Spahns Villenkauf - Das Private ist politisch

Jens Spahn leistet sich inmitten der Corona-Krise eine denkmalgeschützte Luxusvilla. Verboten ist das nicht, es überschreitet jedoch die Grenzen des guten Geschmacks. Denn: Politische Symbole machen auch vor dem Privatleben nicht halt.

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Jens Spahn und Ehemann Daniel Funke haben sich eine Luxus-Villa in Berlin geleistet / dpa

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Er veröffentlichte u.a. „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“ und „Kulturpessimismus. Ein Plädoyer". Zuletzt erschien von ihm „Politischer Kitsch. Eine deutsche Spezialität“ bei Claudius.

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Alexander Grau

Politik und Moral ist ein heikles Feld. Manche würden sogar behaupten, sie seien zwei vollkommen unterschiedliche Bereiche, die nichts miteinander zu tun haben und in einem geradezu antagonistischen Verhältnis zueinander stehen. Aber das wäre billig und polemisch gedacht. Die absolute Mehrzahl der Mandatsträger in diesem Land verfolgt ihre Arbeit engagiert und redlich. Wer das Gegenteil behauptet, kultiviert hässliche Vorurteile. 

Dennoch – oder gerade deswegen – ist klar, dass für Politiker andere moralische Maßstäbe gelten als für den Normalbürger, auch wenn manche Politiker genau das immer wieder zu bestreiten versuchen. Man kann es ungerecht finden, überzogen oder von Ressentiments geleitet, aber die meisten Bürger legen an Politiker andere Maßstäbe an als an ihre Mitmenschen auf der Straße oder an andere Prominente – und das zu Recht. Selbst lässliche Vergehen wiegen bei Politikern schwerer. Und sogar vollkommen legale, unverdächtige und an sich unproblematische Handlungen oder Geschäfte haben bei ihnen unter Umständen einen unguten Beigeschmack.

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Michael Andreas | Mi, 19. August 2020 - 11:24

„Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“. „Politischer Kitsch. Eine deutsche Spezialität“

dass es in Corona-Zeiten instinktlos sei, sich um den Kauf einer Villa zu kümmern. Wir lesen nämlich gleichzeitig, dass der Gesundheitsminister das Thema "Masken" aktuell von externen (teuren) Beratern lösen lassen will. Erfordert nicht so eine schwierige Zeit auch mehr Aufmerksamkeit, die das Maskenproblem (z.B.) in Anspruch nimmt? So kann man es auch sehen, oder ist das für Sie auch kitschig? Kleinkariert?

Ich stimme Ihnen grundsätzlich zu, Herr Andreas. Die Deutschen zelebrieren ihre Lust an der Empörung äußerst hingebungsvoll. Aber Herr Grau hat in seinem Beitrag einen entscheidenden Punkt angesprochen: Die Eheleute haben für den Kauf einen denkbar ungünstigen Zeitpunkt gewählt, zumal diese Aktion Wasser auf die Mühlen derer sein dürfte, die die derzeitige Spitzenpolitik vornehmlich durch Funktionärseliten repräsentiert sehen. Neidgefühle sind mir fremd. Ich mache mir jedoch Gedanken um unsere politischen Spitzenvertreter. Haben Sie das Feingefühl für das "was sich gehört und was nicht" verloren? In meiner Jugendzeit übten Politiker wie Goppel, Schmidt, Brandt, Leber oder Barzel, den ich vor mehr als 30 Jahren in seiner Wahlheimat Grainau persönlich kennengelernt habe, für mich eine Vorbildfunktion aus. Heute lautet das gesellschaftliche Motto: "Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr". Die Spitzenpolitiker sind letztendlich nur ein Abziehbild der Gesellschaft.

Christa Wallau | Do, 20. August 2020 - 19:06

In reply to by Alfred Kastner

Sie haben recht, lieber Herr Kastner.
Das Gespür dafür, was "man tun darf" und was nicht bzw. "was sich gehört" oder nicht hat sich stark zurückentwickelt in unserer deutschen Gesellschaft. Dies führte dazu, daß kaum jemand die Begriffe "Scham" bzw. "schämen" noch kennt.

Da dies allgemein so ist, kann man von Politikern nichts anderes erwarten. Deshalb gibt es u. a. keine Rücktritte mehr bei ihnen - selbst bei größten Skandalen, die jemand zu verantworten hat. Alles wird dickhäutig ausgesessen. Und in unserer
schnell-lebigen Zeit, in der alle Nas' lang ein neues Schwein durch's Dorf getrieben wird, haben die Leute jedes Fehlverhalten ja auch rasch wieder vergessen.
Darauf bauen sie alle - die Bürger und ihre Politiker.

