Titelseite der OAZ
Titelseite der ersten Ausgabe der OAZ / M. Brodkorb

Erste Ausgabe der „Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung“ - Der Ossi als Avantgarde

Die „Ostdeutsche Allgemeine“ (OAZ) will ein gesamtdeutsches Leitmedium werden: Der Osten soll dem Westen demokratisch auf die Sprünge helfen. Doch ist der „Ossi“ wirklich Transformationsweltmeister? Und kann ein neues Medium die Repräsentationslücke in einer kriselnden Demokratie schließen?

Porträt Mathias Brodkorb

Autoreninfo

Mathias Brodkorb ist Cicero-Autor und war Kultus- und Finanzminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Er gehört der SPD an.

So erreichen Sie Mathias Brodkorb:

Die Berliner Verleger Silke und Holger Friedrich kauften vor Jahren die Berliner Zeitung. Nun wollen sie mit der Ostdeutschen Allgemeinen (OAZ) nicht nur den ostdeutschen Medienmarkt aufmischen, sondern sie zu einem gesamtdeutschen „Leitmedium“ entwickeln. Der Ossi soll dem Wessi auf die Sprünge helfen.

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Olaf Klepel | So., 22. Februar 2026 - 20:57

Zwei Anmerkungen: 1. "Radikal ist nämlich auch der Strukturwandel in NRW..." das ist sicher richtig, nur vollzog sich aber das, was im Ruhrgebiet mehrere Jahre oder gar Jahrzehnte dauerte, im Osten zum Teil innerhalb weniger Monate, die Wucht war also eine ganz andere, insofern ist das nicht direkt miteinander vergleichbar.
2. Ostdeutsche ab ungefähr Jahrgang 1970 besitzen mittlerweile einen Erfahrungsvorsprung gegenüber Westdeutschen. Wie der Westen funktioniert, konnte man in den letzten 35 Jahren lernen, die Erfahrungen aus der Zeit davor kommen oben drauf. Und das sollte vielleicht auch in den Leitmedien stärker berücksichtigt werden. Somit ist das Projekt OAZ sehr zu begrüßen, mal sehen, wie es sich entwickelt...

Dorothee Sehrt-Irrek | So., 22. Februar 2026 - 22:22

Ich bin mir nicht sicher, dass Sie da richtig liegen, Herr Brodkorb, aber wenn man derartig an zumindest vielen Wählern vorbei, Politik glaubt machen zu können oder einfach nur unzureichend erklären kann oder auch das nicht will, ...
Es wird nicht einfach, denn "der" Ossi hat gut erkannt, was Demokratie bedeuten kann.
Freiheit?
Es wäre m.E. alles nicht nötig gewesen, andererseits hoffe ich, dass die Verleger wissen, was sie tun.
Gut gemeint reicht nicht immer aus.

IngoFrank | So., 22. Februar 2026 - 23:02

Ist völlig normal bei einem Anteil von rd. 1/4 an der deutschsprechenden Gesamtbevölkerung.
Das der Osten seit Gründung 49 eine ganz andere Entwicklung pol..& wirtschaftlich nach Vorbild der UdSSR nahm, dürfte ebenfalls klar sein mit einer grundsätzlichen Maxime, Aufbau des Sozialismus, eingemauert sei’s 61 beraubt jeglicher freiheitlichen Rechte insbesondere der Meinungs und Wahlfreiheit von den Segnungen der sozialistischen Planwirtschaft ganz zu schweigen,
Nach Zeiten des Mauerfalls und den Anpassungsjahren mit teils schmerzhaften Einschnitten ging’s wieder bergauf. Qualifikation & Beruf begannen langsam Früchte zu tragen.
Die Agenda 2010 brachte Deutschland wieder auf Spur.
Mit Banken- €- Griechenland- Krise Massenmigration, Atomausstieg, Irrsinns Klimapolitik, GEF, Schuldenaufnahme usw. wurde das Land von Union & SPD in den Abgrund gerissen und das mit der Unterstützung der etablierten Parteien mit deren 3/4 der Wohlstandsverwöhnten Anhöngerschaft
Wozu braucht’s eine OAZ ?
MfG

Markus Michaelis | Mo., 23. Februar 2026 - 01:58

Solche Aussagen klingen für mich oft so, als gäbe es so etwas wie den Willen des Wahlvolks, der von den etablierten Parteien missachtet wird.

