ...

Das hinterher laufen ist auch nicht meins lieber Herr Keller!Doch ich unterschätze nicht die Symbolkraft eines Staatsemblems und dessen Wirkung was Zugehörigkeitsgefühl usw. auf die Bürger hat.Ein Gefühl,dem ich mich auch nicht ganz entziehen kann.Es kommt halt wie bei so vielen auf den Umgang damit an.Wenn eine Regierungschefin das Teil in die Ecke pfeffert, muss ich mich halt schon mal fragen,warum sie das macht.Oder wenn wie in Berlin und anderswo die Fahne eines als Feind ausgemachten Landes in den Schmutz getreten o. demonstrativ als Zeichen der Verachtung o. Symbol der Vernichtung Israels verbrannt wird auf deutschem Boden.Erinnern Sie sich noch,wie die Briten der Queen die Hölle heiß machten,bis diese trotz uralter Tradition nach Dianas Tod die Fahne des Buckingham-Palastes auf Halbmast hissen ließ?Was mich z.B. bei den Linken- Demos stört,sind nicht ihre roten o. Fahnen u. Symbole,sondern dass sie allen Anderen deren eigene Flaggen als"zu nationalistisch"! framen. MfG

... "Es kommt halt wie bei so vielen auf den Umgang damit an." Als ehemaliger "Nachläufer", damals aber aus vollster Überzeugung, bin ich deswegen gegenüber solchen Allgemeinsymbolen wie Fahnen deswegen skeptisch, weil ich die damit "Subsummierten" einfach nicht mehr auseinanderhalten kann.
Und dann liefe ich u.U. quasi "zwangsläufig" mit Leuten mit, mit denen ich aber gar nicht mitlaufen möchte: Beispiel wäre eine Demo gegen XYZ, wo sich wahlweise auch irgendwo "ein schwarzer Block" oder eine Truppe rechter Hooligans hinter einem Allgemeinsymbol einreiht. FInde ich problematisch.
Genauso wie die infame Subsummierung von "Unsere Demokratie" für Ansichten, die ich SO überhaupt nicht teile. Und spätestens im Ernstfall möchte zumindest ICH nicht hinter der deutschen Fahne herlaufen - das würde nach meinem Überblick auch beim dritten Mal nicht besser ...

Danke lieber Herr Keller für Ihre ehrlichen Ansichten bzw. Bedenken,wenn es darum geht sich sozusagen gemeinsam unter dem Banner zu vereinen;)Sagt man so?Erst recht auf einer Demo,wo man echt aufpassen muss,nicht zwischen die Fronten zu geraten,o.eingekesselt wird mit, mein Albtraum:"Omas gegen rächts;)". Dann doch lieber eine Situation,in die ich aus der Provinz stammend damals in Berlin geriet.Wo ich mich auf einmal einem einsamen Polizeibeamten,einem sehr kräftigen 2m-Mann mit Springerstiefeln auf der einen Seite,u. einer bedrohlichen Menge Linksautonomer auf der anderen Seite gegenüber sah,die just den von 2m bewachten AfD-Wahlstand " helfen wollten abzubauen:)".Und meinten,ich gehöre dazu.Der Polizist wurde immer nervöser,die Antifas immer lauter u. ich sah mein letztes Stuendlein schlagen.Bis 2m Bomberjacke meine 1,60m einfach schnappte,hinter sich schob, u. danach noch mal in Höhe u. Breite wuchs,was die tapferen Schreier wohl so beeindruckte,dass sie sich verzogen.Gerettet😅!

Heidemarie Heim | Mo., 31. August 2026 - 17:31

Danke lieber Herr Brodkorb! Wie immer ein entlarvender Beitrag bezüglich des von Heuchelei vollgetränkten Umgangs (Doppelmaßstab)unserer Medien und in der Politik, an den ich mich wohl nie gewöhnen werde! Insbesondere, wenn man danach nicht das Echo vertragen kann;) Oder eben den selbst geworfenen Bumerang,übrigens eine Waffe und kein Spielgerät, dummerweise an den eigenen Kopf zurückkehrt, anstatt den des Gegners zu treffen;-). Der betont als "Einziger" geläuterte Ehemann und "stabile Antifaschist" scheint mir ob der Beschreibung seiner Gattin Ex-Rauchern zu ähneln, denen man oft bescheinigt, nach ihrer Marlboro-Phase besonders radikale Vertreter im Kampf gegen die Qualmerei zu sein;). Wer hier ein wenig Schadenfreude findet,ich hab`übrigens selbst wie ein Schlot geraucht, darf sie behalten;). MfG

Dieser Doppelmaßstab ist allgegenwärtig. Wenn ein sogenannter Rechter ein Hakenkreuz über seinen Tweet malt, weil er bei irgendeiner Sache vor den Methoden des National-Sozialismus warnen will, dann wird er mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit verurteilt. Es sei unerheblich, was er zum Ausdruck bringen wolle, das Hakenkreuz sei nun mal verboten. Basta. Wenn dagegen ein sogenannter Linker wegen eines Hakenkreuzes vor Gericht steht, dann wird ihm das nachgesehen. Es wird von den Richtern auf seine linke Gesinnung verwiesen, die ausschließe, daß er das Hakenkreuz in bestätigendem oder verherrlichendem Sinne verwendet habe. Freispruch.