Hauptsache: Man macht am Ende seinen Reibach! Das zählt u. wird bewundert!

Mit einer solchen Grund-Haltung gerät allerdings jedes Gemeinwesen todsicher immer tiefer in einen Sumpf aus Gier u. Korruption hinein, in dem schon unzählige Staaten der Welt stecken.

Dorothee Sehrt-Irrek | Mi, 19. August 2020 - 11:36

Fassungslosigkeit als Verurteilung.
Wie wohnen denn andere Politiker der CDU?
Ich nehme an, dass SPD-Politiker so nicht wohnen?
Ein bisschen gewinne ich schon auch den Eindruck daraus, dass Spahn nicht Kanzler werden will.
4 Millionen Euro...
Billig ist Berlin nicht.
Bar bezahlt oder auf Kredit?

"Ein bisschen gewinne ich schon auch den Eindruck daraus, dass Spahn nicht Kanzler werden will."

Zumindest rein wohnmäßlg wäre es eine Verschlechterung.

die W. Schäuble bei der Spendenaffäre vergessen hatte, anzugeben. Und natürlich in Bar, ist ja in Deutschland (als einziges Land der EU) immer noch möglich, ohne die Herkunft der Kohle zu Erklären. In Italien hätte Herr Spahn ein Problem. Aber Herr Schäuble hat dies immer verhindert. Wie auch die Cum & Ex Geschäfte jahrelang (trotz Hinweise) weiter fröhlich vonstatten gingen. Er war es auch, der größere Finanzgeschäfte (die einer Prüfung unterliegen) den Zoll übertragen hatte (vorher Finanzbehörden). Der Zoll hat weder Sachkenntnis noch Personal für solche Angelegenheiten. Alles nur Bindes!
Diese "korrupte" Partei wird für mich immer unwählbar bleiben!
Hat schon ein "Geschmäckle", Herr Spahn. Ein bißchen Demut wäre z.Z. wohl angebrachter!

Wolfgang Tröbner | Mi, 19. August 2020 - 11:36

Obwohl Spahn derzeit als Gesundheitsminister in den Medien (aber nur dort) sehr viel Lob einheimst, stellt sich für mich die Frage, ob er nicht auch in seinem Job vollkommen überfordert ist? Er hat doch fast alles falsch gemacht, was man falsch machen konnte. Und der Villenkauf setzt aus meiner Sicht dem Ganzen die Krone auf. Stillos und charakterlich überfordert. Mehr ist hier nicht zu sagen

Thomas Hechinger | Mi, 19. August 2020 - 11:37

Von jedem andern hätte ich solch einen Kommentar erwartet, jedoch nicht von dem "liberalen Denker" Alexander Grau. Ich stimme nicht zu. Und zwar gar nicht. Wenn es gerade nicht opportun ist, die Villa zu kaufen, wie lang sollte dann Herr Spahn warten? Bis die Corona-Krise vorbei ist? Bis nach der nächsten Bundestagswahl? Bis er seine aktive politische Karriere beendet hat? Es gibt keine "ruhige politische Situation", in der solch ein Hauskauf ohne die Öffentlichkeit und die mannigfachen Neider über die Bühne gebracht werden kann. Die Folge: Herr Spahn darf diese Villa gar nicht erwerben. Eine Dachterrassenwohnung im Prenzlauer Berg wäre doch auch schön. Ich kann bei diesem Kauf keinerlei Konflikt erkennen zwischen dem, was Herr Spahn als Politiker den Bürgern abverlangt und was er selbst zu tun bereit ist.
Ein enttäuschender Kommentar.

Dorothee Sehrt-Irrek | Do, 20. August 2020 - 09:54

In reply to by Thomas Hechinger

Genaugenommen hält sich so ein Kaufpreis für Berlin sicher im noch Rahmen und erst recht, wenn Herr Spahn und sein Ehegatte nunmal über Geld verfügen.
In dem Alter plant man durchaus einen Wohnsitz anders denn als Student.
Jedoch in Zeiten von evtl. denkbar größter Schmucklosigkeit - so weit zu sehen - an der Spitze der Bundesrepublik, fällt Herr Spahn durchaus genau aus diesem Rahmen, vor allem auch, weil er in den anderen passt.
Er bewegt sich damit evtl. in dem Bereich derer, die auch ganz ohne Amt "groß" sind.
Das sieht nicht mehr so sehr nach 1. Diener des Staates auch aus.
Nun hatte Schmidt keine Villa in Blankenese, aber Welt in seinem "Oberstübchen".
Für Brandt wäre so eine Villa auch nichts gewesen.
Aber so eine Villa ist schon auch ein Ausdruck des Selbst, den ich gelten lassen würde.
Die einen haben Geld, die anderen Titel usw.
Aber deshalb komme ich eben drauf, dass Spahn Bundeskanzler sicher kann, aber evtl. nicht "statet".
Ist Spahns "Statement" in der CDU vergleichbar?

