Gordon Schnieder und Alexander Schweitzer
Mauern sich mit Hilfe der Grünen ein: der alte und der neue Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD, r.) und Gordon Schnieder (CDU) / picture alliance/dpa | Andreas Arnold)

Geplante Verfassungsänderung in Rheinland-Pfalz - Mit Tricks ist die AfD nicht kleinzukriegen

In Rheinland-Pfalz wollen CDU, SPD und Grüne die Verfassung ändern. Das Ziel: Die AfD soll keinen Untersuchungsausschuss einsetzen können. Das ist völlig legal – politisch aber dumm und gefährlich.

Hugo Müller-Vogg

Autoreninfo

Dr. Hugo Müller-Vogg arbeitet als Publizist in Berlin. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher zu politischen und wirtschaftlichen Fragen, darunter einen Interviewband mit Angela Merkel. Der gebürtige Mannheimer war von 1988 bis 2001 Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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Was haben CDU, SPD und Grüne nicht alles versucht, um die AfD kleinzukriegen: Warnungen vor einer Machtergreifung à la 1933, Verbotsandrohungen, Überwachung durch den Verfassungsschutz. Das hat alles nichts genutzt. Die AfD-Ergebnisse bei Wahlen und Umfragen kennen nur eine Richtung: nach oben. 

Das richtige Rezept hatte Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) vor rund einem Jahr vorgeschlagen. Er wollte die AfD durch inhaltlich gute Politik und die Auseinandersetzung mit ihren Themen „wegregieren“. Das hat freilich bisher nicht geklappt. Denn Schwarz-Rot macht mehr durch interne Streitereien von sich reden als durch überzeugende Konzepte zur Ankurbelung der Wirtschaft, zur Förderung des Wohnungsbaus oder für eine sichere Rente. Inzwischen rangiert die AfD in mehreren Umfragen vor der CDU/CSU.

Seit den ersten Wahlerfolgen der AfD haben die Parteien der sogenannten politischen Mitte ständig versucht, der neuen Konkurrenz den Spielraum in den Parlamenten durch Verfahrenstricks zu beschneiden. So lässt eine schwarz-rot-grüne Mehrheit im Bundestag in schöner Regelmäßigkeit jeden AfD-Kandidaten durchfallen, der für den der AfD zustehenden Posten des Bundestagsvizepräsidenten kandidiert. Ist es auch Unsinn, so hat es doch Methode.

Aus solchen Fehlern nichts gelernt haben die Landtagsfraktionen von CDU, SPD und Grünen in Rheinland-Pfalz. Sie planen eine Verfassungsänderung, um das Quorum für die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses von 20 auf 25 Prozent der Mitglieder des Landtags anzuheben. So soll verhindert werden, dass die AfD, die mit ihren 24 Abgeordneten mehr als ein Fünftel des 105 Mitglieder zählenden Parlaments, aber weniger als 25 Prozent erreicht, der Regierung mit dem Instrument des U-Ausschusses auf die Finger zu schauen. 

Der „Missbrauch“ von Untersuchungsausschüssen soll ausgeschlossen werden

Nun hat die AfD im Wahlkampf keinen Hehl daraus gemacht, im neuen Parlament mit zahlreichen Untersuchungsausschüssen die Taten beziehungsweise Untaten der seit 2016 regierenden Ampel aufzuarbeiten. Auch spricht einiges dafür, dass die AfD-Fraktion in den kommenden fünf Jahren ebenso Untersuchungsausschüsse einsetzen würde, um die Politik der künftigen CDU/SPD-Koalition unter die Lupe zu nehmen. CDU/SPD/Grüne fürchten deshalb um die „Handlungs- und Funktionsfähigkeit des Landtags und der Landesregierung“. 

Nun kann dieses Anti-AfD-Bündnis darauf verweisen, dass es im Bundestag wie in anderen Landtagen (beispielsweise in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen) eine 25-Prozent-Hürde für Untersuchungsausschüsse gibt. Das war für CDU, SPD und Grüne in der Vergangenheit jedoch kein Grund, die rheinland-pfälzische Regelung zu ändern. Das Beispiel der anderen hat erst an Bedeutung gewonnen, seit die AfD jetzt mit ihren 19,5 Prozent der Wählerstimmen erstmals mehr als 20 Prozent der Abgeordneten stellt. 

Mit der „Neujustierung“ der Verfassung haben es CDU, SPD und Grüne so eilig, dass sie dies noch vor der konstituierenden Sitzung des am 22. März gewählten Landtags tun wollen. Dafür sind in der letzten April- und ersten Maiwoche zwei Sondersitzungen angesetzt. Schließlich soll der „Missbrauch“ von Untersuchungsausschüssen ganz schnell ausgeschlossen werden. 