Das größere Problem scheint mir, dass es zunehmend verschiedene Willen, Weltsichten, Ziele und Vorstellungen von Wegen dahin gibt. Inzwischen ist es eher so, dass jede Partei die Mehrheit des Wahlvolkes missachtet, weil es im Wahlvolk nur noch mit Schwierigkeiten Mehrheiten für irgendwas gibt. Die langen Listen, nach denen 74% für dies, 81% für das und 69% für oder gegen jenes sind, besagen nichts, weil das immer andere Gruppen sind und sich keine konsistente Politik daraus ergibt.

Mein Vorwurf an die etablierten Parteien wäre daher nicht zuerst, dass sie nicht das Wahlvolk vertreten, sondern dass sie vorgeben alternativlose Werte, die Demokratie, oft gar die Menschheit etc. zu vertreten. Das tun sie nicht. Was sie sagen vertritt viele Menschen - das gilt aber für anderen Gruppen auch. Zusammenpassen tut es oft nicht.

Nun, bei Ihren Beispielen 74% und 81% gibt es zwangsläufig einen großen Überlapp, schon rein rechnerisch.

Markus Michaelis | Mo., 23. Februar 2026 - 13:15

Antwort auf von Martin Müller

Wenn ich nur zwei Themen habe, gibt es bei 74 und 81% einen Überlapp. Politik besteht aus sehr vielen einzelnen Themen. Da kann der Überlapp schnell gegen Null gehen. Das ist auch mein Eindruck in persönlichen Gesprächen: ich kann mit allen Leuten relativ leicht Themen finden, die man gleich sieht, und Themen, bei denen man, auch mit viel Emotion, diametral entgegengesetzt liegt. Natürlich gibt es größere Lager, aber aus meiner Sicht keine mehr, die belastbar und entscheidungsfähig für die großen Entscheidungen, die anstehen, über 50% bekommen.

Da haben Sie ja vollkommen Recht Herr Michaelis.
Dennoch scheint mir der wesentlichste Aspekt dieser Diskussion unberücksichtigt. Es kommt einfach auf die „Wichtung“ an. Davon lebte doch in der Vergangenheit „unsere“ Demokratie die längst nicht mehr die meine ist. Genau wegen des Problems der „Wichtung“ wie beispielsweise :
Jeder sollte nach seiner Vorstellung leben können. Wenn ein Mann meint eine Frau zu sein ist das doch o.k. Das sollte „er“ aber auch bereit sein, auf die 🥚 🍋‍🟩zu verzichten und kann dann danach die Damentoilette benutzen.. . Will sagen, wenn eine Minderheit die im Promillbereich der Gesamtbevölkerung liegt, muss sie sich an die Gepflogenheiten der Bevölkerungsmehrheit anpassen. Und nicht umgekehrt !
Es macht doch ein Gemeinwesen kaputt, wenn versucht wird, es jeder noch so exotischen Lebensweise, Aufmerksamkeit schlimmer noch „Gleichheit“ zu geben.
Mit freundlichen Grüßen a d Erfurter Republik

Angelika Sehnert | Mo., 23. Februar 2026 - 07:59

Lieber Herr Brodkorb, wenn ich mich nicht sehr irre, stammt der Satz, Ostdeutsche hätten einen Bullshitdedektor von ihnen. Ich vermute, das Projekt Ostdeutsche Zeitung knüpft genau da an. In den westlich dominierten Medienprodukten wird nämlich sehr, sehr viel Bullshit verbreitet, den man so penetrant in Ostdeutschland einfach nicht mehr lesen will.
Die Anekdote, die der Historiker mit seinem reflexhaften Nazigebrüll beigetragen hat , entlarvt nebenbei auf erschreckende Weise den Zustand der Geisteswissenschaften in diesem Land. Die Historik war einmal so etwas wie die Königsdisziplin derselben. Tempi passati.
Dem Zeitungsprojekt viel Glück, mehr Meinungsvielfalt, andere Perspektiven, das kann nur gut sein.

Klaus Funke | Mo., 23. Februar 2026 - 08:23

Ich kann der Idee mit der Ostdeutschen Allgemeinen nichts abgewinnen. Die Sache wird keinen Erfolg haben. Die Ostdeutschen selber wollen sowas nicht. Hier wird nur wieder Geld verbrannt.

