Christian Dürr
Schafft er die Wende? FDP-Bundesvorsitzender Christian Dürr / picture alliance / Eventpress / Jeremy Knowles

Neuerfindung der Liberalen - Die „radikale Mitte“ setzt keine Hoffnung mehr in die FDP

Nach ihrem Rauswurf aus dem Bundestag versuchen sich die Liberalen an einer Erneuerung. Doch die fällt so verdruckst aus, dass man lieber nicht dabei sein will. Wenn die FDP eine „Partei der radikalen Mitte“ sein möchte, muss sie mehr Kettensäge wagen.

Alexander Marguier

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Alexander Marguier ist Chefredakteur von Cicero.

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Immerhin einen Slogan gibt es neuerdings: Die FDP wolle die „Partei der radikalen Mitte“ sein. Und zwar „mit einem konsequent marktwirtschaftlichen Kurs und echter Reformpolitik“. So verkündete es unlängst Christian Dürr, der Nachfolger von Christian Lindner im Amt des Parteivorsitzenden. In einem Instagram-Video sieht man den 48-Jährigen im auberginefarbenen Pullover vor einer Gartenhecke stehend Sätze wie diesen sagen.

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Jens Böhme | Fr., 19. September 2025 - 18:12

Als die FDP 2013 bis 2017 erfolgreich die Wunden geleckt hat und in den Bundestag glorreich zurückkam, hat sie ihre Chance nicht genutzt - siehe den Sondierungsgespräche-Eiertanz 2017 mit Merkel-CDU und Grünen - und 2021 sich den Todesstoß mit der linken Regierung versetzt. Eine zweite Chance bekommt die FDP nicht. Irgendwann und irgendwer ersetzt diese durch eine zeitgemäßere Partei.

Stefan | Fr., 19. September 2025 - 18:50

... den bestraft das Leben.
Sie hatten auf's falsche Pferd gesetzt und zu spät reagiert, sowie den ganzen Unfug der Ampel mit abgesegnet.
Aber vielleicht braucht die AfD ja auch noch mal irgendwann ein Zünglein an der Waage, wenn sich die FDP bis dahin über die 5% Marke gequält hat. 😉

Die FDP ist eine im sterben liegende Partei. Auch deshalb kann ich mir bei aller Fantasie nicht vorstellen, das diese Truppe, die alles in der Fortschrittskoalition mit getragen hat, wieder die 5% Hürde überspringen könnte. Die von der FDP und von wohl auch von Petry beackerten Themen des „Liberalismus“ locken keinen Hund mehr hinterm Ofen vor. Anders gesagt mit dem klassischen Liberalismus ist heute kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Heute steht die Frage der „Lager“. Links mit SPD grüner Sekte SED Erben und nun auch der Union. Rechts der Linken mit der AfD .als alleiniger „Platzhirsch“.
Dazwischen hat Merkel der „Alte Mitte“ den Gar ausgemacht. Dies Mitte existiert nicht mehr, sie ist abgeschafft.
Die einzige Frage für mich bleibt, zerreißt die CDU die selbst auferlegte Brandmauer? Wieviel % muß die AfD noch zulegen, bis es in der Union den großen Knall besser gesagt die Palastrevolution gibt ? Wenn ohne die AfD nichts mehr geht oder schon vorher ?
Mit freundlichen Grüßen a d Erf Rep.

Stefan | Fr., 19. September 2025 - 21:22

Die Brandmauer wird fallen, über kurz oder lang.
Lassen sie mir doch ein wenig Mitleid mit den "Liberalen".
Sie werden die 5% Hürde eh niemals mehr schaffen.
Egal welchen Namen sie dem Kind noch geben.

Urban Will | Sa., 20. September 2025 - 07:22

das weiß ich nicht, dass in den Reihen der AfD-Wähler viele hocken, die dem Etatismus frönen, dann ist das nur eine Seite.
Weidel fordert Steuersenkung und eine Verschlankung des Staates. Und: sie fordert eine klare Umkehrung bei der – und kein Begriff passte je besser - „Mutter aller Probleme“, der Migration. Denn vieles würde bereits besser laufen, hätten wir uns nicht Armeen von Glücksrittern ins Land gewunken, was unseren Sozialstaat zerstören wird. Hinzu noch die Gewalt, Kriminalität, etc. Die Zahlen sind eindeutig.
Dürr ist eine Luftpumpe. Der wird die FDP nicht retten.
Die „radikale Mitte“ ist da, das stimmt. Ich zähle mich dazu. Aber viele davon, immer mehr sogar, wählen nun Blau. Denn es gibt nur eine Person derzeit im Lande, die den Mut hat, den Milei-Weg zu gehen. Notfalls auch gegen die EU oder gar mit einem Austritt. Denn diese EU ist marode und korrupt.
Alice Weidel.
Diesen Mut und dieses Durchhaltevermögen hat sonst niemand. Er gehörte längst belohnt. Sie muss regieren.

