Grünen-Parteitag - So viel Harmonie war nie

Die Grünen demonstrieren auf ihrem Parteitag in Bielefeld das, was derzeit allen anderen Parteien fehlt: Geschlossenheit. Die wieder gewählten Parteivorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck nehmen Kurs auf eine Regierungsverantwortung. Spätestens dann aber könnte es ungemütlich werden

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Wiedergewählt: Robert Habeck und Annalena Baerbock / picture alliance

Autoreninfo

Moritz Gathmann leitet das Ressort Berliner Republik bei Cicero. Er studierte Russistik und Geschichte in Berlin und war viele Jahre Korrespondent in Russland

So erreichen Sie Moritz Gathmann:

„Fast da, aber noch lange nicht am Ziel“, steht in großen Buchstaben über dem Eingang der Stadthalle von Bielefeld, wo sich an diesem Wochenende gut 800 Grünen-Delegierte zu ihrem Parteitag treffen. Die Partei surft auf einer Welle der guten Umfragen, auch wenn zuletzt die drei ostdeutschen Landtagswahlen durchwachsener als erwartet waren. Aber auch im Osten regieren die Grünen bald dort mit, wo sie vorher nur Beobachter waren.

„Nicht nur mitgestalten, sondern mit führen“, die Losung gibt am Samstag Winfried Kretschmann aus, der bislang einzige grüne Ministerpräsident aus Stuttgart. Nicht nur in diesem Moment flüstert der Wind, der von der Bühne weht: Wir übernehmen den Laden bald. Den Laden Deutschland.

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Christa Wallau | Sa, 16. November 2019 - 18:09

Die vorgetragenen allgemeinen Forderungen auf diesem Parteitag entzücken die überwiegend jungen Delegierten, reißen sie zu Jubelstürmen hin. Man hört jedoch nichts davon, w i e die Ziele konkret überhaupt erreicht werden können.
Keiner redet davon, was alles in unserem Land
zugunsten der "grünen" Umstrukturierung auf der
Strecke wird bleiben müssen. Der Preis, den die Deutschen werden zahlen müssen, wird nicht genannt. Besinnungslos vor Klimarettungs-Begeisterung sollen die Wähler die Katze im Sack kaufen.
Die Rede von A. Baerbock strotzt nur so von
Plattitüden. Daß sie dafür frenetischen Beifall erhält und mit 97% wiedergewählt wird, zeigt die
mangelhafte (selbst-)kritische Haltung der
Teilnehmer auf diesem Parteitag.
Man hat den Eindruck, sie schweben alle auf einer
Wolke der Begeisterung und des gegenseitigen sich
Bestätigens, wie berauscht von den Erfolgen der letzten Wahlen.

einfach nur hin zuhören, und nicht nur eigenen Ressentiments folgend reflexartig auf den politischen Gegner einzudreschen. Dann hätten Sie auch gemerkt, dass die Grünen durchaus die von Ihnen vermissten Konzepte haben. Die müssen Ihnen nicht gefallen (und tun es wahrscheinlich auch nicht), aber es gibt sie durchaus. Im Gegensatz dazu hat Ihre AfD nicht mal ein richtiges Programm, sondern eine Sammlung von Fragmenten, viele noch dazu aus der Lucke-Zeit. Entsprechend hat sie die Diskussion über ein Rentenkonzept ja auch auf die Zeit nach den ostdeutschen Wahlen verlegt, man könnte ja angreifbar sein..
Bevor man auf den Grünen herumhackt, sollt man also lieber erst mal das eigene Haus in Ordnung bringen.
So schwer es auch fällt, angesichts von Umfragen, in denen die AfD bei 14% steht, die Grünen aber bei über 20%.

Realistische Antworten. Schon daran dürfte es bei den Grünen hapern, wie sich gezeigt hat. Und dann muss man ja auch noch realistisch umsetzen. Mit „ich will„ ist da nichts getan. Persönlich traue ich den Grünen nicht über den Weg.Und sehe es genauso wie Herr Gathmann, erst mal zurücknehmen in den Forderungen, um das neue Potential an Wählern nicht zu verschrecken. Es fehlt ja auch an realistisch-ausgereiften Technologien, welche die Umsetzung der Ziele garantieren. Ohne das weite Teile der Bevölkerung auf der Strecke bleiben. Gerade bei der Umsetzung der Energie-Politik ist abzusehen. Das die Kosten stark ansteigen, Bürger ihre Arbeit verlieren. „Habeck und Baerbock haben die Partei in die Mitte gerückt“...mein Fazit dazu: „Denn eben wo Begriffe fehlen,da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein.Mit Worten läßt sich trefflich streiten,mit Worten ein System bereiten,an Worte läßt sich trefflich glauben,von einem Wort läßt sich kein Iota rauben.(Goethe/Faust)