Chris Groll | Mo., 23. Februar 2026 - 08:47

Antwort auf von Klaus Funke

Sehr geehrter Herr Funke,
"Das Unternehmen erhält keine staatlichen Subventionen und muss sich auf dem Markt behaupten." Somit vernichtet der Unternehmer dann nur sein eigenes Kapital.
Ich wünsche dem Unternehmen jedenfalls viel Glück.

Klaus Funke | Mo., 23. Februar 2026 - 10:01

Antwort auf von Chris Groll

Halten Sie denn diese Sache für eine gute Idee? Wird eine solche Zeitung tatsächlich gebraucht? Wollen die Ostdeutschen das? Wollen wir das? Wird sich dadurch an der Gesamtsituation irgendwas ändern? Wird das Zeitungssterben aufhören? Gibt es das überhaupt noch - eine ostdeutsche Identität? Ja, wir sind im Zuge der Wiedervereinigung "untergebuttert" worden. Ja, man hat Ostdeutschland ausgeraubt und bis heute wie ein besetztes Land behandelt. Ja, Ostdeutsche sind in Führungspositionen und in der Politik, aber auch in den Medien unterrepräsentiert. Wird oder kann aber eine solche Zeitung daran irgendwas ändern? Ich sage, nein, das ist ein hilfloser Versuch, ein bloßes Alibi. Und in relativ kurzer Zeit wird dieses Projekt, mangels Zuspruchs von den Ostdeutschen selber, eingestellt werden. Sturm im Wasserglas. Mehr ist es nicht gewesen.

Hallo Herr Funke, ich finde es kann niemals schaden, wenn es viele freie Medien gibt. Ich hoffe, daß es für den Unternehmer gut ausgeht.
Vielleicht wird er ja dann auch die Ausgabe seiner Zeitung erweitern für Ausgaben im Westen. Viele bei uns im Westen sind nämlich noch sehr vom Mainstream geprägt.

Klaus Funke | Mo., 23. Februar 2026 - 11:02

Antwort auf von Chris Groll

... sind nach über 35 Jahren noch nicht ein einziges Mal im Osten gewesen. Wirklich, das stimmt. Ich habe in den Neunzigern einen Landwirtschaftsbetrieb abgewickelt und Teile der modernen Ausrüstung auch in den Westen verkauft. Da kamen Leute, namentlich aus BW, die dachten, die Stasi gäbe es immer noch und sie würden beobachtet und bei ihren Kaufverhandlungen gefilmt. Ich habe mit den Leuten gesprochen und dabei eine hanebüchene Unkenntnis über den Osten festgestellt. Unglaublich, was da für Vorstellungen laut wurden. Das kommt davon, wenn die BILD das Grundnahrungsmittel bei Information und Bildung darstellt. Und ich glaube, bis heute wissen große Teile der Westdeutschen über ihre ostdeutschen Landsleute nicht viel, während Ostdeutsche in Scharen "rübergemacht" sind oder viele Urlaube zur Ansicht des Westens genutzt haben. Es herrscht ein Ungleichgewicht in der Kenntnis von Ost und West übereinander. Allerdings wird die neue Ostdeutsche Allgemeine daran nicht viel ändern.
.

Herr Funke?
Sicher nicht mehr in der Machtposition, aber ich wäre überrascht, wenn sie ganz weg wäre oder vollständig aufgegangen wäre in den jeweiligen bundesdeutschen Organisationen.
Als halbwegs intelligenter Mensch, der (wieder) in den Osten ging, kalkulierte man das doch ein und hoffte, dass das dann gemeinsam getragene Projekt Bundesrepublik Deutschland langfristig überzeugen und tragen würde?
Ich glaube immer noch daran.
An Herrn Brodkorb anknüpfend würde ich meinen, NEIN, die hunderte Milliarden, die in den Osten flossen, konnten nicht alles bewegen.
Herr Brodkorb sieht eine Art "Biedermeier" im Westen?
Ich würde das anders nennen und das gilt es unbedingt zu bewahren: "Wohlfahrtsstaat".
Diesem Neubeginn wohnte ein Zauber inne, als da wäre endlich Frieden, Integration in Europa und die Welt und Wiederaufbau, geführt von den schon ansässigen Eliten und hunderttausendfach aus dem Osten geflohenen Eliten.
So dann zusammen aufblühend.
Darüber bin ich glücklich.
Viel Glück im Osten

