Juli Zeh
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Juli Zeh als Bundespräsidentin? - Eine Frau zwischen Stadt und Land, Ost und West, Links und Rechts

Als Juristin, Bestsellerautorin und ehrenamtliche Verfassungsrichterin verteidigt Juli Zeh die Grundrechte auch im Gegenwind, widerspricht der Dämonisierung politischer Gegner und spricht eine Sprache, die weit über die Berliner Blase hinaus verstanden wird. Damit ist sie die naheliegendste Kandidatin für Schloss Bellevue.

Ingo Way

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Eine der liebenswertesten Eigenschaften der Berliner ist die Sitte, ihre abgelegten Kleidungsstücke, aussortierten Haushaltsgegenstände und ihre gelesenen oder auch ungelesenen Bücher in Pappkartons auf die Straße zu stellen – „Zum Mitnehmen“. Ich habe in solchen Kisten, wenn es um Bücher geht, schon so manchen schönen Fund gemacht; vor einigen Tagen war es der Roman „Unterleuten“ von Juli Zeh, den ich noch nicht gelesen hatte. Offenbar war hier das synchronistische Prinzip der bedeutungsvollen Zufälle am Werk, wie es C.G. Jung beschreibt. Denn der Fund fiel zeitlich zusammen mit der Diskussion um die Nachfolge des derzeitigen Bundespräsidenten, die doch bitte eine Frau antreten solle – und in diesem Zusammenhang wird auch immer wieder der Name Juli Zeh genannt.  

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Jörg Allenstein | Fr., 27. Februar 2026 - 16:27

Volle Zustimmung. Ich kenne zwar keine Bücher von Frau Zeh, aber ich finde ihre klaren und unideologischen Gedanken in Interviews immer erfrischend. Sie wäre nach einer langen Durststrecke endlich mal wieder eine würdige Kandidatin.

Markus Michaelis | Fr., 27. Februar 2026 - 16:29

sehr passen. Allerdings habe ich meist eher Sondersichtweisen, so dass ich Zweifel haben, ob Frau Zeh wirklich genügend Menschen im Land mitnehmen kann. Damit verbunden ist allerdings die allgemeinere Frage, ob die große, integrative Figur bei den heutigen Gegensätzen überhaupt möglich ist.

Vielleicht ist eine Figur, die eines der größeren gesellschaftlichen Lager mit anführt, wie zB Steinmeier, realistischer. In anderen Lagern führt das zwar zu heftigeren Ablehnungen, aber man bringt dann eben eine gewisse Hausmacht mit.

Frau Zeh scheint mir ein unabhängigerer Geist und keinem Lager fest zuzuordnen, sie könnte aber genau deswegen auch zu isoliert sein in ihrer gesellschaftlichen Wirkung?

Sabine Lehmann | Fr., 27. Februar 2026 - 16:35

Der echauffierte Griff zur Perlenkette passt so folgerichtig zur konstanten moralinsauren Empörungswelle im deutschen Journalismus, wie der Pinsel zum Maler.
Ich erinnere mich, dass der Hosenanzug aus der Uckermark(ja, ich weiß, ich kann es einfach nicht lassen, Lehmännchen muss immer wieder diese Person anführen, deren Name nicht genannt werden darf....bringt Unglück) auch immer so ein hässliches Gebammsel um den zerknitterten Hals trug und perfekt dazu einlud, bei Entgleisungen(und derer gab es viele) den gängigen Spruch anzuführen, sie hätte ja ohnehin nicht mehr alle Murmeln auf der Kette.
Wie dem auch sei, ich bin zwar mittlerweile allergisch auf weibliche Personalien, aber in dem Fall würde ich eine Ausnahme machen. Was ich bisher von Frau Zeh gehört habe, machte einen vernünftigen und vor allem rationalen Eindruck. Das heißt zwar nicht, dass ich immer ihrer Meinung bin, das ist aber auch nicht von Nöten, ganz im Gegenteil. Hauptsache keine Chefideologen u. Phrasendrescher mehr!

Klaus Funke | Fr., 27. Februar 2026 - 16:58

Die mal einen vernünftigen Eindruck macht. Sind wir jetzt auf einer panischen Suche nach einer Bundespräsidentin? Gewiss, Frau Zeh hat ihren Kopf nicht nur für den Friseur. Über den Wert, namentlich den literarischen, ihrer Bücher kann man streiten. Für mich gehobene Unterhaltungsliteratur mit gesellschaftspolitischem Touch. Aber berechtigt dies für eine Kandidatur zur Bundepräsidentin? Wenn jetzt noch mehr Vorschläge kommen, aus allen Richtungen, Schichten, aus Stadt und Land, dann haben wir wieder typisch deutsch gehandelt und alles zerquatscht. Nein, Frau Zeh sollte nicht für das Amt der Bundespräsidentin kandidieren, sie sollte weiter Bücher schreiben und sich einbringen in unser Leben, auch als Juristin. Ich glaube, ich erkenne die Marschrichtung. Jetzt hagelt es Vorschläge, noch und nöcher, zum Schluss werden wir alle froh und erleichtert sein, wenn Frau Merkel "nach zahllosen Bitten aus der Bevölkerung" sich bereit erklärt, das Amt zu übernehmen. That is real Marketing.

