Chrupalla und Weidel
Gemeinsamer Plan, getrennte Wege? Die Vorsitzenden der AfD-Bundestagsfraktion, Tino Chrupalla und Alice Weidel. /picture alliance/dpa | Silas Stein

Geheimes Strategiepapier aufgetaucht - AfD will sich aufspalten und Koalition mit Union bilden

In einem internen Schreiben, das Cicero vorliegt, kündigen Tino Chrupalla und Alice Weidel eine Zweiteilung der AfD-Fraktion im Bundestag an. Die friedliche Aufspaltung in eine gemäßigte und eine radikalere Gruppierung der AfD soll eine schnelle Koalitionsbildung mit der CDU/CSU ermöglichen.

Volker Resing

Autoreninfo

Volker Resing ist Chefredakteur der Wochenzeitung Christ in der Gegenwart (CiG). Zuvor war er Leiter des Ressorts Berliner Republik bei Cicero. Er ist Spezialist für Kirchenfragen und für die Unionsparteien. Von ihm erschien im Herder-Verlag „Die Kanzlermaschine – Wie die CDU funktioniert“.

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Dieser Artikel wurde als Scherz am 1. April veröffentlicht. 

Die AfD drängt es in Regierungsverantwortung, dazu will die Partei sich selbst „koalitionsfähig“ machen. Ein internes Schreiben an alle AfD-Bundestagsabgeordnete, das Cicero vorliegt, zeigt einen Strategiewechsel im Umgang mit CDU und CSU. „Deutschland braucht den schnellen Wechsel“, heißt es in der Mail, die von den Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla unterschrieben wurde. Dazu sei es notwendig, jetzt einen „vielleicht schmerzhaften, aber notwendigen Weg“ einzuschlagen, um das Land zu retten.

Parteichef Chrupalla hatte neulich beim Landesparteitag in Sachsen erklärt: „Wir müssen uns weiterentwickeln von einer Oppositionspartei zu einer Regierungspartei.“ Deutschland erwarte, dass die Partei regiere und konkrete Erfolge erziele. Meckern allein sei 13 Jahre nach der Gründung zu wenig. In dem nichtöffentlichen Strategiepapier heißt es, es genüge nicht, in den Ländern auf absolute Mehrheiten hinzuarbeiten. Die Gefahr sei zu groß, dass dies nicht gelinge, oder noch schlimmer, dass eine Alleinregierung zu schnell an den Realitäten scheitere.

„Wir müssen verhindern, dass die AfD sich zu Tode siegt“, so Weidel und Chrupalla in dem vertraulichen Aufruf. Deswegen sei jetzt Pragmatismus nötig. Eine Regierungsbildung mit der Union sei jetzt schnell zwingend anzustreben, um zu zeigen, dass AfD-Wählen auch eine Wirkung habe. Nur so könne die AfD „regieren lernen“ und das Land wirklich verändern. „Ein Strohfeuer im Osten hilft uns nicht“, sagte ein Vorstandsmitglied vertraulich gegenüber Cicero mit Bezug auf die Wahlen im Herbst. „Wir dürfen nicht selbst in die Falle der Selbstentlarvung tappen, die uns die Altparteien aufgestellt haben.“

Teilung der Bundestagsfraktion

Kern der spektakulären Idee der AfD-Spitzen ist eine „strategische Sprengung“ innerhalb der Partei. „Wir müssen uns selbst spalten, um mit einem Teil der Partei anschlussfähig zu sein, und mit dem anderen Teil der rechts-nationale Stachel im parlamentarischen Gefüge zu bleiben.“ Derzeit lähme sich die AfD-Bewegung selbst, erklärt der Partei-Chefstratege und Bundestagsabgeordnete Maximilian Krah im vertraulichen Schreiben an Gleichgesinnte im sächsischen Landesverband. „Wir sammeln alle Unzufriedenen im Land ein und entwickeln wirklich immenses Potential, welches aber dann doch verpufft, weil die AfD mit ihrer politischen Bandbreite inzwischen zu diffus geworden ist.“

Krah hat seine Idee einer Aufteilung der AfD in einen wirtschaftsliberal-konservativen Teil und eine rechts-nationale Spielart über Monate hinweg vorbereitet, bis er die Parteispitze überzeugen konnte. Auch der thüringische AfD-Chef und Rechtsaußen-Vertreter Björn Höcke ist eingeweiht und soll mit dem neuen Weg einverstanden sein.