Norbert Heyer | Mi, 19. August 2020 - 12:00

Ich kenne eine grüne Politikerin, die bis vor wenigen Jahren einen VW-Käfer fuhr. Andere Grüne fahren Porsche oder fliegen zum Eis essen mal eben in die USA. Andere kassieren Sitzungsgelder, ohne anwesend zu sein, sie „vergessen“ die Steuerzahlung für den Zweitwohnsitz oder „hieven“ ihre Ehefrau in Ämter, ohne das die entsprechende Qualifikation vorhanden ist. Beliebt war es auch, beruflich angesammelte Flugmeilen privat mit Partnerin „abzufliegen.“ Auch die „Entsorgung“ abgehalfterter Politiker in Versorgungsjobs öffentlicher Einrichtungen ist nicht völlig unbekannt und besonders prominente Politiker bekommen für Vorträge Gagen wie Showstars. Andere gegen nach der Politik in die Beratung oder machen in „Gas“, es gibt so unendlich viele Möglichkeiten der Gewinnmaximierung, dass man die Nöte des normalen Volkes garnicht nachvollziehen kann. Das ist übrigens auch dem Adel in Frankreich passiert, das Ergebnis war die Französische Revolution oder anders gesagt: Hochmut kommt vor dem Fall.

gabriele bondzio | Mi, 19. August 2020 - 12:02

Da stimme ich ihnen zu, Herr Grau, hier werden die Grenzen guten Geschmacks übertreten. Wieder einmal wird vorgezeigt, wie weit man sich vom Wähler entfernt hat. Spahn ist ja nicht der Einzige im Staate, der so provoziert.
Den Wohnungssuchenden, gerade in Berlin´s angespanntem Wohnungsmarkt, wird die Begeisterung anspringen. Das zwei Menschen eine ganze Villa (mit einer Wohnfläche von mehr als 300 Quadratmetern – und einem eigenen Tresorraum ) für sich haben.
Nein...hier sehe ich es genauso, Spahns Eignung für höhere Ämter ist aus meiner Sicht erledigt. Diese Provokation, in der angespannten Lage 4,125 Millionen Euro hinzublättern werden viele als skandalös empfinden und löst sein vorgeschobenes, bodenständiges Image in der Luft auf.

Bei den Obamas ist dies jedenfalls gegeben, weil die Amerikaner, jedenfalls vor Trump und in der allgemeinen öffentlichen Kultur, für Amtsträger Öffentlichkeit von Vermögen und Einkommen kennen. Dies ist bei uns ganz anders. Wir haben diese Öffentlichkeitskultur nicht. Deshalb hat Herr Spahn auch nicht die Anfeindungen mit einer schlüssigen Erklärung über sein Vermögen, seine Einkünfte und die seines Lebenspartners gegeben. Für sein Politikereinkommen ist eine Immobilie für über € 4 Mio. außerhalb jeder Proportion. Für jeden anständigen Menschen mit Öffentlichkeitskultur wäre aber alles leicht zu erklären. Woher kommt die Kohle ?

Ernst-Günther Konrad | Mi, 19. August 2020 - 12:29

Alles was Sie da schreiben ist auch meine Sicht der Dinge. Wir lesen hier oft im Forum: "Wasser predigen und Wein saufen."
Genau dieser Vorgang ist ein weiteres Beispiel dafür, dass einige Politiker komplett den Bezug zum "wahren" Leben verloren haben. Ehrlichkeit, Charakter, Wahrhaftigkeit, Vorbild sein, Genügsamkeit und vor allem immer den Souverän im Auge behalten, das erwarte ich von einem Politiker. Natürlich können die mal falsch parken oder andere kleine Verstöße begehen, die wir alle mal machen. Sie müssen halt den Spott ertragen, wenn es heraus kommt und öffentlich wird.
Ob Grüne Eis in Florida genießen, Fehlverhalten immer nur der "anderen" mit der Moralkeule bewerten, sich selbst aber ausnehmen, dass, merken wir Bürger genau. Was leider den meisten überhaupt abgeht ist inzwischen das fehlende Fingerspitzengefühl. Aber woher soll es bei dem ein oder anderen auch kommen, wenn Lebens- und Berufserfahrung nur über Klassensaal, Hörsaal, Plenarsaal erworben wurde. Nicht gut Jens.

