- Der Mensch Jean
Der einzige Trost waren Liebe und Freundschaft. Mit Jean Ziegler ist nicht nur ein Denker gestorben, sondern ein Romantiker der edlen Absicht. Vor allem aber fehlt von nun an ein Mensch, der dem Menschen ein echter Freund war – in einer Zeit, in der solche seltener werden.
Trotz alledem!“ Der Titel seines letzten Buches könnte für sein ganzes rebellisches Leben stehen. Ebenso der Untertitel: „Warum ich die Hoffnung auf eine bessere Welt nicht aufgebe“. Am 10. Juni ist Jean Ziegler im Alter von 92 Jahren gestorben.
-
Monatsabo (im 1. Monat) 2,00 €
Das Abo kann jederzeit mit einer Frist von 7 Tagen zum Ende des Bezugzeitraums gekündigt werden.
Der erste Monat kostet 2,00 €, danach 9,80 €/Monat.
Ohne Abo Lesen
Bei älteren Beiträgen wie diesem wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen. Wir bedanken uns für Ihr Verständnis.
zum katholischen Glauben übergetreten war, wußte ich nicht. Dies beweist mir, daß er auf der Suche nach der absoluten Liebe war, die sich in der Person Jesu Christi verwirklicht hat.
Ich hoffe daher, daß er in diesem festen Glauben friedlich und hoffnungsfroh gestorben ist, obwohl er die Welt nicht zum Guten verbessern konnte - so wie er es ein Leben lang versucht hat.
Es ist eben nicht unser E r f o l g auf Erden, der uns in den Augen Gottes zu guten Menschen macht, sondern allein unser praktisches Tun im Kleinen u. gegenüber unseren unmittelbaren Nächsten.
Was Jean Ziegler m. E. nicht akzeptieren wollte,, ist die Tatsache, daß wir Menschen die irdische, reale Welt niemals zum Guten hinführen können. Das kann nur einer: GOTT - am Ende der Zeiten. Alle Revolutionäre sind daran gescheitert, daß sie die Natur des unvollkommenen Menschen nicht akzeptieren wollten. So wurden sie selbst sehr oft am Ende zu Monstern. In der Welt gelten Gesetze, mit denen man rechnen und klug umgehen muß.
Für ihn spricht die Suche. Die Bereitschaft, sich zu ändern. Der Ringen um gottgefälliges Tun. Das ist beeindruckend in seiner Hartnäckigkeit. Aber auch in seiner Naivität und seinen krassen Irrtümern. Denn der Altkommunist Sartre, seine folgsame Gefährtin Beauvoir und der radikal mordlustige Romantiker Guevara bereiteten dem Humanisten Ziegler den Weg zum Muslim-Bruder Tariq Ramadan, dessen akademischer Mentor und Sponsor er wurde.
Insofern hat der verträumte Bürgerliche, der seine eigene Herkunft verabscheute, zugleich auch echte Flurschäden angerichtet, die sein scheinbar so löbliches Wirken nachhaltig überschatten.
Aber das ist nur eine Bemerkung vom Spielfeldrand, von einem gebrannten Kind, das man in den letzten 15 Jahren zu viel mit den allerbesten Absichten und höchster Moral traktiert hat.
Ich fürchte, Moralismus und Moral sind echte Gegensätze, denn Gesinnungsethik hat mit Vernunftethik wenig bis gar nichts zu tun.
Besonders Ihr letzter Satz sollte allen Verantwortlichen in Politik, Kirche und der Gesellschaft ganz allgemein immer wieder ins Bewußtsein gerufen werden!
Der Schaden, den billiger Moralismus anrichtet, kann genau so verheerend sein wie das Handeln schurkischer Machthaber.
Nicht umsonst hat Gott und das Herz u n d den Verstand geschenkt.
