Fünf Personen in Richterroben im Gerichtssaal
Richter, Beisitzer und Schöffen im Kriminalgericht Moabit am Beginn des Prozesses gegen sieben junge Männer wegen einem tödlichen Angriff am Humboldt-Forum / picture alliance/dpa | Soeren Stache

Gesinnung der Richter und Unabhängigkeit der Justiz - Hubigs Schöffen-Pläne gefährden den Rechtsstaat

Bundesjustizministerin Stefanie Hubig will verhindern, dass Extremisten als Schöffen Einfluss auf die Rechtsprechung nehmen. Die geplanten Verschärfungen sind jedoch überflüssig, und ein politischer Zugriff auf die Gesinnung von Richtern würde die richterliche Unabhängigkeit aushöhlen.

Volker Boehme-Neßler

Autoreninfo

Volker Boehme-Neßler ist Professor für Öffentliches Recht, Medien- und Telekommunikations- recht an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Davor war er Rechtsanwalt und Professor für Europarecht, öffentliches Wirtschaftsrecht und Medienrecht an der Hochschule für Wirtschaft und Technik (HTW) in Berlin.

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Justizministerin Hubig will „unseren Rechtsstaat“ und die Demokratie stärken. Seit ihrem Amtsantritt formuliert sie das immer wieder als Politikziel. Jetzt hat sie eine angebliche Schwachstelle des Rechtsstaats ausgemacht. Sie sieht die Gefahr, dass Rechtsextreme die Justiz unterwandern und Einfluss auf die Gerichte nehmen. Dagegen will sie vorgehen, wie sie Anfang der Woche angekündigt hat

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Peter William | Di., 16. Juni 2026 - 11:25

ist so dermaßen am Ende, es wird nur immer schlimmer und schlimmer. Da konnte man schon denken, dass es nach Lambrecht nicht mehr schlimmer ginge, doch dann kam Nancy und jetzt sind solche Personen wie Bas und Hubig in Machtpositionen gehievt wurden. Was ist nur aus der SPD geworden, tja?

Bei der SPD kann betrachtet werden was passiert wenn Ambition, Einsatz und Intelligenz mit Faulheit, Ideenlosigkeit und Klüngel gleichgesetzt oder besser gleichgestellt werden.

Markus Michaelis | Di., 16. Juni 2026 - 13:02

Die Scharia würde den Rechtsstaat ja nicht ersetzen, sondern seine Basis sein. Rechtsstaat heißt für mich erstmal nur, dass sich alle an geschriebene Gesetze und die vorgesehenen Wege halten. Das hat ohnehin viele Schwachstellen: geschrieben Gesetze können nie die komplexe und veränderliche Realität abbilden. Sie sind auch immer nur Entscheidungen für das Eine und gegen das Andere. Der Rechtsstaat (die strenge Einhaltung des Geschriebenen) kann, auch ohne Scharia, zu grotesken Dingen führen. Das Geschriebene muss immer interpretiert werden - wer macht das? Ein Wust von Landesrecht, Bundesrecht, EU-Recht, internationalem Recht, neuen Gesetzen, Altlastgesetzen etc. ist gerade kein Rechtsstaat mehr, weil alles und nichts gilt und keiner mehr durchblickt. Der Rechtsstaat ist da aber nichts besonderes: auch die Verfassung, Menschenrechte, Demokratie und sonstiges sind auf ähnliche Weise unklar, offen bis widersprüchlich und irgendwer muss das immer anwenden und austarieren.

Markus Michaelis | Di., 16. Juni 2026 - 13:10

Warum also sollte grundsätzlich nicht auch die Scharia die Orientierung, Wertebasis etc. sein, die dem Rechtsstaat zugrunde liegt? Welchen Grund könnte es da geben? Klar kann man immer einzelne Punkte herausgreifen, wie die Todesstrafe, die direkt mit dem GG kollidieren. Aber das ist nicht ganz ehrlich, weil einzelne Punkte immer kollidieren. Auch Menschenrechte oder was auch immer kollidieren mit dem Rechtsstaat, mit der Verfassung, mit der Demokratie, auch in wesentlicheren Punkten, weil alles immer auch im Gegensatz steht. Die Verfassung kollidiert mit einem EU-Staat usw. Ja, aber das sind nie letzte Worte. Für gewisse Punkte müsste man eben Übereinkünfte und Regelungen finden. Wie immer. Aber was spräche prinzipiell dagegen?

Markus Michaelis | Di., 16. Juni 2026 - 13:19

Der für mich kritischere Punkt ist nicht, ob wir die Scharia als Wertebasis haben oder irgendwas "völkisch-ethnisches" oder ob wir uns in einer EU zusammenschließen oder China anschließen - irgendwas auszutarieren gibt es immer, wenn man genauer wird, was man eigentlich auf konkrete Fragen angewendet meint.

