Herbert Reul - Der ruhige Raufbold aus NRW

Niemand hatte den Europapolitiker Herbert Reul als NRW-Innenminister einst auf dem Schirm. Doch mit seiner anpackenden Art auch gegen Clan-Kriminalität hat er sich inzwischen Respekt verschafft

Herbert Reul
Herbert Reul entpuppt sich als zupackender Ressortchef mit einem Hang zu öffentlichkeitswirksamen Aktionen / picture alliance

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Michael Hirz arbeitet als freier- Journalist und wohnt in Köln. Zuvor war er Programmgeschäftsführer beim Informationkanal Phoenix.

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Michael Hirz

Auf die Idee muss man erst mal kommen: Da holt Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet einen lang gedienten Europapolitiker, der in Brüssel die Abendsonne seiner Karriere genießt, ins Düsseldorfer Kabinett und macht ihn zum Innenminister – obwohl der weder Neigung noch Erfahrung für dieses wichtige Ressort mitbringt. Was wie die Handlungsanleitung für eine schmerzhafte Bauchlandung aussieht, könnte sich langfristig als kluger Schachzug erweisen. Denn Herbert Reul, Ex-Studienrat und mittlerweile 67 Jahre alt, entpuppt sich als zupackender Ressortchef mit einem Hang zu spektakulären und öffentlichkeitswirksamen Aktionen, die ihm bei Bevölkerung und Polizei Beifall und beim politischen Gegner – neben oft reflexhafter Kritik – zumindest Respekt eintragen. Selbst ein Düsseldorfer Spitzen-Grüner bekennt: „Der macht seinen Job eigentlich ziemlich gut.“

Dabei hatte Reul niemand auf dem Zettel für das Amt. Und auch für ihn kam Laschets Offerte aus heiterem Himmel: „Da wär’ ich nie drauf gekommen.“ Als wenig sichtbarer, aber durchaus einfluss­reicher Vorsitzender der CDU/CSU-Gruppe im Europäischen Parlament und gewiefter Strippenzieher wollte er seine Karriere in Brüssel beenden, die er als Kommunalpolitiker im rheinischen Provinzstädtchen Leichlingen begonnen hatte. „Vielleicht war das für die Berufung jetzt genau der richtige Zeitpunkt. Ich will nicht mehr unbedingt was werden und außerdem bin ich ruhiger geworden“, sagt Reul.

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Christoph Kuhlmann | So, 13. Oktober 2019 - 11:52

dass das Thema seitens der Politik nicht länger tot geschwiegen wird. So wie zuvor 20-30 Jahre lang. Allerdings bleibt abzuwarten, ob er mit seiner Strategie der Nadelstiche Erfolg haben wird. Meines Erachtens gehört das Problem in einen größeren Kontext, der auch die Ausweisung von Tätern und Personen umfasst, die keinerlei Auskunft über die Herkunft ihres Besitzes geben können oder wollen, Hartz IV und andere Sozialleistungen beziehen oder das Vermögen nicht versteuern.

Ernst-Günther Konrad | So, 13. Oktober 2019 - 13:13

Ihre durchaus positive Darstellung des Herrn Reul teile ich. Manchmal tut einer auch ganz gut, der nicht aus dem eigenen Beritt kommt, sondern fachfremd ist, aber eben noch seinen gesunden Menschenverstand benutzt. Der Mann hat es nicht leicht, die unter seinen Vorgängern herunter gewirtschaftete innere Sicherheit wieder Vordermann zu bringen. Mag sein, dass seine Aktionen durchaus auch werbewirksam insziniert sind, aber klappern gehört zum Handwerk. Wie armseelig das für die anderen Politiker dort sein muss, wenn Polizisten im bescheinigen, das er hinter, noch besser vor seinen Leuten steht und hält was er verspricht. Bezeichnend die Ergänzung, das ist sonst nicht bei allen Politikern so. Ich sage mal, er ist eine Ausnahme. Der Rest ist nur an sich selbst interessiert und guten Umfragen und netten Auftritten bei Illner und Co. Nur wird auch Reul die CDU nicht retten. Er mag dem NRW-Menschen damit helfen, nur die CDU versteht ja gar nicht, was der da macht. Horst fahr hin und lerne.

Klaus Peitzmeier | So, 13. Oktober 2019 - 17:00

Das Minister Reul "seinen Job eigentlich ziemlich gut macht" kann man doch nur an einer Sache festmachen, nämlich seinem konsequenten Einschreiten gegen die Clans in NRW. Reul macht in diesem Fall Politik nach dem gesunden Menschenverstand. Und genau das haben die Vorgängerregierungen nicht gemacht. Und die Anwendung des gesunden Menschenverstandes würde sich auch noch bei anderen Themen wie der Durchsetzung der deutschen Leitkultur u der konsequenten Bestrafung antisemitischer Ausfälle und von Nazipropaganda jeglicher Art gut machen.

Paul Hulot | Mo, 14. Oktober 2019 - 17:06

Naja mir ist der Innenminister Reul mit dem Ratschlag bezüglich der Zunahme von Messerattacken in Erinnerung geblieben „ man muss niemanden nah an sich heranlassen „