Noch-Kanzler Olaf Scholz am vergangenen Freitag auf dem Evangelischen Kirchentag in Hannover / picture alliance / epd-bild | Tim Wegner

Großer Zapfenstreich - Olaf Scholz redete viel von Respekt, hat selbst aber keinen

„Respekt“ war neben „12 Euro Mindestlohn“ das Schlüsselwort, mit dem Olaf Scholz 2021 die Bundestagswahl gewann. Beim Großen Zapfenstreich zu seinem Abschied hat er sich den Song „Respect“ gewünscht. Doch in seiner Regierungszeit fiel Scholz häufig durch eines auf: fehlenden Respekt.

Hugo Müller-Vogg

Autoreninfo

Dr. Hugo Müller-Vogg arbeitet als Publizist in Berlin. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher zu politischen und wirtschaftlichen Fragen, darunter einen Interviewband mit Angela Merkel. Der gebürtige Mannheimer war von 1988 bis 2001 Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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„RESPEKT FÜR DICH“. Es war ein eingängiger Slogan, mit dem Olaf Scholz und die SPD im Spätsommer 2021 in den Bundestagswahlkampf zogen. Der so kühl erscheinende Hanseat gab sich betont menschlich, präsentierte sich als Anwalt der fleißigen, hart arbeitenden Menschen. Das Konzept ging auf, auch dank der vielen Fehler seines Gegenspielers Armin Laschet (CDU) und der ständigen unionsinternen Querelen. Scholz wurde der dritte sozialdemokratische Regierungschef, wenn auch mit dem zweitschlechtesten Ergebnis aller Zeiten. Das von ihm prompt ausgerufene „sozialdemokratische Jahrzehnt“ endet nach nur 1203 Tagen, wenn er am kommenden Dienstag wahrscheinlich seine Entlassungsurkunde erhält.

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Hanno Woitek | Mo., 5. Mai 2025 - 18:12

Müller-Vogg wird allein deshalb schon sichtbar, weil er wohl nur bis 3 zählen kann. Für das Wissen, dass Olaf scholz der 4. SPD Kanzler war, reicht vor lauter geifernder Demagogie sein Verstand nicht.

bleibt/blieb nur jenen verborgen, die selbst mit ideologischer Dummheit geschlagen sind. 'Führen' könnte Scholz auch nie... - im 'Gedöns' ["Zeitenwende" z.B.] hingegen war er an bestimmten Stellen ganz gut - um dann die Umsetzung in großen Teilen schuldig zu bleiben, mit seiner 'Jahrzehnt-der-SPD' Regierung.

Scholz würde ausschließlich Kanzler weil 2021 niemand einen Herrn Lasched zum Kanzler Deutschlands wollte - aus mehr oder weniger persönlichen bzw. Persönlichkeitsgründen. Scholz hingegen glaubt bis heute - in der ihm eigenrn Arroganz... - er habe den Wahlsieg 2021 mit seiner Persönlichkeit, Führungsstärke und politischen Argumentation 'errungen' - SORRY, er ist ihm de facto zugefallen...

Scholz ist vielleicht ein guter SPD-Parteisoldat und gut in der zweiten oder dritten Reihe unter einer Führung wie der von Merkel.

Kanzlerqualitäten hat er definitiv NICHT! Beweis: das Ergebnis seiner Amtszeit..., mehr muss man nicht wissen.

Das ist der eine offensichtliche Fehler im Text. Der andere: Er war nur der Kanzler mit der drittkürzesten Amtszeit. Zwischen Kiesinger und Scholz liegt noch Erhard (3 Jahr und ca. 1 Monat). Von Journalisten erwarte ich mehr Wissen oder zumindest Recherche als von mir selbst.

Karl-Heinz Weiß | Mo., 5. Mai 2025 - 18:28

Sowohl die SPD-Mitglieder (gescheiterte Kandidatur) als auch die Wähler konnten Olaf Scholz richtig einschätzen. Bis kurz vor der Wahl 2021 lag die SPD bei 15%. Nur durch die unbegreiflichen Fehler der Union landete er mit der SPD bei 25%. Anderen die "sittliche Reife“ abzusprechen, fällt stets auf den Ankläger zurück. Cum oder Ex, von Olaf Scholz wird man ziemlich sicher noch hören.

...hatte ich fast vergessen.

Dieser Mann - Olaf Scholz - gehört aller Wahrscheinlichkeit nach vermutlich sogar in's Gefängnis, wegen Veruntreuung von Steuergeldern in Millionenhöhe >> aka 'Warburg Bank Steuerskandal' unter Schloz's (vergessener!🤣) Beteiligung... ...

