SPD-Vorsitzende Bärbel Bas
SPD-Vorsitzende Bärbel Bas / picture alliance / Andreas Gora | Andreas Gora

Ex-SPD-Bundestagsabgeordneter spricht Klartext - „Manchmal hat das fast einen sektenhaften Charakter“

Joe Weingarten saß sechs Jahre für die SPD im Bundestag. Im Interview zeichnet er ein alarmierendes Bild der deutschen Sozialdemokratie. Die habe nicht nur den Kontakt zur wirtschaftlichen Realität verloren – sondern auch zu vielen Lebensrealitäten im Land.

Clemens Traub

Autoreninfo

Clemens Traub ist Cicero-Redakteur. Zuletzt erschien von ihm das Buch „Future For Fridays?“ im Quadriga-Verlag (Bastei Lübbe).

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Joe Weingarten ist ein deutscher Politiker der SPD und promovierter Verwaltungswissenschaftler. Von 2019 bis 2025 war er Mitglied des Deutschen Bundestages und gehörte dort dem Verteidigungsausschuss sowie als stellvertretendes Mitglied dem Ausschuss für Wirtschaft und Energie an. Innerhalb der SPD-Bundestagsfraktion gehörte er dem Seeheimer Kreis an, dem pragmatischen Flügel der Partei. Der frühere SPD-Fraktionsvorsitzende Rolf Mützenich bezeichnete ihn als „Kärrner“ der Fraktion und würdigte damit seine verlässliche und sachorientierte Arbeit.

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Rainer Mrochen | Mi., 20. Mai 2026 - 18:46

Nehmen wir folgende Frage des Gesprächsführenden:"Wie haben Sie es als Sozialdemokrat wahrgenommen, dass Friedrich Merz beim DGB-Kongress ausgepfiffen wurde?" Die Antwort zeigt nur eines: nämlich die Weltfremdheit dieses SPD-Apparatschicks der keinesfalls die Wahrnehmungsweise der Gesellschaft auf die desaströse Politik der SPD wahrnehmen will. Er verteidigt blind. Wenn im Rest des Interviews durchaus positive Ansätze zu erkennen sind, dann nur deswegen, weil sich tatsächliche Probleme einfach nicht mehr leugnen lassen. Es ist einfach feige einer Parteidisziplin zu folgen, die den Untergang des Landes, ideologisch, förmlich herbeisehnt. Das wird nichts. Für mich klingt das Interview eher nach einem Rückzugsgefecht getreu dem Motto: "Ich hab`s ja frühzeitig gesagt und bin unschuldig." Diese durch und durch total verlogene SPD gehört komplett abserviert. Wird leider nicht passieren. CDU Granden, die mit linksgrün schlafen, werden schon unterstützend wirken. Einfach abscheulich.

„Genauso falsch wie es falsch war, dass Bärbel Bas bei den Arbeitgebern ausgelacht wurde.“

Herr Weingarten zieht hier einen unziemlichen Vergleich. Die Arbeitgeber haben Frau Bas spontan ausgelacht, schlicht weil sie eine einfache ökonomische Tatsache nicht begriff, daß nämlich Steuerzahler und Beitragszahler keine sich ausschließenden Kategorien sind. Wenn ein Universitätspräsident, der, sagen wir, Germanist ist, auf einem Mathematikerkongreß an seiner Universität eine Begrüßungsansprache halten würde und im Brustton der Überzeugung bekundete: „Wir müssen es in aller Klarheit sagen: Ungerade Zahlen sind Primzahlen“, würde auch ein Raunen durch den Saal gehen und er möglicherweise ausgelacht werden. Bei Friedrich Merz auf dem DGB-Kongreß dagegen war es ein organisierter Protest, der offensichtliche Wahrheiten, wie sie dem Bundeskanzler gelegentlich entweichen, wegbuhen wollte. Die beiden Dinge sind daher sehr unterschiedlich.

Rainer Mrochen | Mi., 20. Mai 2026 - 20:36

Antwort auf von Thomas Hechinger

Wo ist letztlich der Unterschied? Für mich geht es nur um die inhaltliche Bestimmung der SPD und ihrer Vertreter, sowie ihrer CDU Gefolgschaft.
Die Einen lachen, die Anderen organisieren Protest. Kommt letztlich auf das Gleiche raus. Nämlich absolute Unzufriedenheit mit der Regierungspolitik bei gleichzeitiger totaler Ignoranz gegenüber dem Souverän. Wer ist dieser eigentlich noch? Die Auftritte der Ex-Kanzlerin Merkel (Eu) derzeit, die Lobhudelei und "Kranzbehängung" der Vergangenheit zeigen den Weg.
Wenn ausgelacht wird, ohne Konsequenzen (seitens der Industrie ) und scheinheiliger Protest der praktizierten Sozialpartnerschaft normativ sein sollen, dann ist das der Weg dieses Landes >>in den Abgrund. Ich will kein unbedingter Pessimist sein aber das was politisch derzeit abläuft kann nur noch unter Chaos verbucht werden.

