- Geliebte Kinder Gottes einerseits, Baby-Kauf andererseits
Der Fall von Jens Spahn hat die ethische Frage der sogenannten Leihmutterschaft wieder ins Zentrum der Diskussion geholt. Über Kinder sollte man sich freuen, aber nach Abwägung der Argumente kann man froh sein über die deutsche Rechtslage.
Das Thema der aktuelle Kolumne lag nah: Daniel Funke und Jens Spahn freuen sich darüber, Väter geworden zu sein. Eine Leihmutter in den USA machte es möglich. Doch die Folgen waren nicht nur Fröhlichkeit. Spahn wusste sicherlich, wie politisch riskant der Schritt war, und zog nun die Konsequenzen. Zu groß war der Druck geworden. Denn In Deutschland sind die im Zusammenhang mit Leihmutterschaft stehenden Tätigkeiten von Ärzten nach dem Embryonenschutzgesetz schlicht strafbar. Auch die Leihmutterschaftsvermittlung ist nach dem Adoptionsvermittlungsgesetz unter Strafe gestellt. Nicht strafbar machen sich allein die „Wunscheltern“. Mit dem Gang ins Ausland umgeht man also das deutsche Strafrecht. Schon das wurde jetzt von vielen kritisiert, weil solches Handeln suggeriert, dass man sich mit Geld erlauben kann, nach anderen – nämlich ausländischen – Maßstäben zu handeln. Das Argument ist ethisch valide, aber es ist kein spezifisches Argument der Leihmutterschaft.
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Ich persönlich sehe hier eher den Wunsch sich selbst unbedingt verwirklichen zu wollen. Wenn man Kinder wirklich lieben würde, dann würde man sie nicht mit der Bürde, die biologische Mutter niemals kennenlernen zu können, in die Welt entlassen. Es ist überhaupt kein Ersatz oder gar Trost für einen in der Selbstfindung befindlichen, erwachsen werdenden Menschen, der nach seinen Wurzeln fragt, dass es (vielleicht) einen Kontakt zu austragenden Frau geben könnte, wie Spahn angibt. Dagegen steht die bittere Erkenntnis, das Ergebnis einer geschäftlichen Transaktion zu sein. Es ist schon für viele Adoptivkinder schwierig, die Beweggründe ihrer Mütter anzunehmen. Dahinter steht oft immerhin die doch sehr mütterliche Erkenntnis, für ein Kind nicht gut genug sorgen zu können.
Wir leben in einer extrem individualistischen, egoistischen Zeit, in der das eigene, persönliche Wohlergehen Vorrang hat, bis hin zum, leider geduldeten,Gesetzesbruch, basierend auf einem unethischen Geschäftsmodell.
Der Ego-Zentrismus ist d i e moralische Krankheit unserer Zeit!
Das Ausleben der eigenen Befindlichkeiten und die Erfüllung der eigenen Wünsche und Erwartungen stehen im Mittelpunkt des durchschnittlichen Individuums heutzutage.
Die meisten Menschen unternehmen alles Mögliche und eben auch Unmögliche (weil illegal oder schädlich für andere), um ihre Gier nach einem "erfüllten" Leben zu befriedigen.
Verzicht, Opferbereitschaft, Bescheidenheit oder gar Demut sind keine positiv besetzten Begriffe mehr. Sie verschwinden täglich mehr aus dem Sprachgebrauch. Wer nicht überall das Letzte für sich herausholt, gilt als Trottel.
Das hat viel damit zu tun, daß der Glaube an Gott, ein Weiterleben nach dem Tode und christliche Gebote Vielen völlig abhanden gekommen ist. Sie kennen nur dieses eine Leben und wollen - auf Biegen und Brechen - das Optimum an Möglichkeiten darin für sie selbst verwirklichen - koste es, was es wolle!
Gesagt, liebe Frau Wallau.
"Nutzer der Leihmutterschaft sind bereit, Wohlstandsgefälle auszunutzen, und sie sind dabei bereit, weit zu gehen."
Dies wäre nicht so wenn Leihmutterschaft unter strengen ethischen und rechtlichen Vorgaben möglich wäre.
Der Status Quo erzwingt erst das ausweichen auf fragwürdige Strukturen. Wenn es das restriktive deutsche Gesetz nicht gäbe, gäbe es auch den unbedingten Rückgriff, vieler Eltern auf Leihmütterschaften nicht.
Die Diskussion bewegt sich zwischen zwei zentralen Werten:
Pro: Selbstbestimmung, Familiengründung und medizinische Hilfe.
Contra: Schutz von Frauen vor Ausbeutung, Wahrung der Menschenwürde und Schutz des Kindeswohls.
Der restriktive Rechtsrahmen in Deutschland trägt dazu bei, dass viele Wunscheltern auf Leihmutterschaft im Ausland ausweichen müssen. Dadurch werden sie teilweise auf "Märkte" verwiesen, deren ethische und rechtliche Standards fragwürdig sind. Ein streng reguliertes inländisches Modell könnte dieses Problem möglicherweise verringern."
"Die gesellschaftliche Debatte sollte sich nicht ausschließlich auf die Entstehung von Familien konzentrieren, sondern ebenso auf die Lebensbedingungen bereits geborener Kinder, die täglich Vernachlässigung oder Verwahrlosung erleben müssen."
