Journalismus und Demokratie - Die unverzichtbare Ordnung des Gesagten

Die Demokratie überholt, der Journalismus unnötig – unter Intellektuellen macht sich Fatalismus breit. Doch im Kampf gegen die virtuelle Entbürgerlichung und für die Demokratie ist klassischer Journalismus unverzichtbar.

Die Medien machen das Gesamtkunstwerk der offenen, der westlichen Gesellschaft greifbar / picture alliance

Autoreninfo

Frank A. Meyer ist Journalist und Kolumnist des Magazins Cicero. Er arbeitet seit vielen Jahren für den Ringier-Verlag und lebt in Berlin.

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Für den deutsch-amerikanischen Hochschullehrer und Publizisten Hans Ulrich Gumbrecht ist der Staat, wie wir ihn kennen, überholt. Er müsse sich „neu erfinden“, sonst habe er keine Zukunft mehr. Für den Schweizer Schriftsteller Lukas Bärfuss ist die Demokratie, wie wir sie praktizieren, veraltet, gründet sie doch „auf Ideen aus dem 18. Jahrhundert“. Deshalb brauche „unser politisches System mehr als Gesetzesreformen“. Sonst habe es keine Zukunft mehr.

Für den Schweizer Journalisten Kurt W. Zimmermann braucht die Demokratie die Medien „nicht zwingend“, jedenfalls nicht so, wie wir sie gewohnt sind. Auch ohne sie „funktioniert die Demokratie prächtig“. Journalisten haben keine Zukunft mehr. Der globalisierte Digitalismus enthebt nicht nur die Nation ihrer Funktion, er unterläuft auch die Demokratie. Twitter, Instagram und Youtube usurpieren die Medien und das Metier des Journalismus. 

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Holger Jürges | Mi, 12. August 2020 - 12:42

Ich bin ganz bei Ihnen hinsichtlich der Notwendigkeit von gutem Journalismus Herr Meyer; gerade solch bürgernahe Preziosen wie der CICERO – ein Refugium aufgeklärter Bürgerschaft – zeigen das deutlich!
Würden sie postulieren, Herr Meyer, dass das Gleichgewicht von Information, Wahrheit, Neutralität und Ausgewogenheit kennzeichnend für den deutschen Medienpool ist ?
Wenn die Philosophen in einem Land schweigen, aus Angst hinsichtlich ihrer Reputation, lässt uns die Retrospektive betroffen zurück.
Wenn Menschen sich fürchten müssen, um ihre Weiterbeschäftigung im Beruf, weil sie Äußerungen, welche durch die Vernunft gedeckt sind, machen, ist Schlimmes zu befürchten. - DAS zum Beispiel sollten Journalisten thematisieren, dann klappt´s auch wieder mit dem Vertrauen in die Medien und der Wildwuchs im Social Media – Bereich würde sich glätten.- Wann setzt sich hierzulande das Fatum durch : Die Medien tragen als eigenständige Kraft die Verantwortung für Wahrhaftigkeit und Neutralität in sich

Christa Wallau | Mi, 12. August 2020 - 12:55

"Demokratie braucht Heimat."
Das haben Sie gut gesagt, lieber Herr Meyer.
Genau s o ist es!
Demokratie ist überhaupt nur in einem überschaubaren Raum praktizierbar. Die Nation ist dabei schon die äußerste Grenze.

Jede Weltoffenheit setzt voraus, daß man einen
festen Platz hat, von dem man ausgehen und zu dem man zurückkehren kann. Dort zählt dann auch die eigene Stimme, falls es eine Demokratie ist, in der man lebt.

Jeder wird zum Spielball im Weltgeschehen, der
k e i n e Heimat hat, es sei denn, er verfügt über
großen Reichtum. Der "normale" Mensch (mindestens 90% aller Erdenbürger) ist auf "sein"
Land, "seinen" Staat angewiesen, auf dessen Werte und Solidarität mit der Bevölkerung.
Je einheitlicher diese ist, umso besser klappt das
normalerweise.

