Holger Stahlknecht - Gegangen, um zu bleiben

Holger Stahlknecht galt als der nächste Ministerpräsident Sachsen-Anhalts, bis er innerhalb von Tagen alles verspielte. Andere würden resignieren – er nicht.

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Holger Stahlknecht: „Mein Blick geht nach vorne“ / dpa

Autoreninfo

Hagen Eichler ist Landtagskorrespondent bei der Mitteldeutschen Zeitung.

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Geknickt? Erschüttert? Aber nicht doch! Strahlend tritt Holger Stahlknecht Anfang Dezember vor die Kameras. Drei Tage ist es her, dass Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) den Parteifreund als Innenminister entlassen hat. Doch dessen Selbstbewusstsein ist scheinbar ohne jeden Kratzer. „Ich bin dankbar für den Rückhalt und Zuspruch, den ich seither erlebt habe“, sagt er. Auch weiterhin werde er sich „an geeigneter Stelle“ für die Bürger einsetzen. Andere mögen den 56-Jährigen abgeschrieben haben – er selbst hat offenbar noch viel vor.

Sich geschlagen zu geben, kommt Stahlknecht überhaupt nicht in den Sinn. Dabei hat der schneidige Ex-Staatsanwalt und Reserveoffizier nicht nur seinen Platz im Kabinett verloren. Aufgeben musste er auch den CDU-Landesvorsitz – jenes Amt, das ihm den Weg in die Staatskanzlei ebnen sollte.

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Christa Wallau | Do, 18. Februar 2021 - 08:54

Es gibt noch einzelne Minister, die zu ihrer Meinung stehen, auch wenn sie dadurch ihr Amt verlieren.
Herr Stallknecht hat einen Beruf außerhalb der Politik, in den er problemlos zurückkehren kann.
Und die Option, später - wenn sich die Lage verändert hat - erneut ein ein politisches Amt
anzustreben, bleibt ihm unbenommen.

Ich habe den Eindruck, daß der Rücktritt eines Ministers, der damit die Verantwortung für Fehler bzw. Falschverhalten in seinem Ressort übernimmt, immer mehr Seltenheitswert bekommt.
Da können Milliarden verschleudert worden sein:
Nichts geschieht mehr! Frau von der Leyen und Herr Scheuer ficht das nicht an. Im Gegenteil:
Sie behaupten frech, daß sie persönlich sich gar nicht anders hätten verhalten können.
Im Zweifelsfall und wenn's ganz hart kommt, läßt man einen Staatssekretär über die Klinge springen.

Ach, wie lebt es sich doch so herrlich in dieser besten aller demokratischen Welten, die Deutschland je hatte!

Der Kampf gegen das merkelistische Staatsprinzip wird nun eine innerdeutsche Aufgabe der Parteien sein,welche (Die als negative Kraft ausgeschlossene AFD einmal nicht genannt)es noch ernst meinen mit diesem Land und der Mehrheit seiner Bürger.Eine konservative Erneuerung gegen das Rot-dunkelrot-grüne Spießertum wird eine schwere Aufgabe sein.Vornehmlich für die fast von der Person und ihren willigen Helfern ruinierten CDU.FDP und CDU müssen gemeinsam einen Block gegen die Merkelisten bilden und endlich das Land nach vorn bringen.Leute wie Holger Stahlknecht sind für diese Aufgabe gesetzt.Die CSU und ihr seltsamer Herr Söder,der doch Verkleidungen so sehr liebt,muß dann automatisch den Weg aus diesem Dilemma mitgehen.

Markus Michaelis | Do, 18. Februar 2021 - 13:48

Teilweise sicher, aber doch nicht nur. Wir leben in bunten Zeiten, mit Änderungen und Umbrüchen - da geht es auch um politische Inhalte. Unter solchen Bedingungen ist es doch normal, dass viele ihre Politik anbieten und nur einer oder einige werden gewählt.

Ich denke Stahlknecht gehört zu einer der gesellschaftlichen Richtungsentscheidungen heute. Die eine Richtung sagt, dass wir vielfältig und weltoffen sein und zu einer neuen globalen Gesellschaft kommen wollen. Das ist im Moment alternativlos, will man Wahlen gewinnen.

Aber es gibt auch den Punkt, dass wir zunehmend versuchen alle Konflikte der Welt heute und der Vergangenheit in Deutschland in eine neue universelle Gerechtigkeit aufzulösen, die nicht mehr erträglichen Diskriminierungen sich aber multiplizieren. Nur scharf gegen Rechts zu sein, scheint als Lösung nicht zu reichen.

Es ist doch gut, wenn bei so grundsätzlichen Fragen auch andere Richtungen angeboten werden - auch wenn sie keiner wählt.

Ernst-Günther Konrad | Do, 18. Februar 2021 - 16:38

Danke für diesen Artikel. Man neigt leicht dazu, aufgrund der Vielfalt der Informationen und dem täglichen Hype um Corona, solche Vorgänge zu vergessen oder zumindest aus dem Blick zu verlieren.
Der Mann gefällt mir schon deshalb, weil er auch nach seinem parteipolitischen Abstieg seine Meinung nicht einfach ändert und sich devot um weitere Schläge bemüht. Vielmehr hat er offenkundig ein starkes Selbstbewusstsein und aufgrund seiner Biografie weiß er sicherlich auch, wie Politik geht und hat eben seine Möglichkeiten ausgereizt. Vor dem Spiel ist nach dem Spiel. Ob Haseloff diesen Umgang wirklich all seinen Wähler erklären konnte und bei den LT-Wahlen am 6. Juni ihm dies mittels Stimme bezeugen, wage ich zu bezweifeln. Die CDU hat dort stetig abgenommen, zuletzt nur noch 29,8% und hat die AFD mit 24,5% im Nacken. Es bestehen gerade auch in diesem Land weniger Beührungsängste mit der AFD. Vielleicht denken das auch ehem. CDU-Wähler und laufen über, denn was er sagte hatte Hand und Fuß.

Helmut Sandmann | Fr, 19. Februar 2021 - 05:46

Stahlknecht ist nicht wg. Verfehlungen zurueck getreten sondern er wurde entlassen. Freiwilliger Ruecktritt eines Politikers wegen Verfehlungen, das gab es vor sehr langer Zeit. Heutzutage sind die Entscheidungen alternativlos, Fehler zugeben ausgeschlossen, in der Bundesregierung koennten die wenigsten in den zuvor ausgeuebten Beruf zurueckkehren da sie nie einen anderen Beruf ausser Politik ausgeuebt haben. Scheuer, von der Leyen, Spahn, Altmaier, Maas, Schulze, und weitere Clowns, ausserdem Merkel, da bleibt ja niemand mehr uebrig, wir brauchen ein neues Kabinett.