Greta Thunberg und die deutsche Politik - Comedy vom Feinsten

Ein grüner Ministerpräsident maßregelt streikende Klima-Schüler, während die CDU-Kanzlerin zum Weitermachen ermuntert: Die Bewegung „Fridays for Future“ um Greta Thunberg hat wahrlich humoreske Züge

Angela Merkel beim Girls Day 2019
Lässt sich gern von Schülerinnen die Welt erklären: Angela Merkel / picture alliance

Autoreninfo

Alexander Marguier ist Chefredakteur von Cicero.

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Eine der besten Komödien über die Mechanismen des politischen Betriebs ist „Wag the Dog“ aus dem Jahr 1997. Es geht um einen amerikanischen Präsidenten, dessen Wiederwahl aufgrund persönlicher Verfehlungen akut gefährdet ist. Getreu dem Motto „Große Krise frisst kleine Krise“ empfehlen ihm seine Berater, sich in einen (wenn auch fiktiven) Krieg gegen ein möglichst unbekanntes Land (in diesem Fall Albanien) verwickeln zu lassen. Tatsächlich wird der militärische Konflikt aufwändig in einem Fernsehstudio inszeniert und an die Medien verfüttert. Und weil die PR-Profis im Weißen Haus natürlich wissen, dass es bei erfolgreichen Polit-Inszenierungen auch ordentlich menscheln muss, reichern sie ihr Schauspiel mit der Story des angeblich hinter den Frontlinien verschollenen Soldaten William Schumann, genannt „Old Shoe“ an. Ein Countrysänger verarbeitet die Legende von „Old Shoe“ in ein rührseliges Lied, prompt wird der Song zum Hit.

„Make the Planet Greta again“

Genau daran musste ich denken, als ich gestern mit dem Motorrad in Berlin unterwegs war und vor mir an der Ampel ein alter Mercedes 280 SE zum Stehen kam. Das Modell stammte aus den späten achtziger Jahren, die Abgaswerte ebenfalls. Aber ein an der Heckklappe angebrachter Aufkleber machte deutlich, dass der Fahrer des Wagens durchaus auf der Höhe der Zeit ist: „Make the Planet Greta again – #ClimateStrike #FridaysForFuture“ stand dort zu lesen. Womit klar sein dürfte, dass die 16 Jahre alte Klimaaktivistin aus Schweden endgültig den Kilimandscharo der Popkultur erklommen hat: Wer es als Umweltschützer auf den Bumper Sticker einer rollenden Dreckschleuder schafft, der kann es allemal mit einem vermissten Infanteristen aufnehmen (bei dem es sich in „Wag the Dog“ tatsächlich um einen unter Psychopharmaka stehenden Ex-Knacki handelt). Eine „Goldene Kamera“ wurde Greta am Wochenende ja bereits in die Hand gedrückt, jetzt fehlt nur noch der passende Song.

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Günter Johannsen | Mi, 3. April 2019 - 18:54

Das EU-Komödienstadel um Greta findet kein Ende und steigt zu immer neuen "Höhen" auf: wann entschwindet die "Göttliche" in höhere Sphären, damit sich endlich eine neue grün-linke Religion aus dem schwedischen Osterei pellen kann?
Nein, in Wirklichkeit ist die bedauernswerte Greta das Opfer und registriert es nicht einmal wirklich!
Dass Merkel sich für kein Marionettenstück zu schade ist, darüber muss man nicht nachdenken. Was sie bisher gezeigt hat, war ein Meisterstück der Weltveränderung … aber nicht zum Guten - wohlbemerkt!
Die Welt ist gespalten in Links und Rechts; Oben und Unten (unten sind immer die Menschen mit eigener Meinung!); Alt und Jung; Schwarz/Grün-Rot und Blau; Deutschland wieder in Ost und West. Ziel erreicht: wir schaffen das!