Wer soo viele Erinnerungslücken hat..., und diese dann noch bei öffentlichen Auftritten auf Nachfrage grinsend! bestätigt!..., der gehört nicht in's Kanzleramt sondern auf die Anklagebank.

Arroganz pur!

Dr. Armin Schmid | Mo., 5. Mai 2025 - 18:47

Das schönste Abschiedsgeschenk für den feinen Hanseaten ist nicht der Große Zapfenstreich, nein es ist der überaus erfolgreiche Bürokratieabbau. Ich hatte mich schon fälschlicherweise darüber lustig gemacht, die verflossene Ampel bereits 20% unnötiger Bürokratie abgeschafft habe, mit der Reduzierung von Aufbewahrungspflichten von 10 auf 8 Jahre. Ich muss mich entschuldigen. Im Hinblick auf Scholz' Cum-Ex-Vergangenheit war das wirklich ein Riesenerfolg.

Markus Michaelis | Di., 6. Mai 2025 - 00:37

Mir ist klar, dass meine Sichtweise nicht für Mehrheiten steht, aber es müssen nicht immer alle das Gleiche sagen. Mich stört weniger, wenn Scholz selber keinen Respekt zeigt. Mich stört, wenn die SPD Respekt so sehr als Grundlage ihrer Politik betont. Mich stört auch, wenn Gerechtigkeit oder Menschenrechte so sehr als Grundlage der Politik betont werden.

Das sind Rahmenbedingungen, die man beim Respekt anstandshalber, bei Menschenrechten weil es alternativlos ist, einhält.

Ansonsten sollte sich Politik wenig darum drehen, weil hoffentlich alle den Rahmen einhalten. Dann kann sich Politik auf ihre eigentliche Aufgabe konzentrieren, die verschiedenen Sichtweisen und Interessen auszugleichen.

Wenn man diese, eigentliche Aufgabe dadurch versucht anzugehen, dass man den politischen Gegnern versucht Respektlosigkeit, Ungerechtigkeit, Menschenfeindlichkeit anzuhängen, scheint mir die eigentliche politische Arbeit bereits gescheitert.

Dorothee Sehrt-Irrek | Di., 6. Mai 2025 - 10:11

Ich war nach Merkels Abschied völlig überrascht, dass die SPD so viele Stimmen bekam - und natürlich hocherfreut:)
Gut, dass sich Scholz damit gegen Strack-Zimmermann, Roth und Hofreiter "zur Wehr" setzen konnte.
Er konnte sich vielleicht auch gegen Lindner durchsetzen, was evtl. unklug war, nicht aber gegen Habeck, was m.E. nötig gewesen wäre.
Gleichzeitig baute Merz die CDU wieder auf.
Damit geriet Scholz innenpolitisch in die Defensive.
Hätte er gemeinsam mit Habeck den Haushalt belassen, wäre vlt. die FDP abgesprungen.
Das wäre aber auch nur möglich gewesen, wenn die Bevölkerung hinter den damit dann doch möglichen Projekten gestanden hätte.
Die Proteste gegen grüne Ideen wurden aber immer lauter?
Ich sehe Scholz und Merz gewissermaßen als Kanzlertandem, nacheinander, nicht gleichzeitig.
Jetzt stehen hoffentlich die beiden Parteien zusammen.
Scholz war aber nie schnippisch, eher humorvoll?
Die Art Humor muss man kennen.
Natürlich ist Laschet nicht erzkonservativ, eher CDU-sozial...

Ernst-Günther Konrad | Di., 6. Mai 2025 - 10:15

Ach, Herr Dr. Müller-Vogg. Ihre Artikel im Focus und auch hier offenbaren immer wieder, das auch Sie leider ideologisch komplett verpeilt sind. Sorry. Ich habe nichts gegen Sie persönlich, aber was sie da immer wieder schreiben überzeugt mich jedes Mal wieder, auch Sie wollen viele realen Gegebenheiten nicht sehen oder interpretieren sie so, wie Ihnen als CDUler das passt. Nicht nur Scholz, fast alle Politiker haben den Respekt vor dem Bürger - dem Souverän- und vor allem vor Recht und Gesetz, namentlich unserer Verfassung längst verloren. Wie diese Damen und Herren 10,3 Millionen Wähler bei der letzten Wahl und inzwischen, wenn man den Umfragen glauben kann, 1/4 der Wahl-Bevölkerung nicht respektiert, sondern sie zu Rechtsextremisten erklärt, das soll Respekt sein? Merz und viele andere sind nicht besser. Nein danke, man kann sich das Leben auch schön reden/schreiben.