Internationale Presseschau - „Die politische Krise in Deutschland ist nicht vorüber“

Obwohl Angela Merkel erneut die Wahl gewinnen konnte, wird die Regierungsbildung nicht einfach werden, prognostizieren internationale Medien. Zwar stelle der Einzug der AfD in den Bundestag keine unmittelbare Gefahr dar, doch nun gelte es, die enttäuschten Wähler zurückzugewinnen

Italienische Zeitungen mit Merkel und Alice Weidel auf der Titelseite
Wer ist die wirkliche Wahlsiegerin? Alice Weidel und Angela Merkel auf der Titelseite einer italienischen Zeitung / picture alliance

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Cover der Cicero-Dezemberausgabe

New York Times (USA):

„Trotz ihres Sieges können Frau Merkel und die Konservativen nicht alleine regieren, was es wahrscheinlich macht, dass das politische Leben der Kanzlerin komplizierter wird. Die Form und die Inhalte einer neuen Regierungskoalition werden Wochen mühsamer Verhandlungen beanspruchen.“

Washington Post (USA):

„Gauland und andere AfD-Kandidaten machten während der gesamten Kampagne Schlagzeilen, die weithin als empörend wahrgenommen wurden. Doch einige ihrer Wähler äußerten am Sonntag die Hoffnung, dass dieses Partei-Profil Partei Merkel dazu zwingen wird, ihre Politik der jüngeren Vergangenheit zu ändern.“

The Times (Großbritannien):

„Vierte Amtszeiten sind in Deutschland nicht ohne Beispiel. Doch sie können vergiftet sein, wie ihr früherer Mentor, der verstorbene Helmut Kohl, einst erleben musste. Viele glauben gar, dass Merkel nicht für die gesamte Legislaturperiode im Amt bleiben wird. Der Einzug der AfD in den Bundestag – es ist das erste Mal seit 1960, dass eine politisch rechts-außen stehende Partei im Parlament vertreten ist – stellt zwar keine unmittelbare Gefahr dar, denn alle anderen Parteien weigern sich, mit ihr eine Regierung zu bilden. Aber sie wird mit ständigem Gezeter ein härteres Vorgehen gegen Migranten einfordern. (...) Unterm Strich wird es die siegreiche Merkel mit einer Regierung zu tun bekommen, die von vornherein instabil ist. Dagegen muss sie ankämpfen, indem sie eine energische Politik des Wandels durchsetzt statt zurückzuweichen.“

The Guardian (Großbritannien):

„Der Aufstieg der AfD ist ohne Zweifel besorgniserregend. Und es ist ein Zeichen wachsender politischer Fragmentierung. Es bringt in Deutschlands föderale Politik ein Element von Gift und Polarisierung, das jedem, der einer liberalen Demokratie anhängt, nur zu denken geben muss.“

Le Monde (Frankreich):

„Auch wenn sie rein rechnerisch möglich ist, wäre eine Jamaika-Koalition ein politisches Kunststück. Nur auf regionaler Ebene in Schleswig-Holstein wurde sie erprobt, nicht aber auf Bundesebene. Und schon Sonntagabend haben sich einige der zukünftigen Partner eher zurückhaltend zu dieser Möglichkeit geäußert.“

El Pais (Spanien):

Extremismus beiseite, hat ein großer Teil der Deutschen für ein ‚Weiter so‘ gestimmt. Merkel repräsentiert für viele Bürger immer noch Stabilität, in einer Welt, die von Trump, Erdogan und Kim Jong-un bewohnt wird. Sie steht für die Durchsetzungskraft und Standhaftigkeit, die erforderlich ist, um mit internationalen Bedrohungen umzugehen. Für ihre Wähler garantiert Merkel einen hohen wirtschaftlichen Wohlstand – trotz der herrschenden Ungleichheit und dem Schaden, den ihre Handelspolitik im Ausland hervorruft. Am Sonntagmorgen fasste Volker Kraftczyk, ein Luftfahrtingenieur, dieses Gefühl nach der Abstimmung im Norden Berlins zusammen: ‚Sie ist eine starke Frau, die uns gut im Rest der Welt vertritt. Deutschland ist eines der reichsten Länder der Welt. Wir können uns nicht beklagen.‘ Dennoch zeigt der Verlust von mehr als acht Prozentpunkten, den der konservative Block erlitten hat – am meisten an die extreme Rechte im Osten –, dass die politische Krise nach der Ankunft von 1,3 Millionen Flüchtlingen im Land nicht vorüber ist.