Maria Fischer | Mi, 3. April 2019 - 20:12

"Die deutschen Grünen haben das Land mit Bienentötern überzogen. Windräder töten jeden Tag 5 Milliarden Insekten. Ungestraft."
Kommentar die Welt

Bettina Jung | Do, 4. April 2019 - 16:19

In reply to by Maria Fischer

Hat kürzlich wieder erklärt, dass es in der Erde/Humus kribelt und krabbelt, man dürfe nicht zubetonieren. Richtig so, aber wo bitte sollen die vielen Häuser stehen, die für Millionen Neuankömmlinge gebaut werden müssen und die Betonsockel für die Windkraftanlagen? Im Bayerischen Günen-Wahlkampf hieß es „grüne Wiesen statt Betonwüsten“ Anscheinend stören sich die vielen Grünenwähler nicht an diesen Widersprüchen. Das ist mehr als schräg, das macht sprachlos und ich sorge mich um das Ökosystem und die Natur, die von diesen Grünsozialisten zerstört werden

Margrith Senn | Do, 4. April 2019 - 16:48

In reply to by Maria Fischer

Ja es ist absolut traurig und wahrscheinlich auch nicht ohne Folgen, dass infolge der Windräder, abgesehen davon, dass mich die Windparks echt in Sorge versetzt haben, als ich diese sah, und das soll grüne Politik sein und dem Klima helfen? Das gleiche gilt auch für die CO2-Debatte wenn man bedenkt, dass der Aetna tagtäglich 40 000 Tonnen CO2 ausstösst und nicht zu erwarten ist, dass je ein Mensch oder wer auch immer dies abstellen kann. Diese Mainstream-Debatten ägern mich masslos. Keiner getraut sich dagegen anzutreten. Waldsterben etc. etc. nur heisse Luft und ein Geschäftsmodell - sprich Wahlen.

Wilhelm Maier | Do, 4. April 2019 - 18:09

In reply to by Margrith Senn

ägern mich auch.
Methan wirkt sich 25-mal so stark auf den Treibhauseffekt aus wie Kohlendioxid.
Bis zu 15 Jahre bleibt es in der Atmosphäre erhalten.
Methan (CH4) entsteht, wenn organisches Material unter Luftausschluss abgebaut wird. Das passiert zum Beispiel in Mülldeponien, Klärwerken und beim Nassreisanbau. Doch auch Feuchtgebiete und Ozeane setzen Methan frei - und Wiederkäuer.
Wiederkäuer setzen Methan beim Verdauen frei - und rülpsen und furzen es in die Welt hinaus: Spätestens alle drei Minuten entweicht einer Kuh ein Wind - im Jahresdurchschnitt macht das über 100 Kilogramm Methan. In der klimaschädigenden Wirkung entspricht dies einem CO2-Ausstoß von 18.000 gefahrenen Autokilometern. Hinzu kommen aber noch die tatsächlichen Ausscheidungen einer Kuh: 90 weitere Kilogramm Methan pro Jahr fallen durch ihren Kot an.
https://www.br.de/themen/wissen/klima-landwirtschaft-kuehe-co2-100.html
Die arme Rinder sind doch unschuldig...

Wilhelm Maier | Do, 4. April 2019 - 18:37

In reply to by Margrith Senn

Wenn nämlich SOJA im Futtertrog landet, verschlechtert sich die Klimabilanz dramatisch: Auf jedes Schnitzel und jedes Glas Milch kommt dann plötzlich eine ganze Menge Kohlendioxid. Denn dem Sojaanbau fallen die Regenwälder zum Opfer. Und die gehören zu den größten CO2-Speichern der Erde - sowohl in ihrem Pflanzenbewuchs als auch in den reichen Humusschichten ihrer Böden.
Während 1960 17 Millionen Tonnen Soja produziert wurden,
waren es 2016 bereits 334,9 Millionen Tonnen...
Das Mehl wird vor allem als Futterzusatz (Ergänzungsfutter) für Geflügel (ca. 46 %) eingesetzt. Auch Rinder (ca. 20 %) und Schweine (ca. 25 %) werden mit Sojamehl gefüttert. Rinderbestand weltweit zur Zeit etwa eine Milliarde Tieren.
https://de.wikipedia.org/wiki/Sojabohne -Alles Veggie?
Verzicht auf Fleisch ist grundsätzlich für alle machbar, aber nur solange auch Milch und Milchprodukte verzehrt werden.
Das T-Bone-Steak... perfekt vom Grill...mm...
Alles Gute.