Gott bewahre, lieber Herr Funke, dann ziehe ich aus.
Die, deren Name nicht ausgesprochen werden sollte, die auf den Fluren in Brüssel bis heute für veritable Allergieschübe sorgt, rhetorisch auf dem Niveau des Goldenen Blattes unterwegs war und die Sieben Plagen in den Uckermarkschen Schatten stellte, die kann ich einfach nicht mehr ertragen! Vielleicht sollte man vom Phänotyp, lassen wir Inhaltliches mal "links" liegen, etwas Repräsentatives und Vorzeigbares nehmen, einfach jemand, den man für gut überall mit hinnehmen kann, wie meine Oma zu sagen pflegte;-)

Die Ansprüche sinken halt mit den Gegebenheiten, lieber Herr Funke. Von daher, immer schön bescheiden bleiben;-)

wünschen sich das geradezu, dass es Merkel würde...?? Zweifellos ist das Ihr inniger Wunsch - denke ich mal, würde es doch alles bisher geschriebene mit einem Schlag bestätigen... ...🤔

Und Sie wissen natürlich auch nicht für was VT steht - neeeein, nie gehört... ... - Sie sind schon ein 'mein Bester' - zu 100%. "Aber ich möchte Ihnen hier natürlich nicht zu nahe treten..." - kennen Sie das, eventuell?

Junge-Junge... - kaum auszuhalten.

Habe ich Sie derart in Ihrer Eitelkeit gekränkt? Dann bitte ich um Entschuldigung. Und natürlich ist es Quatsch, was Sie da hingeschrieben haben, und das wissen Sie ganz genau. Merkel ist das Letzte, was ich mir persönlich wünsche, aber sie ist die Konsequenz dieses elenden und durch anhaltende CDU/SPD-Regierung verkommenen Landes. Wenn sie an der Spitze dieses Staates steht, dann gibt es keine Hoffnung mehr, dann ist nur noch Auswandern oder absolutes Privatleben angesagt. Aber sie ist tatsächlich das Nonplusultra dieses verfluchten Landes. Sie ist das Endziel des Abwärtstrends. Nach ihr kommt nur noch Lethargie und Illu-Niveau. Aber man hätte es wissen können. "Quidquid agis, prudenter agas et respice finem!", sagten die Römer, und sie hatten recht damit. 😒

Walter Buehler | Fr., 27. Februar 2026 - 17:15

mich ärgert es schon lange, dass die Bundesversammlung einen wichtigen Repräsentanten unseres Staates bestimmen darf.

Die "Bundesversammlung", dieses "zivilgesellschaftliche" Gremium oder dieses "Oberhaus" wird nicht durch demokratische Wahlen gebildet, sondern ist nur ein Organ der Parteien und ihrer NGOs, genauer: ein Organ der hauptberuflichen Funktionäre in den Parteien und NGO's.

Manchmal denke ich, die Wiedereinführung eine Monarchie - wie in vielen demokratischen Nachbarländern - wäre einfacher, übersichtlicher und jedenfalls romantischer als diese Kür eines grauen Funktionäts durch andere graue Funktionäre (w/m/d/...).

Vielleicht wäre es auch nützlich für den Tourismus??

PS: Ab diesem Wochenende ist die Hohenzollerngruft im Berliner Dom wieder zugänglich.

„Wir wollen unseren alten Kaiser Wilhelm wieder ham‘ „
Aber im Ernst, der kostet noch mehr Steuergeld als der BP.
Das ändert natürlich nichts an ihrer Zustandsbeschreibung des Wahl - Algorithmus durch Parteien, deren NGOs und deren Sympathisanten.
Mit besten Grüßen a d E Rep.

Wolfgang Borchardt | Fr., 27. Februar 2026 - 17:43

und nicht geeignet, "unsere" Demokratie zu verteidigen. Parteien werden sich nicht den Alleinvertretungsanspruch auf die Demokratie nehmen lassen, sowenig wie die Kirchen den auf Gott.

und weniger sollte es für dieses höchste Amt im Staate auch nicht sein.
Zivilcourage hat sie auch!
Sie überlegt sich diese ehrenvolle und sicher auch kräftezehrende Aufgabe für später.
Sehr gut.
Nach wie vor sollte man meiner Meinung nach Frau Knobloch mit diesem Amt ehren.
Möge sie lange leben.
Wahrscheinlich müßte man für sie die repräsentativen Aufgaben etwas straffen und eingrenzen.
Jedefalls ein schöner Artikel.

