Jacob Appelbaum - Ohne ihn würde Merkel noch abgehört

Ohne Jacob Appelbaum hätte es kein „Handygate“ gegeben und wohl auch keinen NSA-Untersuchungsausschuss. Der Hacker fand heraus, dass der US-Geheimdienst Merkels Mobiltelefon jahrelang überwacht hatte

Der Hacker Jacob Appelbaum hat aufgedeckt, dass die NSA Merkels Handy abhört
Marice Weiss

Autoreninfo

Hier finden Sie Nachrichten und Berichte der Print- und Onlineredaktion zu außergewöhnlichen Ereignissen.

So erreichen Sie Cicero-Redaktion:

Cicero Cover März 2019

Der amerikanische Hacker Jacob Appelbaum bietet Bundeskanzlerin Angela Merkel weitere Informationen zur Überwachung durch die NSA an. Er warte auf eine Einladung, sagte der Netzaktivist dem Magazin Cicero: „Denn ja: Ich habe noch mehr schlechte Nachrichten für Merkel. Sie braucht nur Bescheid zu sagen.“

Appelbaum lebt seit einem Jahr in Berlin. Von dort aus arbeitet er mit dem ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden und der US-Dokumentarfilmerin Laura Poitras zusammen. In Snowdens Datensatz hatte Appelbaum den Akteneintrag entdeckt, dass die NSA das Handy der Bundeskanzlerin abhört.

Der 31-Jährige enthüllte dies zusammen mit dem Magazin Spiegel nach weiteren Recherchen. Die als „Handygate“ bekannt gewordene Affäre wird derzeit im NSA-Untersuchungsausschuss behandelt.

Sein erster Impuls sei aber gewesen, Merkel sofort zu informieren. „Ich wollte ihren Blick sehen, und ihr stellvertretend für viele Amerikaner sagen, dass ich mich für unseren außer Kontrolle geratenen Überwachungsstaat schäme.“

Appelbaum unterstützt die Enthüllungsplattform Wikileaks. 2010 vertrat er den Gründer des Projekts, Julian Assange, auf einer Hackerkonferenz.

In Deutschland fühlte sich Appelbaum bei seiner Arbeit für mehr Datenschutz und Privatsphäre im Internet zunächst sicherer als in den USA. Im vergangenen August nahm er für Edward Snowden einen Whistleblower-Preis entgegen. Zugleich fordert Appelbaum einen sicheren Aufenthalt für den früheren NSA-Mitarbeiter.

Dennoch rechnet Appelbaum damit, dass er selbst überwacht wird. „Der einzige Ort, an dem du ganz sicher bist, ist dein Kopf.“

Unsere Reporterin Petra Sorge hat Jacob Appelbaum für die Mai-Ausgabe des Cicero porträtiert. In dem Beitrag erfahren Sie, wie sich Appelbaums Verhältnis zu Merkel inzwischen verändert hat und wie der Hacker heute mit seiner Angst umgeht.

 

Sie können die Mai-Ausgabe des Cicero ab sofort am Kiosk oder ganz bequem über unseren Online Shop kaufen.

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.

Liebe Leserinnen und Leser,
wir freuen uns über jeden Kommentar und wünschen uns eine konstruktive Debatte. Beleidigende, unsachliche oder obszöne Beiträge werden deshalb gelöscht. Auch anonyme Kommentare werden bei uns nicht veröffentlicht. Wir bitten deshalb um Angabe des vollen Namens. Darüber hinaus behalten wir uns eine Auswahl der Kommentare auf unserer Seite vor. Um die Freischaltung kümmert sich die kleine Onlineredaktion von Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr. Am Wochenende werden Forumsbeiträge nur eingeschränkt veröffentlicht. Nach zwei Tagen wird die Debatte geschlossen. Wir danken für Ihr Verständnis.