Epidemiologe Mansmann zur Corona-Pandemie - „Jens Spahn hat aufs falsche Pferd gesetzt“

Vor Weihnachten wurde viel spekuliert über stark ansteigende Corona-Zahlen. Jetzt ist 2020 vorbei. Der Epidemiologe Ulrich Mansmann zieht im Interview ein erstes Fazit über die Festtage und bewertet die deutsche Impfkampagne.

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„In den nächsten drei Monaten werden wir vier bis fünf neue Impfstoffe dazu bekommen“ / dpa

Autoreninfo

Jakob Arnold hospitierte bei Cicero. Er ist freier Journalist und studiert an der Universität Erfurt Internationale Beziehungen und Wirtschaftswissenschaften. 

So erreichen Sie Jakob Arnold:

Prof. Dr. Ulrich Mansmann ist Direktor des Instituts für medizinische Informationsverarbeitung, Biometrie und Epidemiologie (IBM) an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU).

Herr Mansmann, vor der Weihnachtszeit wurde viel spekuliert, dass uns das Weihnachtsfest viele Neuinfektionen bringen wird. Die Weihnachtszeit jetzt vorbei. Was ist Ihr bisheriges Fazit von Weihnachten?
Ich habe das Gefühl, dass die Leute sehr aktiv waren. In meinem Ort, in dem ich lebe, war auf den Straßen und in den Geschäften sehr viel los, auf den Autobahnen war viel Verkehr. Hier in Bayern sind die Leute in die Skigebiete geströmt, anderswo zum Wandern. Ich habe nicht den Eindruck, dass sich die Leute sehr vorsichtig verhalten haben. Ich bin gespannt. 

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Hans-Jürgen Stellbrink | Fr, 1. Januar 2021 - 13:45

Herr Spahn hat auf die EU gesetzt und damit auf das falsche Pferd. Der Impfstoff von AstraZeneca beruht nicht auf einem etablierten Wirkprinzip. Er beinhaltet ein genetisch verändertes replikationsdefizientes Chimpansen-Adenovirus, das eca. 95% Homologie mit menschlichen AdV aufweist. Die Frage nach der Wiedererlangung der Replikationskompetenz durch Rekombination mit menschlichen AdV ist unbeantwortet.
Selbst wenn die Impfung wie die natürliche Infektion eine milde verlaufende Reinfektion nicht völllig, schwere Verläufe aber weitestgehend verhindert, führt bei allgemeiner Verfügbarkeit der Impfung um die Aufhebung der Restriktionen für Geimpfte und Genesene kein Weg herum. Das Virus würde dann epidemiologisch stärker einer saisonalen Grippe ähneln, an der weiterhin einige Menschen sterben können, die aber keinen Grund für einen allgemeinen Lock-Down darstellt.
Wenn jemand einen besseren Ausweg aus dem Hamsterrad des wiederholten Lock-Down kennt, möge er oder sie ihn nennen.

Manfred Sonntag | Fr, 1. Januar 2021 - 14:57

Wenn ich das Interview so lese, dann bekomme ich mächtige Zweifel an der Sinnhaftigkeit der ganzen Aktionen. Gesundheitsämter sollen eine Aufklärungsquote von 100% erzielen. Die Polizei hatte 2019 nur eine Aufklärungsquote von ~60% bei Verbrechen. Bei der Entscheidung zum Stubenarrest beachtet ein Amt den ct Wert, das andere nicht. Warum sollte ich bei den beschriebenen Schikanen mit der Erkältung zum Arzt gehen? Ein Bekannter arbeitet im Krankenhaus und hatte Grippe-Beschwerden, den Test sollte er aber selbst bezahlen. Ca. 20.000 der Verstorbenen, also 2/3 aller Toten war über 80 Jahre alt, davon lebten vorher über 8000 schutzlos in Altersheimen. Was ist eigentlich das Ziel des Disziplinierungshorrors? War die Einlassung Lauterbachs ein Testballon der Regierung: " Eine Impfung gegen CO2 wird es allerdings niemals geben. Somit benötigen wir Maßnahmen zur Bewältigung des Klimawandels, die analog zu den Einschränkungen der persönlichen Freiheit in der Pandemie-Bekämpfung sind."?

