Grünen-Sportpolitiker Mutlu: - „Ich würde Sepp Blatter definitiv die Rote Karte zeigen“

Korruption, Intransparenz, Gigantomanie: Der Grünen-Sportpolitiker Özcan Mutlu findet scharfe Worte gegen den Weltfußballverband Fifa. Er fordert den DFB zu Reformen auf und regt an, die WM in Russland und Katar neu zu vergeben

„Ein Fußballfest bei Krieg? Das geht nicht“, findet Özcan Mutlu
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Der Grünen-Sportpolitiker Özcan Mutlu hat sich der Cicero-Kritik an der Fifa angeschlossen. „Ich würde Sepp Blatter und Michel Platini zum jetzigen Zeitpunkt definitiv die Rote Karte zeigen“, sagte er dem Magazin für politische Kultur. Die Präsidenten von Fifa und Uefa hätten das angesichts der Vorfälle der vergangenen Jahre „längst verdient“.

Der Fraktionssprecher für Bildung und Sport prangerte „Korruption, Intransparenz, Gigantomanie“ sowie „seltsame Finanzgebaren“ bei der Fifa an. Man müsse sich fragen: „Wohin steuert das? Geht es überhaupt noch um Sport oder nur noch um Geld und Macht?“ Mutlu forderte die Fifa auf, den Ermittlungsbericht der Ethikkommission zu den Korruptionsvorwürfen zu veröffentlichen. „Da kommen sie nicht drum herum.“

In der Oktober-Ausgabe des Magazins Cicero schildert der Fifa-Kenner Jens Weinreich das korrupte Gebaren des Weltfußballverbands, insbesondere bei der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften an Russland und Katar. Elf Prominente aus Sport und Kultur kritisieren die Austragung dieser Spiele.

Hinsichtlich der WM 2018 und 2022 regte Mutlu eine zügige Entscheidung an, „sei es Neuvergabe oder die Verlegung“. Mit Blick auf den Konflikt zwischen der Ukraine und Russland sagte er: „Was machen wir denn, wenn in ein, zwei Jahren die politische Situation dermaßen eskaliert ist, dass wir es mit einem ausgewachsenen Krieg zu tun haben? Feiern wir dann hier ein Fußballfest? Das geht nicht. Deshalb müssen wir das jetzt artikulieren.“ Ein Boykott der beiden Turniere lehnte Mutlu allerdings ab, da dieser Zuschauern und Sportlern schade.

Bei der Korruptionsbekämpfung sieht der Grünen-Politiker jetzt den DFB in der Pflicht: „Diese Reform muss von innen angestoßen werden. Wir Politiker können Druck machen, aber Veränderung muss in erster Linie gewollt sein, sonst klappt das nicht.“ Aber auch Zuschauer und Sponsoren müssten signalisieren, dass sie den Missbrauch des Sports ablehnten. „Wenn all diese Ebenen deutlich sagen: So geht es nicht, wird sich früher oder später auch ein Herr Blatter bewegen müssen.“

Als Vorbild nannte er die Reformbemühungen des Internationalen Olympischen Komitees: Die Agenda 2020 sei ein kleiner erster Schritt in die richtige Richtung. Bei der Fifa glaubt Mutlu allerdings nicht an einen kurzfristigen Erfolg: „Das sind jetzt viele dicke Bretter, durch die wir bohren müssen.“

Sepp Blatter, der seit 1998 Fifa-Chef ist, hatte am Freitag seine Kandidatur für eine fünfte Amtsperiode verkündet. Die Wahlen sind Ende Mai.

Cicero sammelt weitere Stimmen gegen die Fifa und die WM in Russland und Katar. Wenn Sie sich den Kritikern anschließen möchten, schreiben Sie uns unter rotekarte@cicero.de. Die Redaktion behält sich eine Veröffentlichung vor.

Die Zitate wurden aufgezeichnet von Sarah Maria Deckert.

 

 

Die Stellungnahmen der Cicero-Elf und die Geschichte hinter dem Fifa-Korruptionsskandal lesen Sie in der Oktober-Ausgabe des Cicero. Die digitale Ausgabe des Magazins für politische Kultur erhalten Sie ab sofort bei iTunes (iPad-App) oder im Online-Kiosk. Das gedruckte Heft erhalten Sie am Kiosk.

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