Alkoholexzess
Saufen, bis der Arzt kommt / picture alliance / dpa | Andreas Lander

Gesundheitsreform - Deutschlands kollektiver Egotrip

Deutschland führt eine Debatte über die Finanzierung seiner Sozialsysteme. Wieder einmal. Dabei gäbe es eine einfache Methode, wie man fundamental gegensteuern und ganz neue Impulse setzen könnte.

Daniel Röttger

Autoreninfo

Daniel Röttger ist niedergelassener Arzt. Seine Dissertation verfasst er zu Fragen der Finanzierung des Gesundheitssystems

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Deutschland diskutiert über seine Sozialsysteme. Wieder einmal. Und wieder steht die Grundfrage im Fokus: Leisten wir uns einen überteuerten Sozialstaat? Müssen Einschnitte in die soziale Sicherheit erfolgen? Oder ist es eher so, dass der deutsche Sozialstaat ein Scheinriese ist, der zum einen keine gerechte soziale Sicherheit produziert und zum anderen durch seine veraltete, falsche Finanzierung viele seiner Ziele verfehlt? Stellt er in Teilen vielleicht sogar schon eine widersinnige Belastung der Gesellschaft dar? Eine Analyse der Finanzierung des Gesundheitssystems zeigt exemplarisch die Problemlage auf.

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Markus Michaelis | So., 8. Februar 2026 - 13:09

Kosten Raucher wirklich mehr? Sie sterben ja früher und man spart sich die Rente und das letzte Lebensjahr kostet bei allen sehr viel - bei den Nicht-Rauchern nur etwas später. Wenn man das Argument des Artikels ernst nähme, müsste man auch zuerst Bewegungsarmut stärker besteuern.

Ich will nicht ausschließen, dass etwas höhere Steuern auf Zucker oder andere Dinge (Tabak ist schon extrem) passend sein können, aber ich kann nicht sehen, dass das ein grundlegendes Mittel sein kann.

Ich glaube eher, dass wir im Gesundheitswesen zu mehr Markt und Eigenverantwortung kommen müssen. Patienten müssen zuzahlen oder ganz zahlen, der Staat begleitet das mit guten Infos, welche Behandlungen sinnvoll sind und was sie kosten können.

Schwierig wird Gesundheit immer bleiben, es braucht natürlich auch eine starke Sozialkomponente, aber an eine vollkommen freie, alles abdeckende Gesundheitsversorgung, die funktioniert, glaube ich nicht.

IngoFrank | So., 8. Februar 2026 - 14:16

Man kann über schlechte Ernährung, Alkohol, Nikotin, Zucker, Solidarität usw. usw. diskutieren.
Vieles sind aber auch hausgemachte Probleme im Gesundheitswesen & der rd. 200 ges. KK.
Beispiel: Meine Frau stand vor einer Operation die einen 14 tägigen Krankenhausaufenthalt erforderte mit nachfolgend 4 Wochen Reha
In einer Zeitschrift lasen wir einen Bericht über eine Münchner Privatklink die die ganze OP endoskopisch durchführen konnten.
Thermen gemacht, hingefahren, OP geht, Kosten rd. 4.000 DM Demgegenüber stand die Kassenvariante n u r der OP mit ca. 6. 000 DM + Krankenhaus + Reha gegenüber. Und das nur, weil bei neuen OP Verfahren rd. 10 Jahre benötigt werden diese in die Leistungsliste der gesetzlichen KK aufzunehmen,
Alles in allem war meine Frau binnen einer Woche wieder arbeitsfähig.
Im Rahmen der damalig gültigen Regeln für freiwillig gesetzlich Versicherte übernahm nach längerem „intensivem“ Schriftwechsel die KK anteilig die Kosten nach Abzug eines Eigenanteils ……
MfG

Pamina | So., 8. Februar 2026 - 14:36

Die Messerfachkräfte sollen bitte auch für die Operationskosten ihrer Opfer aufkommen.

Enka Hein | So., 8. Februar 2026 - 14:56

....aber kei Wort zu einem weiteren enormen Kostentreiber.
Überfall auf die Soziallassen durch die halbe Welt.
Es werden Kosten durch illegal eingestromten Massen generiert, die der arbeitende Michel und seine Line zu zahlen haben.
Der Bund zahlt nur einen Bruchteil aus der Staatskasse (natürlich auch wieder der Michel) an die Krankenkassen.
Die TK hat hier mit anderen Kassen eine Klage gegen den Bund eingereicht.
Die Beiträge vom Bund decken gerade Mal ⅓ der verursachten Kosten.
Wer mag wohl den Rest erbringen?
Die Antwort könnte uns verunsichern.
Das ganze wird kollabieren.
Wir verlieren Monat für Monat 10000 Arbeitsplätze. Und kein Ende in Sicht.
Und wer rechnen kann, weiß was es bedeutet.
Ein Gegensteuern ist nicht in Sicht.
Und auf Welt liest man, das immer mehr Klagen gegen Asylbescheide laufen. Und die Gerichte saufen ab.
Gute Nacht D.
Alles für Asylanten. Alles für Bürgergeldempfänger. Alles gegen die arbeitende Bevölkerung.