Solche Praktiken führen die Wahlen ad absurdum

Faktisch bedeutet die Verfassungsänderung, dass es in Rheinland-Pfalz in den nächsten fünf Jahren keinen Untersuchungsausschuss – das wichtigste parlamentarische Kontrollinstrument – geben wird. Denn die Grünen mit ihren zehn Sitzen sind dafür allein zu schwach. Zudem haben sie ausgeschlossen, jemals mit der AfD gemeinsame Sache zu machen. Wobei solche Grünen-Schwüre schon mal gebrochen werden, wie die Abstimmung im Europäischen Parlament über das Mercosur- Abkommen gezeigt hat. Damals stimmten deutsche Grüne Seit’ an Seit’ mit der AfD und anderen rechtsradikalen Abgeordneten dagegen.

Was die neuen Koalitionspartner CDU und SPD mit Hilfe der Grünen machen, ist politisch dumm und gefährlich. Zum einen liefern sie der AfD das Argument, sich als Opfer der etablierten Parteien zu fühlen, die die Stimmen der vielen AfD-Wähler bewusst entwerteten. Diese Opfer-Erzählung ist für viele Wähler der Beweis, dass die anderen Parteien vor der AfD Angst haben. Zum anderen liefert die Beschneidung ihrer parlamentarischen Rechte der AfD eine Steilvorlage, bei entsprechenden Wahlergebnissen in Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern ebenfalls die Spielregeln zu Ungunsten der Opposition zu ändern. 

Was CDU, SPD und Grüne in Rheinland-Pfalz vorhaben, ist zweifellos legal – aber nicht sehr demokratisch. Nun haben dieselben Parteien vor einem Jahr bereits in Berlin vorexerziert, was man machen kann, wenn einem der Wahlausgang nicht gefällt. So musste der Bundestag noch in alter Zusammensetzung der schwarz-roten Verschuldungsorgie zustimmen, weil es in dem im Februar 2025 gewählten Parlament keine Mehrheit dafür gibt. Solche Praktiken führen in gewisser Weise die Wahlen ad absurdum, wenn das faktisch abgewählte Parlament nach der Wahl die Handlungsmöglichkeiten des neuen beschränkt.

Alle Versuche, die AfD mit Verfahrenstricks zu stutzen, sind kläglich gescheitert

Es ist ebenfalls bedenklich, wenn die Mehrheit die Rechte der Minderheit bewusst beschneidet. Gerade die rheinland-pfälzische CDU müsste wissen, wie wichtig der Untersuchungsausschuss zur Ahrtal-Flut war, der schließlich zum Rücktritt von Innenminister Roger Lewentz (SPD) führte. Die damals regierende Ampel hätte viel darum gegeben, wenn die oppositionelle CDU diesen Untersuchungsausschuss nicht hätte einsetzen können.

Der künftige Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) und sein abgewählter Vorgänger Alexander Schweitzer (SPD) sollten eigentlich wissen, dass alle Versuche, die AfD mit Verfahrenstricks zu stutzen, kläglich gescheitert sind. Was ist nicht alles versucht worden? Alterspräsident im Bundestag wird nicht mehr der älteste Abgeordnete, sondern der Parlamentarier, der dem Gremium am längsten angehört. Auch stellt die AfD keinen einzigen Ausschussvorsitzenden, obwohl ihr rechnerisch sechs dieser Positionen zustünden. Die anderen Parteien haben die AfD-Kandidaten stets durchfallen lassen. Es hat auch nichts genutzt, in manchen Parlamenten die Zahl der Vizepräsidenten zu verringern oder die Zahl der Ausschüsse zu verkleinern – jeweils mit dem Ziel, der AfD einen Vizepräsidenten-Posten oder Ausschuss-Vorsitz vorzuenthalten. Diese Liste ließe sich beliebig verlängern.

Es ist in der Politik eben wie im richtigen Leben: Fehler kommen immer wieder vor. Aber kluge Politiker begehen denselben Fehler nicht immer wieder. Die psychologische Forschung hat gezeigt, dass man nur dann aus Fehlern lernen kann, wenn man sich auch eingesteht, Fehler zu machen. Wer jedoch von sich überzeugt ist, alles richtig zu machen, will und kann aus Fehlern nichts lernen.
 

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soistes | Mo., 27. April 2026 - 12:17

Den Altparteien scheint es an "Kreativität" Ihre "Fresströge" zu erhalten nicht zu mangeln.