Zunächst soll sich dazu jetzt die Bundestagsfraktion spalten, die Landesverbände können, müssen aber nicht folgen. Für die Untergliederungen sind zunächst Arbeitsgruppen vorgesehen, in denen sich die jeweiligen Strömungen versammeln können. Konkret sollen Spaltungen dann von möglichen Regierungsoptionen abhängig gemacht werden.

Die alternative Alternative 

Der fulminante Aufschlag soll aber im Bundestag passieren. Weidel und Chrupalla wollen, dass die extremen Mitglieder der AfD-Bundestagsfraktion in der AfD verbleiben. Es solle der Eindruck einer Säuberung oder Abspaltung der Rechten und Radikalen vermieden werden, heißt es. Vielmehr planen die AfD-Chefs, dass die weniger Radikalen aus der AfD-Fraktion austreten, aus pragmatischen und strategischen Gründen, und ein „Bündnis der konservativen Alternative“ (BKA) bilden.

Durch die Verwendung des Wortes „Alternative“ im Namen des BKA soll die Verbindung zur AfD dargestellt und eine „Parteienfamilie“ etabliert werden. Ziel ist es, dass dem BKA genügend AfD-Mitglieder beitreten, damit die Union und Bundeskanzler Friedrich Merz mit der „alternativen Alternative“ eine Regierungsmehrheit im Bundestag bilden kann.

Innerhalb der AfD-Fraktion gibt es Zustimmung für den Plan, offen ist nur, wer bestimmt, wer zum BKA wechseln muss und wer in der AfD verbleiben darf. Erste Umfragen unter Abgeordneten von Cicero zeigen, dass die meisten lieber zum regierungsbereiten BKA wechseln wollen. Die für die Operation vorgesehene Losung „Feuerbrücke statt Brandmauer“ wurde allerdings erst mal wieder verworfen. Die Sorge sei zu groß, dass allzu sensible Christdemokraten abgeschreckt werden könnten.

Der konkrete Plan einer Regierungsbildung mit der Union sieht vor, dass von den derzeit 150 AfD-Bundestagsabgeordneten lediglich 30 in der AfD verbleiben dürfen, mindestens 120 müssen die neue BKA-Fraktion bilden. Dann hätte die Union (208 Mandate) zusammen mit dem BKA 328 Stimmen, das wären 13 mehr als die Kanzlermehrheit (315) und eine Stimme mehr als das derzeitige Bündnis aus CDU/CSU und SPD.

Streit gibt es nur um die Führung der neuen Fraktion. Während Weidel sich selbst in dieser Position beim neuen konservativ-alternativen Bündnis sieht und auch vorgeschlagen hat, Chrupalla solle bei der Rest-AfD verbleiben, sieht der sächsische bisherige Co-Vorsitzende dies anders. Weidel erklärt, mit Russlandverstehern und Amerikahassern könne man kein Bündnis mit der Union bilden. Zudem brauche es einen klar marktwirtschaftlichen Kurs. Chrupalla widerspricht, ohne eine rechtskonservative Ausrichtung verliere man die Wähler im Ostern. Lachender Dritter in diesem Machtkampf könnte Krah werden, von dem es heißt, er habe bereits erste Sondierungsgespräche mit Unions-Vertretern aufgenommen. Bewusst sei der heutige Mittwoch gewählt worden, um erste direkte Gespräche zu führen, heißt es bei der AfD. Von CDU/CSU war am heutigen Tag dazu keine Bestätigung zu bekommen.

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Hans Jürgen Wienroth | Mi., 1. April 2026 - 12:40

Dieser Bericht lässt doch nur erahnen, wie viele „V-Leute“ in der AfD tätig sind.

Kann die AfD mit einer Spaltung tatsächlich eine Koalition mit der Union erreichen? Alles Zahlenspiele, denn auch in der Union wird es Abgeordnete geben, die diesen Schwenk nicht mitmachen und schon ist die hier dargestellte Mehrheit nicht mehr vorhanden.

Ist das wirklich ein „Strategiepapier“ der AfD oder ein „Schachzug“ von Unions-Leuten, um die Konkurrenz von rechts klein zu halten? Was würde nach einer Spaltung in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern oder Berlin folgen? Eine gespaltene AfD würde massiv Stimmen verlieren, müsste jede Mehrheitsoption für eine fragwürdige Koalition aufgeben.

