Carsten Linnemann
Carsten Linnemann / picture alliance/dpa | Kay Nietfeld

Gesundheitsminister Carsten Linnemann - Der Mann, der sich selbst widerlegen muss

Mitten in der heikelsten Reformphase des Gesundheitswesens übernimmt Carsten Linnemann ein Amt, das er sich selbst nie zugetraut hatte. Für einen der letzten ordnungspolitischen Köpfe der CDU steht damit die eigene Glaubwürdigkeit auf dem Spiel.

Autoreninfo

Shantanu Patni studiert Osteuropa-Studien an der Freien Universität Berlin. 

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Es sei nicht sein Ding, nur Minister zu sein, damit das bei Wikipedia stehe, so Linnemann im Phoenix-Interview Anfang Mai letzten Jahres. Und dann fiel ihm ausgerechnet das Gesundheitsministerium als Beispiel für ein Amt ein, das er sich nicht zutrauen würde. „Die Leute hätten gesagt, warum wird der Gesundheitsminister, was hat der damit zu tun. Und deswegen: Schuster, bleib bei deinen Leisten, mach das, was du kannst“. Der Gedanke ist sicherlich nicht falsch. Wer ein Amt nur ergreift, um es im Lebenslauf zu verewigen, hat wahrscheinlich nicht die lupenreinste Motivation, es überhaupt anzunehmen. Zumal in einem Feld, das er selbst kaum kannte.

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Maria Arenz | Mo., 27. Juli 2026 - 11:13

haben ich eigentlich bisher für einen "Guten"gehalten. Das ist er m.E. auch immer noch. Aber unter einem Unglücksraben Merz mit seinem inzwischen am Fließband herbeigeschusselten Kalamitäten wird sich eben auch jemand wie er nicht dem unausweichlichen Absturz entziehen können und am Ende mit untergehen. Angesichts der erwartbar weiteren Nibeungentreue seines Kanzlers zum so sensiblen Inkasso-Lars kann man ruhmloser kaum untergehen als mit unserem total verkorksten Gesundheitswesen, das von Frau Warken bis jetzt ja auch nur ein paar hübschere Pflaster aufgeklebt bekommen hat. Vielleicht wird sich in nicht allzugroßer Ferne noch herausstellen, daß Kollege Spahn es verteufelt listig angestellt hat, nicht mit dem Nagetier und dem Schiff in Verbindung gebracht zu werden. Mit seinem gekauften Kind hat er auch den progressiven Flügel der CDU für sich eingenommen, SPD, Grüne und Linke hat er damit sowieso beeistert. Schau'n mer mal ...

Thomas Hechinger | Mo., 27. Juli 2026 - 11:19

Carsten Linnemann war eine meiner letzten CDU-Hoffnungen. Persönlich ist er sicher ein ehrlicher und grundanständiger Mann mit besten Absichten. Es nützt aber nichts. Er wurde durch das System gebrochen. Auf „Apollo-News“ hat das Benedikt Brechtken bestechend scharf und zugleich mitfühlend herausgearbeitet:

https://apollo-news.net/die-rmste-sau-im-ganzen-land/

C. Schnörr | Mo., 27. Juli 2026 - 12:36

für die Union: mit saurer Miene mitmachen bis zur Selbstverleugnung, für den eigenen Machterhalt. Herr Linnemann hätte zu seiner eigene Aussage stehen und es dem scheidenden Verkehrsminister nachmachen sollen. Seine Aussagen hatten wohl ab und zu zuviel Realitätsbezug. Das stieß dem Lügenbaron wohl mächtig auf und er griff zur Methode Merkel: ab auf den Feuerstuhl. Nach dem nächsten Scheitern wartet dann Brüssel.

Karl-Heinz Weiß | Mo., 27. Juli 2026 - 13:43

Im Gesundheitswesen fokussieren sich die Lebenslügen der deutschen Gesellschaft: immer weniger Beitragszahler sollen für immer mehr Ältere mit immer höherer Lebenserwartung immer teurere Krankenhausbehandlungen mit immer aufwendigerer Diagnostik und immer teureren innovativen Medikamenten bezahlen. Die Kosten für die Krankenkassen sind dabei Peanuts. Herr Linnemann mag ein guter Problembenenner sein. Die Schwierigkeit bei der Problemlösung teilt er mit seinem Chef.

Klaus Funke | Mo., 27. Juli 2026 - 17:21

Aber er wird scheitern wie alle seine Amtskollegen vor ihm. Schlechter als Lauterbach wird er es allerdings kaum machen können. Dieses Amt ist wie das des dt. Verteidigungsministers ein undurchführbares Amt. Es ist der Schleudersitz per se.

Urban Will | Mo., 27. Juli 2026 - 22:43

„letzter Ordnungspolitiker“,„Grundannahmen infrage stellen“... Alles Zeug,das ich zwar auch mal mit ihm verband,aber längst nicht mehr. Ja, ich dachte auch, würde sich dem Kabinett fernhalten, weil er wusste, es würde nicht lange existieren und weil er sich bereit halten wollte für das nächste, geleitet von wem auch immer (Weidel bspw.). Aber falscher konnte ich nicht liegen.
Linnemann, ich nenne ihn lieber wieder Linnemännchen, bekam den Pfiff und kam zurück ins Glied. Seine fast schon traurigen Angriffe auf die seinem Haufen davonziehende AfD wirkten wie ein Abgesang.
Zu fragen,welcher Belege „es noch“ bedürfe nach dem Singen der DDR-Hymne dort, um die politische Ausrichtung dieser Partei zu erkennen, war ein Akt der Naivität und Schlichtheit, den sich nicht mal ein Anfänger geleistet hätte.
Linnemännchen hockt jetzt also als Schoßpudel brav am Tisch und kämpft für Herrchen Fritzchen. Er kann wedeln und hecheln, seine Tage in politischer Verantwortung sind gezählt. Er kann es nicht.