Die Pandemie offenbart viel über die Funktionsweise der deutschen Medienöffentlichkeit / Marco Wagner

Intellektuellen-Rangliste - Homogenität und Hybris

Die Pandemie lehrt, wie Öffentlichkeit heute funktioniert. Wenn Corona Geschichte ist, werden viele Experten und Wissenschaftler wieder aus den Medien verschwinden. Anmerkungen zum neuen Ranking der 500 einflussreichsten Intellektuellen in Deutschland.

Autoreninfo

Max A. Höfer ist freier Journalist und lebt in Berlin. Zuvor leitete er das Politikressort von Capital und war anschließend bis 2009 Geschäftsführer der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.

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Corona wirft seine Schatten auch auf die intellektuelle Landschaft Deutschlands. Die Pandemie überblendet seit zwei Jahren alle anderen Debatten und ist das beherrschende Thema in Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Zuvor weitgehend unbekannte Experten wie der Charité-Virologe Christian Drosten (Platz 18) oder die Medizinethikerin Alena Buyx (227) kommen beinahe täglich in den Medien zu Wort. Ihre Ansichten bestimmen das öffentliche Meinungsbild erheblich – und auch das der handelnden Politiker. 

So hat eine gewichtige „Corona-­Gruppe“ aus Medizinern und Naturwissenschaftlern in das Cicero-Ranking der 500 einflussreichsten Intellektuellen Einzug gehalten. Das Ranking misst die Medienpräsenz der zurückliegenden zehn Jahre. Wäre diese Zeitspanne kürzer, wären noch mehr Corona-Erklärer aufgestiegen. Zu dieser Corona-Fraktion zählen neben Drosten und Buyx: Lothar Wieler (Platz 78), Hendrik Streeck (154), Thomas Mertens (181), Klaus Püschel (261), Mai Thi Nguyen-Kim (292), Jonas Schmidt-Chanasit (301), Sandra Ciesek (317), Alexander Kekulé (325), Gerd Glaeske (411), Christiane Woopen (462), Melanie Brinkmann (483), Cornelia Betsch (402), Dirk Brockmann (470), Viola Priesemann (495). Wenn Corona wieder aus den Schlagzeilen verschwindet, werden die meisten mit dem Virus auch wieder gehen. 

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Bernd Muhlack | Mi, 2. Februar 2022 - 18:34

Aus meiner Sicht ist es sehr erfreulich dass die ehemaligen Verfassungsrichter/Vorsitzenden Voßkuhle, Papier und Kirchhof weit oben gelistet sind.
Sie hätten dieses "Merkelsche Durchregieren" in der Luft zerrissen.

Dann nimmt man Böhmermann eben schulterzuckend zur Kenntnis.

Walter Bühler | Mi, 2. Februar 2022 - 18:56

Wozu ein Ranking in dieser diffusen Gruppe von Prominenten? Braucht man so etwas im Reich der Medien?

Außerdem wundert mich das Ergebnis. Die drei ersten Plätze werden von drei Persönlichkeiten besetzt, denen ich eine große Achtung entgegen bringe. Gerade sie spielen aber in der von mir konsumierten Medienwelt meinem Eindruck nach praktisch gar keine Rolle.

Die Meinungs-Gleichschaltung ("Diskurshomogenität") liegt m. E. daran, dass in der deutschen Elite die starken Charaktere verschwunden sind, sowohl in der Politik wie in den Medien. Mittelmäßige, Blinde und Lahme stützen und schützen. sich durch ihr öffentliches Auftreten gegenseitig. Das ist vermutlich in beiden Bereichen ein Ergebnis unserer nivellierenden Bildungs- und Wissenschaftspolitik, die biedere Anpassung ans brav kanalisierte, moralisch kostümierte Mittelmaß stärker fördert als lästige und mühselige Kreativität und Originalität.

Ingofrank | Mi, 2. Februar 2022 - 19:53

Für mich stellt sich die Frage wer macht öffentliche Meinung, wem nützt die öffentlich gemacht Meinung und wer verdient an der öffentlichen Meinung und wer bezahlt die öffentliche Meinung.
Dabei gibt es prinzipiell zwei Säulen, unabhängig voneinander der Finanzierung, der öffentlichen Meinung. Die eine wird durch staatlich festgelegte Steuern = Zwangsabgabe finanziert + Werbeeinnahmen, die andere finanzieren sich durch den Verkauf ihrer Produkte am Markt + Werbung. Theoretisch könnte die Zwangsfinanzierte ö. M. Unabhängig sein, da die Einnahmen garantiert sind und alle, auch die die nicht dieser Meinung sind, Beiträge zahlen. Und gerade diese „festgeschriebene Unabhängigkeit geht i.d. letzten Jahren gegen O. Auch in den am Markt tätigen die die ö. Meinung mit prägen geht das Niveau weiter nach unten da die Information der Quote/ Schlagzeile/ Gewinn/ Kariere um jeden Preis gewichen ist. Und dieseR Befund hat nichts mit Corona zu tun.
Mit freund. Grüßen aus der Erfurter Republik

W.D. Hohe | Do, 3. Februar 2022 - 12:00

ist inzwischen geschlossen.
Wer darf, kann es sich derzeit leisten auch nur einen Finger zur Gegenrede zu heben.
Jene die es gerne würden und unbändig fühlen dass sie müssten buchen einen Termin beim Psychologen.

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