Amtsgericht
Türknaufe am Amtsgericht Bonn / picture alliance / Panama Pictures | Christoph Hardt

Entzug des Wahlrechts bei Volksverhetzung - Die Bundesregierung verwechselt Einschüchterung mit Frieden

Die Bundesregierung will im Kampf gegen die AfD die Strafen für Volksverhetzung anheben und Verurteilten das passive Wahlrecht entziehen. Das Vorhaben ist nicht nur politisch sondern auch juristisch fragwürdig, wie die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags monieren.

Ferdinand Knauß

Autoreninfo

Ferdinand Knauß ist Cicero-Redakteur. Im März erscheint sein Buch „Der gelähmte Westen. Chronik einer Selbstaufgabe“. 

 

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Es ist eines der öffentlich wenig beachteten Vorhaben der Bundesregierung aus dem Koalitionsvertrag, doch sicher auch ein besonders brisantes und politisch fragwürdiges: „Im Rahmen der Resilienzstärkung unserer Demokratie regeln wir den Entzug des passiven Wahlrechts bei mehrfacher Verurteilung wegen Volksverhetzung. Wir wollen Terrorismus, Antisemitismus, Hass und Hetze noch intensiver bekämpfen und dazu insbesondere den Tatbestand der Volksverhetzung verschärfen.“ So steht es auf Seite 90.

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Brigitte Miller | Di., 20. Januar 2026 - 13:31

ganz klar: Einschüchterung von Andersdenkenden. In Zukunft wird jeder Volksverhetzer sein, der die Regierung in irgend einer Form
kritisiert, selbst jene , die deutlich als Satire zu erkennen sind.
Entsetzlich.

Liebe Frau Miller, genau so is es. In diese Kategorie gehört auch die Causa Günther.
Man versucht mit allen Mitteln, die Opposition zu kriminalisieren, um sich so unliebsamer Konkurrenz zu entledigen.

Maria Arenz | Di., 20. Januar 2026 - 14:20

gegen ihre dem rechten Meinungsspektrum zuzurechenenden Gegner sind von Volksverhetzung inzwischen nicht mehr zu unterscheiden. An Innehalten oder gar Umkehr von den offensichtlichsten Holzwegen
( Immigration, deutsches Mandat zur Weltklimarettung) ist offenbar nicht mehr zu denken und der Beweis dafür erbracht, daß Deutschland als repräsentative, rechtsstaatliche Demokratie offenbar auf Dauer nicht funktionieren kann. Ich schäme mich für eine Regierung, die sich nur noch mittels solcher Gummiparagraphen an der Macht halten kann, wie sie unter DDR-Gewächs Merkel geschaffen oder zweckdienlich verschärft wurden. Und nachdem auch die 4. Gewalt seit 2015 überwiegend keine ParteiEN mehr kennt, sondern nur noch EINE "richtige Haltung", wissen wir ja spätestens seit dem Günther-Interview letzter Woche, worauf sich die viel zu wenigen "Demokratiefeinde" in den Redaktionsstuben jetzt einzustellen haben Mittels des in der Mache befindlichen WTG wird ihnen endgültig der Stecker gezogen

Markus Michaelis | Di., 20. Januar 2026 - 18:12

Ja, die Gesetzeslage und das GG sind sicher gute Argumente. Ich persönlich würde Gesetze aber nicht zu hoch gewichten. Bei grundsätzlichen Fragen werden sich Gesetze letztlich immer dem Empfinden und den Werten der Menschen anpassen. Ich kann von daher nachvollziehen, dass diese Regierung jetzt ihre Werte sichern will und wenn eine große Mehrheit mitgeht, wird das wohl auch so sein. (Das kritisch zu kommentieren, ist trotzdem wichtig und gut, und wo Mehrheiten sind, ist noch offen).