Ein kleiner Tipp am Rande: Lösungsorientiertes Arbeiten & Handeln würde vielleicht helfen. Ich weiß das ist verdammt schwierig, aber vielleicht ist es noch machbar.

Ich hoffe das der Timmy & die Nordsee helfen werden, Lösungen zu finden. Dann wird es bestimmt was ;)

Realsatire at it´s best. Ob so "unsere Demokratie" noch zu retten ist? Bestimmt!!!

Christa Wallau | Mo., 27. April 2026 - 12:20

Die Erfahrungen der letzten Jahre müßten der CDU/CSU eigentlich eindeutig klarmachen, daß sämtliche Methoden, die sie angewandt haben, um die AfD klein zu halten bzw. zu vernichten, letztlich gescheitert sind.
Zwar hat die "Nazikeule" anfangs ganze
Arbeit geleistet und tolle Erfolge gezeitigt, aber die gravierende Fehlentscheidung Merkels im Jahr 2015 brachte die AfD wieder in den Fokus der Wähler.
Inzwischen wirken sämtliche Diffamierungen der
AfD nur noch bei einem Teil der Deutschen. Immerhin fast jeder Dritte stellt sich offen gegen die Verleumdungen der Herrschenden und wählt t r o t z d e m die AfD. Es sind die Menschen, die noch über gesunden Menschenverstand u. Selbstbewußtsein verfügen.
Sie lassen sich einfach nicht mehr vorschreiben, wie u. was sie zu denken haben!
Gott-sei-Dank!
Die Änderungen der Verfassungen in RLP und Sachsen-Anhalt sind die letzten verzweifelten Versuche d. Altparteien, gegen
Rechte u. Interessen der Bürger zu handeln.
Ein absoluter Tiefpunkt!

Wolfgang Borchardt | Mo., 27. April 2026 - 12:49

Demokratie. Weil es nun mal nicht klappen will mit sinn- und verantwortungsbewusster Politik. Und die AfD nicht bereit ist als Symptom einer schlechten Politik zu erkennen, weil man sie für gut hält. Man muss den Altparteien die Daumen drücken, dass die 25-%-Hürde auch ausreicht und nicht nochmal angepasst werden muss

Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss ist doch dem Wesen nach dazu da, das Parlamentarier der Regierung auf die „Finger“ schauen dürfen und damit das Fehlverhalten der Regierenden offenlegen oder eben als rechtens anerkennen.
Wird einer Partei die ins Parlament gewählt wurde, nicht verboten ist. und nur mit äußerst wackligen teils fragwürdigen „Erkenntnissen“ vom Verfassungsschutz beobachtet wird, das Recht einen Untersuchungsausschuss zu beantragen nimmt, ist dies mehr als fragwürdig.!
Und genau das sieht der Wähler außerhalb der Links Grünen Blase mehrheitlich genau so. Statt einer offenen Diskussion mit Argumenten, wird versucht die AfD zu „stellen“ und mit parlamentarischen Taschenspieler- Tricks
sie in den Parlamenten kalt zu stellen.
Und genau aus dieser. „demokratischen Spezialbehandlung“ ist u.a. der andauernde Erfolg der AfD erklärbar
Da keine Politikumkehr von Rot Schwarz zu erwarten ist, wird der Zuspruch zur AfD, weiter wachsen.
MfG a d Erfurter Republik

Ingo Frank | Mo., 27. April 2026 - 13:07

Es scheint der „Insa- Wert“ vom Wochenende immer noch nicht, noch nicht einmal ein wenig, das Linke Auge im Adenauerhaus zu öffnen, mit dem man angeblich besser sehen kann …..
Nun, wer nicht sehen will, der hat. Augen zu.
Die AfD wird‘s freuen ,und sich über eine unfähige CDU wundern, und vor Lachen nicht in den Schlaf kommen.
Solch ein Kanzler mit solch einem Koalitionspartner der eine solche Unzufriedenheit im Volke hat, das brachte noch nicht einmal der letzte SPD mit seinem 25% Wahlsieg fertig. Aber keine Soge, die Zehnerstelle mit der „1“ beginnend, haben CDU
(&CSU) bereits fest im Blick und sind ganz stark in Richtung ihres Koallitionspartners SPD
unterwegs 😂. Sie wollen es einfach nicht begreifen und hoffen lediglich darauf, ungeschoren davon zu kommen.
Die Ähnlichkeiten der letzten Honecker Jahre mit den „Parteien der nationalen Front unter Führung der SED“ sind nicht mehr von der Hand zu weisen. Nur Personen & Parteinahme änderten sich …..🙈
MfG a d Erf.Rep.

weil sie in ANGSTSTARRE vor dem linken Straßenmob verharren... >> das Kaninchen (die Union) und die Schlange... ...