La Repubblica (Italien):

Ein halber Sieg für Angela Merkel und ihre CDU, ein Triumph für die extreme Rechte der AfD, eine eindeutige Niederlage für die Sozialdemokraten von Martin Schulz. Deutschland kommt aus der Stimmenabgabe für den Bundestag mit geringerer Sicherheit, zum ersten Mal mit einer fremdenfeindlichen Partei im Parlament und bekräftigt diese noch als drittstärkste Kraft. Das Land steuert in Richtung einer Regierung, die von schwachen Mehrheiten geführt und sich in vielen Punkten im Regierungsprogramm nicht einer Meinung sein wird.

Der Standard (Österreich):

„Wer jetzt noch glaubt, er könne weitermachen wie bisher, dem ist nicht mehr zu helfen. Das gilt für alle Parteien, insbesondere aber für Merkel und Martin Schulz, falls er denn an Bord bleibt nach diesem Desaster. Beide haben im Wahlkampf nicht hingesehen oder das Ausmaß des Frustes nicht begriffen. (...) Die Regierungsbildung wird nicht einfach werden nach diesem Wahlsonntag, der Bundestag ist sehr bunt geworden. Neben all den großen Fragen der Zukunft (Rente, Bildung, Digitalisierung, Investitionen in die Infrastruktur) wird es nach dieser Wahl um noch etwas Wichtiges gehen: Wie kann man im reichen Deutschland diesen vielen Frustrierten und Ängstlichen eine Perspektive geben und sie zurückgewinnen?“

Neue Zürcher Zeitung (Schweiz):

„Abzuwarten bleibt indes, wie stark sich die innenpolitische Auseinandersetzung mit der AfD psychologisch auf die Rolle und das Selbstverständnis Deutschlands als Zugpferd der europäischen Einigung auswirkt. Nüchtern und im internationalen Vergleich betrachtet verfügt Deutschland immer noch über breite proeuropäische Mehrheiten, über 87 Prozent der Stimmenden haben am Sonntag nicht AfD gewählt.“

Christoph Kuhlmann | Mo, 25. September 2017 - 11:39

ist Deutschland sicher ein Hort der Stabilität. Aber ob Merkel nicht dieselben Schwierigkeiten mit der innerparteilichen Opposition bekommen wird, wie May in England, bleibt abzuwarten. Ich glaube jedenfalls nicht, dass Seehofer einen Wählerauftrag für ein " weiter so" sieht.

Benda Regalin | Mo, 25. September 2017 - 11:44

Wer die Zeichen der Zeit nicht erkennt, bestraft das Leben, deshalb nach Krisenrettung und vor allem wegen Flüchtlis wurde Groko abgewählt und da die Armut auch gestiegen ist und die neue Reg. diesen nicht verhindern kann, wird sich die Spaltung der Gesellschaft und auch die Spaltung der EU weiter eskalieren. Vor 2 Jahren habe ich schon hier darauf hingewiesen, daß die Flüchtlingkriese D. zum Erdbeben bewegen wird!

Torsten Knecht | Mo, 25. September 2017 - 12:35

Merkel war und ist die, die das Gute und alle Guten verkörpert. Noch hält sie das Zepter der Macht aber sie teilt sie sich mit neuen Geschäftspartnern, die anders als der SPD-Bettvorleger ihre eigenen Interessen verfolgen. Hinzu kommen die Aufbegehrer für Demokratie, die ideologisch gebrandet werden damit man sich nicht inhaltlich mit Ihnen auseinandersetzen muss.

Der "wütende, weiße, abgehängte Mann" wurde in den deutschen Medien nicht thematisiert. Von Merkel sowieso nicht, die hat den AR-Bericht ja faken lassen. Schulz blieb unglaubwürdig. Das Ergebnis ist, das die AfD zweitstärkste Kraft in Ostdeutschland und drittstärkste im Bund ist. Das war nach der Abnicker - GroKo zu erwarten, das diese Regierungsparteien die meisten Stimmen verlieren werden.

Und trotzdem wird Merkels Kurs "bestätigt"!? Wer sind diese Wähler, die den größten Niedriglohnsektor wollen und damit Kinderarmut und Altersarmut? ... die Zuwanderung wollen aber unseren AL keine Chance geben?

