FDP-Wahlkampf - Absage an die Ampel

Aus dem langweiligsten Bundestagswahlkampf ist der seit Jahrzehnten spannendste geworden. Doch auch die Profiteure des Umfragetrends schauen mit Beklemmung auf die aktuelle Entwicklung, wirft er doch viele Planspiele über den Haufen. Angesichts dieser Situation wäre es für die FDP an der Zeit, einer Ampel-Koalition eine klare Absage zu erteilen.

Ein Mitarbeiter einer Werbemittelfirma klebt ein Bundestagswahlplakat mit einem Foto des FDP-Spitzenkandidaten Christian Lindner / dpa

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Er veröffentlichte u.a. „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“ und „Kulturpessimismus. Ein Plädoyer". Zuletzt erschien von ihm „Politischer Kitsch. Eine deutsche Spezialität“ bei Claudius.

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Alexander Grau

So kann man sich irren. Noch vor vier Wochen hätte ich Haus und Hof dafür verwettet, dass wir eine schwarz-grüne Bundesregierung unter einem Kanzler Laschet bekommen. Vielleicht würden beide Parteien noch ein bisschen Federn lassen, so dachte ich damals, aber es wird locker reichen. Die Vorstellung, dass Olaf Scholz sich allen Ernstes Hoffnung auf das Kanzleramt machen kann, hätte ich für komplett abwegig angesehen. Mea culpa.

Wenn die Umfragen der vergangenen Wochen und die in ihnen abgebildeten Trends auch nur halbwegs stimmen, dann steht diesem Land am 26. September ein politisches Erdbeben bevor. Nun gibt es gute Gründe, anzunehmen, dass am Ende des Tages die Union ein wenig besser dastehen wird als momentan. Klar scheint aber schon heute zu sein, dass die Partei Adenauers und Kohls auf ein historisches Desaster zusteuert, selbst wenn man sich auf den letzten Metern doch noch mit ein paar Zehntelprozent vor die SPD schieben sollte.

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Timo Richter | Sa, 11. September 2021 - 09:25

Dem Autor mag es ja völlig gleichgültig sein, dass das Leben auch nach dem Wahltag weitergehen wird. Aber es ist schon ziemlich wohlfeil, einerseits täglich rotgrünrot als Horrorvision an die Wand zu malen, andererseits aber jede andere Koalitionsoption auszuschließen, falls der Souverän nicht einknickt und irgendwie doch noch Armin Laschet zum Wahlsieger mutieren lässt.

W.D. Hohe | Sa, 11. September 2021 - 09:43

Im Großen wie im Kleinen.
Damit haben Sie es auf einen wichtigen Punkt gebracht, Herr Grau.
Eine Voraussetzung dafür, Risiko in Kauf nehmen zu wollen, ist eine Haltung zu haben.
Damit spreche ich natürlich nicht von DER Richtigen sondern "nur" von Haltung überhaupt.
Wer im "Kleinen" - warum auch immer - keine Haltung findet...
... keine eigene ?
Hat auch im Großen Gleichgewichts- Probleme -

Hans Jürgen Wienroth | Sa, 11. September 2021 - 10:08

Sorry, aber wer sich in diesem Wahlkampf festlegt, läuft Gefahr, medial vernichtet zu werden. Man fragt sich, wie konnte die „Aufholjagd“ des Olaf Scholz funktionieren? Würde die FDP mit Ihrem Wunsch nach Festlegung nicht als Partei des „Weiter-so-Bündnisses“, als Anhängsel der CDU niedergeschrieben? Schließlich braucht die SPD zu einer Koalitionsmöglichkeit mit „der Linken“ eine Alternative. Zu viele Wähler könnten sonst aus Furcht vor dem „Kommunismus“ anders wählen.
Auf der anderen Seite will die FDP nach der Absage vor 4 Jahren endlich mitregieren. Sollte sich die SPD einer Koalition mit der CDU verweigern und lieber die Alternative mit „der Linken“ vorziehen, wo bliebe da die FDP? So wird das Thema „Verfassungsfeinde“ von links nicht thematisiert, ganz anders als von rechts, wo es immer mitschwingt. Sofern diese Partei nicht verschwiegen wird.
Spannend werden die Auswirkungen der Vorwürfe gg. das SPD-Finanzministerium auf die Wahlumfragen. Kommen da Vorwürfe an O. Scholz?

