Angela Merkel
Bald nicht mehr die mächtigste Frau der Welt? Angela Merkel nach der Wahl des Fraktionsvorsitzenden / picture alliance

Internationale Presseschau zur Abwahl von Volker Kauder - „Eine echte Watschn, die Merkel da bekommen hat“

Ralph Brinkhaus wird neuer Fraktionsvorsitzender der Union. Die internationale Presse wertet die Abwahl Volker Kauders als Signal für die erodierende Macht der Kanzlerin und sieht die Zeit für Angela Merkel gekommen, ihren Abgang vorzubereiten

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Tages-Anzeiger (Schweiz): „Kanzlerin in der Spätphase ihrer Herrschaft“

„Der Autoritätsverlust von Merkel (und Seehofer) schreitet in immer schnellerem Tempo voran. Im Oktober werden bei den Landtagswahlen in Bayern und in Hessen schwere Verluste für CSU und CDU erwartet. Im Dezember steht Merkels Wiederwahl als Vorsitzende der CDU an. Auf die traditionelle Disziplin ihrer Partei kann die Kanzlerin in der Spätphase ihrer Herrschaft offenkundig nicht mehr zählen."

Neue Zürcher Zeitung (Schweiz): „Das Ende ist in Sicht“

„Später einmal, wenn Angela Merkel nicht mehr Kanzlerin ist, wird man sich an diesen 25. September 2018 erinnern: als Tag, an dem die Abgeordneten von CDU und CSU der Frau ihre Gefolgschaft aufgekündigt haben und einen von Merkels engsten Vertrauten fallen ließen. Wie viel Zeit zwischen diesem Datum und dem tatsächlichen Ende der Ära Merkel liegen wird, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Aber das Ende ist in Sicht ... Ihre oft als pragmatisch bezeichnete, in Wahrheit aber von der veröffentlichten Meinung mal hierhin, mal dorthin und zu oft nach links getriebene Politik hat eine Partei rechts von der CDU groß werden lassen, die sich anschickt, die politische Kultur des Landes nachhaltig zu beschädigen. In den ostdeutschen Bundesländern Brandenburg, Sachsen und Thüringen wird im Herbst 2019 gewählt. Wenn Merkel der CDU erlaubt, sich vorher von ihr zu emanzipieren und sich neu zu positionieren, dann könnte die AfD auf ihrem Weg zur Volkspartei noch gestoppt werden. Es wäre ein mächtiges Zeichen der einstmals mächtigsten Frau der Welt.“

Die Presse (Österreich): „Es ist ein Zeichen des Autoritätsverlusts und ein Warnsignal für Merkel“

„Schon im Asylstreit, als CSU-Chef Seehofer vor der Sommerpause eine Koalitionskrise provozierte, rumorte es auch in der CDU. Jetzt reichte nicht einmal Merkels Eingeständnis, die Causa Maaßen falsch eingeschätzt zu haben, den Unmut zu übertünchen und einzudämmen. Darum manifestiert sich im Votum gegen Kauder – einem Bauernopfer des Systems Merkel – auch ein Misstrauensvotum gegen die Kanzlerin. Es ist ein Zeichen des Autoritätsverlusts und ein Warnsignal für Merkel, ihren Abgang vorzubereiten und rechtzeitig die Nachfolge zu bestellen.“

Der Standard (Österreich): „Der Anfang vom Ende hat definitiv begonnen“

Es ist eine echte Watschn, die Merkel da bekommen hat. Brinkhaus plädiert für einen eigenständigeren und selbstbewussteren Kurs der Fraktion, sie soll künftig weniger Kanzlerwahlverein sein. Wäre die Unzufriedenheit mit Merkels Politik nicht so groß, hätte er keine Chance gehabt. Doch so sahen viele die Möglichkeit, Merkel die Meinung zu sagen. Noch geschieht dies im Geheimen und in der Wahlkabine. Das kann sich nun schnell ändern. In Berlin finden Erosionsprozesse statt, die vor kurzem noch niemand für möglich gehalten hätte. Im Zentrum steht eine Kanzlerin, die nicht mehr zu erkennen vermag, was viele im Land und die Mehrheit "ihrer" Abgeordneten wollen. Selbst die treuesten Merkel-Gefährten kommen nicht umhin, festzustellen: Der Anfang vom Ende hat definitiv begonnen.“