Journalisten sollten das auch wissen, wenn sie
"einfachen" Menschen komplizierte Zusammenhänge begreifbar machen wollen, was ja ihre Aufgabe ist.
Und, ja, sie müssen umfassende Bildung besitzen, vor allem auch Herzensbildung!

Gisela Fimiani | Mi, 12. August 2020 - 13:50

Sie beschreiben einen erwünschten, erhofften Zustand des Journalismus, Herr Mayer. Der (Haltungs-) Journalismus der Gegenwart bildet jedoch eine andere Realität ab. Von Ausnahmen sei abgesehen.

dachte ich auch. Das ist ein Idealbild für Journalismus, das mit der Realität nicht mehr viel zu tun hat.

ist eine der rühmlichen Ausnahmen." Herdenjournalismus" war noch nie seine Sache. Ich denke da an seine legendären vis -a -vis- Interviews im Fernsehen. Sein Necla Kelek -Interview hätte stilbildend sein können wie man mit dem Thema Islam umgeht. Leider gibt es seit seinem Ausscheiden dort keine adäquate Nachfolge.

helmut armbruster | Mi, 12. August 2020 - 14:07

und bin der Meinung, dass der Souverän (der Wähler) nur als Stimmvieh gebraucht wird. Zwischen den Wahlen wird er nicht gebraucht, ja er ist fast unerwünscht.
Der Wähler hat in der Regel nur ein kurzes Gedächtnis und einen engen Horizont. Daher können die Politiker ihn ignorieren.
Es wäre die Aufgabe des Journalismus das zu ändern. Aber wie? Die Menschen sind wie sie sind.
Vielleich könnte die Netzanarchie da helfen. Immerhin bereichert sie das Meinungsspektrum.
Mit Wahrheit und Wirklichkeit hat das allerdings wenig zu tun. Jeder muss sich heraus filtern, was ihm glaubhaft und richtig erscheint.
Das ist immerhin etwas und es ist mehr als nur Stimmvieh zu sein.

Urban Will | Mi, 12. August 2020 - 14:10

wie unverzichtbar „klassischer Journalistmus“ ist.
Aber auch, wie selten er geworden ist.

So wie ich Sie wahrnehme, gelingt Ihnen als einer der wenigen, Ihre politische Gesinnung, wo immer sie liegen mag, hinter dem Berg zu halten.
Daher finde ich Ihre Beiträge so gut.

Und Sie bekommen zu Recht "sogar" hier – aus dem angeblichen so „AfD – lastigen“ Kommentatorenforum (wobei dem Verbreiter dieser Einschätzung nicht unbedingt Objektivität unterstellt werden kann) - immer viel Lob.

Ihre Sätze über das Journalistenhandwerk (breites, tiefes Wissen, Bildung, Erfahrung) sind richtungsweisend.
Nur aber werden sie halt oft missachtet.

Und das erzeugt viel Frust bei den Konsumenten und nie war es leichter, diesen Frust schneller und ein so großes Publikum erreichend loszuwerden.

Aber die Konsumenten sind nun mal keine Profis.
Daher ist es umso wichtiger, dass Ihre Forderungen hier bei letzteren viel Gehör finden, sonst leidet in der Tat die Demokratie und mit ihr die Nation.

Klaus Peitzmeier | Mi, 12. August 2020 - 14:22

Den sich selbst zensierenden Journalismus braucht niemand. Nach Rückfrage bei meiner Tageszeitung,warum sie die Nationalität der Täter nicht mehr nenne,bekam ich zur Antwort: "Das ist eine Vereinbarung, die im Presserat getroffen wurde". Irgendwann wird dann mit gleicher Intention auch der Ort des Geschehens nicht mehr genannt,weil den Lesern die Verrohung in den immer gleichen Hotspots nicht zuzumuten ist.
H.Meyer, Sie schreiben:"Journalisten backen die Ziegelsteine, mit denen der Bürger baut". Wenn die Steine aber brüchig sind, baut der Bürger mit etwas anderem. Und wenn die wenigen relevanten Journalisten immer nur die nach deren Meinung politisch korrekter Gäste einlädt, muß man sich nicht wundern, wenn das Interesse nachläßt. Man kann die meist nichtssagenden Antworten doch schon selbst geben. Egal was man von der AfD hält. Aber wenn die Journalisten sich zur Aufgabe machen,unterwürfig den Part des Verfassungsschutzes zu übernehmen, stimmt irgendetwas mit dem Journalismus nicht