Susanne Dorn | Mo, 25. September 2017 - 19:47

In reply to by Torsten Knecht

Hallo, Herr Knecht! Wer wählt die Merkel-CDU? Das Frage stelle ich mir schon seit vielen Jahren.

Demoskopen sprechen von "älteren Frauen", also Muttis...

Vielleicht Frauen vom Schlage einer bekannten, älteren Schauspielerin, die neulich in einer Talkshow berichtete, das Buch "Die Getriebenen" von Robin Alexander gelesen zu haben.
Sie sei sehr beeindruckt gewesen, wie viele Telefongespräche Frau Merkel führte und dass sie sogar in der Nacht arbeite.

Meiner Schlussfolgerung nach kann es sich nur um „ältere Frauen“ handeln, die sich nie wirklich für Politik interessierten.

Dennoch wird sich der politische Diskurs im Bundestag, durch zwei weitere Parteien, sehr wesentlich verändern und das ist gut für unsere Demokratie. Es muss wieder sachlich gestritten und gekämpft werden, um die besten politischen Entscheidungen für uns Bürger und unser Land treffen zu können.

Die Abgeordneten im Bundestag müssen die Regierung wieder kontrollieren. Das ist ja ihre eigentliche Aufgabe!

Joachim Baumeister | Mo, 25. September 2017 - 12:38

Die Union und die Sozialdemokraten sehen sich dem schlechtesten Wahlergebnis seit 1949 gegenüber. Wenn das kein Hinweis ist! Beide bisherige Volkparteien müssen sind entkernt und müssen sich neu aufstellen um Volksparteien zu bleiben. Und Volksparteien benötigt unser Land. Sie waren bislang der Stabilitätsanker. Merkels Dienerschaft gehört weitestgehend ausgetauscht. Auch sie sollte über kurz oder lang endlch abtreten.
Neue frische Persönlichkeiten mit Geradlinigkeit und verlässlicher Haltung (die in den Merkeljahren nicht vorhanden war, siehe Bankenrettung, Energiewende, Maut, Migration, Ehe für alle etc.)sind für die Union dringend erforderlich. So wird sich eine AfD z.B. kaum halten können. Es gilt eine politische Zersplitterung mit immer mehr Parteien zu verhindern.

Klaus Ramelow | Mo, 25. September 2017 - 22:54

In reply to by Joachim Baumeister

@Joachim Baumeister - ein Ende der AfD ist ebensowenig zu erwarten, wie die Duldung neuer frische Persönlichkeiten mit Geradlinigkeit und verlässlicher Haltung in und bei der CDU.

Dr. Lothar Sukstorf | Mo, 25. September 2017 - 12:54

...es gibt keine Krise...denn es gibt ja Fr. Merkel.

Dr. Roland Mock | Mo, 25. September 2017 - 13:20

Als Realist bin ich mit dem Wahlergebnis ganz zufrieden: Merkel bleibt zwar Kanzlerin, aber sie bekommt jetzt Druck von allen Seiten: im Parlament von der AfD und dort oder in der Regierung von der FDP. Und: Von der CSU. Wer Seehofer gestern Abend zugehört hat, weiß, daß dem das Wasser mit Grundeis geht. Die CSU wird jetzt alles Eiapopeia mit der CDU über Bord werfen und versuchen, der AfD mit einem harten Antizuwanderungskurs das Wasser abzugraben, um im nächsten Jahr die absolute Mehrheit in Bayern verteidigen zu können. Vielleicht geht ihr Chef gleich mit über Bord und überläßt Leuten das Ruder, welche nicht, wie dies Seehofer z.B. in der Griechenland- und Flüchtlingspolitik getan hat, regelmäßig als Tiger starten und als Bettvorleger enden.

Gerdi Franke | Mo, 25. September 2017 - 13:31

Die hat man doch erst rausgedrängt. Durch Merkels Sturheit in der Flüchtlingspolitik. Warum sollten die so schnell zurückkehren? Da müsste Frau Merkel schon öffentlich Abbitte leisten, persönliche Konsequenzen ziehen und ihr Amt zur Verfügung stellen.