Axel Gerold | Sa., 20. September 2025 - 07:35

Karl Popper vereinfachte einmal die Lehre von den Regierungsformen auf radikale Weise: es gäbe nur zwei Regierungssysteme, eines, bei dem man die Regierung leicht los wird und eines, bei dem das sehr schwer ist. In einer Demokratie, die augenscheinlich dem aristotelischen Verdikt anheimfällt, dass eine Mehrheit von Tranferleistungsempfängern eine Minderheit von Leistungsträgern ausbeutet, kann man zu dem Schluss kommen, dass es nur zwei Arten von Bürgern, alias Wählern gibt: die, die unter dem Strich mehr rausholen, als sie einzahlen, und die, bei denen es umgekehrt ist. Der Einfachheit halber könnte man erstere als links und letztere als rechts bezeichnen. Die libertäre „Anfangs-AfD“ wurde sofort als rechtsextrem geframt, weil die Linken das Gefährdungspotenzial blitzschnell erkannten. Inzwischen ist die AfD eine Sozialismus-Variante. Die Frage, ob die Nazis Linke oder Rechte waren, ist beileibe nicht ausdiskutiert! Der Kampf um die Begriffe und deren Image wird hart werden! Afuera!

Karl-Heinz Weiß | Sa., 20. September 2025 - 11:06

Antwort auf von Axel Gerold

@Axel Gerold, gute Überlegungen. Kennedy fasste einst sein Staatsverständnis noch kürzer als Karl Popper zusammen: "Frage nicht, was der Staat für dich tun kann, sondern frage dich, was du für den Staat tun kannst".

Dorothee Sehrt-Irrek | Sa., 20. September 2025 - 10:38

mit Regine Hildebrandt eine ganz große Sozialdemokratin im Osten und für die gesamte Bundesrepublik, dennoch braucht es sowohl für die SPD, wie für die FDP m.E. "Schützenhilfe" aus dem Westen, denn weder die FDP, noch die SPD konnten in der DDR ein politisches Profil aufbauen.
In der Wendezeit waren sie zudem auch die evtl. ungeliebten "Regulatoren".
Gestandene Christdemokraten, wie Herr Haseloff oder Frau Lieberknecht waren hingegen eventuell in der DDR durch die Kirche geschützt, nicht die "Staatskirche", sondern die lebendige Kirche.
"Schützenhilfe" ist der einzige "martialische" Ausdruck, den ich für SPD und FDP hören möchte, denn mit FDP verbinde ich Freiheit und Ausgeglichenheit, mit der SPD soziale Demokratie und entsprechend sozialen, aber auch internationalen Frieden.
Ich befürchte, dass Herr Kemmerich keine "Schützenhilfe" aus dem Westen bekam und dass die SPD bundesweit in Bedrängnis ist.
Die FDP sollte wieder in den Bundestag kommen, aber ohne sich zu verbiegen...

Ernst-Günther Konrad | Sa., 20. September 2025 - 10:54

„Man will lieber nicht dabei sein.“ Warum? Weil der Niedergang unausweichlich bevorsteht. 3-4% dauerhaft bei den Umfragen, da geht nichts mehr. Und daran sind sie selber schuld. Was höre ikch zu Kirk und der Debatte um dessen Person und dem Umgang der linken Medien? Wo wird öffentlich bekannt, lautstark erklärt, dass die Ampel im Nachhinein ein Fehler war und man sich wirklich wieder urliberaler Themen widmet und vor allem die Brandmauer nicht länger entlang läuft, sondern die Türen der AFD in der Mauer endlich aufstößt und vernünftige Politik macht. Ich könnte mir gut vorstellen, das ehemals liberale Wähler dann von der AFD zur FDP oder von anderen Parteien zurückkehren. Aber das ist nur eine schwache Chance. Eigentlich hat die FDP bewiesen, man braucht sie nicht mehr. Schade insofern, als das dort in der Partei der ein oder andere Politiker ist, den man gebrauchen könnte. Aber gut. Selbstgewähltes Schicksal.

Markus Michaelis | Sa., 20. September 2025 - 11:32

Es geht auch nicht nur um Links-Rechts und was wir unter Links und Rechts verstehen hat sich auch sehr bis radikal geändert über die Jahre. Es wäre auch weltfremd anzunehmen, dass wir jetzt eingebettet sind in EU, die Welt, Zuwanderung, aber alles richtet sich auf ewig nach unseren "alt-biodeutschen" Einteilungen in Links und Rechts.

Es ist richtig, dass vielen Bürgern der "Mitte" die Moral der jetzigen Links-Grünen aufstößt. Aber es gibt einige andere Gegensätze, auch Millionen, die sich nichts anderes als diese Moral vorstellen können, in der EU, Welt, unter Zuwanderern wird oft nochmal ganz anders gedacht.

Alle Parteien versuchen im Moment vorzugeben, dass sie alleine vernünftig wären, die anderen objektiv falsch lägen, und mit ihnen könne alles bleiben, wie es ist (worunter aber jeder etwas anderes versteht).

Ich glaube, wir sollten mehr akzeptieren, dass wir sehr verschiedene Dinge wollen und sehen und einiges mehr gegensätzlich "ausraufen" sollten.