Meine selige Mutter hat immer wieder gesagt: Wenn zwei dasselbe tun, ist es noch lange nicht dasselbe. Das sagte sie nicht, um die Doppelmaßstäbe zu rechtfertigen, sondern um ihr Wesen zu beschreiben.

https://www.anwalt.de/rechtstipps/hakenkreuz-auf-instagram-und-trotzdem…

manfred westphal | Mo., 31. August 2026 - 19:43

Wurde am Samstag auf unserem Wochenmarkt von GRÜNEN+OMAs als „Anhänger der Nazi-Partei“ massiv beschimpft, weil mich am nahen AfD-Stand eine jahrzehntelang gute, liebe Bekannte begrüßte und umarmte.
Meine Frage, ob mit dieser Bezeichnung nicht die Taten der Nazi´s verharmlost werden, wurde mit weiteren Beschimpfungen beantwortet. Ein sachliches Gespräch war nicht möglich.
Vor etlichen Wochen haben einige GRÜNE+OMAs an einer pro-Palästina-Demo teilgenommen auf der auch eine, angeblich, israelische Rednerin auftrat.

... Gewerkschaft) die Geister zwischen den vernünftigen und toleranten Menschen, mit denen man reden und auch oft zusammenarbeiten kann, und den unvernünftigen Menschen und Anti-Demokraten, die nichts anderes können als jeden Andersdenkenden zu verteufeln.

Mit letzteren kann man leider kaum etwas bewegen, und man muss aufpassen, sich nicht selbst von diesen Sektierern zur Intoleranz provozieren zu lassen.

Wolfgang Borchardt | Di., 1. September 2026 - 08:31

nicht geben. Die grundgesetzliche Demokratie ist für alle da. Und wenn Herr Merz behauptet, dass in einem Sachsen-Anhalt mit AfD-Regierungsbeteiligung niemand mehr investieren würde, gibt es dafür keine Belege. Und er möge aufzeigen, in welchen Bundesländern noch wesentlich investiert wird

"Unsere Demokratie" schließt aus und suggeriert, die Demokratie ist der Besitz von "uns" (ja wer ist denn überhaupt uns?). Und ihr oder irgendwelche anderen bekommen sie nicht, sind sie nicht wert oder haben sie nicht, was für ein Schwachsinn.

Rolf Schmidt | Di., 1. September 2026 - 10:42

Ein guter Artikel finde ich.

Jürgen Goldack | Di., 1. September 2026 - 10:43

Gelebte Demokratie ist wichtiger denn je in unserer seit Jahren durch Linke Medien und zu vielen "Kader"-Politikern vergifteten Politatmosphäre, die über die AfD reden und schreiben wie ein Schaf über Einsteins Relativitätstheorie. Auch Frau Susan Sziborra-Seidlitz, die der geneigte MDR-Gucker am 26.08.2026 in vollem Umfang genießen konnte, hat dort große Teile ihres speziellen demokratischen Denkens u. Wissens offenbart. Bei dem Lesen dieses Artikels wurde mir von Herrn Brodkorb sehr zielführend vor Augen geführt, das es an der Zeit ist, 20 und mehr Jahre alte Geschichten zur Akte zu legen und sich den aktuellen Dingen zu widmen. Aber dann ginge besagten Medien, Politikern mit Ministerpräsidentenallüren und dem ÖRR in ihrem Kämmerlein geistiger Armut und geschichtlicher Fehlbildung die Munition aus, den für ihr Weiterbestehen vermeintlich gefährlichen politischen "Feind" zu vernichten. Würden sie nicht im "Morast" gründeln sondern ihren Job machen wäre, wäre die Demokratie gerettet.

Und versenkt!Vielen Dank!👍🏻👍🏻👍🏻👍🏻👍🏻 MfG

Martin | Di., 1. September 2026 - 12:21

Ich hoffe sehr, dass es genug Nichtwähler gibt, die der weiblichen oder eine von 42 Geschlechtern schwurbelnde Person eine deutliche Abfuhr erteilen. Wenn die den Mund aufmacht, schalte ich den Ton ab. Die ist unerträglich unsympatisch und blamiert Deutschland bis auf die Knochen.

Klaus Funke | Di., 1. September 2026 - 13:02

Oh mein Gott, eine unglaublich polemische, dabei schlecht vorbereitete Politikerin. Immer wieder fiel sie Herrn Siegmund ins Wort, extrem undiszipliniert, großmäulig, dabei banal und plakativ. Sowas kann man nicht ernst nehmen. Und wählen schon gar nicht. Und nun die Sache mit ihrem Ehemann. Gut, es gibt keine "Sippenhaft" und man kann sie nicht verantwortlich machen. Es bleibt indes ein Geschmäckle ob der Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit ihrer Aussagen und ihres Auftretens. Ob man sie wählen sollte, bleibt im Ermessen jedes Einzelnen. Ja, sie ist eine echte Grüne. So ist die ganze Partei. Solchen Leuten sollten man die Geschicke eines Landes nicht in die Hand geben. Nimmt man den Siegmund dagegen - das ist wie Tag und Nacht. Magere 6% bekämen die Grünen. Mit Personen wie Frai Sziborra-Seidlitz wird sich nichts verbessern. Sie sollte hart mit sich selbst ins Gericht gehen: Kann man so auftreten? Überzeugt man so die Wähler? No - Sire!

Lutz Friedl | Di., 1. September 2026 - 16:15

Ein hervorragender Kommentar, der auch vor 20 Jahren im mittlerweile irrlichternden Spiegel gestanden hätte können und die doppelten Standards in der politischen und medialen Welt beleuchtet. Besonders freut mich als langjähriger,ehemaliger Sozi die Reaktion eines Peter Brandt , des Sohnes eines veritablen Sozialdemokraten , der uns heute in der zunehmenden Eskalation mit Russland als diplomatischer Friedensnobelpreisträger dringend nötig wäre.