Was mich mehr erstaunt, ist der innere Gegensatz in den Werten, die man verteidigt. Der Hauptpunkt gegen die AfD ist ja, dass "Wir" heute für eine absolut offene Gesellschaft stehen, zu der absolut alle Menschen absolut gleichberechtigt dazugehören. Andererseits sind wir mit der Offenheit auch ganz ohne AfD etwas überfordert, weil von alleine nicht alle Menschen in die Vorgaben passen und wir immer mehr Gruppen als unmenschlich, undemokratisch etc. ausschließen müssen. Das knirscht irgendwie?

... was ist denn DAS für ein Argument?
Sie können ja gerne "nachvollziehen, dass diese Regierung jetzt ihre Werte sichern will", aber daran anzuknüpfen mit "und wenn eine große Mehrheit mitgeht, wird das wohl auch so sein."
Hat sich "die große Mehrheit" massenhaft gegen den willkürlichen Atomausstieg von A.M. und R.H. aufgelehnt, sich dagegen erhoben, dass eine m.E. unfähige und eingebildete Ex-Aussenministerin mit mißerablem Gebrauchsenglisch per feministischer Ausbootung einer schon benannten Diplomatin als DIREKTORIN ausgerechnet der UN-Vollversammlung versorgt wird, usw. usf.? Dann war das wohl alles richtig, hä?
Aber nett immerhin, dass Sie das Recht, "Das kritisch zu kommentieren" einräumen. Das sind Standpunkte - "mein lieber Kokoschinski!", wie meine Oma selig in den 60ern bei ihr "spanisch" Vorkommendem oft zu sagen pflegte.

Gisela Hachenberg | Di., 20. Januar 2026 - 22:58

Lieber Herr Knauß, danke für Ihren Text. Es geht im Moment um. Alle/viele wollen die Demokratie „schützen“! Wir wissen ja, dass es dabei hauptsächlich um die böse AfD geht. Auch die DLRG hat ihre Satzung dementsprechend geändert. Zuerst haben es nur einige Länder (NRW, BaWü) gemacht. Jetzt aber landesweit.
Nachdem ich das gelesen hatte, habe ich einen Brief an die DLRG geschrieben und mitgeteilt, dass ich in Zukunft nicht mehr spenden würde. Gleichzeitig habe ich gefragt, ob man in Zukunft jemand, den man retten wolle, zuerst nach seiner Gesinnung oder politischen Einstellung fragen wolle. Ute Vogt, die Präsidentin, persönlich schrieb zurück mit dem üblichen Blabla…Man sei gegen das Eindringen (!) von Extremismus, man dulde keinen Rassismus und keine Ideologie, Rassismus, extremistische oder verfassungsfeindliche Haltungen. Daher sei in der neuen Satzung die Möglichkeit eines Ausschlusses geschaffen.
Ja, und so geht es immer weiter in diesem bekloppten Land. Quo vadis D??? 🥺🥺

... wobei ich das Prinzip bei der DLRG gutmeinend schon verstehen könnte, dass "man" da z.B. keinen Anis Amri in den eigenen Reihen haben möchte (ich auch nicht!), wo´s nach dem Attentat dann heißt "DLRG-Mitglied ..." usw.
Aber genau DAS wird die DLRG und andere mit solchen Klauseln ja wohl kaum erreichen - so, wie auch kein Terrorist oder Krimineller bei seiner Einreise in die USA vorher die entsprechenden Punkte im Einreiseformular ankreuzen wird. Wie stellen denn die sich das alle vor?
Ein Beispiel hier ausm Dorf: vor ca. 10 Jahren hat sich mal ein "Neuer" (nicht DER Neuer!) in der "Herren"gymnastikgruppe als AfD-Wähler geoutet, und gleich hat ein Zugezogener dessen Ausschluß gefordert.
Da haben die Männer ausm Dorf gesagt "Nix da, der kann wählen, was er will - bloß wird beim anschließenden "Apres Ski" NICHT politisch diskutiert und keine Witze erzählt, das führt nur zu unguter Stimmung."
Fazit: der Mann hält sich dran und ist der Hilfsbereiteste von allen. So geht´s also auch ...