Nun, werter Herr Wienroth, darf man sich 3 x fragen warum er das getan hat.

Jetzt seitens der MSM nur noch gegen Scholz zu schießen ist also irgendwie unlauter.

Die FIU wird in unseren Medien so gut wie nicht mehr erwähnt.
Da wird nur Scholz als Fin.Minister eine Verantwortung unterstellt.

In den Ministerien sitzen aber noch immer viele mit einem CDU-Parteibuch.
Die haben ja auch jahrelang Cum-Ex nicht sehen wollen.

Reinhard Oldemeier | Sa, 11. September 2021 - 10:28

Umfragewerte sagen nichts darüber aus, wer die Wahl gewinnt.
Die SPD ist an sich eine sehr konservative Partei. Als damals das Vorsitzenden Duo Esken/Bojans gewonnen hat, war es ein sehr knappes Ergebnis. Zwar fremdelt Die Partei immer noch mit Hartz IV, aber viele Kommunalpolitiker sind eher praktisch veranlagt. Man kann gewiss sein, da gibt es wenig Spielraum für Experimente. Bei einem Wahlgewinn der SPD werden auf jeden Fall der untere Mittelstand die Gewinner sein. Viele wird das bewegen SPD zu wählen.
Die FDP würde nach den Umfragewerten der 2. Gewinner werden. In einer Ampel besteht die größte Möglichkeit wirtschaftliche Kompetenz zu zeigen. Siehe Rheinland Pfalz. Herr Lindner sollte den Joker behalten und sich weiterhin nicht in irgendwelche Koalitionen hinein zwingen lassen. Das kostet nur Wählerstimmen. Das weiß er genau. Eins ist noch zu bedenken, Viele haben schon längst ihre Stimme abgegeben, per Briefwahl. Also abgerechnet wird zum Schluss.

Christa Wallau | Sa, 11. September 2021 - 10:34

von einer FDP, die in ihrer Geschichte stets mehr für Wendigkeit als für Prinzipien gestanden hat!
Natürlich haben Sie recht:
Es wäre sehr gut u. würde es dem Wähler leichter machen, seine Stimme abzugeben, wenn Lindner klipp u. klar der Ampel-Koalition eine Absage erteilte.
Ich kann mir vorstellen, daß in diesem - leider hypothetischen - Falle viel mehr Menschen die FDP wählen würden, um der CDU damit einen Partner zum Regieren an die Seite zu stellen, der
bürgerliche Freiheit u. Selbstbestimmung höher einschätzt als staatliches Heilshandeln.
Trotz der medialen Bevorzugung der Grünen haben nicht wenige Deutsche nämlich (berechtigte!) Angst vor einem totalen Umbau ihres Landes zum Welt-Klimatempel und -Experimentierlabor, in dem die hohen Priester der neuen Religion sich austoben dürfen. In einer Schwarz-Gelb-Grün-Regierung wären die wild entschlossenen Weltretter eingebunden in die Reste des gesunden Menschenverstandes, der in den deutschen Altparteien nach Merkel noch existiert.

Joachim Kopic | Sa, 11. September 2021 - 10:41

... die besten Verhandlungsvoraussetzungen haben möchte, aber in das "Grozi-Bündnis" passt seine Partei nun wirklich überhaupt nicht und es wäre letztlich auch nur ein ähnlicher Ausgang wie beim letzten Mal zu erwarten, nur dass er diesmal nicht von "Mutti", sondern "Vati" übern Tisch gezogen würde ... oder seh ich da was falsch?

Urban Will | Sa, 11. September 2021 - 10:46

mindestens in die Sondierungen gehen. Aber dann... Muss er entscheiden, bzw. genau abwägen, wie seine Chancen stehen, als Junior in einer zu rund dreiviertel linken Regierung zu bestehen.
Ich glaube: er macht es, aber ich traue ihm zu, nach einigen Monaten diese Regierung auch wieder zu verlassen, wenn die hässliche Fratze linker Bevormundung und Maximal – Belastung der eh schon über Gebühr belasteten „Besserverdienenden“ plus all der CO² – Wahnsinn, etc auch der „Durchschnitts - Deutschen eh schon im internationalen Vergleich geringes Budget pulveriesieren.
Es wäre ein Paukenschlag und danach würden die Karten neu gemischt.
Für mich ebenfalls unerklärlich, dass der verlogene Grinse – Schlumpf noch so auftrumpfen konnte. Wohl ein Ursachen – Mix: einseitig linke Medien, Laschets Lach – Nummer, der Deutschen Merkel - Hörigkeit (Scholz verkörpert sie wie kein anderer der beiden) und Baerbocks Universal -Unfähigkeit, wohl sogar die Gunst der links – grünen Medien überfordert hat.