Aber: Einzelne, zumeist höhere Dienstgrade, haben es in den Polizeidienst, zur Bundespolizei oder in den Staatsapparat der Bundesrepublik geschafft, einzelne sogar in die Geheimdienste. Das war schon immer so. Auch Spezialisten der Gestapo, des SD oder der SS sind in den Staatsdienst der damals jungen Bundesrepublik übernommen worden. Selbst die CIA hat Gestapoleute wie auch Stasioffiziere übernommen. Wie gesagt, eine geübte Praxis. Aber in der breiten Öffentlichkeit haben sie keinen Einfluss. Und so ist das Gefühl, die Stasi gäbe es immer noch, Unfug und absurd. Viele Stasileute sind auch in private Security-Firmen eingestiegen oder haben selber welche gegründet. Im Übrigen ist Angst vor der Stasi eine Übertreibung. Wirklich mächtig waren nur die Schaltzentralen der SED. Stasioffiziere standen vor jedem Kreissekretär der SED stramm. Die Realität der DDR war eine andere als die meisten Westdeutschen glauben. Ja, die echten Westdeutschen sind Puppenstubengestalten. Biedermeier. Harmlos.

Aber: Einzelne, zumeist höhere Dienstgrade, haben es in den Polizeidienst, zur Bundespolizei oder in den Staatsapparat der Bundesrepublik geschafft, einzelne sogar in die Geheimdienste. Das war schon immer so. Auch Spezialisten der Gestapo, des SD oder der SS sind in den Staatsdienst der damals jungen Bundesrepublik übernommen worden. Selbst die CIA hat Gestapoleute wie auch Stasioffiziere übernommen. Wie gesagt, eine geübte Praxis. Aber in der breiten Öffentlichkeit haben sie keinen Einfluss. Und so ist das Gefühl, die Stasi gäbe es immer noch, Unfug und absurd. Viele Stasileute sind auch in private Security-Firmen eingestiegen oder haben selber welche gegründet. Im Übrigen ist Angst vor der Stasi eine Übertreibung. Wirklich mächtig waren nur die Schaltzentralen der SED. Stasioffiziere standen vor jedem Kreissekretär der SED stramm. Die Realität der DDR war eine andere als die meisten Westdeutschen glauben. Ja, die echten Westdeutschen sind Puppenstubengestalten. Biedermeier. Harmlos.

"Wird oder kann aber eine solche Zeitung daran irgendwas ändern?"

Eine 'große Ost-Revolution' wird es wohl damit nicht geben..., wie Sie offensichtlich erwarten..., aber vielleicht eine kleine - wenn sie durchhalten bei der OAZ?

Alleine das Erscheinen bewirkt selbst schon einiges... - Diskussion in den Medien, selbst im ÖRR u.a. ...; das ist nicht 'Nichts' in der heutigen Medienwelt... ...

Ein neues politisches System wird daraus allerdings wohl nicht entstehen... - in den Grenzen des ersten deutschen Arbeiter- und Bauernstaates..., und wohl auch nicht beim Klassenfeind im Westen... ... /😉

Chris Groll | Mo., 23. Februar 2026 - 08:54

Der Wessi hat die ihm geschenkte Demokratie leider verschenkt. Er hat sie durch Totalitarismus ersetzt. Heute gelesen, daß 60% der Wähler
wieder so wählen würden wie letztes Jahrer und sogar 80% der cdU/csU Wähler diese Partei wieder wählen würden.
Also will der (west)deutsche Michel belogen und betrogen werden.
Dem Unternehmer wünsche ich viel Glück und daß er sich nicht den Widrigkeiten beugen möge.

"„Das Sein bestimmt das Bewusstsein“ ist eine zentrale These des Marxismus, geprägt von Karl Marx (1818–1883). Sie besagt, dass die materiellen Lebensbedingungen, ökonomischen Verhältnisse und die soziale Realität (das Sein) das Denken, Fühlen und die Ideologien der Menschen (das Bewusstsein) prägen, nicht umgekehrt." - Karl Marx (1818–1883)

Heißt übersetzt: den Menschen im Westen geht es einfach noch zu gut... (Rentner- und Pensionärsspeckgürtel; viel-viel Erb-Vermögen etc.), als dass sie die Verhältnisse wirklich ändern wöllten... ...; außerdem warum? - sie sind ja schließlich 'die wirtschaftlichen Sieger' von 1990? (was ja auch richtig ist...!) - warum also ändern was sich bewährt hat...? Das gilt auch für die Wahlentscheidung - offensichtlich...!? Und die CDU selbst macht's ja auch 'genau so'? >> Wie Karl-Marx schon wusste... 🤔🤣