Gerhard Schwedes | Mi, 19. August 2020 - 12:30

Lieber Herr Grau! Ich bin ein Fan Ihrer Artikel und schätze Ihre Zivilcourage und die Ungeschminktheit, mit der Sie Ihre Artikel niederschreiben. Gäbe es nur 10 Prozent mehr solcher Journalisten, würde die Welt der Medien viel positiver aussehen. Auch Ihren vorliegenden Artikel schätze ich sehr, weil er ehrlch und unvrschnörkelt bei mir ankommt. Dennoch bin ich dieses Mal anderer Meinung als Sie. Spahn hat dieses Geld, also soll er es meinetwegen auch ausgeben. Mir ist dies immer noch lieber, als wenn ein Politiker mit einem verrosteten Fahrrad fährt und seine Millionen verschwiegen bunkert. Als Bürger braucht man keine Mimikry. Was viel, viel wichtiger ist: eine solide, überzeugende Politik, die den Wohlstand des Volkes im Auge behält. Beispiel: Merkel versteht es glänzend, die Bescheidene zu spielen und unauffällig zu sein. In Wirklichkeit hat sie wie noch kein anderer Kanzler die breite Masse der Deutschen um Billionen beraubt. So etwas finde ich von beispielloser Ruchlosigkeit.

Holger Jürges | Mi, 19. August 2020 - 12:53

...hatte neben unzähligen Anlässen einen heraushebenden Dämpfer bekommen,
als damals, im Jahre 2006, Müntefering mit dem Satz "Wir werden an den Wahlversprechen gemessen - das ist unfair." (es ging um die Lüge hinsichtlich einer Nichterhöhung der Mehrwertsteuer) für Empörung sorgte: Insbesondere die Dreistigkeit einer damit verbundenen Wählerbeschimpfung ließ diesen Vorfall zu einer Depravation werden.

Die prospektive Entwicklung lässt befürchten, dass Lügen, Dreistigkeiten und moralisch fragwürdige Entscheidungen (Villa-Spahn) in der Politik durch einen „Gewöhnungseffekt“ geradezu salonfähig/folgenlos sein werden oder schon sind. - Und so schlägt sich ein weiterer Sargnagel ins Fleisch einer mittlerweile fragwürdigen Nation.

Nicht zu vergessen das Müntefering Frau mittlerweile auch gut dotiert im Bundestag sitzt. Es kann mir doch keiner erzählen das es in diesem Wahlkreis nicht auch einen anderen Kandidaten gegeben hat.
Dieses elendige protegieren von Verwandten und Familienmitgliedern kennt man im Dunstkreis der „Malocherpartei“ regelmäßig vor.
Wie schon in anderen Kommentaren erwähnt ist dieses „Wasser predigen und Wein saufen“ das was den Normalbürger frustriert und auf die Barrikaden treibt.
Und wenn man sich darüber mokiert ist man Pack oder halt böser Rechter.
Aber die Politiker können oder wollen nicht reflektieren. Ich schon.
Wahltag ist Zahltag.

Hans Schäfer | Do, 20. August 2020 - 09:48

In reply to by Enka Hein

Schön wäre es!
Zahlen fällt wegen des Innehabens der Deutungshoheit aus.
Verluste bei der Wahl werden durch andere, die man ins Boot holt, ausgeglichen.
So will es das Volk, heißt es dann!
Zahlen müssen nur die, die in der Liste hintere Plätze belegen.

Gabriele Graunke | Mi, 19. August 2020 - 12:56

Ich empfinde den Inhalt dieses Artikels als eine einzige Unverschämtheit und von Neid durchtränkt! Ich muss es so hart ausdrücken. Was hat das Amt des Gesundheitsministers mit einem Hauskauf zutun? Nichts! Auch alle von Jens Spahn getroffenen Entscheidungen haben nichts mit einer Immobilie zu tun. Wenn er und sein Mann das notwendige Geld haben, ist es mir lieber, die Beiden kaufen die Villa als irgendein ausländischer Investor, der nicht weiß, wohin mit seinem Geld.