Ralf Altmeister | Mo, 25. September 2017 - 13:42

Wahlentscheidend war die Flüchtlingspolitik.
Ein "Weiter so" ist wegen Merkel, trotz der Niederlage beider Großparteien, nicht ausgeschlossen. Für die CSU bedeutete dies den Entzug Ihres Kernprofiles.
Für die Grünen wäre ein Lückenschluß des offenen rechten Flügels unannehmbar.
Das mit Jamaika wird nix.

... die CSU bezieht ihre Legitimität (wie die CDU) aus ihrer Politik für die Wirtschaft. Darum halte ich die Obergrenze Seehofers für ein taktisches Spiel. Solange er nix umsetzen muss o. kann, kann er fordern, was die Bürger hören wollen. Falls er doch in Zugzwang gerät, seinen Worten Taten folgen dann müsste er die Wirtschaft brüskieren, die die Zuwanderung in den Arbeitsmarkt, neue Konsumenten, mehr Mieter etc. sehr begrüßt.

Da wird nix passieren auch weil die Wahl jetzt vorbei ist. Vielleicht schiebt er noch ein wenig bis zur Landtagswahl.

Über die Anpassungsfähigkeit bei den Grünen braucht man sich keine Sorgen machen. Unter Schröder haben die die neoliberale A2010 durchgezogen. Mit der Zuwanderung in den Arbeitsmarkt haben die also kein Problem. Und grüne Autos findet auch die Wirtschaft gut, wenn die Marge hoch genug ist.

Stefanie Reger | Mo, 25. September 2017 - 17:20

In reply to by Torsten Knecht

Nein, die CSU bezieht ihre Legitimität nicht "aus ihrer Politik für die Wirtschaft" sondern daraus, dass sie sowohl wirtschaftliche Modernität mit Eingehen auf die sozialen wie kulturellen Bedürfnisse der bayerischen Bevölkerung verbindet. Es hat sich schon oft genug gezeigt, wie sehr ihren Kurs ändern kann, wenn es nötig ist. Sie ist populistisch im besten Sinne. Diese Kehrtwende (wobei ja eigentlich Merkel diejenige ist, die den Kurs 2015 gewechselt hat) wird nun aber erschwert, da es sich um bundespolitische Fragen handelt und sich die merkelisierte CDU so dermaßen unbelehrbar gezeigt hat. "Nach der Wahl ist vor der Wahl" und deswegen wird die CSU alles möglich versuchen, um einen Mehrheitsverlust bei den nächsten Landtagswahlen zu vermeiden. Und auch die CDU muss sich wünschen, dass dies gelingt, denn eine CDU, die über Merkel linksextreme Grünenblütenträume exekutiert wird noch weniger verlorene Wähler zurückgewinnen, als sie es in der SPD-dominierten GroKo konnte.

Dr. Lothar Sukstorf | Di, 26. September 2017 - 12:13

In reply to by Torsten Knecht

...Sie meinen wohl eher Legitimation...

Dimitri Gales | Mo, 25. September 2017 - 14:01

hat das Wichtigste artikuliert. In Deutschland ist man zu sehr an Kontinuität gewöhnt, das ist heutzutage eher hinderlich und führt eben zu diesen Wahlergebnissen.

Hubert Sieweke | Mo, 25. September 2017 - 14:24

Sicher war sie eher linksliberal, aber die Aussage, 87% der deutschen hätten für Europa plädiert ist angesichts der Tatsache, dass auch die AFD FÜR Europa eintritt, nur den vermaledeiten Euro bekämpft, völlig daneben.
Die NZZ hätte besser titeln müssen, Merkels Partei bei 26% oder 19,5 % der Wahlberechtigten... Reicht das für eine Kanzler Legitimation??? Die Kritik aus den eigenen Reihen ist schon von Ferne zu hören und wird lauter....

Und warum 10% für die Linkspartei und 5% für sonstige zu den Wählern "für Europa" zählen sollen, bleibt ohnehin schleierhaft. Aber wenn man solche unsinnigen Aufsummierungen betreibt, muss man dann nicht sagen, dass 67% gegen Merkel gewählt haben?

Stimmt. Aus Menschen, welche die "Griechenland-Rettungs"- Politik und die Aufnahme des gesamten östlichen Balkan in die Euro-Zone für Harakiri halten, "Europa-Feinde" zu machen, hat Methode. Propaganda pur. Genauso, wie den "Euro für alle" mit Europa zu verwechseln und dies alles noch zum "europäischen Friedensobjekt" zu stilisieren. Was an der Verschwendung hunderter Milliarden Euro "friedensstiftend" sein soll, konnten mir bisher weder Juncker noch Merkel noch deren Adlatus Schulz erklären. Es sind mehr als 13% der Bevölkerung, die dies für Schwachsinn halten.