Der kritischere Punkt im Moment scheint mir, dass es verbreitet ist zu glauben, es gäbe gar nichts auszutarieren. Es gibt einen gewissen Glauben, dass das wahre Menschsein irgendwie festgelegt sei, in Begriffsketten wie Demokratie, Grundgesetz, Menschenrechte, Rechtsstaat usw. Alle wüssten immer, was genau in jedem Fall damit gemeint ist. Es gibt kein Wir und Die mehr, nur noch Menschen dieser einen Wahrheit und ihre Gegner. Das Problem mit der Scharia ist weniger deren Inhalt (der wie alles austariert werden muss), sondern dass dahinter auch Menschen stehen, die vollkommen fest an ihre Begriffsketten glauben. Zwei heftige Wirs, die alles "Wir und Die" überwinden wollen.

Angelika Sehnert | Di., 16. Juni 2026 - 17:35

Antwort auf von Markus Michaelis

So langsam bin ich der Ansicht dass die Redaktion die Kommentarfunktion abschalten oder eine menschliche , urteilsfähige Moderation einsetzen sollte. Hier will jemand allen Ernstes ein religiös geprägtes , unserer Rechtskultur völlig fremdes, ja gegensätzliches und vollkommen inkompatibles Recht als gleichwertig neben unser Recht stellen. Ein Recht, das seine Wurzeln in den 12- Tafelgesetzen aus dem Jahr 450 vor Christus hat und bis heute z.B. im Eigentums- Familien- oder Erbrecht nachwirkt und fester Bestandteil unserer Kultur ist.
Da wundert man sich schon fast nicht mehr, wie es dazu kommt, dass Politiker so an den Grundfesten unserer Rechtskultur rütteln. Es fehlt offenbar das Verständnis, was für ein hohes Gut das ist, selbst wenn es gelegentlich, ganz selten, nicht optimal funktioniert.

Markus Michaelis | Di., 16. Juni 2026 - 18:39

Antwort auf von Angelika Sehnert

Ich bin ein konservativer Mensch, der das alte Deutschland nicht schlecht fand und sich in dem, was sich verändern soll (weil die Welt sich verändert) daran orientieren will. Das ist meine politische Wahl und ich freue mich, wenn andere Menschen das teilen.

Wogegen ich argumentiere ist, dass irgendwas davon durch alternativlose Menschheitswerte vorgegeben sei. Das führt aus meiner Sicht zu den überdrehten Weltsichten, dass wir hier universelle Werte, GG und Menschenrechte hätten und auf dieser Basis jetzt die vielfältig-offen-universelle Gesellschaft und die Fusion mit Pakistan (oder sonstwem) angehen, weil wir ja alle Menschen seien und dieselben Werte teilen.

Ich bin sehr für Rechtsstaat, GG, Menschenrechte, Deutschland etc. und bin mir im Klaren, welche Aufgabe es ist, das auszutarieren und dass es daran hängt, dass genügend es genauso sehen. Zu glauben, dass man irgendwas davon (Rechtsstaat, egal was) so heilig setzen kann, dass das die Menschheit führt, davon halte ich wenig.

Wir sind mit diesem 2500 Jahre alten System, das in Eiropa entstanden ist, eigentlich gut gefahren, betrachtet man die historische Entwicklung. Zugegeben, es ist eine europäische Entwicklung, die schon früh auf die Rechte und Freiheiten des Individuums abzielte. Man kann diese Errungenschaften eben nicht in einem abgelegenen Hochtal des Hindukusch von außen implementieren. Genauso wenig kann man der Scharia hier in Europa Raum geben, auch wenn es einen recht großen Bevölkerungsanteil gibt, der dies gern möchte und darin sogar von Anhängern des Multikulturalismus unterstützt wird.
Wir haben in Europa eine andere Rechtstradition, die sich in langen Kämpfen von religiösen Einflüssen und Bestimmungen befreit hat und die für alle hier Lebenden verbindlich ist. Da gibt es nicht viel zu diskutieren, zu relativieren oder auszutarieren. Punkt.

da historisch gesehen bezieht sich das von ihnen beschriebene moderne europäische Recht auf das gute alte Römische Recht, und so muss es auch bleiben!!!

Ingo Frank | Di., 16. Juni 2026 - 17:20

die die „Demokratie retten wollen“ von den Grün linken NGOs bis zur SPD geführten derzeitigen Regierung werden immer bizarrer.Corona läßt grüßen ! Man denke an die his heute noch nicht rehabilitierten Verurteilten Impfgegner ! Auch ein Blick zum Thüringer Untersuchungsausschuss wie hier beschrieben sagt mehr als alles.
MfG a d Erfurter Republik

Wolfgang Borchardt | Di., 16. Juni 2026 - 21:09

Es geht um die Bewahrung links-grüner Deutungshoheit, die Klimamodelle zu Gesetzen erhöhen darf.