Dorothee Sehrt-Irrek | Mo., 23. Februar 2026 - 11:53

Antwort auf von Thomas Veit

"Das Sein bestimmt das Bewußtsein"?
Da hätte meines Erachtens Marx Hegel nicht "auf den Kopf stellen" sollen.
Die Nachkriegsjahre im Westen waren kein Zuckerschlecken, aber klar in der Richtung: Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus! Keinen linken autoritären Staat(DDR?)!
Die Leute wußten, wofür sie arbeiteten und millionenfach hineinwachsen durften.
Soviel Glück hatte der Osten nicht und meiner Meinung nach braucht es noch sehr viel mehr Zeit und teils auch Rückwanderung aus dem Westen, um das Wunder Westdeutschland auch im Osten wahr werden zu lassen.
Ich spreche auch zu Polen.
Bevormundung aus dem Westen hingegen braucht es nicht, auch keinen "Mutti*/Nanny*staat".
Aber die Leute kommen im Osten doch nach vorne, Gott sei Dank, aber der Krisen waren es einfach zu viele.
Biedenkopf machte aus dem Weingut Radebeul einen Staatsbetrieb?
Er war schon ganz gut für Sachsen.
Herr Frank beschrieb es für den Osten, langsam trägt alles Früchte und ich setze nach wie vor auf JE KOMPETENZ.
Nu

Dorothee Sehrt-Irrek | Mo., 23. Februar 2026 - 12:50

Antwort auf von Dorothee Sehrt-Irrek

vor allem lebendige Sein.
Da wollte Marx wohl auch hin.
Immerhin spricht er vom "historischen Materialismus" und hoffte so, Hegel integriert zu haben?
Hegel orientierte sich aber evtl an Kants Fortschrittsglauben, seiner teleologischen Theologie, dass das Göttliche spreche und darin schaffe zugleich, schaffe und darin zugleich spreche, "intelligentes Sein", kurz unser gesamtes Universum.
Es reicht nicht der Wille zum Sein oder Sein überhaupt, wie wohl Nietzsche sehr frech lästerte, Kunst kommt von Können...von unseren Fähigkeiten zu etwas.
Das wiederum hat Marx auch blühen sehen wollen.
Das hat mich im Studium sehr interessiert, auch dargestellt bei Prof. Manfred Frank "Der unendliche Mangel an Sein. Schellings Hegelkritik und die Anfänge der Marxschen Dialektik". Friedrich Schlegels "realistischer Idealismus" et vice versa ging auch in die Richtung.
Hat alles nicht sein können für mich.
Um so mehr bitte ich um KÖNNEN und KOMPETENZ.
Aber ein "Theoriefreak ohne Ende" war ich:)

philosophisch extra verkomplizieren, wenn man/Frau möchte und kann...😉, und einen philosophisch en Diskurs aufmachen..., mit welchem Erkenntnisziel auch immer... ..., oder auch ganz ohne...?

Sie merken schon: ich habe kein 'Plapperfach' studiert - nix für ungut.

Ich denke es ist oft im realen Leben genau wie in der realen Politik viel-viel einfacher als öffentlich dargestellt oder theoretisch (nicht philosophisch!) besprochen...

Marx's Analyse "Das Sein bestimmt das Bewusstsein." zumindest kann man problemlos in der gesellschaftlichen und auch der individuellen (Individium) Praxis überprüfen bzw. empirisch nachweisen.

Warum also verkomplizieren..., wo kein Bedarf dafür besteht?