Maria Arenz | Mi., 20. Mai 2026 - 20:03

nur Ausbildung, Bildung und Berufsslaufbahn der in der SPD maßgebichen "Persönlichkeiten" an und man versteht , wie tief, breit und damit praktisch unlösbar das Problem ist. Inkasso-Lars und Bullshit -Bärbel sidn ja nicht vom Himmel gefallen sondern von einer ordentlich einberufenen Mitgliederversammlung gewählt worden.

Thomas Hechinger | Mi., 20. Mai 2026 - 20:21

Antwort auf von Maria Arenz

Sie schildern ein grundsätzliches Problem: die Rekrutierung des Personals der Parteien. Von dem geschilderten Problem waren früher vor allem die linken Parteien SPD, GRÜNE und LINKE betroffen, derweil hat es sich tief in die Unionsparteien vorgefressen und nagt inzwischen auch schon an der AfD (zum Beispiel Markus Frohnmaier in Baden-Württemberg). Dort findet man aber immer noch die meisten Politiker, die mit beiden Beinen im Leben stehen und aus dem Berufsleben kommen.

Urban Will | Mi., 20. Mai 2026 - 21:57

warum die Sozen untergehen. Das pfeift doch kein Spatz mehr vom Dach.
Warum, Herr Traub, haben Sie die letzte Frage nicht ganz zu Beginn gestellt? Vielleicht hätte Dr. Joe die gleiche Antwort gegeben und dann hätte man mal schön ausarbeiten können, wie eine Ablöse der beiden Katastrophen an der Parteispitze ablaufen könnte. Dr. Joe hätte doch mal ganz konkret sagen können: mit denen nicht mehr. Keinen Tag länger. Jetzt muss es so und so laufen. Er kenne den und den, die würden sofort übernehmen und diese und jene Politik machen. So und so könne die SPD wieder das werden, was sie mal war.
Das wäre mal ein Interview, das eingeschlagen hätte.
Dieses hier aber ist so spannend wie der Rosenkranz.
Und morgen holen Sie einen von der Union und der redet den gleichen Sermon über Merz, die Partei, die falsche Politik, Blablabla. Und das Land geht weiter den Bach runter.
Man könnte verzweifeln.
Gut, dass es NIUS und Reichelt gibt. Die machen wenigstens Dampf.

Ingo Frank | Mi., 20. Mai 2026 - 22:25

Dieser Slogan von Union & SPD heißt doch nichts anderes, ihr, das Volk, seit zu blöde, besser zu dämlich, unsere politischen Segnungen, die wir euch zubilligen, zu verstehen …..
Das solch eine Einschätzung der politischen Kräfte von Union über SPD, Grünen, den SED Erben, von keinerlei Selbstreflektion zeugen, ist mehr als offensichtlich und findet sich eben in den Umfragen wieder, die durchaus das Zeug haben, zur Realität zu werden.
Wen bitte, wundert das Wirklich noch ?
Doch nur noch dem „harten Kern“, die das goldene Parteiabzeichen für 50- jährige Mitgliedschaft tragen, des ideologisiertem o.g. System der so genannten etablierten Parteien angehören, inkl. des dahinter stehenden Propagandaapparates, dessen Anhängerschaft insgesamt wochenweise schwindet.
Mit besten Grüßen aus der Erfurter Republik

Gisela Hachenberg | Mi., 20. Mai 2026 - 23:06

Immer und immer wieder „wir müssen dies, und wir müssen jenes tun…“. „Wir müssen die AfD inhaltlich stellen, damit sie sagen kann, wie sie Probleme lösen will… usw. und so fort! Wie soll sie das sagen, wenn sie überall ausgeschlossen wird? Wie soll sie dies oder jenes beweisen, wenn sie keine Gelegenheit dazu bekommt? Meine Güte, wie oft haben wir das gehört, und wie oft werden wir uns das noch anhören oder hier lesen müssen? Ja, toll, Herr Weingarten meckert zwar über dieses oder jenes, was seine Partei nicht falsch, sondern nicht richtig macht. Aber er ist stolz, in dieser 12 % Prozent Loser/Absteiger Partei zu sein. Nach der Schlagzeile hatte ich etwas anderes erwartet. Müde gefragt, noch müder geantwortet. Herr Weingarten war, ist und bleibt ein strammer Parteisoldat! Nix anderes !

Lisa W. | Mi., 20. Mai 2026 - 23:10

Und dieser uneinsichtigen, sträflich dummen und letztlich skrupellosen SPD-Politikerkaste unterwirft sich Merz und verrät sich ein ums andere Mal selbst. Uns Bürger ohnehin. Man mag vor lauter Fremdschämen gar nicht mehr hinschauen und zuhören, wie sich dieser Mensch inzwischen tagtäglich blamiert und runtermacht, nur um sich noch 3 weitere Tage Kanzler nennen zu dürfen. Er und die gesamte CDU/CSU schauen zu und lassen es zu, wie solch dumme und bösartig agierende Menschen in der SPD-Spitze unser Land völlig ideologisiert und borniert in den Ruin treiben. Diesem ganzen linken Sumpf, ob rot, röter, grün oder schwärzlich schillernd wünsche ich nur noch den Untergang, mindestens an der Wahlurne. Das Land ist fertig, die Bürger sind am Ende - und Bas ist stolz auf ihre Blockaden, und Klingbeil braucht keine Zahlen, um zu wissen, dass die Energiewende ein voller Erfolg ist. So oder ähnlich hat er es heute verkündet. Und dennoch ist Herr Weingarten gerne in dieser abgewirtschafteten Partei?

soistes | Do., 21. Mai 2026 - 06:03

wenn interessiert es wie diese Organisation aktuell gelistet ist? Die 4,9 % kommen näher. Zurecht.