Bin gespannt, ob mein Kommentar veröffentlicht wird oder ob wieder nur die bekannten, immer gleichen Kommentarschreiber zu lesen sind.

... egal, welcher Partei gewählte Politiker angehören. Nur, in diesem Fall hat nicht der Staat (wer auch immer das sein soll) „geschnüffelt“, sondern ein Magazin darüber berichtet.

Hallo Frau Graunke, es geht hier nicht um ein Haus, sondern um eine Luxus- Villa in gehobener Gegend.
Und es geht nicht um Neid...sondern Glaubwürdigkeit eines Politikers. Der sich gerne mit Bodenständigkeit schmück und sich als absoluter Profi im Umgang mit der Öffentlichkeit sieht.
Mitten in einer Krise, ist das instinktlos.

Yvonne Stange | Mi, 19. August 2020 - 13:03

.... unter anderem auch die Leute, die der Masse vorschreiben, wie hoch ein H4-Satz sein darf und das der jetzt schon viel zu hoch ist. Und jetzt keine Häme gegen "faule Hartzer", es werden genug Selbständige/Freiberufler in und nach der Coronakrise dabei sein.... Irgendetwas läuft hier gewaltig schief. Aber solange man noch zur Urne trottet und "weiter so" wählt, scheint die Not nicht zu groß zu sein.

Urban Will | Mi, 19. August 2020 - 13:37

aber ich habe generell ein Problem, wenn Debatten aufkommen, wo man das Gefühl hat, dass eher Neid im Spiel ist, als berechtigte Klagen oder Zweifel.
Das unterstelle ich natürlich nicht Ihnen persönlich, Sie berichten nur und geben Ihr Kommentar zur Außenwirkung dieses Kaufs.

Dass die „meisten“ Bürger bei Politikern hohe Maßstäbe anlegen, glaube ich nicht.

Der Ruf dieser Sparte hat in den letzten Jahren sehr gelitten, wer dort noch „ehrbare“ Menschen sucht, der sucht meist vergeblich und daher denke ich eher, dass die „Messlatte“ bei Politikern nicht mehr allzu hoch liegt.

Sicherlich war dieser Kauf kein Musterbeispiel „vorgelebter“ Kultur in diesen Zeiten und dass einige Medien dahinter kamen und das ganze an die große Glocke kommt, war wohl nicht „geplant“ von den beiden, denke ich.
Aber man kann davon ausgehen, dass so ein Kauf schon lange geplant war und sich nun die Gelegenheit bot. Dann zu zögern, kann man von niemandem erwarten.

helmut armbruster | Mi, 19. August 2020 - 13:39

es war noch nie anders als dass politischer Einfluss und Macht immer einher gingen mit Reichtum, Wohlleben und Luxus.
z.B. die Gründungsväter der amerikanischen Verfassung. Sie predigten Freiheit und das Recht auf persönliches Glücksstreben und trotzdem waren viele von ihnen Sklavenhalter.
Oder die katholische Kirche predigte jahrhundertelang Armut und Enthaltsamkeit als den sichersten Weg zum Himmel, ihre Oberen lebten aber in einem unvorstellbaren Reichtum und Luxus.
Angesichts solcher Beispiele soll der arme Jens Spahn Schuldgefühle und Skrupel haben.
Aber nein, umgekehrt wird ein Schuh daraus. Gerade damit er sich solchen Luxus leisten kann ist er Politiker geworden und nicht etwas um ein Beispiel für Wohlverhalten oder ein Vorbild zu sein.

Inge Meier | Mi, 19. August 2020 - 13:52

Ich stimme ihnen zu dass es bedenklich ist ,wenn ein Politiker für Gesamtschulen wirbt, seine eigenen Kinder aber auf ein Privatschule schickt. Das gilt natürlich auch für SUV fahrende Grüne usw. Hier liegt ein klarer Widerspruch zwischen politischen Forderungen und persönlicher Praxis vor.Diesen kann ich allerdings im Fall des Kaufs einer Villa durch den Gesundheitsminister nicht sehen.Ich vermute auch, dass die meisten Spitzenpolitiker (SPD und Grüne inbegriffen) in komfortablen Behausungen in sogenannten guten Gegenden wohnen. Meine aber, dass dies auch mit sozialem Engagement verträglich ist, solange die Finanzierung korrekt ist.Ja die Krise belastet uns alle, aber der Verzicht auf einen Villenkauf hilft niemandem, auch nicht moralisch-symbolisch.