Klaus Funke | Mo., 23. Februar 2026 - 12:09

Antwort auf von Thomas Veit

Und dieser Marx´sche Grundsatz ist nicht auszuhebeln, weil er absolut wahr ist. Ein Grundbesitzer denkt und fühlt wie ein Grundbesitzer, ein Arbeiter wie ein Arbeiter (wobei dessen Bewusstsein stark schwankt, weswegen er auch stark von "links" und "Rechts" beeinflusst werden kann), ein Bauer denkt und handelt wie ein Bauer usw. Es gibt noch weitere Kernsätze: Der Staat ist das Machtmittel der jeweils herrschenden Klasse. Daher die Frage: Wessen Staat ist die Bundesrepublik? Wessen Interessen werden am meisten berücksichtigt? Die Interessen der Besitzenden. Darum wird dieser Staat auch immer zuerst die Besitzlosen ausplündern und belasten. Wir erleben das jeden Tag und bei jedem Gesetz. Nee Leute, der Marx hatte schon mit seiner Analyse des Kapitalismus recht. Geirrt hat er in der Theorie zum Aufbau des Sozialismus. Da geht nichts zusammen, da stimmt nicht viel. Sozialismus gedeiht nur, wenn alle Staaten denselben Weg zum Sozialismus gehen. Doch das wird nie sein. Deshalb wird das nix.

nicht nur mangeln lassen, eher in der Breite?
Aber der Arbeiter- und Bauernstaat DDR hat auch die Massen an Bildung herangeführt und nicht nur, wie Adenauer in Bezug auf das Kaiserreich in einem sehr guten Interview mit Günter Gaus monierte, "Kasten" gedeihen lassen, aber vielleicht dann wieder zu sehr? Nur so schnell kann es nicht gelingen.
Adenauer war überzeugter Demokrat, aber das Gute wollte er bewahren.
So nannte er Stete, Beständigkeit, also den Staat als unabdingbaren, ich sage mal "Leuchtturm", auch wenn die Wellen hochschlagen, gerade dann.
Die Bundesländer hatten lange eine ostdeutsche Kanzlerin, jetzt jedenfalls ostdeutsche Ministerpräsidenten*.
Die Länder investieren, ermöglichen Startups usw..
Ich sehe eine gute Grundlage, dass es einmal gut werden soll/kann/wird.
Merz braucht auch den Blick für das, was ostdeutsche Wirtschaft und Befindlichkeit in den Jahrhunderten einmal war und wieder werden kann.
VERTRAUEN ist gut, Kontrolle braucht es nicht,
RESPEKT und KOMPETENZ...

Hans v. Weissensand | Mo., 23. Februar 2026 - 11:05

zu behaupten, wird sich zeigen. Die damit angeschobene inhaltliche Diskussion scheint nach wie vor vonnöten. Der Ossi ist eher ein Anpassungs- als ein Transformationsweltmeister. Ich bin auch der Überzeugung, dass die in den Osten gekarrten Milliarden dem Ossi seiner Kreativität, mit Mangel umzugehen, beraubt haben. Genau diese Kreativität, die bspw. Sachsen zum Land mit der größten Industriedichte in Deutschland gemacht hat. Die Industrie, die nach dem 2. Weltkrieg von der SU demontiert wurde und in die westl. BSZ abgewandert ist. Von dem, was blieb, wurde nach der Wende ein Großteil liquidiert. Es ist schon richtig, es gibt Leuchttürme und natürlich geht es den meisten besser. Aber eben nicht gewachsenes, nicht nachhaltiges. Das sieht man, wenn die Niederlassungen der Firmen aus dem Westen in der Krise die Oststandorte herunterfahren. Der Ossi muss seinem Gespür für Freiheit die daraus resultierende Eigenverantwortung und Kreativität folgen lassen. Das hilft ganz Deutschland!!!

nur das der erweckte Eindruck der "in den Osten gekarrten Milliarden [welche] dem Ossi seiner Kreativität, mit Mangel umzugehen, beraubt haben."

...natürlich nicht bei dem kreativen Ossi als Privatmann/Frau gelandet sind und ihn damit seiner Kreativität berauben, sondern praktisch vollständig in den Aufbau (auch echte Bautätigkeit / viel Beton...) der (neuen) Verwaltungen und insbesondere auch der Infrastruktur einschl. Gesundheit, Polizei, Feuerwehr etc. Geflossen sind.

Die legendäre 'Osdi-Kreativität' hat eher das westliche Konsumsystem an sich mit seinem Überfluss an Allem den Garaus gemacht... - logisch, und unvermeidlich.

Mangelwirtschaft kann Kreativität fördern..., aber auch behindern bzw. ganz verhindern. Letzteres war mMn dominant in der DDR-Wirtschaft und der gesamten Gesellschaft.

Das Narrativ vom 'kreativen Ossi' mag richtig sein, zweifellos, blendet jedoch romantisierend die kreativ-negativen Aspekte der Mangelwirtschaft vollständig aus. Muss man halt nur wissen...