Klaus Peitzmeier | Sa, 16. November 2019 - 18:30

Ich mag viele Inhalte der GRÜNEN nicht. Aber wie Sie es personell u locker rüberbringen, ist beneidenswert.
Ich mag viele Inhalte des AfD Parteiprogramms. Aber wie sie es personell u verkniffen rüberbringen, ist bedauernswert.

Ist nicht unbedingt das entscheidende, Obama hat auch alles locker rübergebracht trotzdem war er der größte Kriegstreiber aller Präsidenten der USA, linkes Denken fußt auf Moral u. wie es einer rüberbringt typisch für die Jugendlichen heute, was er macht wieviel Tode sch.....egal

Ihren Eindruck könnte man bestätigen. Nur wer bringt diesen Eindruck rüber, die Medien des Mainstreams! Die wollen die AfD aber gar nicht gut rüberbringen!
Die AfD steht mit einigen Punkten ihres Programms total konträr zum Mainstream (Euro, EU-Bundesstaat, Volksentscheid, Klimahype, Migration)
Die Grünen hingegen werden vom Mainstream gepuscht. Das sind die Unterschiede.
Unabhängig davon könnte man sich, bei den wenigen Auftritten die der AfD gewährt werden, smartere Personen vorstellen, die mit der Anklage- und Verleumdungsstrategie der Journalisten geschickter umgehen können.

Schauen Sie sich mal die Präsens und Glorifizierung der Grünen im Mainstream an. Die können den größten Bullshit (Kobolde usw.)von sich geben und es wird nicht kritisch hinterfragt. Ein Herr Habeck kann im ZDF öffentlich von einer Diktatur wie in China schwärmen und die Demokratie in Frage stellen aber keinen interessiert es. Stellen Sie sich mal vor dies hätte Gauland von sich gegeben. Die AfD wäre jetzt schon verboten. In ARD/ZDF und deren Reichweite findet die AfD nicht statt, bzw. nur dann, wenn man eine Möglichkeit sieht ihr wieder etwas negatives ans Bein zu binden. Wenn man in den Medien mit den Grünen genauso wie mit der AfD verfahren würde, käme dieser Verein kaum über die 5% Hürde. Diese Medien sind der Sargnagel unserer Demokratie.

Heidemarie Heim | Sa, 16. November 2019 - 18:44

Das wird die Unionsparteien freuen. Denn gemäß diesem Übernahmefahrplan ist R2G ad acta gelegt? Was wiederum die linken Teile der Grünen wenig erbaulich finden.Wie war denn die Harmonie betreffs aktueller und zukünftiger Flüchtlings-/Migrationspolitik? Oder hat man das mit dem Kampf gegen die Verfassungsfeinde gleich mit aus dem Weg geräumt? Denn hier beim Cicero aktuell erschienene Artikel implizieren, das man sich eventuell schneller mit diesen Anliegen beschäftigen muss bzw. als künftiger Ladeninhaber ein anderes Konzept als das bisherige erarbeiten sollte, welches zwar vielleicht in der Opposition taugte, den ersten Praxistest jedoch schwerlich überleben dürfte. Die eigene kompromisslose Haltung alleine reicht da nämlich nicht aus bei der Bewältigung ganz realer praktischer Probleme. Auch die Finanzierbarkeit der grünen Vorstellung vom Laden ohne Kohle, Öl, Gas und Verbrennern könnte in Frage gestellt sein wenn die dadurch generierten Einnahmen und Arbeitsplätze weg sind?? MfG

Maria Fischer | Sa, 16. November 2019 - 18:58

„Die Partei scheint auf den ersten Blick vor allem aus 20- bis 40-Jährigen zu bestehen.“

Und nach den Reden zu urteilen die ich gehört habe, scheint die Partei vor allem aus 15- bis 23- Jährigen zu bestehen.
Naja, manche Menschen sehen einfach älter aus als sie sind. Kommt vor.