Dr. Hermann-Josef Stirken | Mi, 19. August 2020 - 14:02

Werter Herr Dr. Grau zutreffender klarer Kommentar Es gab mal eine ungeschriebene Regel in unserer Gesellschaft, die da lautet : Das macht man nicht Dieser Satz schränkt das erlaube Tun dahingehend ein, dass auch die ungeschriebenen Regeln, die zu einem gedeihlichen nötig sind, beachtet werden Dieser Grundsatz ist manchen Politkern abhanden gekommen Fliegen mit Ersatzjet BK, Autos mit utopischen Preisen Müller Berlin, Parallelfahrten von Dienstwagen neben Flugreisen. Aber auch Äußerungen, wie dem Vogelschiss gehören dazu. Das ist wahrscheinlich eine Frage des Charakters Aber wenn man so gut abgesichert, wie unsere Politiker, wen interessiert da das Empfinden des normalen Bürgers.

Michaela Diederichs | Mi, 19. August 2020 - 14:15

Helmut Schmidt auf die Frage, warum er als Kanzler noch immer in einem Reihenhaus in HH-Langenhorn wohnt, wenn er doch in in einem Haus an der Alster leben könnte: "Weil wir da nicht hingehören". Mangel an politischem Instinkt, fehlende Herzensbildung, Demut und Bescheidenheit lassen sich mitunter mit Klugheit ausgleichen. Fehlt auch das, lohnt ein Blick in die Geschichtsbücher. Wer auch damit überfordert ist, sollte keine öffentlichen Ämter bekleiden. Da ist wohl der Schnäppchenjäger in Herrn Spahn mit ihm durchgegangen. Schnäppchen gibt es nämlich auch in dieser Preisklasse. Da musste er wohl hinlangen, egal wie unpassend das ist. Leider völlig daneben. Eines muss ich der BK lassen: solche Dummheiten hat sie nie gemacht.

und wahrscheinlich können die beiden auch nicht viel daran ändern, weil sie ja unter Denkmalschutz steht. Nichtmal eine geschmackvolle knallrote Hollywood-Schaukel können sie in den Garten stellen, dann kommt gleich so ein Heini vom Denkmalamt angelaufen. Oder irgendwelche Denkmalschänder.

Womöglich wird das Denkmal auch noch für die Öffentlichkeit freigegeben, bei rrg alles möglich.

Also ich hätte lieber die Dienstvilla von Walter Ulbricht gekauft.

Axel Geertz | Mi, 19. August 2020 - 14:42

Jawohl, Herr Grau, Jens Spahn sollte in Solidarität zu den vielen Menschen, die in die Arbeitslosigkeit gehen müssen, seinen Job als Minister kündigen, seine bisherige Wohnung aufgeben und mit einem Zelt in den Wald ziehen. Denn wer als „Bundesminister in einer zugegeben schwierigen Situation in Kauf nehmen musste, dass Millionen Menschen in die Arbeitslosigkeit gehen und Hunderttausende kleine Selbstständige und Unternehmer vor den Trümmern ihrer Existenz stehen“, hat es nicht verdient, so weiter zu leben, wie er es geplant hat. Eine teure Immobilie darf ein Minister nur kaufen, wenn es den Bürgern gut geht und es Herrn Grau gefällt. Die richtige Moral macht sich eben jeder selber, wie es ihm passt und verpasst diese dann auch dem Politiker, der sich nicht wehren kann. Nun glaubt Herr Grau, er hätte Jens Spahn „abgeschossen“. Wohl nich alle denken in dieser Kategorie.

der den Bürgern, die privat neben der nicht gerade üppigen Rente zusätzlich gespart haben, davon die doppelten Krankenkassenbeiträge einzuziehen als vollkommen gerechtfertigt ansieht. Denn der Bürger darf nicht mehr als das Existenzminimum haben. Der Bürger, der mit seinen Steuern sein Gehalt bezahlt, der seine Pension bezahlt.

Selbstverständlich kann auch ein Politiker solche Transaktionen tätigen.
Auf der anderen Seite ist er eine Person des öffentlichen Lebens. Er wird nach anderen Maßstäben gemessen.
Er war schlecht beraten. Er hätte die Sache nach Durchführung des Kaufes öffentlich machen können, um Spekulationen den Wind aus den Segeln zu nehmen. So hat es ein gewisses Geschmäckle. Insbesondere hätte er ein Wort zu der Finanzierung sagen können, ohne ins Detail zu gehen, z.B., dass keine Vorteilsnahme im Amt bei der Finanzierung eine Rolle gespielt hat. Man denke an Alt-BPräs. Wulff. Alles in allem war die Handlung in meinen Augen etwas Instinktlos. Aber es allen recht machen konnte er auch nicht!