Das mit dem kreativen Ossi gar nicht so hoch hängen wollen. Letztlich geht es um ein paar Schlagwörter: „Wenn das Geld alle ist, hört es auf" ; "Not macht erfinderisch“ etc. Dass Sachsen bis vor dem Krieg mit Industrie vollgestopft war, kam ja nicht von ungefähr. Der Bergbau war rückläufig, dafür die industrielle Revolution auf dem Vormarsch, dazu Gewerbefreiheit und eine ziemlich gute Bildung. Die Zwänge waren hoch, die Chancen, das Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, waren gut. Gefragt waren Eigeninitiative und Mut zum Risiko. Quelle und Reisetipp: Industriemuseum Chemnitz!

und ich bin auch der Meinung, dass es den Ostdeutschen nicht an Gespür für Freiheit mangelt, aber an der Erkenntnis, dass die Übernahme der Eigenveranwortung unabdingbar da zu gehört. Sei es.
Tja, aber in dem wohlstandverwöhnten westlichen Teil sehe ich eher ein schwindendes Gespür für Freiheit, die insgesamt für das Land problematisches ist!
Also, lasst die Ostdeutschen machen, denn das hilft ganz Deutschland.

Urban Will | Mo., 23. Februar 2026 - 11:25

Sie den Nagel auf den Kopf. Zumal Sie hier verallgemeinern und sich nicht nur auf den Osten beziehen, wo dieses Gefühl wohl noch viel stärker ausgeprägt ist als im in großen Teilen noch wohlstandsverwöhnten, verschlafenen Westen.
Die Umfragewerte sprechen für sich, da kann man zu den Blauen stehen, wie man möchte. Die Ostdeutschen haben in der Tat ein viel besseres Gespür für Bevormundung,Erziehung und arrogante Stigmatisierung als Folge des nicht-mit-der Herde-Trottelns.Letzteres ist ein weit verbreitetes Phänomen im Westen, der Klatschhasen-Parteitag d e r (neben der Sekte) „Westpartei“ CDU (gilt auch für die CSU) hat dies nochmal gezeigt. Man verdrängt, bzw. verschweigt die Probleme und gibt dem größten Lügner unter allen bisherigen Kanzlern ein dickes Votum mit für den weiteren Weg des wirtschaftlichen und sozial-kulturellen Niedergangs unseres Landes.
Ich hoffe,der Osten "brennt" im Spätjahr und die bröckligen Fundamente des altparteilichen Lügengebäudes krachen in sich zusammen.

Ernst-Günther Konrad | Mo., 23. Februar 2026 - 11:52

Mal sehen wie sich die Zeitung etabliert und entwickelt. Sie können mit allem Recht behalten Herr Brodkorb, wenn es dieser Zeitung gelingt, nicht nur den Osten einzunehmen, sondern auch dem Westen klarzumachen, was uns bevorsteht. Dann wollen wir mal hoffen, dass die OAZ ihren Hinweis wahrnimmt, wenn Sie schreiben: *Das könnte erst der Fall sein, wenn die OAZ den tatsächlichen Kern der ostdeutschen Avantgarde zu einem gesamtdeutschen Projekt erhöbe. Es dürfte dann gerade nicht mehr um den Osten gehen, sondern um die Zukunft der Demokratie überhaupt.* Schau mer ma.

Thomas Veit | Mo., 23. Februar 2026 - 12:23

(oder die sich so fühlen..., oder solidarisieren möchten...)

...das rote 'O' vom Titelblatt der 'Ostdeutsche Allgemeine Zeitung' als neues Identifikationssymbol zu verwenden... ...!?? 🤔😊👍

>> LASST AUFKLEBER DRUCKEN! (@Redaktion OAZ !!)