The Times (Großbritannien): „Vertrauensabstimmung verloren“

„Angela Merkels Autorität ist durch einen Überfall aus den Reihen ihrer eigenen Partei schwer beschädigt worden. Mehr als die Hälfte ihrer Abgeordneten im Parlament hat sich gestern entschlossen, ihre „rechte Hand“ zu entthronen. Die Bundeskanzlerin hat damit praktisch eine Vertrauensabstimmung hinsichtlich ihrer Führung verloren, nachdem die öffentliche Unterstützung für ihre CDU auf den tiefsten Stand seit ihrer Gründung 1945 gesunken war.“

NRC Handelsblad (Nierderlande): „Eine kleine Palastrevolution“

„Nachdem die Koalition von CDU, CSU und SPD in einer äußerst schwierigen Regierungsbildung zustande kam, stand sie in den vergangenen drei Monaten bereits zwei Mal kurz vor dem Aus ... Gefährlicher als all diese Probleme ist für Merkel, dass eine Mehrheit der Fraktion offenbar nicht mehr davor zurückschreckt, selbst zu einem für sie besonders unangenehmen Zeitpunkt eine kleine Palastrevolution zu entfesseln. Unter Brinkhaus dürfte sich die Bundestagsfraktion nicht mehr automatisch hinter die Regierung stellen.“ 

Thorsten Rosché | Mi, 26. September 2018 - 12:28

Jetzt werden sie alle aus ihren Löchern kommen und die Zähne fletschen. Gestern hatte sogar schon der Pseudo-Journalist und Merkel Jubler Frey ( ZDF) mit seinem Kommentar so eine Art Totengesang angestimmt. Bin ja bald vom Hocker gestürzt !

Ja, das steht uns bevor: Wir können uns gar nicht so schnell umdrehen, wie die
einstigen Merkel-Fans und Dauer-Jubler sich deren in Kritiker verwandeln werden, wenn der Wind ihnen voll ins Gesicht bläst.

Opportunisten reinsten Wassers.

Es ist unsäglich widerwärtig, aber dieser Vorgang wiederholt sich jedes Mal nach dem Zusammenbruch eines Systems.
Auch diesmal werden die Merkel-Zeit-Profiteure ihre Häupter aus den Ruinen
erheben wie einst (1989) die DDR-Gewächse (z. B. Merkel) es taten. Und sie werden
a n d e r s reden als zuvor, g a n z anders, um erneut in hohe Positionen zu gelangen.

Ich erinnere mich an einen Unversitätsprofessor, dessen Selbstmord wegen des gescheiterten Sozialismus deutscher Prägung gemeldet wurde (1990?).
Vor diesem Menschen habe ich Achtung.
Vor Wendehälsen niemals.

Leider haben die meisten Menschen ein sehr schlechtes Gedächtnis und
fallen daher auf die "neuen" Reden der "Gewendeten" herein.

Schön wärs, Herr Rosché. Die Dame wird sich aber mit allen Mitteln noch 3 Jahre an der Macht halten, Konkurrenten ausschalten kann sie. Es ist leider die einzige Fähigkeit über die sie verfügt, außer den Einheimischen größt möglichen Schaden zuzufügen. Erst wenn immer mehr CDU-Abgeordnete begreifen, dass sie dem nächsten Bundestag nicht mehr angehören werden kommt es vielleicht zur offenen Revolte.

Ja, wenn er nur endlich gestürzt wäre und einige andere "Dummschwätzer" der sogenannten "Öffentlich Rechtlichen" gleich mit, dann dinge das mit der "Sonnenkaiserin" evtl. auch schneller!

Dorothee Sehrt-Irrek | Mi, 26. September 2018 - 13:14

Ich überlege, ob Merkel je mächtig war?
Eher nein.
Noch am mächtigsten über die CDU, die nicht wusste, wie man sich von ihr befreien kann.
Jetzt ist es auch keine klare Befreiung, sondern ein normaler Generationenwechsel.
`Hoffentlich´ beginnt damit wieder die Geschichte der CDU/CSU.
Ich kann nur sagen, dass die CDU/CSU abseits von Merkel sehr stark sein könnte, denn sie mußte evtl. bald 10 Jahre lang leiden.
Die einen länger, die anderen erst zunehmend.
Da Gabriel in der SPD das Sagen hatte, blieb das der SPD mit einem ähnlichen Kandidaten erspart.
Die FDP ging sofort zu Lindner und machte um Kubicki einen Bogen.
Brinkhaus hat jetzt bis zur nächsten Wahl auch die Möglichkeit, dann Merkel zu beerben.
Ich kannte ihn gar nicht, aber dass auch nur mehr als ein ganz kleiner "Haufen" wirklich Merkelanhänger in der CDU/CSU wären, sollte mich wundern.
Man MUßTE es sein?
So schlimm kann es für Konservative nicht einmal im Kaiserreich gewesen sein.
Merkel passte NIE in die CDU/CSU?