Tomas Poth | Mo, 25. September 2017 - 14:47

Minus 13,7% für die GroKo, davon allein minus 8,5% bei der CDU. Merkel wird daran scheitern, sie ist die Verliererin! Mit AfD und FDP 23,3% Wählerstimmen gegen Merkels Euro und Migrationspolitik. Ganz zu schweigen von der CSU und den vielen Kritikern innerhalb der CDU zu diesen Themen. Merkel ade!

Klaus Ramelow | Mo, 25. September 2017 - 15:11

@Ralf Altmeister "Geschäftsgrundlage für CSU und Grüne läßt sich nicht vereinbaren"
So wie wir die Grünen erlebt haben, wurden stets die "Prinzipien" aufgegeben, um an einer Regierung beteiligt beteiligt zu werden !

Gerd Risse | Mo, 25. September 2017 - 15:17

Aktuell haben wir eine ca. 28 % +/- Kanzlerin, wenn der bayrische Löwe nun nicht mehr schnurrt, was dann Frau Merkel.
Mit bayrischen Löwen, meinte ich Eiertänzer Seehofer, nur zur Klarstellung ;-)

@Gerd Risse - der Bayerische Löwe wird immer schnurren, da er auf die CDU angewiesen ist, um nicht selbst in Bedeutungslosigkeit zu versinken !

Rembold Elfriede | Mo, 25. September 2017 - 15:50

33% für die CDU. Ist das nicht ein Schlag ins Gesicht der Konservativen? Für Merkel nicht. Nur der Machterhalt zählt: “Es kann keine Regierung ohne uns gebildet werden.“ Das reicht und weiter in der Tagesordnung. Wie wenig muss man von der Stimmungslage in diesen Land verstanden haben, wenn man das den WählerInnen am Wahlabend ins Gesicht sagt? - Sie hat definitiv ausgedient.

Stefanie Reger | Mo, 25. September 2017 - 17:25

Man merkt, amerikanisch-englisch-spanisch-italienische Deutschlandberichterstattung ist ähnlich ahnungsbefreit wie deutsche US-Berichte. Von welchen "Konservativen" oder welchem "konservativen Block" reden die denn? Die CDU war nie an sich eine konservative Partei (wenn es auch Konservative in der Union gab), aber nie weniger als zur Zeiten der linksgewendeten Merkel-CDU.

Marcel d'Honte | Mo, 25. September 2017 - 21:27

Ja, das sehe ich ähnlich, die Berichterstattung der "Ösis" ist realitätsnäher als die der "romanischen" Länder ... Nun hat aber offensichtlich auch "Der Standard" nicht mit der unverbesserlichen Borniertheit der dt. Bundeskanzlerin gerechnet. 2015, während der von ihr forcierten Migrationskrise incl. "Staatsversagen" u. einer bis heute anhaltenden Behördenüberforderung, ließ sie ja angeblich intern verlauten: "Ist doch mir egal, dass ich schuld bin, jetzt sind sie hier". Nun also der Tenor der heutigen Bundespressekonferenz: "Weiter so", "ich habe nichts falsch gemacht"! Tja.
In der Türkei etabliert sich eine Präsidialdiktatur, sicherlich weiterhin mit dem stillschweigenden Segen der außenpolitisch paralysierten dt. Kanzlerin ... Es ist natürlich bedauerlich, dass die AfD nicht mehr über die volkswirtschaftliche Kompetenz verfügt, die so mancher "Prof." einbrachte ... ich hoffe trotzdem auf Debatten im Bundestag über die bisher totgeschwiegenen Risiken der Target-II-Salden ....