Da staun ich aber. Bei uns, in Dresden, gibt es dafür wenig. Auch ich lese die regionale Tageszeitung "SZ" (nicht "Süddeutsche", sondern "Sächsische Zeitung") schon lange nicht mehr. Völliger Absturz, hat sich im Niveau der Morgenpost angenähert. Richtig billig und primitiv ist die einstige Sächsische Tageszeitung geworden. Kriegt man heutzutage alles taufrisch aus dem WorldWideWeb. Nee, ich will mich nicht wiederholen. Die OA wird untergehen wie viele ähnliche Projekte in den letzten 37 Jahren. Wie viele Verlage im Osten gegründet wurden - alle abgesoffen, Pleite. Der arme, dumme Mann verbrennt sein Geld. Hätte lieber in was weiß ich investieren sollen. Aber leider, hab da auch keine Idee. Alles schon mal dagewesen. Kinder, macht was Neues, hat Richard Wagner einst ausgerufen. Und siehe, sie, die Kinder und seine Frau Cosima, haben nur des Vaters Idee weitergeführt, und es funktioniert bis heute, auf dem Grünen Hügel. So ein Dauerbrenner wird die OA nicht. Das steht fest.

Thomas Veit | Mo., 23. Februar 2026 - 15:34

Antwort auf von Klaus Funke

was ich so höre - aus erster Quelle aus Bautzen.

Aber wenn die OAZ eh 'kein Dauerbrenner wird'..., und das auch noch 'fest steht'... - na dann natürlich nicht... /😉

>> Dann halt TROTZDEM! die Erstausgabe kaufen..., als historisches Sammlerstück...! ABER dann bitte nicht heimlich lesen, Herr Funke, das macht KEINEN SINN!, sondern ungelesen im Schrank ablegen, für die Enkel... ... /😉🤣 - Spaß...

Ich weiß nicht, wo Sie sich umgehört haben? In Dresden gibt es ein paar bunte werbegestützte Blättchen, die angeblich regionale Identitär widerspiegeln. Alles nur für den Altstoff. Relativ stabil verkauft sich die DNN, ein ehemalig christliches Blatt, dann wie gesagt die SZ, aber die ist nur noch ein Hauch ihrer früheren Dominanz, und dann hört es schon auf. Die MoPo hat die Lücken gefüllt und natürlich die BILD, die auch eine regionale Ausgabe herausgibt. Doch, wer die liest, der hat, um mit Kaiser Karl zu sprechen, sein Selbstbewusstsein aufgegeben und die Achtung vor sich selbst verloren. Nein, das sind alles Spielchen, um uns zu beruhigen und das Gefühl zu geben, wir wären noch irgendwer. Man soll stolz sein, Ostdeutscher zu sein. Ein Lacher. An der Ostsee konnte man während Adolfs Herrschaft Schilder sehen: "Juden und Sachsen unerwünscht!" So meine Mutter (Jg. 1921). Und auch während meiner 1,5 jährigen NVA-Zeit wurden wir als Sachsen aufgezogen u. verspottet. That´s life.

Und meine Quelle im tiefsten Sachsen ist meine Schwester und ihre Familie, welche in einem Ort nahe Bautzen eine Kirchengemeinde führt..., also reichlich Kontakte zu 'normalen Leuten aller Art' hat - zum absolut überwiegenden Teil gewachsene Ossis..., wenn ich das so sagen darf...

Und weiterhin habe ich noch Studienfreunde in Sachsen, u.a. in Chemnitz, welche so wie ich das einschätze keine Probleme mit dem sächsisch-sein haben..., einer hat sogar eine echte hübsche Italienerin zu Frau abbekommen -- ALS SACHSE!?!? Hammer!! /🤔😉🤣

Da staun ich aber. Bei uns, in Dresden, gibt es dafür wenig Bedarf. Auch ich lese die regionale Tageszeitung "SZ" (nicht "Süddeutsche", sondern "Sächsische Zeitung") schon lange nicht mehr. Völliger Absturz, hat sich im Niveau der Morgenpost angenähert. Richtig billig und primitiv ist die einstige Sächsische Tageszeitung geworden. Kriegt man heutzutage alles taufrisch aus dem WorldWideWeb. Nee, ich will mich nicht wiederholen. Die OA wird untergehen wie viele ähnliche Projekte in den letzten 37 Jahren. Wie viele Verlage im Osten gegründet wurden - alle abgesoffen, Pleite. Der arme, dumme Mann verbrennt sein Geld. Hätte lieber in was weiß ich investieren sollen. Aber leider, hab da auch keine Idee. Alles schon mal dagewesen. Kinder, macht was Neues, hat Richard Wagner einst ausgerufen. Und siehe, sie, die Kinder und seine Frau Cosima, haben nur des Vaters Idee weitergeführt, und es funktioniert bis heute, auf dem Grünen Hügel. So ein Dauerbrenner wird die OA nicht. Das steht fest.