MMn ist das der Hauptgrund - von einigen echt bereits links indoktrinierten in der CDU (die sog. Wanderwitz-Genossen) mal abgesehen, die gibt es natürlich auch noch.

Peter William | Mo., 27. April 2026 - 13:09

Aber fünf Jahre sind für mich persönlich eine verdammt lange Zeit!! Wer weiß was noch alles passieren wird und ob Grüne und Blaue nicht doch noch Gründe finden werden um gegen Rot Schwarz einen Untersuchungsausschuss durchsetzen zu können. Auf EU Ebene stimmen sie schon einmal gleich ab, wenn notwendig.

Diesen Pragmatismus würde ich mir, wie bekannt, auch für die Bundes- und Landesebene wünschen. Denn wenn SPD und CDU eine Sache immer und immer wieder demonstrieren (Grüne ebenso, Blau hatte noch keine Chance dazu), dann wie sorglos und verschwenderisch das eingetriebene Geld der Bürgerinnen und Bürger mit beiden Händen zum Fenster hinaus geworfen wird, vorzugsweise in die brennende Mülltonne darunter ;).

Bernd Windisch | Mo., 27. April 2026 - 13:30

"Dafür sind in der letzten April- und ersten Maiwoche zwei Sondersitzungen angesetzt."

Die man trefflich dazu nutzen könnte endlich das skandalöse Versagen von Politik und Behörden während des Ahrhochwassers aufzuarbeiten.

Angelika Sehnert | Mo., 27. April 2026 - 17:25

Sind unübersehbar. Auch damals stand Rom vor einem Berg von Problemen, hauptsächlich sozialer Art. Veteranen mussten mit Land versorgt werden, die stadtrömische Plebs mit billigem Getreide. Der althergebrachte Wahl- Beamtenapparat konnte das nicht mehr leisten. Statt richtiger Reformen überdehnte man die die vorhandenen Strukturen, um den Schein zu wahren.Das war für die eine zu wenig, für andere zu viel. Es endete im Bürgerkrieg und in einer, für Römer eigentlich unvorstellbaren, Monarchie, mühsam mit republikanischen Resten dekoriert.
Die dringend notwendige Reformen in diesem Land werden auch nicht angegangen, weil sich zwei ziemlich gegensätzliche Parteien blockieren. Einig sind sie sich nur in der Ablehnung der AfD. Für die SPD mag das noch verständlich sein. Allerdings steht die AFD für viele Positionen, die in der CDU vor 25 Jahren noch selbstverständlich waren. Trotzdem wundert man sich, warum viele nicht mehr CDU wählen. Man ist noch nicht mal bereit, nach Ursachen zu suchen.

"Trotzdem wundert man sich, warum viele nicht mehr CDU wählen." -- Na gerade weil "Man ... nicht mal bereit [ist], nach [den] Ursachen [der Probleme] zu suchen." - in der CDU!!! Genau wie in den anderen Kartellparteien auch... ...

Logisch - oder?

Brigitte Miller | Mo., 27. April 2026 - 19:48

Herr Müller– Vogg, ist es eine gute Idee, die AfD, durch welche Methode auch immer, „wegzuregieren“? Worum geht es denn eigentlich in der Politik?
Sie ist Selbstzweck geworden und da stört die AfD nur.

Thomas Veit | Di., 28. April 2026 - 09:15

Antwort auf von Brigitte Miller

den Wunsch, den politischen Gegner 'wegzuregieren' nun wirklich nicht ernsthaft übel nehmen..., im Gegenteil, den politischen Gegner durch bessere Politik(!!!) unter fünf Prozent zu drücken ist doch ehrenhaft... - oder nicht?

Antwort eines AfD-Politikers aus Brandenburg neulich im TV: "Sollen sie doch!" /👍🤣

Thomas Hechinger | Mo., 27. April 2026 - 19:55

„Damals stimmten deutsche Grüne Seit’ an Seit’ mit der AfD und anderen rechtsradikalen (sic!) Abgeordneten dagegen.“

So kennen wir ihn, den Herrn Müller-Vogg. Er kann's einfach nicht lassen...

„Zum einen liefern sie der AfD das Argument, sich als Opfer der etablierten Parteien zu fühlen, die die Stimmen der vielen AfD-Wähler bewusst entwerteten.“

Das ist kein Gefühl, sondern die tatsächliche Folge illegitimer politischer Machenschaften.