Dr.Elisabeth Amodi | Mo, 25. September 2017 - 22:42

Man dachte es genügt die AFD zu diskreditieren, und täglich AFD Bashing zu betreiben und gewisse Probleme nicht anzusprechen, um noch einmal die Kurve zu kriegen und nach der Wahl weiter zu machen wie gehabt. In welchen Sphären leben solche Politiker eigentlich?
Nun, sie haben jetzt die Quittung bekommen , wollen aber anscheinend noch immer nichts daraus lernen. Die einzige die nach dem ersten Schock etwas Konstruktives zu sagen hatte war
Frau Wagenknecht,überall sonst war man sich nur einig wie man die AFD bekämpfen wollte. Dass man so keine Wähler zurückgewinnt müsste inzwischen auch der Dümmste erkannt haben.
In einem Land,in dem es vielen nicht mehr möglich ist die Familie mit 1 Job über Wasser zuhalten, in dem man von Armut bedroht ist wenn man mehr als 1 KInd hat, in dem es Altersarmut und Kinderarmut gibt, in dem die eigenen Bürger als "Pack" bezeichnet werden und man die eigene Kultur in Frage stellen läßt läuft etwas falsch und zwar gewaltig! Das muß geändert werden

Hans-Hasso Stamer | Mo, 25. September 2017 - 23:05

...daß sich etwas ändert. Die meisten Medien haben den Weckruf nicht gehört, oder wollten ihn nicht hören. Sie pauschalisieren, hetzen und verleumden weiter wie bisher. Da wird sich auch in Zukunft wohl nichts ändern.

Die „Welt“ immerhin fragte ihre Leser, ob und warum diese AfD gewählt hätten. Da kamen interessante Lebensläufe von gebildeten und meist erfolgreichen Leuten zutage, im Gegensatz zum dumpfen Klischee des Facebook-Pöblers.

Die Politik macht ebenfalls weiter wie bisher, das war in der Elefantenrunde zu spüren.

Eigentlich kann das auch nicht überraschen: der Kurs der Medien und der Kurs der Politik sind vor allem durch die Interessen von einflussreichen Machtgruppen (Verleger, Industrieverbände, Lobbygruppen) definiert, und da hat sich durch die AfD ja nichts geändert. Die Politik wird weiter versuchen, die Leute vom Wählen dieser Partei abzuhalten, statt die zugrunde liegenden Probleme zu lösen. Und sie wird die Partei weiter als rechtsradikal diffamieren.

Heinrich Niklaus | Di, 26. September 2017 - 09:45

Man kann nur hoffen, dass die Kompromissfindung bei den anstehen Koalitionsgesprächen misslingt. Die Positionen der vier Parteien in „Schicksalsfragen der Nation“ sind so unterschiedlich, das jeder Kompromiss zu einer schweren Schädigung Deutschlands führen muss. Die s gilt besonders auf den Gebieten: Migrationspolitik, Europapolitik, Energie-und Klimapolitik und Verkehrspolitik.

Der FDP-Vorsitzende Lindner fordert eine Trendwende. Wie soll die aber vollziehbar sein wenn Frau Merkel nur einen Tag nach der Wahl sagt, sie könne nicht erkennen, was man anders machen könne. Wenn es der Union nach diesem desolaten Wahlergebnis nicht gelingt, Frau Merkel loszuwerden, dann wird die Union untergehen.

Deshalb sollten Neuwahlen angestrebt werden, mit klaren Wahlaussagen, insbesondere zu den vier oben aufgeführten Politikfeldern. Diese Wahl wird so zur Volksabstimmung. Nur so lassen sich grundsätzliche Weichenstellungen in diesen Politikfeldern demokratisch legitimiert rechtfertigen.

Max Hoffmann | Mi, 27. September 2017 - 18:11

Es war abzusehen - was blieb auch anderes übrig! - dass den AfD-Wählern bescheinigt werden würde, sie hätten nicht gewusst, was sie tun oder sie wären Rattenfängern auf den Leim gegangen oder sie wären geistig Bedürftige oder Protestwähler ohne Sinn und Verstand. Auf gar keinen Fall will man dem AfD-Wähler politischen oder ökonomischen oder kulturellen Sachverstand unterstellen, egal wie gebildet dieses Klientel auch sein mag. Denn dann müsste man sich ernsthaft mit den Argummenten der AfD-Wähler beschäftigen, was letztlich zum Eingeständnis eigener Fehler führen würde - undenkbar in einem System Merkel. Dieses System erinnert immer zunehmender an das DDR-System von 1989. Niemand hätte sich einen Honecker vorstellen können, der öffentlich Fehler einräumt und Maßnahmen ergreift, diese zu korregieren. Man erinnere sich an den Honecker mit erhobener Rotfrontfaust, ehe der Flieger nach Chile seine Schotten schloss. So ähnlich wird sich die AM auch verabschieden.

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