Juliana Keppelen | Mi, 26. September 2018 - 14:28

dass sie uns diese Person 2 Legislaturperioden zu lange als Alternativlos präsentierte und erst jetzt zaghaft aufmuckt da ihre Umfragewerte sinken. Obwohl diees Person schon vor 2015 etliche Fehlentscheidungen getroffen hat zum Nachteil unseres Landes. Diese CDU/CSU die alles mitgetragen hat was diese Kanzlerin veranstaltet hat müsste gründlichst abgestraft werden. Da gibt es doch tatsächlich Experten und Kommentatoren die meinen die CDU/CSU muss wieder stark werden ja warum denn, 14 jahre die Kanzlerin gestellt und die Mehrheit im Bundestag wieviel stärker muss man werden um vernünftig zu regieren? Diese unterwürfige, keine Ansprüche an die Kanzlerin stellende, als einziges Ziel machterhaltende CDU/CSU gehört weg von der Regierung und richtig abgestraft.

Ja, liebe Frau Keppelen. Das wird Ihrer SPD allerdings auch nicht helfen. Oder glauben Sie, falls diese dann vielleicht 10%-Partei in einer Nachmerkel-Ära jemals wieder die Chance hätte, am Tisch der Großen zu sitzen, würde man eine Andrea Nahles wählen?

Juliana Keppelen | Mi, 26. September 2018 - 17:16

In reply to by Dr. Roland Mock

NEIN
allerdings haben die SPD Kanzler zu ihrer Zeit das Richtige getan und wußten wann ihre Zeit um ist. Am Stuhl ist keiner geklebt.

Nun wollen wir mal nicht das Kind mit dem Bade ausschütten. Ich bin "weis Gott" kein CDU-Anhänger. Das sollte jedoch nicht dazu führen, nun all die, die dort immer noch heimlich den Geisslerschen Geist leben, zu verdammen. Denn deren Schuld ist es nicht.

Schuld sind nur und ausschliesslich wir Wähler, zumindest diejenigen, die seit zig Jahren regelmässig so wählen, dass irgendein/e Rattenfäner/in kommen kann, damit man jemandem idiotisch nachrennen kann.
Das war damals in Hameln so und dass es sich bis heute eher verschlimmbessert hat, zeigt den Grad der Qualität der Wähler.
Armes Deutschland - meine Enkel tun mir jetzt schon leid, denn die rennen zu oft mit gesenktem Kopf rum. Nicht, weil sie demütig sind, sondern, weil in dieser Blickrichtung das Smartphone ist.
Das zeugt von der Bildungsrichtung, die in dem einst sogenannten Land der Dichter und Denker die heutige Qualität vermittelt und Niemand wehrt sich dagegen.
Man müsste ja etwas tun.

Dimitri Gales | Mi, 26. September 2018 - 15:23

sagt es deutlich: Selbst jetzt, vor Wahlen, findet eine Palastrevolte statt - das zeigt, wie politisch schwach und unerwünscht Merkel geworden ist.

Günter Fischer | Mi, 26. September 2018 - 17:30

In reply to by Dimitri Gales

Aber Dimitri,
das ist eine unglaubliche Überschätzung der Situation, die wegen so einer Personalie gemacht wird.
Die Medien haben den Chef des Verfassungschutzes beendet und nun wird eine andere "Sau durch´s Dorf getrieben".

claudie cotet | Mi, 26. September 2018 - 16:57

"die maechtigste frau der welt"
in mehreren commentaren, in verschiedenen
"informations-institutionen"
wurde meine, wie auch immer gemeinte bemerkung:
"diese bezeichnung ist eher als ein titel,
der dem juedischen "rabbi"-humor entspringt.
(forbes)
zu verstehen.
weder von zensoren noch von offensichtlichen
"co-citoyens" intellectuell integriert.
kein nachtreten.
aber wer koennte diese bezeichnung denn wirklich ernst nehmen?
ausser ihr selbst und ihre lakaien.
dauert ewig, bis wahrheiten an die "ober"-flaeche gelangen
wachen die deutschen langsam auf?
man wagt es nicht zu glauben

Günter Fischer | Mi, 26. September 2018 - 17:33

In reply to by claudie cotet

Der Horizont der vieler Menschen ist ein Kreis mit dem Radius "0".
Das nennen sie dann ihren Standpunkt.