Gerhard Hellriegel | Sa, 11. September 2021 - 11:07

Wenn ich Herrn Grau richtig verstehe: in "seiner" Regierung sind CDU, CSU und FDP gesetzt. Als Steigbügelhalter kämen dann entweder die Grünen oder die SPD in Frage. Gut, nehmen wir die Grünen: das ist genau die Koalition, die die FDP vor vier Jahren abgelehnt hat, weil sie sich selbst als Steigbügelhalter einer schwarz-grünen Mehrheit sah - "besser keine Regierung als eine schlechte". Aber was hat sich denn seither geändert? Wurde die CDU seither marktwirtschaftlicher oder nicht eher grüner? Oder sind die Grünen regierungsfähiger geworden? Ist Herr Laschet akzeptabler als Frau Merkel?
Gut, dann also die SPD. Dann aber muss die FDP begründen, warum sie eine schwarz-grün-gelbe Regierung für schlecht hält, aber eine rot-schwarz-gelbe mit einem SPD-Bundeskanzler für gut.

Ernst-Günther Konrad | Sa, 11. September 2021 - 12:02

Da sind Sie nicht allein. Kaum einer hier im Forum, mich eingeschlossen, hat zu Beginn des " Wahlkampfes" nicht mal die ein oder andere Koalition zum Besten gegeben. Ich habe mich aber seit geraumer Zeit vom Blick in die Glaskugel verabschiedet. Mir ist es inzwischen egal, weil ich von keiner Koalition, wie auch immer ihr Farbenspiel aussehen mag, eine Besserung und Veränderung in Hinblick auf eine vernunftgesteuerte und ideologiefreie, nur dem gesunden Menschenverstand geschuldete Politik erwarte. Wer sollte das auch tun? Das Personal dafür fehlt, sieht man von ein paar wenigen Lichtern im Dunkel ab, die den Raum aber nicht erhellen. So wie Scholz sich nicht klar zu den Linken äußert, so macht das im Grunde auch die FDP. Am Ende werden die regieren, die sich ihrem Machtstreben zur Postenerlangung oder Posterhaltung unter Verrat ihrer eigenen Grundüberzeugungen und den Versprechen an die Wähler ergeben. Der BT soll bis auf 1000 Abgeordnete anwachsen. Da will jeder seinen Platz.

Das wird aber kuschlig eng lieber Herr Konrad;)! Noch `ne Discokugel, Laserlicht und die Party kann beginnen! Zutritt nur für G2-ler;)! Haben wir überhaupt so viele Beamte, Ex-Studierende mit und ohne Diplom, Titel, oder Anwälte um aufzustocken? Nicht das da soviel einfaches Nichtakademiker-Volk die heiligen Hallen bevölkert;). Und der Bundesadler guckt weiter stumm in der Runde um. Bald benötigt er dazu das Blickfeld bzw. den Hals einer Eule um die Übersicht zu wahren? Oder stapelt man übereinander? "Und was das wieder kostet!", höre ich meine immer sparsame Schwiegermama im Geiste bemerken. Doch Gemach, für Gold und Platz eins vor China fehlen uns nur noch ca. 2000 und ein BT-Anbau. Wir schaffen das! LG

Herr Konrad - Chapeau - schließe mich ihrer Gedankenrichtung an. Egal wer mit wem, die Weichen sind schon lange gestellt. Zumal neue Kapitäne erst einmal ausgebildet & ihre Weisheit auf dem Weg des Lebens bearbeitet werden muss.
Kommt Zeit, kommt Rat sagte immer meine Großmutter. MfG

ursula keuck | Sa, 11. September 2021 - 13:09

In meinem Bekanntenkreis (und nicht nur dort) haben viele, den von der Bundeszentale für politische Bildung bereitgestellten "Wahl – O – Mat" angeklickt und die Fragen beantwortet.
Das Ergebnis fiel eindeutig zu Gunsten der AFD aus, welche den Vorstellungen der Nutzer am nächsten kam.
Das schlimme an Deutschland und seinen Medien ist, dass die Bevölkerung immer wieder im Unterbewusstsein manipuliert wird.

tauchen in Foren wie diesem Schreiber auf, die im Familienkreis, unter Freunden und Bekannten ausschliesslich AfD-Wähler entdecken.

