Gülden Hennemann
Gülden Hennemann / J. Marguier

Gülden Hennemann im Gespräch mit Clemens Traub - Cicero Podcast Gesellschaft: „Gefährliche Arabisierung des Islam in Deutschland seit 2015“

Die ehemalige Verfassungsschützerin Gülden Hennemann, Mitglied des neu gegründeten „Beraterkreis Islamismusprävention und Islamismusbekämpfung“, spricht über Islamogauchismus und die Folgen arabisch geprägter Zuwanderung für Deutschland.

Clemens Traub

Autoreninfo

Clemens Traub ist Cicero-Redakteur. Zuletzt erschien von ihm das Buch „Future For Fridays?“ im Quadriga-Verlag (Bastei Lübbe).

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Gülden Hennemann, ehemalige Verfassungsschützerin, Politikwissenschaftlerin und Muslimin, tritt aus der Anonymität heraus – als Mitglied des neu gegründeten Beraterkreises Islamismusprävention und Islamismusbekämpfung beim Bundesinnenministerium. Für Hennemann ist die Beschäftigung mit Islamismus nicht nur beruflich, sondern zutiefst persönlich. Aufgewachsen in einem Münchner Plattenbau der 1980er- und 1990er-Jahre als Tochter einer strengen, religiösen Familie, erlebte sie Freiheitseinschränkung und Unterdrückung hautnah. „Ich bin ausgezogen und habe meine Eltern wegen Freiheitsberaubung angezeigt“, erzählt sie. „Diese Erfahrungen haben mir gezeigt, wie existenziell wichtig Selbstbestimmung ist – und wie schnell sie innerhalb enger religiöser Strukturen beschnitten werden kann.“

Als liberale Muslimin mit Tattoo wurde Hennemann lange ignoriert, besonders von Politik und linken Parteien. „Weil ich kein Kopftuch trage, wurde mir mein Muslimsein abgesprochen. Man wollte mich nicht ernst nehmen als Expertin, weil ich nicht in das Bild passte, das viele von einer muslimischen Frau erwarten.“ Diese Erfahrungen prägen ihr Engagement bis heute: Sie will sichtbar machen, dass es innerhalb des Islam viele legitime Wege gibt. „Es gibt noch andere Variationen dieser Religion“, sagt sie. „Wir haben genauso ein Daseinsrecht und wissen genauso gut, wie unsere Religion ausgelebt werden kann. Es gibt nicht nur diesen einen Weg.“

Für Hennemann ist die Entwicklung des Islam in Deutschland alarmierend – insbesondere seit 2015. „In den letzten Jahren sind neue islamische Glaubensschulen arabischer Prägung nach Deutschland gekommen, die hochproblematisch und oft fundamentalistisch sind“, erklärt sie. „Ich spreche hier bewusst von einer Arabisierung des Islam in Deutschland. Diese neuen Strömungen sind oftmals deutlich orthodoxer und rigider als die bisherigen türkischen Islamprägungen, die wir kannten.“

Besonders problematisch seien Labels wie „ungläubig“, die von religiösen Autoritäten ausgesprochen werden. „Dieses Label ist gefährlich, weil das heißt letztendlich nichts anderes für die Community da draußen, vor allem wenn es eine Autoritätsperson sagt: ‚Du bist zum Abschuss eigentlich freigegeben‘“, warnt Hennemann. „Das finde ich sehr verantwortungslos – und gleichzeitig freut es mich, dass manche jetzt ihr wahres Gesicht zeigen. Es wird sichtbar, welches Islamverständnis inzwischen in Deutschland herrscht.“

Ihre Beobachtungen werden besonders deutlich in Berlin-Neukölln. Bei Rundgängen mit Sicherheitsbehörden fordert sie, nicht nur zu beobachten, sondern die Atmosphäre zu spüren. „Man kann wirklich vom Maybach-Ufer bis zum Ende der Sonnenallee einen kompletten Wandel sehen, nicht nur sehen, sondern auch spüren. Der türkische Teil war noch okay, und dann kommt man Richtung Hermannplatz – und es ändert sich. In arabisch geprägten Teilen habe ich Propagandamaterial gesehen, das fassungslos macht: Hamas-Propaganda, Hisbollah-Propaganda – offen in Geschäften, mitten in Berlin.“ Für sie ist klar: Viertel wie Neukölln entwickeln sich zunehmend wie Molenbeek in Brüssel oder die Banlieues in Paris. „Man kann nicht wegsehen, wie sich dort Parallelgesellschaften etablieren, die zunehmend eigene Regeln und Ideologien durchsetzen.“

Hennemann kritisiert, dass der Staat Islamismus oft zu eng auf Gewalt reduziert. Langfristige gesellschaftlich-politische Einflussnahme durch Organisationen wie Millî Görüş oder Muslimbruderschaft werde unterschätzt. „Diese Gruppen wirken nach außen oft dialogbereit, aber ihr Kern ist islamistisch. Wie kommt man darauf, mit solchen Leuten auf Augenhöhe zu arbeiten? Mit rechtsextremistischen Gruppierungen würde man nicht einmal fünf Sekunden darüber nachdenken.“

Ihr Appell ist klar: Wer die Gefahren islamistischer Parallelgesellschaften ernst nehmen will, muss hinschauen – nicht nur auf Einzelfälle von Gewalt, sondern auf Strukturen, Milieus und ideologische Einflüsse. Als neues Mitglied des Beraterkreises beim Bundesinnenministerium nutzt Hennemann ihre Erfahrung nun öffentlich, um diese Debatten sichtbar zu machen. Ihre Stimme zeigt, wie sehr Unsicherheit, falsche Rücksichtnahme und politische Vorurteile die Auseinandersetzung mit Islamismus bislang behindert haben – und warum eine wachsame, nüchterne Analyse jetzt dringend nötig ist.

Clemens Traub und Gülden Hennemann
Clemens Traub (li.) und Gülden Hennemann in der Cicero-Redaktion / J. Marguier

Das Gespräch wurde am 16. Dezember 2025 aufgezeichnet.

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