Claudia ist nicht gemeint.

Ronald Lehmann | Mi, 26. September 2018 - 16:57

Ist das aber nicht ein unwürdiges Schmierentheater?
Was zum Schluss dabei heraus kommt, könnte noch viele überraschen. Wie heißt es in einen alten Lebensweisheit: "du sollst den Tag nicht vor dem Abend loben". Für mich als Wähler wäre ein Erfolg, wenn ich als Wähler auch das einfordern könnte, was mir der Politiker versprochen hat. Sonst Neuwahlen! Aber gerade der am meisten von den Medien beschimpft wird (und als Mensch nicht gerade eine sympathische Ausstrahlung hat), hält er weigstens seine Versprechen trotz Stolperfallen ein. Dies hätte ich mir für die Altparteien gewünscht. Überhaupt bin & bleibe ich sehr Skeptisch zur Entwicklung in unserer Gesellschaft. Vor allem eine politisch unabhänige Justiz würde ich mir wünschen. Ja, ja - ich weiß - träume weiter ;-)

Günter Fischer | Mi, 26. September 2018 - 17:12

Nichts Unmenschliches ist mir Fremd.
Nur, weil nach der "Sau" Verfassungschutzchef nun eine andere "Sau" durch´s Dorf getrieben wird, glaube ich an alles Mögliche, allerdings nicht, dass das ein Grund dafür ist, Änderungen massiver Art erwarten zu können.
Das hat die Alt-FDJ-Sekretärin Merkel noch immer mit der Kohlschen Aussitzungsmethode überlebt.
Dass ich nun trotzdem davon ausgehe, dass gelegentlich ein Wechsel anstehen könnte, ist eher "Muttis" rentennahen Alter geschuldet.
Die Probleme werden nach ihr, so es denn so kommen sollte, andere sein.
Denn ich sehe keine wirkliche Alternative in irgendeiner Partei.
Dass es eine andere Konstellation von Parteien geben wird, die für die Regierungsbildung infrage kommt, wird wohl unvermeidlich.
Ich denke trotzdem, dass Leute an die Macht kommen, die wie bisher den Menschen in die Taschen greifen und nach Gründen suchen, warum wichtige Aufgaben der Zukunft weiter ungelöst bleiben können.
Es wird Kleingeld geben mit der Giesskanne.

Günter Fischer | Mi, 26. September 2018 - 17:39

Die wissen genau was sie tun - die sind nicht dumm.
Deren grösste Aufgabe ist doch dem Wähler, dem dummen deutschen Michel, zu erklären, dass das, was sie tun, nur zum Besten der Menschen ist.

Darauf ist die Bildungspolitik seit vielen Jahren ausgerichtet, denn, wer weniger versteht, hört weniger zu, denkt weniger nach, wählt die Rattenfänger, gleich welchen Coleurs und versucht, sich um seinen Kram zu kümmern.
Nach dem Motto "Ich kann ja sowieso nix ändern.

Jacqueline Gafner | Mi, 26. September 2018 - 20:02

kommt aber um Monate, wenn nicht Jahre zu spät. Der weitere Aufstieg der AfD wird sich bestenfalls bremsen, aber kaum stoppen lassen, solange das groteske schwarz-rote Notbündnis namens GroKo in Deutschland weiterwurstelt. Mit Regieren hat der einschlägige Klamauk jedenfalls nicht mehr ansatzweise etwas zu tun. Sowas erträgt auf die Dauer kein Staat und keine Gesellschaft.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass es tatsächlich und vor allem nun so plötzlich zu einer Emanzipation der Parteimitglieder kommt, im Moment ist eine Figur durch eine andere getauscht, man ist ja schon froh mal ein neues Gesicht zu sehen, nur was dies letzt endlich zu bedeuten hat, steht m.E. im Moment noch in den Sternen.
Ich plädiere dringend zur Begrenzung der "Regierungszeiten" auf maximal 2 Perioden, alles was darüber geht erzeugt zu viel Filz und führt zu Lähmungen.

Marco Jäger | Do, 27. September 2018 - 10:49

Ich Denke das dass nur Theater ist

Justin Theim | Do, 27. September 2018 - 11:56

Wie heißt es so schön bei Mary Poppins? "Der Wind dreht sich, ein Sturm zieht auf!"