Viele Wissen was aktuell die nächsten Jahre auf uns zu kommt & was zu machen ist.

Über das Machen einfach ins TUN kommen!

Wann hört die Kollektive & Kognitive Denkstörung endlich in der Bevölkerung auf.

Ärmel raufkrempeln & weiter geht es.

Die es nicht verstehen wollen, können gerne beim Internationalen Bergziegenclub eine Mitgliedschaft abschließen oder Ihre Klappe halten. Es langt jetzt echt.

Dieses Gejammere geht mir sowas auf den Sack!

Ingo Frank | Do., 21. Mai 2026 - 07:48

Antwort auf von soistes

Dann versuchen Sie mal eine längere Wochenarbeitszeit z.B auf 8 3/4 Std./ Woche, die Abschaffung der Karenztage, Urlaubsreduzierung auf maximal 25 Tage und Abschaffung 1/3 der Feiertage nur im Ansatz zu diskkutieren ……Was dann passiert ? Da kriegen sich die S- Trockenen gegen Rechts gar nicht mehr ein,😂😂😂
MfG a d Erfurter Rep.

Angelika Sehnert | Do., 21. Mai 2026 - 07:43

Das ganze Elend der Listenparteien- Demokratie wurde in einem Nebensatz deutlich: „…ich wurde bei Listenaufstellungen auch abgestraft“. Durch das Instrument Listenplatzvergabe reproduziert sich eine Kaste selbst-ähnlich wie einst der römische Senat. Gewählt werden nur diejenigen, die geschmeidig die Parteilinie vertreten, die Zeit und Ressourcen haben pausenlos in eigener Sache zu agieren und gern auch zu intrigieren. Unternehmer und selbständige Handwerker fallen da schon mal raus.Die Gremienstruktur-und Arbeit der Parteien sind von einer solch zeitraubenden Trägheit, einer quälenden Langatmigkeit und Redundanz , dass Menschen, die gewohnt sind ziel- und ergebnisorientiert zu arbeiten, abgeschreckt werden.Ich glaube mittlerweile übrigens,das genau das Absicht ist.Man will unter sich bleiben.
Es ist ein offenes Geheimnis, dass Abgeordnete einen wesentlichen Teil ihrer Arbeitszeit für Parteiarbeit aufwenden-was eigentlich nicht sein soll-um ihre Positionen innerparteilich zu sichern.

Durch die Vorgängerregierung durch Schwächung des Direktmandats stärker gemacht. Hörige Parteisoldaten sind besser zu steuern als Gewinner von Direktmandaten. Dieses Prinzip reißt eine Demokratie in den Abgrund.

S. Kaiser | Do., 21. Mai 2026 - 10:39

in der Tat.
Hätten die maßgeblichen Funktionäre in der Partei seine Attitüde, würde es ihr nicht so schlecht gehen.
Einige seiner kritischen Aussagen wurden hier im Forum bereits diskutiert.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der betitelte sektenhaften Charakter. Die SPD scheint durch die Selbstrekrutierung und das Verharren in ihrer Blase unter „illusionärem Wahrheitseffekt“ zu leiden: Was man oft hört, fühlt sich vertraut an, und Vertrautheit wird unbewusst mit Wahrheit gleichgesetzt. Anders ist die hanebüchene Aussage von Bas, in der sie Migration in die Sozialsysteme bestreitet, nicht zu erklären. Augenscheinlicher kann Realitätsverlust nicht sein.
I.Ü., wenn sich viele daran orientieren, wie sie in den Medien vorkommen, zeigt es auch, wie wichtig neue Medien wie Nius und Apollo sind, so „krawallig“ sie auch wahrgenommen werden. Dadurch, dass sie Gegenpositionen aufzeigen, balancieren sie die veröffentlichte Meinung aus. Breiter Diskurs und Offenheit sind der Schlüssel zum Erfolg.

Klaus Funke | Do., 21. Mai 2026 - 10:44

Eine dickleibige, selbstgerechte Dame mit dem bescheidenen Horizont. Sieht so ein politischer Führer/Führerin aus? Wann wacht die SPD auf? Ja, eine Sekte ist sie geworden. Ich weiß nicht, was Helmut Schmidt sagen würde, käme er zurück und sähe das ganze Elend seiner einst stolzen Partei. Nein, sie soll weg und sich an Haupt und Gliedern zu erneuern. Tut sie es nicht, wird sie von der Geschichte einfach entsorgt. Und was bleibt dann von der ältesten Partei Deutschlands? Ein paar ungebildete Antifa-Kämpfer, die nur noch den eigenen Tellerrand erkennen können. Was für ein Jammer.