Gerhard Schwedes | Mi, 12. August 2020 - 14:28

Verstehen sie ihr Handwerkszeug richtig, müssten sich Journalisten als Wächter der Demokratie verstehen. Eigentlich eine großartige Aufgabe, Politik und Gesellschaft unter dem Aspekt des Gemeinwohls unter die Lupe zu nehmen. Wie Frank Meyer sagt, gebraucht es dazu hochgebildete Experten, die von den Laien im Netz nicht ersetzt werden können. Ohne guten Journalismus keine echte Demokratie. So viel zur Pflicht der 4. Gewalt. Doch werden die Journalisten dieser Aufgabe gerecht? Ich will einmal vom konkreten Fall, dem "Cicero" ausgehen und hier meine Kritik ansetzen. Um es gleich vorwegzunehmen: Viel Licht und viel Schatten. Ich denke, dass sich der "Cicero" allzu sehr verzettelt und sich seiner gesellschaftskritischen Aufgaben zu wenig bewusst ist. Seit Jahren steuert unsere Politik in eine verkehrte Richtung. Deshalb müsste viel konsequenter dagegen angeschrieben werden. indem man die Verantwortlichen dafür nicht zur Ruhe kommen lässt. Stattdessen verliert man sich in zu vielen Themen.

Es ist wohl kaum seine Aufgabe, als Interessenverteter einer bestimmten Bevölkerungsgruppe Fundamentalopposition gegen die "Alt-" oder "Systemparteien" zu betreiben.

Eine Reduzierung zum reinen AfD-Sprachrohr würde das intellektuelle und wahrscheinlich auch wirtschaftliche Aus für ein Magazin bedeuten, dass sich selbst als liberal-konservativ begreift und alleine dadurch wenig Berührungspunkte mit einem AfD-geneigten Publikum hat.

Das ist es, was den Cicero von den üblichen Meinungsmachern am rechten Rand untescheidet: Tichy, Junge Freiheit usw.

Kampf und Klassenkampf steht bei ihnen wohl hoch im Kurs, weil sie diese begriffe so oft benutzen? Kampfblätter gibt es häufig von linksextremistischen Kampfgruppen. Sind das die Leitbilder ihrer Denkweise?

Zitat:" Ich denke, dass sich der "Cicero" allzu sehr verzettelt und sich seiner gesellschaftskritischen Aufgaben zu wenig bewusst ist. Seit Jahren steuert unsere Politik in eine verkehrte Richtung. Deshalb müsste viel konsequenter dagegen angeschrieben werden. indem man die Verantwortlichen dafür nicht zur Ruhe kommen lässt." Zitatende

Nun, Herr Schwedes, wenn es nach Ihrem Wunsch verliefe, würden Herr Christoph Schwennicke und seine Kollegen aus der Redaktion nicht mehr zum Presseclub etc. eingeladen, so wie es Herrn Roland Tichy erging: einst gern gesehener Talkgast, der im Verlauf der Zeit zu "klar Klartext" geredet hat. - Vor diesem Hintergrund ist auch zu verstehen, dass z.B. Herr Schwennicke eher "behutsam" mit den Themen umgeht, wenn die Kamera läuft; mir scheint´s oft mit angezogener Handbremse.

Joachim Kopic | Mi, 12. August 2020 - 15:56

Wenn man gezielt auf entsprechenden Seiten sucht, bekommt man nicht den - in grünroter Soße getunkten - Allerweltsjournalismus von ARD und ZDF, sondern kann sich seine eigene Meinung besser bilden. Traurig und ärgerlich obendrein, da man dafür bezahlen muss, ständig belehrt zu werden!

