Foto: Rauchwolke zieht über eine Siedlung, im Hintergrund brennt ein Wald.
Der Waldbrand zieht über den Ortsteil Gey / picture alliance/dpa | Federico Gambarini

Evakuierung von Eifel-Ort - Waldbrand bedroht Hürtgenwald

Ein Waldbrand in Nordrhein-Westfalen rückt immer näher an den Eifel-Ort Hürtgenwald heran. Gut 1800 Menschen müssen ihre Häuser verlassen, der Krisenstab ist einberufen. Experte: Deutschland bei Waldbränden nur bedingt vorbereitet.

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Ein großer Waldbrand bedroht die Gemeinde Hürtgenwald im nordrhein-westfälischen Kreis Düren. Rund 300 Hektar Wald stehen am Morgen in Flammen. Der Brand hatte sich seit Donnerstagnachmittag ausgebreitet. Am frühen Morgen wurde der Ortsteil Gey mit gut 1800 Einwohnern evakuiert. 

Die bekannten Fakten im Überblick: 

•    Evakuierung in Gey: Kurz vor 4.00 Uhr entschied die Feuerwehr, den Ortsteil Gey zu evakuieren. Zuvor hatte sich nach Polizeiangaben der Wind gedreht. Gegen 8.00 Uhr teilte der Kreis Düren mit, dass die Evakuierung abgeschlossen sei. Es habe keine Zwischenfälle gegeben. Die Menschen seien alle sehr verständig gewesen, sagte Bürgermeister Stephan Cranen (parteilos). Pflegebedürftige Menschen seien abgeholt worden. 
•    Ortsteil Großhau: Der benachbarte Ortsteil Großhau wurde zunächst nicht evakuiert. Bürgermeister Cranen sagte, das werde hoffentlich nicht nötig sein. Die Lage ist nach Einschätzung der Behörden allerdings dynamisch.
•    Krisenstab: Wegen der sich zuspitzenden Lage ist der Krisenstab des Kreises Düren einberufen worden. Er soll die aktuelle Lage bewerten und das weitere Vorgehen besprechen.
•    Brandfläche: Rund 300 Hektar Wald sind betroffen – das entspricht etwa 420 Fußballfeldern. Die Gemeinde spricht von einer „Großschadenslage“. 
•    Löscharbeiten: Zahlreiche Feuerwehrleute kämpfen seit Donnerstagnachmittag gegen die Flammen. Am Morgen seien mehr als 200 Einsatzkräfte vor Ort, teilte der Kreis Düren mit. Die Bundeswehr, Forst- und Landwirte unterstützen.
•    Hubschrauber: Nach Angaben des Innenministeriums von Nordrhein-Westfalen sind aktuell schon fünf Hubschrauber eingebunden. Dabei handele es sich im Detail um einen Hubschrauber der NRW-Polizei, einen Hubschrauber der Bundespolizei sowie drei Hubschrauber aus Rheinland-Pfalz und Hessen, sagte eine Sprecherin des NRW-Innenministeriums der dpa. Sie tanken Wasser in einem großen Becken oder den umliegenden Talsperren. Außerdem würden Wasserwerfer der Polizei für einen möglichen Einsatz bei dem Waldbrand vorbereitet.
•    Munitionsbelastung: Das Gelände um Hürtgenwald ist durch Weltkriegsmunition belastet. In der Nacht ging Munition hoch, Explosionen waren zu hören. Der Hürtgenwald war 1944 und 1945 Schauplatz schwerer Kämpfe zwischen deutschen und amerikanischen Truppen. Bis heute werden in der Region Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden.
•    Wind: Auch die wechselnden, teils starken Winde erschwerten in der Nacht den Einsatz, wie Landrat Ralf Nolten (CDU) sagte. Am Freitagmorgen waren auch Panzer und Forstunternehmer vor Ort. Sie sollten Schneisen in dem dicht bewaldeten Gebiet legen, um die Ausbreitung des Feuers einzudämmen.

Die Ursache des Waldbrandes ist bislang nicht bekannt. Zunächst offen ist auch, wie sich das Feuer in den kommenden Stunden entwickelt und ob weitere Ortsteile oder Gemeinden evakuiert werden müssen. Bislang wurden keine Verletzten gemeldet.
Hürtgenwald liegt im Westen Nordrhein-Westfalens nahe der belgischen Grenze. In der gesamten Gemeinde leben knapp 9000 Menschen. Die Kreisstadt Düren mit rund 94.000 Einwohnern ist nur rund zehn Kilometer vom evakuierten Ortsteil Gey entfernt.

Deutschland nur bedingt auf größere Vegetationsbrände vorbereitet

Nach Einschätzung des Waldbrandexperten Ulrich Cimolino ist Deutschland nur bedingt auf größere Vegetationsbrände vorbereitet. Eine Stärke sei das flächendeckende Feuerwehrsystem. „Wir schaffen es, sehr viele Feuer klein zu halten, weil wir Feuerwehr in der Fläche haben“, sagt der Vorsitzende des Arbeitskreises Waldbrand im Deutschen Feuerwehrverband (DFV). 
Schwierig werde es bei dynamischen Lagen: Kämen etwa Wind als treibender Faktor und die Topographie zusammen, könnten Brände schnell eskalieren. Vegetationsbrände seien anders als andere Brände, dafür brauche es geschulte Einsatzkräfte. Defizite sieht der Experte vor allem bei der Ausbildung. Es gebe keine nennenswerten zentralen Aus- und Fortbildungsstätten, die Taktik und Technik weiterentwickelten. 

Deutschland verfüge grundsätzlich über ausreichend Luftunterstützung: Mehr als 70 geeignete Hubschrauber von Länderpolizeien, Bundespolizei und Bundeswehr stünden für unterschiedliche Aufgaben zur Verfügung. Problematisch seien jedoch teils langwierige Anforderungswege und unterschiedliche Verfahren zwischen den Bundesländern, so Cimolino, der auch Mitglied der Forest Fire Commission des CTIF ist. 

Bei schnell laufenden Bränden könne man aus der Luft mit feuerhemmenden Mitteln die Ausbreitung verzögern und das Feuer an möglichst bereits vorhandenen Stopplinien aufhalten, sagte Cimolino. „Das Feuer selbst wird immer am Boden gelöscht!“

Mit Blick auf den aktuellen Brand im Hürtgenwald verwies Cimolino auf die Vergangenheit der Region als Kampfgebiet im Zweiten Weltkrieg. „Die Munition wird nicht besser, wenn sie älter wird“, sagte er. Für Einsätze auf Munitionsverdachtsflächen brauche es unter anderem mehr geschützte beziehungsweise gepanzerte Fahrzeuge.

Quelle: dpa

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IH | Fr., 14. August 2026 - 11:59

Gerade erst wurde im WSJ eine Grafik veröffentlicht, in der deutlich wird, dass wir derzeit deutlich weniger Großbrände erleben als in den letzten Jahrzehnten

Ingo Frank | Fr., 14. August 2026 - 13:41

Außer Dienst von 16.00 bis 08.00 Uhr ? Wo das THW, DRK aus den anderen Kreisen von NRW?
Wo der überregionale Kriesenstab der die Fäden der Koordination in Händen hält ?
Nun ja. Wenn ein inszeniertes Katastrophen- Szenarium eines Brandes von einem ICE in einem der Thüringer Tunnel „grandios“ scheitert und der dafür verantwortliche Innenminister nur noch Floskeln stammelt, was erwartet man da noch von staatlicher Seite in punkto Sicherheit die ausnahmsweise mal nichts mit Messermördern zu tun hat……
Mit besten Grüßen a d Erfurter Republik