Linda Berckhemer | Do, 4. April 2019 - 22:27

In reply to by Margrith Senn

Ja, haarscharf und dann noch der Diesel...wie soll das mit den E-Autos funktionieren? Vernunft und und gesunder
Menschenverstand ist unseren „Oberen“ abhanden gekommen und wenn es tatsächlich mal einen gibt wird er
demontiert...

Dennis Staudmann | Mi, 3. April 2019 - 22:30

Per Handstreich öffnet sie Grenzen und schliesst diese nicht mehr oder setzt sich nun einfach mal so über das Schulgesetz hinweg. Und die Mehrzahl der Deutschen würden ihr wohl auch noch eine fünfte Amtszeit bescheren. Die Liebe von mindestens 30 % der Wähler zu dieser Frau ist genauso unerklärlich wie unerschütterlich und grenzt wohl eher an Hörigkeit. Könnte sie überhaupt irgendetwas tun, was die Menschen aufwecken würde? Wohl kaum und genau das finde ich wirklich erschreckend.

Begreifen Sie jetzt, liebe Frau Staudtmann, weshalb es noch in den letzten Kriegsjahren Deutsche gab, die ihre eigenen Landsleute verrieten, wenn diese sich kritisch gegenüber dem "Führer" bzw. dem Nazi-Regime äußerten?

Offensichtlich bleiben sich die Menschen zu allen Zeiten gleich.
Jedenfalls in Deutschland.
Sie w o l l e n sich nicht beirren lassen in ihrem naiven Glauben an eine "Heilsgestalt", mag es auch noch so viele Gründe geben, die ihnen die Augen öffnen müßten für einen kritischeren Blick auf die verehrte Person.

Norbert Heyer | Do, 4. April 2019 - 06:07

Die Meisterin der schnellen Wende hat sich also mit den Schulstreikenden solidarisiert und der grüne Ministerpräsident bezieht die Gegenposition. Mittlerweile verstärkt sich der Eindruck, dass die CDU nach Vereinnahme der sozialen Ausrichtung der SPD nunmehr der Grünanstrich der Union in Angriff genommen wird. Nach den bisherigen Wahlvoraussagen scheint eine Zweierkoalition schwarz/grün möglich. Damit erfüllt sich das Herzensprojekt der Kanzlerin. Die Union als Steigbügelhalter der Grünen zum weiteren Niedergang Deutschlands und Einbringung in einen EU-Staatenbund. Nur gut, dass andere europäische Staaten noch national im Sinne ihrer Bürger handeln. Wenn man jetzt Greta dazu bringen könnte, die an ihren Lippen hängenden Menschen davon zu überzeugen, dass die gesteckten Klimaziele in einem EU-Staat besser, schneller und effektiver erreichbar sind - das wäre dann nach Wirtschaftszerstörung und Energiewende die dritte Großtat von Frau Merkel auf ihrer Agenda zur Abschaffung der Deutschen.

Christa Wallau | Do, 4. April 2019 - 08:54

Komödianten und Satiriker habe momentan schlechte Zeiten; denn die Realität stiehlt ihnen die
Plots!
Was die Kanzlerin abliefert, ist Populismus
(auch als Macchiavellismus zu bezeichnen) vom Feinsten.
Ihr gehört längst ein Preis dafür!
Die goldene Kamera reicht das bei weitem nicht aus.

gerhard hellriegel | Do, 4. April 2019 - 09:31

Mir ist jeder, der sich in dieser frage widersprüchlich verhält, lieber als einer, der den kopf in den sand steckt und mit dem hinterteil weisheiten von sich gibt. Kürzlich haben wir über wahrheit diskutiert - ja, wie steht es denn nun damit? Weil nicht sein kann, was nicht sein darf? Verschwörung der klimaforscher? Weil die schüler auch keine engel sind?
Stufe 1: es gibt keinen klimawandel? Stufe 2: es gibt einen, aber er ist nicht menschengemacht? Stufe 3: er ist menschengemacht, aber nicht von uns? Stufe 4: teile und herrsche - ja, auch von uns, aber unbedeutend. Stufe 5: nach mir die sintflut - zurück zu stufe 1.
In den 70er-jahren habe ich mir sagen lassen müssen, dass die endlagerung des atommülls kein problem sei, die wissenschaft würde schon etwas finden. Und - wo ist es? Wollen wir heute wirklich glauben, dass die natur schon etwas finden wird? Risiko! Und was genau wollten wir eigentlich diesen zwei berliner kudammrasern vorwerfen?