Wilfried Düring | So, 17. November 2019 - 11:32

In reply to by Maria Fischer

'die Partei scheint vor allem aus 15- bis 23- Jährigen zu bestehen'

Noch nie im Leben wirklich gearbeitet. Von Beruf SOHN - oder TOCHTER.

Wolfgang Sulzer | So, 17. November 2019 - 11:43

In reply to by Maria Fischer

Die Berichterstattung zum Parteitag der Vereinigung der Grünen (denn als Partei hat sie sich nie verstanden),gleicht einer einzigen Festschrift.Was für wunderbare Dinge.So das man doch noch die Gnade erfährt,solches erleben zu dürfen.Diese Vereinigung ist das Maß des Schönen,Wahren,Guten schlechthin.Einfach schön.Und so außerordentlich reizend.Ich bin begeistert.Aber im Grunde scheußlich.

Gerhard Lenz | So, 17. November 2019 - 13:22

In reply to by Maria Fischer

...und nicht darum, wie alt oder jung die grünen Parteivertreter wirken.

Aber sei's drum: Redet man von Sympathiewerten, kann die AfD völlig und endgültig einpacken.

Timas Poth | Sa, 16. November 2019 - 19:48

Grüne Politik bedeutet:
Weiterhin starke Verteuerung der Energie, Waldrodung für Windräder,
De-Industrialisierung unseres Landes,
Verstärkung der Migration nach Deutschland,
EU- und Euro-Sozialismus,
Grüner-Totalitarismus statt Demokratie,
Entwürdigung der Bürger durch Staatsgängelung.

Ernst-Günther Konrad | So, 17. November 2019 - 08:26

Ja Herr Gathmann, Sie haben völlig recht. Die Grünen machen das derzeit gut und clever. Genauso wie es Merkel macht. Viel reden und wenig sagen. Man hat aber mal darüber gesprochen. Ich stimme ebenso zu, die sog. Flügelkämpfe sind auch deshalb überholt, weil die jeweiligen Vertreter der Altrealos und Altfundamentalisten nicht mehr in entscheidenden Stellungen in der Parteienhierarchie sind. Die grüne Koch-Show, ein bischen von dem, ein bischen von dem funktioniert noch, weil niemand deren Mahlzeit im Bund essen muss. Demnächst werden sie anrichten müssen. Da sitzen auch ihre Wähler am Tisch und dürfen mit grünem Besteck das Parteigemüse essen. Was sie noch nicht verstanden haben ist die Tatsache, dass nach einem grünen Mittagstisch, etwas folgt, wie es überall üblich ist. Der Kellner (Wähler) kommt und präsentiert die Rechnung. Noch sitzen sie am gedeckten Tisch, plaudern über sich und die Welt. Bald müssen sie ihr Gekochtes selber essen. Blöd nur, wenn andere nicht bezahlen wollen.

Klaus Funke | So, 17. November 2019 - 10:43

Phrasen, unverbindliche Absichtserklärungen, Plattitüden, hochgepeitschte Begeisterung, vorgeblich jugendlicher Schwung - das sind die Instrumentarien. Dahinter verbirgt sich ein nichtmal im Ansatz durchgerechnetes Programm, zahllose Griffe in des Bürgers Kasse, und Regularien, die an den verblichenen Staatssozialismus erinnern. Und von daher kommen sie, die derzeitige grüne Jubelmeute, von den Altachtundsechzigern, den Anarchos und den Resten kommunistischer Plattformen. Sollte Merkel aus purem Machterhalt eine Liaison mit den Grünen eingehen, kann sie mit dieser grünen Keule all das zerstören, was sie noc h nicht zerstört hat. Zurück bliebe ein Land, das an Südamerika erinnert. Deutschlands intellektuelle und technologische Vormachtstellung, alles Erarbeitete der letzten 40 Jahre wäre mit deinem Schlag dahin. Und die Fußtruppen aus "Friday for Future! etc, erledigen den Rest. Eine Horrorvision. Indes, ich glaube an die Vernunft. Da macht zuerst in Österreich der Kurz den Vorreiter...