Gunther Freiherr von Künsberg | Mi, 12. August 2020 - 16:18

Was ist klassischer Journalismus? In diktatorischen Systemen ist es die Aufgabe des Journalisten das System zu stabilisieren, die Herrschenden zu loben und deren Meinung zu verbreiten. In demokratischen Systemen hatte der Journalist ursprünglich gegenüber den Herrschenden eine Kontrollfunktion die zunächst darin bestand Tatsachen zu berichten und-sauber getrennt-seine Meinung dazu abzugeben. Dies hat sich erheblich geändert, weil heute dank Internet Jeder-ungeachtet seiner Ausbildung und seinem Verständnis von Demokratie- Meinungen und angebliche Tatsachen unkontrolliert für jedermann zugänglich veröffentlichen kann, wobei die Grenzen zwischen Berichterstattung und Meinung möglichst nicht deutlich werden sollen. Bestes Beispiel Donald Tramp. Hier sollte es die Aufgabe des Journalisten sein korrigierend einzugreifen. Das kann aber nur funktionieren, wenn der Journalist bereit ist gegen den Mainstream zu schwimmen, denn ansonsten beugt er sich dessen diktatorischem Absolutismus.

in nahezu allen Medien wird über Trump gewettert.
Das ist geradezu lächerlich und peinlich wenn man sich die Fehlentscheidungen auf nahezu allen Felder der Politik bei uns anschaut. Ich hoffe auf eine weitere Amtszeit des amerikanischen Präsidenten.

aber kann und darf es Aufgabe eines Journalisten oder einer "Wahrheitsfindungsgruppe" sein, zu bewerten oder zu löschen, was ein Präsident sagt? Stellen Sie sich vor, irgend ein Angestellter würde sich das seinem Firmenchef gegenüber herausnehmen. Das kommt niemandem zu, und schon gar nicht einem Staatsoberhaupt gegenüber. Es werden sogar Leute entlassen, wenn Sie eine Rede eines Politikers abdrucken. Wer, wenn nicht diese gewählten Leute, können sagen, was sie denken? Journalisten können ihre Sicht der Dinge, vielleicht auch Fakten, dagegen halten, haben aber nicht zu zensieren. Das gilt im übrigen für alle und jeden. Wer andere belehrt, stellt sich über sie. Und das allemal, wenn er nicht den gleichen "Dienstgrad" (Hierarchie) hat. Bisweilen frage ich mich schon, was nehmen "Journalisten" sich heutzutage heraus? Die verbreiten eigentlich nur noch ihre Haltung. Mit wenigen Ausnahmen, und die findet man u. a. hier. Mir fehlt Herr Kissler...

Jürgen Keil | Mi, 12. August 2020 - 16:24

Die Demokratie ist für mich nicht vollkommen, aber sie ist die beste unvollkommene Gesellschaftsform. Ich meine die Bürgerliche Demokratie. Die Andere habe ich erlebt; kann also urteilen. Aber natürlich muss Demokratie sich weiter entwickeln. Zum Beispiel durch ein Wahlverfahren, welches die intelligentesten, sowie auch bodenständige „Volksvertreter“, Menschen mit wertschaffender Erwerbsbiographie und einem Berufsabschluss, der auch ein Leben außerhalb der Politik ermöglicht, in die Volksvertretungen bringt. Keine subalternen Parteidiener, deren wohl einzige Fähigkeiten Eloquenz und Netzwerkknüpfen sind. Sie sollten zeitbegrenzt in den Volksvertretungen wirken. Aus ihrem Kreis sollten Minister, die Fachleute im Fachministerium sind, gewählt werden. Journalisten, ja, sehr wichtig natürlich. Aber keine haltungssteifen Volkserzieher. Den letzten Satz Ihres Beitrags, Herr Meyer, verstehe ich als Anspruch! Man kann ja mal träumen.

Bernd Muhlack | Mi, 12. August 2020 - 17:14

"Bloß mal als Beispiel..." war ein sehr beliebter Satzbeginn meines Stiefvaters.

In diesem Sinne folglich ein Beispiel.

Am Wochenende war bei FAZ-online ein Artikel zu dem Thema Antisemitismus.
Für den Autor war alternativlos eindeutig, wo in Deutschland Antisemitismus zu verorten ist: RECHTS!