Volker Huber | Sa., 20. September 2025 - 19:16

wird es nicht liegen, dass die FDP nicht mehr auf die (parlamentarischen) Beine kommt. Schon immer war es Stärke und Schwäche der Liberalen, Funktionspartei zu sein, bei Wahlen mehr Wähler aktivieren zu können als tatsächlich Anhänger zur Verfügung stehen. Als Königsmacher in einem Drei-Parteien-System hat das funktioniert. In dem jetzigen Vielparteiensystem offenkundig nicht mehr. Eine wichtige Wegmarke wird die Landtagswahl in Baden-Württemberg im kommenden Jahr sein. Wenn die FDP auch hier aus dem Parlament gewählt wird, dürfte es um die Partei geschehen sein.

S. Kaiser | So., 21. September 2025 - 08:25

Man muss sich schon fragen, warum immer noch so viel Tinte für die FDP verschwendet wird. Diese Partei ist durch. Die FDP hat nämlich ein großes Problem, dass die anderen Etablierten nicht haben: sehr kritische Wähler. Denn: „FDP-Wähler sind nämlich grundsätzlich sehr leistungs- und erfolgsorientiert“. Richtig. Und was machen solche Wähler? Sie beäugen kritisch, was die von ihnen gewählte Partei so treibt, und ob das in ihrem Sinne ist. De facto gleicht die Sicht auf die sie vertretenden Politiker der eines Vorgesetzten auf den Mitarbeiter. Versagt dieser, wird er abberufen.
Der Markenkern der FDP ist futsch, und sie wird langfristig keine Wähler zurückholen. Im Grunde war es Lindner, der die FDP bereits 2017 aus der Versenkung holte, und sie 2021 sehr gut bei den Jungwählern positionierte – analog zu Krah und Reichinnek für deren Parteien, nur dezenter, eben bürgerlicher. In Regierungsverantwortung lag ihre Chance, aber sie hat vollkommen versagt. Und jetzt ist sie eben weg …

Davon abgesehen, dass dies eigentlich die Aufgabe bzw. der Part eines jeden verantwortlichen Wählers/in sein sollte, ein wichtiger Aspekt den Sie da ansprechen geehrte(r) Frau oder Herr Kaiser! Doch Leistung/Erfolgsbilanzen sind das eine, jedoch gehörte für mich als liberal-konservativ ausgerichtete Ex-FDP-Wählerin auch eine wenn Sie so wollen ethische bzw. identitätsstiftende Komponente dazu. Besser gesagt war u.a. ein Auslöser um mich von der Partei abzuwenden, als diese in RegierungsMITverantwortung eine Frau Fäser schalten und walten ließ wie diese wollte und was ich mir im Westen sozialisiert nie vorstellen konnte!, sogenannte Petzportale zur Denunziation von Mitbürgern zuließ! Der für mich persönlich größte sowie unentschuldbarste Lapsus, den eine liberale, der Freiheit verpflichtete Partei machen konnte! Da hilft auch nicht, dass die anderen Parteien kein Stück besser sind wenn es darum geht diese gegen Angriffe von innen und außen zu verteidigen! MfG

S Rusvay | So., 21. September 2025 - 10:27

... aber die Alternativen sind nach wie vor (für mich) noch schwerer zu ertragen. Die Extremisten AfD, Linke, BSW und auch - "in weiten Teilen" die Grünen, ja sogar die SPD - unwählbar. CDU? Hat mit ihrem Opportunismus ("Nimmt die Farbe des jeweiligen Koalitionspartners an") die Situation/das Erstarken der Radikalen begünstigt, z. T. schuldhaft verursacht - auch keine gute Idee.
Von daher bekenne ich mich dazu, zu versuchen, zur Rettung der FDP beizutragen, so lange ich - im Gegensatz zu den Schwarzsehern hier - noch eine Chance sehe. Oder bis Ulf Poschardt, der mehr oder weniger das vorlebt, was der Autor der FDP nahelegt, mit Christian Lindner eine neue liberale Partei gründet (Vorschlag für Projektname: FFA = Ferraris für alle ;-)

Bernhard Marquardt | So., 21. September 2025 - 10:40

Das eigentliche Drama ist nicht der wohlverdiente Vertrauensverlust der FDP bei ihrer Wählerschaft.
Schlimm und auf absehbare Zeit kaum reparabel ist, dass die FDP-Führung zweimal mit ihrem Verrat an nahezu allen liberalen Prinzipien den ideologischen Grundlagen des Liberalismus so gründlich geschadet hat, dass „liberal“ inzwischen völlig desavouiert, fast zum Schimpfwort verkommen ist.
Die Wähler assoziieren den Begriff „liberal“ mit dem offenkundigen Missbrauch durch die FDP. Diesen Makel wird die FDP nicht mehr los, Ausreden und nachträgliche Schuldbekenntnisse hin oder her.
Bleibt Anhängern des liberalen Gedankenguts nur die vage Hoffnung auf eine Neubelebung durch eine Organisation, die keinesfalls den Namen der selbst-verbrannten FDP tragen kann.
"Wenn Du entdeckst, dass Dein Pferd tot ist, steig ab!" - Herr Dürr.

Sebastian Niemeyer | So., 21. September 2025 - 11:15

So Done!