Für mich ist hier der Wunsch des Autors der Vater des Gedankens, um „seiner Partei“ einen Vorsprung zu verschaffen.

Olaf Klepel | Mi., 1. April 2026 - 12:43

April April...

Klaus Funke | Mi., 1. April 2026 - 13:32

Antwort auf von Olaf Klepel

Ein Aprilscherz der CICERO-Redaktion. Dazu ein sehr makabrer und einer, der nach hinten losgehen kann. Mit sowas wie der angeblichen Aufspaltung der AfD-Fraktion treibt man keine Scherze. Da hättet ihr mich mal fragen sollen, ich hätte euch eine Handvoll Aprilscherze liefern können. Auch politische in dieselbe Richtung, aber mit weniger Sprengkraft. Zum Beispiel: "Kubicki tritt zum 1. Mai aus der FDP aus und in die AfD ein" oder "März trifft sich am 15. Mai mit Wladimir Putin" oder "Frau Merkel hat ein Kind adoptiert, um endliche echte Mutti zu sein" oder "Deutsche Astronauten landen im Juli auf dem Mond" oder "CICERO ruft zu einer Spendenaktion für Frau Fernandes auf" oder "Der Wal in der Ostsee ist ein weibliches Tier. Es hat in der Nacht zum 01. April vor der Insel Pöhl gekalbt" oder "Frau Wagenknecht tritt wieder in die Linke ein" oder "Alle deutschen Rentner über 80 Jahre haben 1 Jahr Freifahrt bei der DB" oder... ich könnte das noch endlos fortsetzen. Wünsche CICERO frohe Ostern!

Maria Arenz | Mi., 1. April 2026 - 14:10

Antwort auf von Markus Michaelis

Mein Herz hat zunächst eine Hupfer vor Freude gemacht, daß endlich eine Chance besteht, dieser bleiernen Zeit ein Ende zu machen. Aber das wäre ja zu schön, um wahr zu sein...

Markus Michaelis | Mi., 1. April 2026 - 13:39

Das wäre ein innovativer und neuer Zug, der eine neue Dynamik bringen kann. Ich bleibe aber bei meiner oft vorgetragenen These, dass das auch keinen Durchbruch bringen wird (sei es CDU-AfD oder neue Dynamik in den "Altparteien"), weil die Parteien das prinzipiell nicht können. Es wird zwar viel über Politiker und Parteien geredet, was die alles falsch machen, aber letztlich sind viel größere Strömungen am Werk, bei denen die Parteien mehr Bötchen sind, die mitgerissen werden, statt Ursache und Treiber.

Die meisten westlichen Gesellschaften sehen eine zunehmende Spaltung in unverträgliche Lager (mehr als zwei) und das ist tief in der Bevölkerung verankert. Langfristig kann Politik natürlich auch Dinge mit beeinflussen, in verschiedene Richtungen beschleunigen oder bremsen. Aber so direkt kann glaube ich keine Partei durch egal welche Politik den Grundtrend der gegenseitigen Erschütterungen umdrehen. Würde ich denken.

Hans-Hasso Stamer | Mi., 1. April 2026 - 14:19

Nein, ein Aprilscherz.

Aber clever gemacht, Respekt! Ich bin sicher, einige werden den Text ernst nehmen. Da kann man mal sehen, wie weit das Zersetzungsagens des Mainstreams auch schon beim Cicero eingedrungen ist.

Zur Realität: der hier angesprochene Konflikt existiert tatsächlich, er ist aber nicht so stark, dass er das Potenzial hätte, die AfD zu spalten.

... sich opfern für ein höheres Ziel - das wäre schon ein ungewohnter Vorgang für eine politische Partei!

Aber das wäre für heutige Individuen wohl kaum noch zeitgemäß, und damit leider auch für Organisationen, die ja alle auf ewigen Bestand angelegt sind.

Morgen ist der 2. April. Schöne Ostern!

Wolfgang Balzer | Mi., 1. April 2026 - 14:45

zu diesem Artikel! Eine perfekt abgestimmte Mischung aus Plausibilität und Ironie - und vielleicht auch ein wenig Bedauern, daß eine solche an sich sinnvolle Lösung wohl derzeit wirklich nur am 1. April denkbar ist.