Bernd Muhlack | Fr, 1. Januar 2021 - 16:23

"Geimpft oder nicht geimpft, das ist hier die Frage."

Nun, es wird kolportiert, dass sich etwa 2/3 der Bevölkerung zu einer Impfung bereit erklären, der Angelegenheit positiv gegenüberstehen.
Ziehen wir mal die u 14er ab, so bleiben etwa 50 Mios (?) potentieller Kandidaten.
Qua Doppelimpfung benötigt man folglich mind. 100 Mios Impfdosen.
Und eine funktionierende Infrastruktur.

"Noch Fragen Kienzle? - "Ja Hauser!"
Ja, die beiden fehlen (mir) sehr im ÖR-TV; das war noch gut, Rede und Gegenrede.

Wenn ich mir die Impfzentren in meiner Umgebung betrachte kann ich nur sagen: nice try!
Eines ist allerdings perfekt organisiert, das THW war dabei. Es gibt nur ein Problem: sie haben keinen Impfstoff!
Wenn ich dann dieses unsägliche Framing wieder höre, wird mir anders: "es ruckelt noch etwas!"

Vor etlichen Jahren sagte BP Herzog, dass durch D endlich ein "Ruck" gehen müsse!
Da hat jemand etwas mißverstanden, gell?

In diesem Sinne wünsche ich allen Ciceronen ein gutes, gesundes 2021!

nur konnten sich da viele nicht mehr halten und haben eine Bruchlandung hingelegt, Herr Muhlack.
Herr Spahn muss ja einen ganzen Stall voll Pferden besitzen, so oft wie er mitlerweile daneben getreten ist. Somit Unfähigkeit auf einen Haufen, dass muß man erst mal hinkriegen!
Trotz alledem: ALLEN ein Frohes Neues Jahr 2021!

Werner Kistritz | Fr, 1. Januar 2021 - 16:24

Die Menschen haben ein so starkes Bedürfnis nach sorgenden Übervätern und -müttern, daß ich langsam ins Grübeln komme, was in Deutschland generell in der Erziehung falsch läuft... sie wollen unbedingt glauben, daß jemand über sie wacht und das Richtige tut. "Im Kreml brennt noch Licht" hieß das in Rußland.
Diese Heilserwartung projiziert sich auf jeden Politiker, der mehr als zwei mal die Woche in einer Talkshow zu sehen ist. Jens Spahn ist gerade der beliebteste von ihnen. Interwiews wie das vorliegende stützen diese Haltung, weil sie sich nur noch mit Detailfragen beschäftigen und das Große Ganze als gegeben und damit nicht mehr hinterfragbar vorraussetzen. Schon bei der Frage in dem Artikel, welche Inzidenz jetzt gut oder schlecht ist, zeigt sich die Willkürlichkeit und Beliebigkeit der "Wahrheitsfindung".
So wie die Soldaten im ersten Weltkrieg fröhlich winkend an die Front gefahren sind, lassen auch wir uns verladen und verschaukeln.

Jakob Arnold | Fr, 1. Januar 2021 - 18:04

In reply to by Werner Kistritz

Sehr geehrter Herr Kistritz,

Danke für Ihren kritischen Kommentar. Ich kann Ihren Standpunkt gut verstehen. Auch mich stört an anderer Stelle, dass allein mit der Art und Weise, wie Fragen gestellt werden, vermeintlich "klares" gar nicht mehr zur Disposition steht. Fragen á la "Wie gefährdet ist die Demokratie in Thüringen nach der Wahl Kemmerichs?" sind ein Beispiel dafür. Dass der gesamte Vorgang auch einfach Ausfluss demokratischer Willensbildung sein könnte, wird völlig ignoriert. 

Lassen Sie mich jedoch im konkreten Fall Ihnen widersprechen. Zum einen würde ich behaupten, dass meine Frage zur Inzidenz nicht "lemminghaft" gestellt ist und zum anderen stellt sich mir die Grundsatzfrage in diesem Fall tatsächlich nicht mehr. Ich sehe keinen Anhaltspunkt anzuzweifeln, warum wir nicht die geringstmögliche Inzidenzrate anstreben sollten. 

Ihren Kritikpunkt finde ich jedoch generell sehr geistreich.