Heidemarie Heim | So., 8. Februar 2026 - 15:09

Nur 124 Jahre hat die Gute zur Finanzierung unserer Kriegsmarine gehalten! Ein Jammer!
Und wer oder was ist als nächstes dran wenn die Bürger dieses Staates alle mit rauchen und saufen aufhören oder aufgrund mangelnden Zuckerkonsums mit einem BMI um die 20 daherkommen anstatt ihre Pfunde zum Fulltime-Job zu wuchten und so die Einnahmen bzw. Finanzierungsmöglichkeiten des Staates torpedieren. Andererseits fällt mir gerade ein, dass die so geläuterten und vor Gesundheit strotzenden Leistungsträger auch gleich noch die Reform der Rente mit angehen, indem sie locker bis 80, die früheren 70 arbeiten können. Zwei auf einen Streich! Darauf muss ich erst mal, natürlich ganz entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten was den Konsum von Alkohol und Räucherwerk betrifft, einen heben🥳. Oder den Artikel noch mal lesen, um den darin gemachten Vorschlägen besser auf den Grund zu gehen. Bin gespannt auf das Echo meiner Mitkommentatoren/innen! MfG

Chris Groll | So., 8. Februar 2026 - 17:57

Warum wird niemals über die Migration gesprochen? Über die vielen Menschen, die nicht in die Sozialversicherungen einzahlen und trotzdem alle Vorteile eines Sozialstaates genießen können?
Warum beharrt man stur darauf, die Menschen zur Kasse zu bitten, die sowieso schon so viel einzahlen.
Wenn man schon meint, Sport- und Autounfälle, Alkohol- und Zuckerkonsum würden die Einzahler überproportional belasten, dann sollte man generell von einer Beitragpflicht Abstand nehmen. Dann sollte sich jeder Bürger selbst versichern müssen und die Kosten tragen. Ebenso aber auch die Menschen aus fernen Ländern.

H. Stellbrink | So., 8. Februar 2026 - 22:29

Das geht an der Wirklichkeit deutlicher als haarscharf vorbei. Der Autofahrer ist eine unerschöpfliche Quelle von Steuereinnahmen, und wer Zuckerkonsum besteuern will, muss auch Mehr, Bier und alkoholfreies Bier, Kartoffeln, Haferbrei, Milch und Obst besteuern. In allem ist Zucker in der einen oder anderen Form enthalten.
Das vorgeschlagene System ist das Gegenteil eines Solidarsystems. Wer Risiken eingeht, muss mehr zahlen. Warum müssen dann nicht Sofas oder Skischuhe höher besteuert werden, sind sie doch mit viel Sitzen oder Verletzungen assoziiert....
Sehr viele klassische Folgeerkrankungen der genannten Faktoren treten auch ohne diese auf. So ein System verstärkt die angesichts der Komplexität und des multifaktoriellen Charakters der Folgeerkrankungen eine oft unberechtigte Schuldzuweisung an die Betroffenen.
Dass wir ein solidarisches System haben, ist ein Fortschritt an Menschlichkeit. Das vorgeschlagene System würde nur noch einen Wettbewerb an Abgabenerhöhungen bewirken.

Sebastian Habel | Mo., 9. Februar 2026 - 09:09

Unsere Politik wird das "Beste" aus beiden Systemen vereinen: Die Steuern auf Sprit, Alkohol, Tabak und Lebensmittel werden steigen, die Sozialversicherungsbeiträge bleiben bestenfalls stabil- oder steigen auch. Aus diesem Grund sage ich nein zu diesen Vorschlägen, werter Herr Doktor.

A. Rusch | Mo., 9. Februar 2026 - 11:30

Hoert sich alles ganz gut an, aber ist, sofern die Sondersteuern von Erfolg gekroent sein sollen, am Ende kontraproduktiv: die zur Finanzierung erheblich niedrigerer Sozialbeitraege noetigen hohen Steuern auf Alkohol, Tabak & Zucker wuerden wohl zu einen Einbruch beim Konsum fuehren. Das waere ja erwuenscht, wuerde aber die tollen Einnahmen gleich wieder -zumindest teilweise- zunichte machen. Also muessten die Steuern weiter hoch, und bei noch weniger Konsum noch weiter nach oben, bis man sich dann mangels Einnahmen gezwungen saehe, doch wieder woanders neue Geldquellen aufzutun.
Und das scheint hier der eigentliche Pferdefuss zu sein: das System wuerde sicher gerne neue Einnahmen erschliessen, aber an Einsparungen wird - wie ueberall woanders im oeffentlichen Sektor- dann sicher wieder nicht gedacht.
Nein, ohne grundlegende Reformen wird es nicht gehen. Je laenger damit gewartet wird, desto eher wird es am Ende die Kettensaege brauchen.