Jens Böhme | Fr., 27. Februar 2026 - 18:03

Welche bedeutsame Rolle spielt ein/e Bundespräsident/in überhaupt in der Bevölkerung? Edle Reden, die in den Medien positiv bewertet werden, aber keinen Einfluss auf die Bundespolitik geschweige Gesellschaft haben. Man erinnere sich an die Ruck-Rede von Roman Herzog 1997 ("Was ist los mit unserem Land? Im Klartext: Der Verlust wirtschaftlicher Dynamik, die Erstarrung der Gesellschaft, eine unglaubliche mentale Depression – das sind die Stichworte der Krise."). Der Ruck blieb aus. Stattdessen Angela Merkel, Leistungslosigkeit, Faulheit, Heimathass und Gerechtigkeitswahn-Sozialismus. Und zwei Bundespräsidenten, die vorzeitig das Handtuch warfen.

H. Stellbrink | Fr., 27. Februar 2026 - 19:08

In der Tat scheint sie das Format zu haben, nicht wie Steinmeier als Bundesspalter zu wirken, sondern mit klugen Worten, die sie zu setzen weiß, die Feindschaft wieder in eine politische Gegnerschaft in der Gesellschaft zu wandeln.
Wer spricht mit ihr?

IngoFrank | Sa., 28. Februar 2026 - 06:46

Erst muss „Mutti“ ihren Verzicht erklären. Sie wird wohl nicht umsonst ihre wertvolle Zeit beim Bundesparteitag bei der ihr ungeliebten CDU verdaddelt haben 🙈
Es wird eh ein alter „Verdienstvoller Genosse“ aus den Reihen von Schwaz, Rot oder Grün werden oder denen zumindest nahesteht und nicht jemand, der dem Amt möglicherweise wieder zu intellektuellem „Glanz“ verhelfen könnte…….
Mit besten Grüßen aus der Erfurter Republik

"Ich bin mir fast sicher, es ist beschlossene Sache. Merkel wird es!" - 26. Februar 2026 - 13:54

...und sinngleichauch noch an anderen Stellen...

Klasse...👍🤣 [...weiter Kommentare dazu erübrigen sich wohl..., also meinerseits]

.. wenn sie nichts Besseres zur Verächtlichmachung meiner Person beitragen können, lassen Sie es lieber. Und ich grübele über Ihre Motive, mich betreffend, nach. Sind Sie so sehr getroffen worden, dass Sie nun bei allen Gelegenheiten bellen und beißen müssen? Kann ich mir beinahe nicht erklären, außer... Sie wären eben doch Lehrer, oder, noch schlimmer, ein ehemaliger Funktionsträger. Aber, was soll´s. Es ist völlig belanglos. Und geht keinen etwas an. Denn mir geht es weder um Rechthaben noch um Eitelkeiten. Ich bin längst jenseits von Gut und Böse. Im Grunde amüsiere ich mich nur noch... und dies ist ein wahres Vergnügen, glauben Sie mir.

IH | Sa., 28. Februar 2026 - 07:29

Im Gegensatz zu Steinmeier (Frank Walter der Spalter) hat sie Potenzial, die gespaltene Gesellschaft wieder zu unterstützen, eins zu werden, in gegenseitigem Respekt.

Was mir hingegen zu Steinmeier in den Sinn kommt darf ich nicht schreiben. Viel zu gefährlich. Ruckzuck hat man eine Klage am Hals wegen Majestätsbeleidigung und die Polizei steht früh morgens vor der Tür. Man weiß es nicht.

Urban Will | Sa., 28. Februar 2026 - 10:58

vorgeber, nicht pauschal die größte Opposition verteufelt und zum Verbot aufruft, da sie offensichtlich eine ordentliche Portion Intelligenz, Verstand und vor allem Toleranz zu besitzen scheint und wohl auch noch – da sie gute Romane schreibt – gute Reden halten könnte...
ist sie leider völlig ungeeignet für diesen Job.

Zumindest wenn nach Meinung der vom linksgrünwoken Mainstream unter strenger Beachtung der Linientreue zusammengewürfelten „Bundesversammlung“ (welch ein Schwachsinn, die einzige Versammlung, die diesen Namen verdiente, wäre das Volk. Warum dürfen wir unseren Präsidenten nicht direkt wählen?) einst ein Frank Walter Steinmeier, den ich für verfassungsfeindlich halte, geeignet war.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Zeh es wird, ist in etwa so hoch wie die, dass es Gauland wird, dem ich dieses Amt auch zutrauen und gönnen würde.
(„Vogelschiss“ hin oder her, er hat sich wahrlich oft genug dafür entschuldigt und es wurde eh aus dem Zshang gerissen).