Liebe Grüße

Jakob Arnold

Wenn wir die Hysterie, die herrschte, als die ersten Landkreise die Inzidenz von 50 überschritten, sozusagen mit einem Lineal in die Zukunft verlängern würden, dann müßte jetzt das Militär auf den Straßen patroullieren und permanent Hubschrauber über uns kreisen.
Ist aber nicht.
Wir werden in absehbarer Zeit eine Inzidenz von 1000 haben, und niemand wird ausflippen, weil es nichts nützt, vor der Realität die Augen zu verschließen.
Meine bescheidene Hoffnung:
daß Journalisten endlich wieder über politisch relevante Themen schreiben. Dazu gehört für mich übrigens n i c h t der Brexit, sondern unsere eigenen deutschen Schweinereien, die im Windschatten von Corona prächtig gedeien.

Heidemarie Heim | Fr, 1. Januar 2021 - 18:52

Herr Prof. Dr. Mansmann geht da natürlich feinsinniger;) vor mit seiner Aussage, man habe sich gegen innovative Konzepte entschieden und für Bekanntes, was darüber hinaus in jedem normalen Kühlschrank einer Arztpraxis gelagert werden kann, somit auch in Ländern ohne die entsprechenden Strukturen für eine -70Grad-Kühlkette und als Weltmeister im Sparen kommt uns AstraZeneca preislich auch entgegen. Es macht schon einen Unterschied inklusive Logistikaufwand, ob die Dosis um die 3€ kostet oder zwischen 12-14 wie die deutsch-amerikanische Wertarbeit;).Wobei AstraZeneca kein schlechteres Produkt aufweist mit seinem Lebendimpfstoff, der die Wirksamkeit aller bisherigen Influenca-I-stoffe übertrifft. Die hatten nur eine verheerend schlechte Kommunikation was ihre Studien-Pannen betraf.
Und wenn man die in Bayern entwickelten mobilen PCR-Schnelltests (8 Proben gleichzeitig in einer Stunde das Ergebnis pro Gerät!)flächig einsetzen würde könnten die Gesundheitsämter wieder reagieren/verfolgen.

Paul Hulot | Sa, 2. Januar 2021 - 08:35

Das falsche Pferd auf das Jens Spahn gesetzt hat nennt sich "europäische Lösung" . Die Bestellung von Impfstoff gleicht keineswegs einem Roulettespiel , man kann ja bei allen vielversprechenden Kandidaten die ausreichende Menge bestellen und die Übermenge gegebenenfalls weiterverkaufen oder an arme Länder verschenken, dies dürfte auch Menschen wie Wolfgang Schäuble zufriedenstellen.

Norbert Heyer | Sa, 2. Januar 2021 - 08:54

Da hat Herr Spahn, sicher sehr eindrucksvoll von Herrn Macron beraten, tatsächlich im Roulette um das erste, freigegebene Impfserum verloren. In der Maskenfrage lag er ja auch leider daneben, ebenso bei weiteren Einschränkungen der persönlichen Freiheit. Kann ja alles mal passieren. Die Sache hat auch ein Gutes: Nachdem in Israel und den USA schon umfangreich geimpft wurde, liegen wir ziemlich am Ende der Skala. Dadurch haben wir natürlich auch die „Gnade der späten Impfung,“ falls doch noch - hoffentlich nicht - Komplikationen bei Geimpften auftreten. Ansonsten wundert es nicht im Geringsten, dass wir bei allen wichtigen Entscheidungen der letzten Jahre und der Verwendung unserer Steuern für jeden und alle - nur nicht für die Deutschen - immer hintenan stehen. Da scheint der latente Schuldkomplex für schlimme Verbrechen unserer Vorfahren immer wieder hochzukommen. Humanität auf Kosten der eigenen Bürger - das macht kein anderer Staat - aber wir sind mal wieder die großen Moralisten.