Wolfgang Borchardt | Mi., 1. April 2026 - 15:08

es tatsächlich eine Idee. Würde die AfD sich von Höcke und ähnlich Gesinnten trennen, gäbe es einen gewaltigen Zuwachs für das, was hier "BKA" genannt wird

Heidemarie Heim | Mi., 1. April 2026 - 16:27

Oder vielmehr eine der Bemühungen eventuelle "Waterloo-Wahlergebnisse" im Osten der Republik noch abwenden zu wollen? Die seit ihrer Gründung bekämpfte Paria-Partei mit ihrem lt. Herr Gauland "gärigen Haufen" soll sich also nicht nur anpassen an die unveränderbaren Gegeben-/ sowie Gepflogenheiten "seriöser" und vor allem "Auf dem Boden der Verfassung" stehenden Politik, was sie regelmäßig von allen anderen "wahren Demokraten:)" abgesprochen und notariell bescheinigt bekommt, nein, sie soll sich gleich besser wie bei Aschenputtel sortieren in "Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen". Oder war es der Froschprinz, welcher zur Union sagen soll "Nun küss mich endlich! Denn dann werden wir beide erlöst von unseren bösen Zaubern!" Ich liebe Märchen! Doch Sie glauben doch nicht ernsthaft geehrter Herr Resing, dass die CDU bereit o. mutig genug ist, Muttis Erbe derartig zu verraten! Nie nicht! Lieber am links-grün-roten Nasenring noch ein paar Runden bis Ende Gelände drehen! MfG

Liebe Frau Heim, auch Sie scheinen ein Aprilscherzopfer geworden zu sein. Freilich kann man wie Sie auf solche Scherzvorlage ernsthaft antworten. Was Sie da schreiben, unterzeichne ich Wort für Wort. Indes, es kann nichts anderes sein als ein Aprilscherz. Denn, wenn man "diesen gärigen Haufen" ein wenig kennt, kann man "die Ente" des Herrn Resing einfach nicht glauben. Und dann noch, liebe Frau Heim, wäre es tatsächlich wahr, dann würden überall im Netz und in den Zeitungen Halali geklingelt, dann stünden wie man sagt, ein paar oder vielleicht sogar alle Räder still und es gäbe eine außerordentliche Pressekonferenz. Liebe Frau Heim, schließen Sie sich uns Ungläubigen an: Es ist ein Aprilscherz. Ein gut gelungener zwar, wenn auch ein gefährlicher, denn es gibt Leute, auch in der AfD, die sofort die Gerichte bemühen würden. Also, liebe Frau Heim, lachen Sie - so wie ich nach einer Schrecksekunde gelacht habe. Alles Liebe und Gute und einen fleißigen Osterhasen. Ich empfehle mich...

Heidemarie Heim | Mi., 1. April 2026 - 17:54

Antwort auf von Klaus Funke

Wäre ich selbst ein "Aprilscherz" geworden lieber Herr Funke! So war`s der Gründonnerstag 1958, der dieses Jahr auf den Karfreitag fällt;), was man damals nach Aussage meiner Eltern und meiner Oma, in deren Haus ich auf die Welt kam unbedingt vermeiden wollte😂. Immer diese Planwirtschaft! Aber natürlich haben Sie recht mit Ihrer Annahme, dass wenn "diese Ente" Köpfchen unter Wasser, Schwänzchen in die Höh`" ernsthaft ins Paddeln käme Zielrichtung Reichstagsgebäude, könnten wir uns vor den Feiertagen noch schnell mit einer XXL-Packung Ohrstöpsel versorgen, die TV-Fernbedienung
vor uns selbst verstecken und sonstige Präventivmaßnahmen ergreifen;). Ich wünsche Ihnen und Allen hier sowie der Cicero-Redaktion ebenfalls Frohe Ostern❣ LG

IngoFrank | Mi., 1. April 2026 - 22:38

AfD machen könnte …., Vereinte Kraft macht stark und das wissen alle inkl. des Führungspersonals der AfD.
Irgend jemand wird diesen Artikel den beiden Vorsitzenden der AfD schon zuspielen, die sich wohl köstlich amüsieren werden……
Dennoch, ein netter Versuch zum ersten April
Mit besten Grüßen a d Erfurter Republik