Darstellung der Hildegard von Bingen in der Klosterbibliothek von Sankt Hildegard / Zino Peterek

Hildegard von Bingen - Die Unverfügbare

Das Leben der Hildegard von Bingen ist voller Rätsel und Widersprüche. Zeugt die Faszination für die Äbtissin aus dem Mittelalter für die Modernität der damaligen Zeit? Oder verweist sie nur auf das Dunkel in unserer Gegenwart? Die Titelgeschichte unserer Januar-Ausgabe.

Ralf Hanselle / Antje Berghäuser

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Ralf Hanselle ist stellvertretender Chefredakteur von Cicero.

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Volker Resing leitet das Ressort Berliner Republik bei Cicero. Er ist Spezialist für Kirchenfragen und für die Unionsparteien. Von ihm erschien im Herder-Verlag „Die Kanzlermaschine – Wie die CDU funktioniert“.

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Am Ende bleibt vielleicht nur der Berg. 140 Meter thront er an dieser Stelle über dem Mittelrheintal. Unten im kalten Wasser liegt die Rüdesheimer Aue. Etwas weiter westlich ragt der Binger Mäuseturm aus den Fluten heraus. Droben aber am Kamm, über den zu dieser Jahreszeit bis aufs Holz entblätterten Weinstöcken, erstreckt sich die alte Klosterabtei Sankt Hildegard. Wie bei einer Burg ziehen sich ihre dunklen Mauern über den weiten Klosterberg hinweg. Ab und an und nur vereinzelt tauchen aus dem Winternebel Spaziergänger auf dem flach abfallenden Südhang auf. Der leichte Nieselregen hat ihre Silhouetten verwischt. Ohnehin aber wirken sie ziellos, geradezu suchend: Und das Spalier, das die Pfropfreben über dem Hang bilden, gilt nicht ihnen und hat sich wohl einzig für den zum Flussbett hinabkriechenden Nebel in Stellung gebracht.

Mal also sieht man nur ihre flüchtige Gestalt, mal eine Regenjacke in einem zu dunklen Blauton. Im letzten Moment kann sie aus der ersten Dämmerung herausstechen. Eine kurze Bremsung, dann fährt man weiter. Immer die Rüdesheimer Nothgottesstraße herauf. Ist man dann irgendwann oben und schaut von den zwei massigen Türmen der neo­romanischen Abtei zurück auf den hinter sich liegenden Hang, so kann man sie fast überall auf dem kargen Weinberg erahnen: Wie einsame Raben haben sich die Pilger über dem geheimnisumwitterten Zauberberg verstreut.

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Christoph Kuhlmann | So., 25. Dezember 2022 - 10:51

Emphase und Emoton sind wertvolle menschliche Eigenschaften. Doch wenn wir nach der Wahrheit zur Erklärung der Welt suchen, so wenden wir uns an die Wissenschaft. Wissenschaftler, die aber voller Emphase und emotional über die Geltung von Hypothesen und Theorien sprechen, sind suspekt. Erheben Sie doch eine nicht falsifizierte Annahme von vorübergehendem Bestand (Hypothese) oder ein Konstrukt aus einer Vielzahl dieser Annahmen (Theorie), die häufig in ein ganzes Set komplementärer Theorien eingebettet sind (Paradigma) zur Wahrheitsfiktion. Das Fußvolk, in Politik und Gesellschaft predigt diese dann oft mit religiösem Eifer. Für die Menschen des Christentums im Mittelalter gab es kaum Wissenschaft. Die großen Denker der Antike waren Heiden und standen unter Generalverdacht. Juden, Muslime, die intellektuellen Erben antiker und vorantiker Denker, die an den Schnittstellen alter Hochkulturen wurden samt ihrer Gelehrsamkeit meistens verfolgt und zensiert. Eine besinnliche Weihnachtszeit.