Urban Will | Sa, 2. Januar 2021 - 10:57

Merkels Politik in Sachen Impfstoff – Beschaffung als die „größte Fehlentscheidung“ ihrer Kanzlerschaft bezeichnet.
Dass man den Irrsinn von 2015 diesem noch unterordnet, verwundert mich und so muss es wohl noch schlimmer sein, als es derzeit aussieht.
Letztendlich werden die Mainstream – Medien ihrem Liebling nicht „in den Rücken fallen“ und die Sache wird unter den Tisch gekehrt, bzw. mit hanebüchenen Aussagen kaschiert.
Man wird weiter Angst und Panik verbreiten, somit den lockdown weiterhin als „alternativlos“ stilisieren und was dann kommt, kann den „Großkopferten“ auch egal sein. Sie scheinen unantastbar.
Das Bett ist bereitet, der brave Michel wird weiterhin „Danke“ schreien für diese so „umsichtige“ Politik. Auch die zu erwartenden Steuer – und Abgabenerhöhungen werden – mit Corona begründet – brav akzeptiert werden.
D verkommt immer mehr zu einem Irrenhaus, voll mit gutgläubigen Untertanen...

Die Tatsache, dass Sie beide Ereignisse miteinander verknüpfen, ist sicher Ihrer Affinität zur AfD geschuldet. Damals war es das Gerede von der bevorstehenden Umvolkung, heute ist es das "Verbreiten von Angst und Panik", was aus der immer gleichen Ecke hervorquoll.
Und die AfD und ihre Getreuen schicken sich an, dieses "grandiose Politikversagen" aufzudecken. Geschenkt.

Ihre Kommentare sind im Grunde die gleichen wie im Sommer, als die Pandemie weitgehend unter Kontrolle schien. Damals meinten Sie, der Einzelne und der gesunde Menschenverstand würde es schon richten.

Was dieser dann in der Tat angerichtet hat, ist heute an den Infektionsstatistik abzulesen. So mancher gesunde Menschenverstand steckt heute in einem kranken Körper.
Dass Sie das, was praktisch überall in der Welt in einen Lockdown geführt hat, als rein deutsche Torheit (des "Michels")im Irrenhaus braver Untertanen diffamieren, zeigt, dass Sie es entschieden ablehnen, sich mit der Realität auseinanderzusetzen.

Hallo Herr Will,

der FOCUS ist kaum noch zu ertragen!
Das Portal ist eine einzige Katastrophe.

Sie beziehen sich wohl auf den Beitrag von Jan Fleischhauer - es ist mir unbegreiflich wieso er zum FOCUS wechselte. In der Tat, ein sehr guter Artikel, wie fast immer.
Herr Will, warten Sie den Artikel von Frau Margarete von Ackeren ab.
Im Vergleich zu deren Kanzlerin-Lobeshymnen ist Steffen Seibert ein Kanzler-Kritiker!

Es ist in mehreren Blättern zu lesen, dass es die Kanzlerin selbst war, die Druck ausübte, damit der Impfstoff zentral europäisch bestellt wird; quasi "nach Brüsseler Art"!

Das wird nach Möglichkeit unterdrückt - sie bleibt die absolut Beliebte!

Gutes neues Jahr!

Martina Moritz | Sa, 2. Januar 2021 - 11:14

Ich finde die gesamte Debatte der Impfpflicht ethisch mehr als fragwürdig. Zumal auf dem Hintergrund, dass unsere Regierung scheinbar keinen erhöhten Wert auf die Erforschung von Heilmittel gegen Covid & Co zu legen scheint. Das hat mit einer vertrauenswürdigen gesellschaftlichen Auseinadersetzung mit dem Thema der freien Wahl über den Umgang mit der persönlichen Gesundheit des Einzelnen und damit mit dem Schutz eines jeden Einzelnen in unserer Gesellschaft rein gar nichts mehr zu tun.

Martina Moritz | Sa, 2. Januar 2021 - 11:15

Ich finde die gesamte Debatte der Impfpflicht ethisch mehr als fragwürdig. Zumal auf dem Hintergrund, dass unsere Regierung scheinbar keinen erhöhten Wert auf die Erforschung von Heilmittel gegen Covid & Co zu legen scheint. Das hat mit einer vertrauenswürdigen gesellschaftlichen Auseinadersetzung mit dem Thema der freien Wahl über den Umgang mit der persönlichen Gesundheit des Einzelnen und damit mit dem Schutz eines jeden Einzelnen in unserer Gesellschaft rein gar nichts mehr zu tun.

Brigitte Miller | Sa, 2. Januar 2021 - 16:56

spricht man immer von Infektionen, wenn es sich um positive Tests handelt?
Zahlen werden über uns ausgegossen, jeden Tag, ohne sie in Beziehung zu setzen..