Den Artikel als "Meinung" zu titulieren wäre angemessen gewesen.

Einer der Kommentatoren erwähnte das allseits bekannte Zitat von Karl Lagerfeld: ein Volk welches sechs Millionen Juden ermordet hat, sollte sich nicht Millionen Menschen ins Land holen, welche Judenfeinde sind (sinngemäß zitiert).
Ich antwortete, dass ich die Veröffentlichung sehr gut finde, lobte den Administrator.
Denn dieses Zitat ist quasi tabu, steht auf dem Index.

Und dann?

Eine Mail der FAZ.
Man bedankte sich für meine "Meldung" und nach erneuter Prüfung sei das Posting gelöscht worden!

Alles gelöscht!

Sämtliche Postings entsprachen der Netiquette und ich hatte keine "MELDUNG" verschickt.

Ja, das ist ungeheuerlich!

Gerhard Schwedes | Mi, 12. August 2020 - 19:38

Der Journalist ist nicht unabhängig vom Herausgeber eines Mediums und dieser nicht frei vom Geld, das im Kasten klingt. Um dem Spagat zwischen Wahrheit und Wirtschaft zu entgehen, kommt es geradezu zwangsläufig zu einer Art Flatterjournalismus. D. h., die Redaktionen verorten sich im Überall und Nirgendwo, flattern mal hier, mal dort und nennen dies freien Journalismus, was in Wirklichkeit bloß eine Taktik ist. In der Welt leistet sich dann ein Herr Aust einen Artikel gegen die negative Umweltbilanz der Windradpolitik, aber in anderen Artikeln drischt man auf die AfD ein, obwohl diese der gleichen Meinung ist. Auch im hoch gelobten Cicero, den ich selber auch schätze, ist dies der Fall. Man leistet sich eine Frau Hildebrandt, die gerne ein links-grünes Fähnchen schwenkt, aber auch einen Herrn Stelter, der die Wirtschaftspolitik von Frau Merkel zerrupft. Es gibt fast kein Medium mehr, das Ross und Reiter benennen würde. Auf diese Weise entsteht ein schlimmer Schaden für die Demokratie

Wolfgang Fengler | Mi, 12. August 2020 - 23:31

Ich greife Ihre Anregung auf und sehe daher mehrere Notwendigkeiten. Zum einen die Möglichkeit der Volksabstimmung bei ausgewählten Themen ( keiner hat uns gefragt bei der Einführung des Euro, bei der Abschaffung der Wehrpflicht, dem Ausstieg bei der Kernenergie, der Öffnung der Grenzen etc); zum anderen die Begrenzung der Mandatsdauer auf 2 Wahlperioden. Nur so werden „Parteisoldaten“ verhindert und eine gesunde Mischung der Volksvertretung gewährleistet. Gerne weniger Abgeordnete und - ja tatsächlich - bessere Vergütung, damit die Rückkehr in den ursprünglichen Beruf auch von Gutverdienern ermöglicht wird. Meines Erachtens ist nur so gewährleistet, dass die Parteien an der politischen Willensbildung m i t w i r k e n, diese aber nicht bestimmen.
Gute und sehr gute Journalisten, unabhängig und durchaus kritisch, sind einem derartigen Parlament gerne willkommen. Aber Wahlvolk ohne Einfluss, wie wir es derzeit sind, wollen viele und ich nicht länger sein.

Bernhard Marquardt | Do, 13. August 2020 - 09:37

Die „Einnordung“ der Medienlandschaft ist ein beklemmendes Phänomen. Begriffe wie „Redaktionsnetzwerk Deutschland“, „Funke Mediengruppe“, „Redaktionsgemeinschaft WDR,NDR und Süddeutsche“ u.a.m. lassen auf die Eindampfung der Redaktionen zugunsten eines einheitlichen Haltungs-Journalismus schließen. Union und SPD haben über Jahrzehnte die Spitzenpositionen der öffentlich-rechtlichen Medien besetzt. Der Verlust der medialen Informationsvielfalt (mit wenigen Ausnahmen) führt zu einer informellen Einfalt. Pressefreiheit und Meinungsvielfalt bedingen aber einander. Der Mangel an Vielfalt in der öffentlichen Darstellung stellt eine Gefahr für eine offene Gesellschaft dar. Wer nicht mit den Wölfen des „mainstreams“ heult, verfällt dem „framing“ oder dem „cancel culture“ der neuen Jakobiner und deren „Aktivisten“, den Pastaran der eigenen Meinungsdiktatur.
„Je weiter sich eine Gesellschaft von der Wahrheit entfernt, desto mehr wird sie jene hassen, die sie aussprechen.“ George Orwell

