23.07.2019, Hessen, Wächtersbach: Ein Junge hält bei der Mahnwache „Kein Platz für Rassismus“ ein Schild gegen Rassismus. Ein 26 Jahre alter Mann aus Eritrea war in Wächtersbach von Schüssen schwer verletzt worden. Der mutmaßliche Täter, der inzwischen im Krankenhaus verstorben ist, hat möglicherweise aus einem fremdenfeindlichen Motiv heraus gehandelt.
Mahnwache für das Opfer: Wurde der Eritreer nur aufgrund seiner Hautfarbe angeschossen? / picture alliance

Mordversuch an Eritreer - „Wenn ich  geh’, nehme ich einen oder mehrere mit“

Wer war Roland K.. der Mann, der auf einen Eritreer schoss, bevor er sich selbst tötete? Eine Reportage auf hessenschau.de eröffnet Einblicke in die Lebenswelt eines frustrierten Rechtsextremen auf der Suche nach Anerkennung

Autoreninfo

Antje Hildebrandt hat Publizistik und Politikwissenschaften studiert. Sie ist Reporterin und Online-Redakteurin bei Cicero.

So erreichen Sie Antje Hildebrandt:

Antje Hildebrandt

Wer war Roland K., der Mann, der einen 26-jährigen Eritreer mit einem Schuss lebensgefährlich verletzte, bevor er sich selbst in seinem Auto erschoss? Das Verbrechen geschah am Montag im hessischen Wächtersbach und löste bundesweit Entsetzen aus. Schließlich, so meldete es die Polizei, soll der Täter das Opfer zufällig ausgewählt haben. Ein Anschlag mutmaßlich aus fremdenfeindlichen Motiven. Aber reicht bloßer Rassismus aus, um einen Mordanschlag zu begehen? 

Einen ersten Einblick in die Gedankenwelt des 55-jährigen mutmaßlichen Täters vermittelt eine Reportage auf dem Internetportal hessenschau.de. Danach soll Roland K., gelernter Metzger und Waffennarr, aus seiner rechtsextremen Gesinnung nie einen Hehl gemacht haben. In seiner Stammkneipe „Martinseck“ soll er zudem mit Gewaltphantasien geprahlt haben – nicht nur gegen „Asyljungs“, auch gegen sich selbst. Schon Monate vor der Tat soll er gesagt haben: „Wenn ich  geh’, nehme ich einen oder mehrere mit.“ Kriminologen sprechen in diesem Fall von einem „erweiterten Suizid.“

Nach den Schüssen auf den Eritreer soll Roland K. in die Kneipe zurückgefahren sein, um mit der Tat zu prahlen. Aber warum haben weder der Wirt noch die Gäste die Polizei alarmiert? Diese Frage stellt die Reportage nicht. Ein Blick auf die Facebookseite des Kneipenwirtes Dirk R. lässt erahnen, dass der Täter mit seinem Ausländerhass in der Kneipe zumindest nicht alleine war. Die Seite ist gespickt mit rechten Hassparolen, die unverhohlene Sympathien für die Reichsbürger und die NPD bekunden. 

Ernst-Günther Konrad | Mi, 24. Juli 2019 - 16:34

Frau Hildebrandt, dass auf der Facebookseite sich offensichtlich Reichsbürger und NPDler tummeln und dort ihren "braunen" Mist verbreiten und "Gleichgesinnte" suchen und auch finden, warum weis das der Verfassungsschutz nicht?
Ist der Wirt selbst so gestrickt oder sind es nur andere die dort posten?
Wie konkret waren die Äußerungen des Täters vor/nach der Tat, dass auch Zuhörer zu dem Schluss hätte kommen müssen, da will einer ernsthaft, nicht nur so dahingesagt, einen anderen umbringen?
Diese und ähnliche Sätze fallen unzählige Male am Tag in manigfachen Zusammenhängen. In 99 von 100 Fällen blödes, unbedachtes, prahlerisches und letztlich nicht ernst gemeintes Wichtigtuergeschwätz. Wie kann man Äußerungen so differenziert beurteilen, die einer mal im Vorbeigehen macht und niemand weis, meint der das ernst oder nicht?
Wo fängt begründeter Verdacht an und wo wird es zu Denunziantentum?
Gerade, wenn Menschen getrunken haben, werden die unmöglichsten Sachen gesagt.
Warten wir es ab.

Gerhard Lenz | Do, 25. Juli 2019 - 15:57

In reply to by Ernst-Günther Konrad

weiss vermutlich mehr, als Sie ahnen (und Ihnen vielleicht lieb ist)...aber von Dingen wissen, legitimiert noch lange nicht zum Eingreifen, solange nicht ganz konkrete Gewaltaufrufe oder ähnliches vorliegt.

Es ist im Übrigen vollkommen Schnurz, ob man in natinalistischer Prahlerei nur Wichtiguergeschwätz sieht oder nicht - besser einmal zu viel handeln, als einmal zu spät.

Der Verfassungssschutz hatte bekanntlich, besonders unter Herrn Maßen, auf dem rechten Auge extreme Sehstörungen. Unter seinem Nachfolger hat sich das hoffentlich geändert.

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.

Liebe Leserinnen und Leser,
wir freuen uns über jeden Kommentar und wünschen uns eine konstruktive Debatte. Beleidigende, unsachliche oder obszöne Beiträge werden deshalb gelöscht. Ebenfalls gelöscht werden ad-hominem-Kommentare, die lediglich zum Ziel haben, andere Foristen zu diskreditieren. Auch anonyme Kommentare werden bei uns nicht veröffentlicht. Wir bitten deshalb um Angabe des vollen Namens. Darüber hinaus behalten wir uns eine Auswahl der Kommentare auf unserer Seite vor. Generell gilt: Pro Artikel ist pro Nutzer ein Kommentar und eine Replik auf einen anderen Leserkommentar erlaubt. Kommentare, die Links zu zweifelhaften Webseiten enthalten, werden nicht veröffentlicht. Um die Freischaltung kümmert sich die Onlineredaktion von Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr. Am Wochenende werden Forumsbeiträge nur eingeschränkt veröffentlicht. Nach zwei Tagen wird die Debatte geschlossen. Wir danken für Ihr Verständnis.