Hans Jürgen Wienroth | So, 17. November 2019 - 11:30

Gewinnt man mit Harmonie Mitglieder oder Wählerstimmen? Oder ist es der „Grüne Hype“ mit der Klimakrise, der größten Krise der Menschheit, die medial durch die Republik gejagt wird? Morgen ist Weltuntergang, wenn wir nicht sofort jede CO2-Emission abstellen.
Bei all den Visionen der Umweltpartei fehlt mir der Realitätssinn. „Ich will eine Wirtschaft, die ohne Kohle, Öl und Gas auskommt und gleichzeitig den Wohlstand sichert“, so Frau Baerbock. Qualifiziert das Studium in Politikwissenschaften, öffentlichem Recht und Völkerrecht für den versprochenen Wohlstand bei gleichzeitigem Wirtschaftsumbau? Was, wenn es schief geht, die Energiewende zum Desaster wird und in Armut endet? Sind wir auf dem Weg zur nächsten (Öko-)Diktatur? Sind die Grünen dann immer noch die Verfassungsschützer?

Wolf-Dieter Hohe | So, 17. November 2019 - 13:06

Eine perfekte Visualisierung dieser Veranstaltung, Herr Konrad. Dumm nur, dass diese Veranschau-lichung zutrifft.
Erinnert mich an einen Kino-Film aus der Vergangenheit mit großer Besetzung
"Das große Fressen"
Einigen Teilnehmern an deren Tischrunde wurde am Ende schlecht.
Mir aktuell auch.
Das Niveau der letztlich inhaltslosen öffentlichen Diskurse ist unterirdisch.
Das Theater perfekt inszeniert. Publikum rast.
Wie das funktioniert?
Am Eingang werden Scheuklappen und Ohrenstöpsel verteilt. Innen wird per Video an die Wand projeziert/geschrieben was gehört und gesehen wird.
Alle lesen dasselbe. Das totale Erlebnis.
Eine "Wir" Aufführung.
Eine EndlosSerie mit wechselnden Kostümen und Beflaggungen, obwohl Letzteres inzwischen verboten ist - Patriotengefahr.
Dynastien und Imperien sind untergegangen. Alle aus denselben Gründen. Aus menschlichen.
Leider entschulden sich allzu viele mit dieser Feststellung. Hab grad jemanden totgeschlagen.
Aber.... "Der Mensch" ist halt so

Christoph Kuhlmann | So, 17. November 2019 - 13:46

wie viel vom grünen Hype in zwei Jahren noch übrig ist. Sie liegen jetzt bei bundesweit 20% mit sinkender Tendenz. Ich setze 10 Euro auf Jamaika.

Ingo frank | So, 17. November 2019 - 15:23

Ach ja die Wellen... die türmen sich auf, verflachen aber, je näher das Land kommt.
Ich bin der festen Überzeugung das wir in Deutschland in den nächsten Jahren durch die kommende Wirtschaftskrise(n) wieder eine Arbeitslosenquote so um die 12 - 15 % erreichen. Und dies hat nicht überwiegend mit Digitalisierung oder fehlender Zukunftstauglichkeit der deutschen Wirtschaft zu tun. Es fehlen Zukunftsvisionen und Reformen. Rente, Pflege, Bildung, Steuern, Arbeitsmarkt, Staatsausgaben, Niedrigzinsen und und und. Fordern, verbieten und große Klappe haben kann jeder. Und dann ,alle rein nach Deutschland , kann ich nur sagen gute Nacht liebe Grünen. Schlägt die nächste Kreise zu, will keiner mehr etwas von grünen Wirtschaftsumbau oder Klimaschutz wissen. Da geht es nur um das Sichern der Arbeitsplätze! Und um nichts weiter.Falls es dann außer Frisör und Nagelstudio überhaupt noch Industriearbeitsplätze gibt.

Gunther Gaida | So, 17. November 2019 - 19:26

Ich hoffe ,das je näher der nächste BT Wahltermin rückt das Wahlvolk wieder mehr mit dem Kopf als
mit dem Bauch oder Herz denkt.
Die Alternative zu Merkel wäre eine GRÜN geführte
Bundesregierung,die von linken Phantasten gestützt wird.
Nach spätesten 1 Jahr wünschen die meisten sich
das Wesen aus der Uckermark zurück.
Was 4 Jahre grünrotroter Politik aus diesem Land
machen werden,möchte ich mir lieber nicht ausmalen.
PS.Was ist denn mit FFF?Der übliche Kurzzeithype
dem die Jugend hinterherrennt oder liegt es daran
das die Temperatur in den Klassenzimmern deutlich über denen auf dem Marktplatz liegt?