Rainer Mrochen | Mi, 19. August 2020 - 14:46

...Herr Grau. Aber ganz ehrlich, warum sollten Politiker moralischer sein ,als z. Bsp. CEO`s? Spahn sieht sich momentan selbst auf dem Kamm einer Welle. Wie naiv. Menschen dieser Provenienz neigen zur Selbstüberschätzung, kann ich ihnen aus eigener Erfahrung sagen. Jede Welle bricht zwangsläufig. Der Mann ist in der Corona Krise nicht nur notorisch fehlerbehaftet, sonder besitzt die Dreistigkeit, daraus auch noch politisches und jetzt persönliches Kapital zu schlagen. Eines noch, Herr Grau. Ich kenne moralisch sehr viel wertvollere Normalbürger als Politiker. Schade, daß sie hier unterschiedliche Maßstäbe anlegen.

Gunther Freiherr von Künsberg | Mi, 19. August 2020 - 15:31

Denkmalschutz und Luxus sind 2 Begriffe, die sich nahezu immer einander ausschließen. Der Erwerb bzw. der Besitz eines denkmalgeschützten Hauses ist mit Schwierigkeiten verbunden, von denen der Normalbürger nur in Albträumen träumt. Anstatt die Neidkomplexe der Leserschaft zu bedienen hätte ich es als angemessen empfunden darauf hinzuweisen, welche Schwierigkeiten und welche Verantwortlichkeiten mit dem Erwerb einer denkmalgeschützten Villa verbunden sind.
Beruflich musste ich mich oft mit rechtlichen Problemen auseinandersetzen, die bei der Renovierung von denkmalgeschützten Altbauten aufgetreten sind, weil eine auch nur halbwegs sichere Kostenschätzung im Vorhinein nahezu unmöglich ist. Ein Kaufpreis wie der hier genannte kann durchaus deshalb gerechtfertigt sein, weil denkmalschutzgerechte Altbausanierung immens teuer ist. Auch hier hätte es gegebenenfalls einer Recherche und/oder Erklärung bedurft.

Als ehemaliger Banker weiß keiner so genau wie Herr Spahn, warum er sich genau diese Immobilie angeschafft hat und welche "Zuschüsse" er da abgreifen kann.

Finde ich gut von Spahn und Lebensgefährten! Drei Dinge Gefallen mir besonders: Tradition, Heimattreue und solide Anlage für die Zukunft!

Jürgen Keil | Mi, 19. August 2020 - 15:36

Ich bin da anderer Meinung. Ich brauche keine Politiker, die den Bürger ein hypermoralisches Scheinleben vorführen. Das sollen Menschen sein wie jeder andere auch. Ein Politiker darf auch mal betrunken sein, kann mal zu schnell Auto fahren, auch fremdgehen und sich scheiden lassen, sei ihm gestattet. Und er darf sich ein Haus für 4 Millionen kaufen, und zwar dann, wenn er es will. Das Viermillionenhaus wird beim Neidbürger immer schlecht ankommen, zumindest in Deutschland. Mit solchen Forderungen, wie Sie sie beschreiben, Herr Grau, heben wir selbst die Politiker über uns und sie kommen nur umso mehr in Distanz zum Volk.
Vom hochedlen Moralapostel bis zum Personenkult ist es nicht weit.

Bernd Muhlack | Mi, 19. August 2020 - 16:17

Nun ja, nicht jeder ist auf diese Handwerkertruppe von "Zu Hause im Glück" angewiesen; RTL2, oder?

Ich denke, dass die Spahns nicht ständig einen Hartz-IV-Antrag zu Hause vorrätig haben.

Nach einem harten und kräftezehrenden Arbeitstag sei den Spahns ein erholsamer Spaziergang im eigenen Park gegönnt.

Sicherlich gibt es im Dachgeschoß einige Gesindezimmer, schließlich muss solch ein Anwesen ja ordentlich in Schuss gehalten werden.
Mindestlohn abzüglich Kost und Logis sowie jedes dritte Wochenende frei; man ist ja kein Unmensch, gar ein Ausbeuter wie ein Herr Tönnies.