Was sagt uns das? Wahrscheinlich hält sich der-/diejenige nur noch in Polit-Blasen mit Einheitsmeinung auf? Oder er/sie rundet sehr großzügig auf.

Andererseits würde die AfD garantiert nicht bei 12% herumkrebsen.

Und weil die Welt nicht so ist, wie sie gefälligst sein sollte, gibt es auch noch die passende Erklärung gratis dazu: Die Medien haben das Unterbewusstsein der Wähler manipuliert!

Toll. Freud hätte seine Freude an solchen Foristinnen.

Bernd Muhlack | Sa, 11. September 2021 - 17:04

"BLITZ!"
"Das kann nicht sein!" sagte der "Rotlicht-Mandant".
Okay, solange die Rechtsschutz-Vsg zahlt...

"Lieber keine Ampel, als eine schlechte Ampel"
sagten sinngemäß in 2017 Lindner, Kubicki, Teuteberg, Suding et Co.
Und das war mMn vollkommen richtig so!
Leider sind die beiden letztgenannten Damen der FDP irgendwie abhanden gekommen - schade.

2021
=> neues Spiel, neues Glück!
Faites vos jeux!
"Rien ne va plus" kommt irgendwann während der ewigen Koalitionsverhandlungen.

Übrigens werden WIR bis zu diesem St.-Nimmerleins-Tag weiterhin von den Alternativlosen fürsorglich behandelt werden; die Flasche "Rotbäckchen konservativ" kostet aktuell 3,49 €.

Es geht um D und Europa, nicht um Ideologien und Selbstversorgung/-absicherung, nicht wahr?

Nein, dieser Wahlkampf wurde nicht so derb wie ich es befürchtete, wiederholend gepostet.
Eigentlich schade - denn nur so werden "Teppiche gelüftet"?!

Ich war noch nie, bin nicht ängstlich.
Aber dieser Scholz ist mir sehr suspekt!

GLÜCKAUF!

Rob Schuberth | Sa, 11. September 2021 - 18:46

Warum sollte die FDP sich jetzt festlegen?

Weil Sie es für angebracht halten?
Wohl kaum.
Es sei denn Sie möchten für die Liberalen noch ein wenig mehr Schaden anrichten, als es Ihre MSM-Kollegen schon getan haben.

Es gilt der alte Satz:
Wer sich im Vorfeld festlegt der ist hinterher immer der Gekniffene, denn er verliert ja jede Option wenn sich neue, vom Wähler kreierte, Möglichkeiten ergeben sollten.

Mir ist schon klar, dass Journalisten gerne im Nebel stochern. Sie müssen ja Zeilen produzieren.
Aber bitte nicht so einen Unsinn.

Gerhard Lenz | Sa, 11. September 2021 - 19:10

Warum sollte die FDP einer Ampel eine Absage erteilen?

Die FDP hat im Grunde nur zwei Politikziele:

1. Das Zurückfahren des Staates, koste es was es wolle,
2. Steuersenkungen, Steuersenkungen, Steuersenkungen!

Das soll erreicht werden durch eine exzessiven Marktfetischismus, der behauptet, der Staat könne nicht wirtschaften, aber alles, was die Privatwirtschaft angreift, funktioniere garantiert und wie von selbst.

Als wenn es niemals eine Bankenkrise, etliche Konkurse, einen völlig desolaten Immobilienmarkt, privatwirtschaftliche Schlawiner en mass und immer größere soziale Verwerfungen gab bzw. gibt.

Wie kann die FDP das erreichen? Indem Herr Lindner mit der ständig gleichen Message, die irgendwann niemand mehr hören will, durch die Talk-Shows tingelt?

Kaum. Selbstverständlich wird sich die FDP an einer Ampel beteiligen, die Grünen sind doch relativ zahm geworden.
Und wer mit der Union kann (wie in Hessen oder BW), der kann zur Not auch mit der FDP.

Ist ja keine AfD.

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