Jürgen Keil | Do, 4. April 2019 - 09:48

Man liest es oft, die Rechtspopulisten schüren Ängste, vor allem vor Fremden, vor Migranten, und profitieren davon. Was sind die Ursachen des sogenannten Massenphänomens "Fridays for Future"?
Es sind geschürte Ängste. Ängste, vor einer "gestohlenen Zukunft", vor einem kurzfristig zu erwartenden Weltuntergang, die den jungen Leuten da gemacht werden. Wie pflegen Grüne und Linke die zu bezeichnen, die Ängste schüren? Populisten! Wir haben es auch hier mit Populisten zu tun, aber natürlich mit guten Populisten.

Arnold Bäring | Do, 4. April 2019 - 11:15

wieder mal in Aktion. Befreit von jedem Verantwortungsgefühl gibt sie mal wieder die Wohlfühl-Kanzlerin - Anderes hörte man von ihr nur solange als sie sich noch in der Opposition befand. Da hörte man tatsächlich staatstragendes und zukunftsorientierte Aussagen.

Seit sie aber im Kanzleramt sitzt erlebt man Tag für Tag, Woche für Woche, eine hemmungslos agierende Kanzlerin der das Wohl von Land und Leuten kaum interessiert - Hauptsache sie darf weiterregieren und die grossen Medienhäuser huldigen ihr dabei.

Mit so dürftigem Anspruch wurde in der Nachkriegszeit von keinem ihrer Vorgänger im Kanzleramt regiert! Die Folgen ihrer verheerenden Politik werden uns sicher noch lange verfolgen.

Heinz Meier | Do, 4. April 2019 - 17:36

Danke, habe mich gekringelt vor Lachen.

dieter schimanek | Do, 4. April 2019 - 19:01

Um ganz groß rauszukommen fehlt ein Fetisch, wie z.B. der Geisbock bei den Kölner Fußballern. Ein Maskottchen das alle Greta Jünger vereint. Ich stelle mir einen Schnuller vor, dem Alter und dem geistigen Niveau entsprechend. Mutti an der Spitze der Demo mit dem goldenen Schnuller. Falls Greta mitmacht, woran ich keinen Zweifel habe, geht der Hype durch die Decke, das reißt alle vom Hocker. Nur so erreicht man Zustimmung, bei einer breiten Bevölkerung.

Ernst-Günther Konrad | Fr, 5. April 2019 - 11:29

ich habe mich köstlich amüsiert. Das beste Drehbuch schreibt das Leben. Es stellt sich nur die Frage, welches Leben. Da ist die Kanzlerin wiedermal ihrer inneren Stimme gefolgt und hat sich eine Sache zu eigen gemacht ohne zu Ende zu denken, obwohl sie doch immer alles vom Ende her denkt. Ich lieber Herr Maguier würde mir solche Texte, Inhalte und Widersprüche gerne mal im Fernsehen anschauen oder in einem kritischen Kabarett bestaunen. Doch diese Künstler sind rar geworden. Wir haben halt nur noch Lebenskünstler, Ja-Sager und eben die gaaanz cleveren Politdarsteller. Das positive ist, es musste nicht ein Claas Relotios bemüht werden, etwas zu erfinden, nein, ihre Gnaden selbst führt sich selbst vor. Ich finde es gut, wenn die Politdartseller sich selbst "outen". So schlecht können wir die gar nicht reden, wie sie sich präsentieren. Insofern, weiter so.

Michael Ruffert | Di, 9. April 2019 - 11:03

Volltreffer! Ein Artikel, der die absurde politische Stimmung im Land und die permanente Selbstbeweihräucherung der Eliten (Stichwort: Goldene Kamera) auf den Punkt bringt. Weiter so!

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