Reinhard Benditte | Do, 13. August 2020 - 13:41

Ist es nicht so, dass Journalisten Ihr eigenes Grab graben? Berichten sie offen über Themen oder nach einer fest stehenden Meinung? Werden interessante Themen unter den Tisch gekehrt oder nur die„politisch korrekten“ behandelt? Wird der Bürger als mündiger Bürger von den Mainstream Medien behandelt oder will man ihn erziehen und vorzuschreiben, was er zu denken hat. Spielt das reale Leben in den Redaktionsstuben eine Rolle oder leben Journalisten in ihrer eigenen Phantasiewelt?

Und die Demokratie? Welche Demokratie? Die, in der die BK Ihre Entscheidung als alternativlos ansieht? Die, in der man der Anforderung der BK, eine Wahl eines MP rückgängig zu machen, nachkommt? Die, wo das Parlament zum Abnickverein verkommen ist und Opposition nicht mehr stattfindet? Die, in der Mainstream Medien vergessen haben, dass ihre Aufgabe die Kritik an den Regierenden und Herrschenden ist?
Hr. Meyer, die Totengräber der Demokratie und des Journalismus sitzen in den Parlamenten und Redaktionsstube!

Manfred Sonntag | Do, 13. August 2020 - 14:21

Das ist eine vorzügliche Beschreibung. Wir haben einen Mainstreamjournalismus, welcher versucht die Fassade des Hauses der Demokratie und der Nation darzustellen. Leider benutzen große Teile der Redakteursgemeinschaften die postlinke und linksliberale Ideologie der Dekonstruktion für ihre Illustrationen. Auch wird sehr, sehr viel Wert in den Artikeln auf die Beiträge in den sozialen Medien gelegt. Damit wird aber das eigene Fundament brüchig und der Untergrund gibt nach. Dadurch erscheint uns das Haus immer mehr als einsturzgefährdet. Es gibt noch tragende Wände wie der Cicero und einige wenige andere aber das Problem der Stabilität unseres Gemeinwesens wird täglich sichtbarer. Für die kommenden Generationen muss wieder viel mehr Wert auf die grundlegenden Qualifikationen der Journalisten Wert gelegt werden. Die Ideologie war noch nie ein guter Baumeister der Zukunft. Es endete immer mit einem Zusammenbruch. Last ihn uns verhindern!

Ernst-Günther Konrad | Do, 13. August 2020 - 18:28

Irgendwie tat ich mich schwer mit dem Artikel. Ich gebe es offen zu, ich verstand ihn erst nicht so richtig. Ich las ihn ein zweites Mal und dann klickte es.
Ich kann alles das, was meine Vorkommentatoren schreiben für mich unterschreiben. Der Journalist ist zuerst auch Mensch, mit allen Stärken und Schwächen des menschlichen. Wir sollten uns überlegen, ob die einseitige Berichterstattung "nur" eigene politische Überzeugung ist oder "müssen" Journalisten, die staatlich über GEZ oder andere Töpfe des Steuerzahlers "gestützt" werden, existenzabhängig berichten?
Sicher gibt es überzeugte links-grüne Journalisten, die aus freiem Willen und Überzeugung einseitig berichten, wann "outen" sich die, die gegen ihre Überzeugung berichten müssen? Egal, wie es in DE weiter geht. Es ist auch ihr Land, ihre Nation, ihr Volk dem sie dereinst, egal wie es sich ändert, Rede und Antwort geben müssen. Warum wird eine Twittermeldung zur Echokammer von Hass und Hetzte durch ÖRR und MSM egal gegen wen?