Die Spahns können tun und lassen was sie wollen!
In Berlin gibt es diese mehrfach-Quoten-Frau bei der SPD, Staatsministerin für unnötige Aufgaben.
Ständig neue Designerklamotten, etwa 10 Kilo Geschmeide tragend.
Etwa 30 Strafanzeigen pro Woche stellend.

Der Wähler bekommt genau die "Politiker" die er wählt und sei es über Listenplätze!

Wie sagen die Schwaben?
Schaffe, schaffe, Häusle baue un net nach de Mädle schaue!

Maja Schneider | Mi, 19. August 2020 - 16:54

Das ist es wahrlich, nur fehlt Herrn Spahn offensichtlich gänzlich das Gefühl dafür. Deshalb stimme ich Ihrem Beitrag voll und ganz zu, es zeugt von einer unglaublichen Instinktlosigkeit, gerade in dieser Zeit, in der die Menschen aus nicht immer einzusehenden Gründen weiter auf ihr gewohntes Leben verzichten müssen und die Bilanz des Lockdowns noch nicht in ihrem ganzen Ausmaß bekannt ist, für eine solche Meldung zu sorgen. Das hat in diesem besonderen Fall auch nur ganz vereinzelt mit der so viel gescholtenen Neidgesellschaft zu tun.

Dominik Roth | Mi, 19. August 2020 - 19:04

Man sollte die Latte nicht zu hoch anlegen. Herr Spahn hat mit seinen 40 Jahren mehr erreicht als viele andere. Sein Mann ist ebenfalls sehr erfolgreich. Beide verdienen ihr Geld auf ehrliche Weise. Seinen politischen Positionen steht der Kauf nicht entgegen.

Was können die beiden dafür, dass die Pandemie ausgerechnet in dem Jahr kommt, in dem sie sich Wohneigentum anschaffen wollten?... so etwas überlegt man sich ja nicht von jetzt auf gleich, sondern plant es von langer Hand.

Fritz Elvers | Mi, 19. August 2020 - 19:50

er besitzt bereits eine Villa, nehme ich jedenfalls an. Und noch 5 Motorräder dazu.

Gerd Runge | Mi, 19. August 2020 - 21:27

daß dieser gegensätzliche Kommentare auslöst, war zu erwarten und im Cicero glücklicherweise möglich.

Natürlich steht es jedem frei, sein ehrlich und rechtmäßig erworbenes Geld so auszugeben, wie er/sie es möchte. Aber ich halte es für falsch, Herrn Grau hier persönliche Neid-Motive zu unterstellen.
Ich denke, er spricht hier in erster Linie von den Personen, die die augenblickliche Situation besonders schwer getroffen hat.
Und es wäre falsch, z.B. den vielen kleinen Unternehmern, die vielleicht von der zu erwartenden Insolvenzwelle bedroht sind, Neidmotive zu unterstellen, wenn sie sich über diesen Vorgang ein gleiches Urteil bilden, wie Herr Grau.
Auf wen sollen wir in solchen Zeiten denn nicht zuerst blicken, als auf unsere uns regulierenden Politiker. Kann er von mir Verzicht einfordern?

dieter schimanek | Mi, 19. August 2020 - 23:03

.....im Milljöh. Er wird wohl noch ein paar Schippen drauflegen müssen, bis die Hütte standesgemäß bewohnbar ist. Der Kauf zeugt von Optimismus, andere Politiker haben ihre Immobilie längst im sichern Ausland. Wer weiß was noch kommt?

Thomas Peter | Do, 20. August 2020 - 07:58

Der Vorgang bestätigt nur ein weiteres mal eines der zentralen Probleme der deutschen Politik: die Entkoppelung von 'Entscheidung' und 'Konsequenz' - Personen in Spitzenpositionen die politische Entscheidungen treffen müssen die Konsequenzen dieser Entscheidungen nicht tragen. Weder jetzt noch in Zukunft, denn selbst im Falle eines Machtverlustes wird für entsprechende Anschlußverwendungen gesorgt. Das Ganze gibt - unabhängig davon ob eine Entscheidung richtig, falsch, nötig oder unnötig war - ein sehr schlechtes Bild ab. Und auch das hat keine Konsequenzen...

Gisela Fimiani | Do, 20. August 2020 - 12:17

Anstand ist eine menschliche Charaktereigenschaft. Politiker sind Menschen. Sie sind es im privaten und im politischen Bereich. Anstand ist nicht teilbar. Persönlich halte ich Herrn Spahn für einen ungeeigneten Politiker. (bereits vor seinem Hauserwerb). Er wird bleiben (müssen) vor allem nach dem Hauserwerb.