Dienstpflicht - Wendige Wurschtigkeit

Warum die Debatte um Wehrpflicht und Dienstpflicht richtig ist – aber unverantwortlich falsch geführt wird

 Ein Leopard 2 Kampfpanzer der Bundeswehr fährt in die Militär-Übungsstadt Schnöggersburg ein
Übung mit Schützenpanzer Marder: Tritt der Fall der Landesverteidigung wieder ein? / picture alliance

Autoreninfo

Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins Cicero.

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Etwas Grundsätzliches zuerst: Die allgemeine Wehrpflicht rechtfertigt sich als Eingriff in die persönliche Freiheit eines Staatsbürgers einzig und allein sicherheitspolitisch. Oder sie rechtfertigt sich eben nicht. Weder der Umstand, dass mit ihr als einer Art Schnupperpraktikum in der Truppe Berufs- und Zeitsoldaten rekrutiert werden können, noch die vermeintliche erworbene Fähigkeit junger Menschen, einen Spind ordentlich aufzuräumen, ein Bett zu machen oder ein Oberhemd auf DIN-A-4 Format zusammenzulegen, rechtfertigt diesen Eingriff. 

Aussetzung der Dienstpflicht war eine politische Frechheit

Hätte es nach dem Krieg eine allgemeine Backpflicht gegeben wegen Brotnot, und diese Brotnot wäre hinfällig geworden, dann hätte keine Bäckerinnung der Welt diese Backpflicht aufrecht erhalten können. Weder mit dem Hinweis, dass es doch so praktisch war, junge Menschen erleben zu lassen, wie schön es ist, morgens um vier im Brötchenduft zu stehen. Noch mit dem Hinweis, dass es nicht schaden könne, wenn alle jungen Männer für den Rest ihres Lebens backen können. 

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Christa Wallau | Fr, 10. August 2018 - 12:46

Herzlichen Dank für Ihre klaren, richtigen und wichtigen Worte zum Thema Wehrpflicht und die Diskussion darüber.
Ich stimme Ihnen in allem zu.
Mangelnde Ernsthaftigkeit (tagespolitische Oberflächlichkeit und Gefälligkeitshandeln) hat uns dorthin geführt, wo wir jetzt stehen.
Wir brauchen dringend Menschen in der Politik, die Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden können, die Kenntnisse, Bildung und Lebenserfahrung besitzen und die tatsächlich VERANTWORTUNG übernehmen wollen.

Nur: Woher so plötzlich so viele nehmen ?

Immerhin haben Sie, lieber Herr Schwennicke,
mit diesem Artikel und mit Ihrem Team ganz allgemein bisher schon gezeigt, daß es noch vernünftige und für ergebnisoffene Diskussionen bereite Leute in Deutschland gibt.
Diese müssen sich nun sofort zusammentun und ohne Ressentiments u. Vorurteile nach Lösungen für unser zerrissenes und hoch gefährdetes Land suchen.
Bitte, wirken Sie daran mit, und führen Sie vor allem auch Gespräche mit der AfD.
Danke.

Werte Frau Wallau!
Wie immer eine sehr gute Beschreibung... Aber mit Ihrem
letzten Satz, hat Herr Schwennicke genau so viele Probleme
wie seine "Kollegen". Schade eigentlich. MfG

Stefan Sasse | Fr, 10. August 2018 - 13:50

Ich bin kein Militärexperte. Wenigstens fährt das Gefährt auf dem Bild. Möglicherweise ein Archivbild aus besseren Zeiten. Es scheint mir entgegen Ihrer Headline vom nicht ganz so vom Aussterben bedrohten Bestand der Marder zu sein.

Gerhard Hein | Fr, 10. August 2018 - 13:55

Es ist nicht nur Wurschtigkeit - die Personen wären austauschbar - es ist leider auch Unfähigkeit und dies nicht nur im Bereich der BW. , sondern ausnahmslos in allen anderen Fakultäten. Konzipert werden muss ein EU-Verteidigungs -und Wirtschaftskonzept zwecks Erreichung von EU-Zielen. welche uns gegenüber USA, China stärkt und weniger erpressbar macht.
Wahrscheinlich müssen wir fähige
und durchsetzungsstarke Persönlichkeiten dafür erst mühselig heranbilden. Denn auch in der Wirtschaft fallen mir keine geeigneten Persönlichkeiten auf.
Deshalb finde ich die Forderung
in zahlreichen Kommentaren - egal welches Thema- "Merkel muss weg" ohne Vorschlag, wer es denn machen könnte, wenig hilfreich.
Wer meint, die AfD könnte helfen,
ist auf dem falschen Dampfer !!

Willy Ehrlich | Fr, 10. August 2018 - 15:20

"Wir brauchen dringend Menschen in der Politik, die Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden können, die Kenntnisse, Bildung und Lebenserfahrung besitzen und die tatsächlich VERANTWORTUNG übernehmen wollen."

Die haben wir, Frau Wallau. Auf den weit überwiegenden Teil der Abgeordneten trifft das zu. Das Problem besteht darin, dass die Unterscheidung zwischen Wichtigem und Unwichtigem der persönlichen Meinung unterliegt. Da klemmt`s.

Christa Wallau | Fr, 10. August 2018 - 17:42

In reply to by Willy Ehrlich

Wenn wir - wie Sie schreiben - überwiegend Parlamentarier haben, welche die von mir genannten Kriterien erfüllen, dann erklären Sie mir mal bitte, w i e s o es bei allen wirklich wichtigen Entscheidungen der Regierung Merkel k e i n e nennenswerte
Gegenwehr von Abgeordneten gegeben hat.
Ob Atomausstieg, Aussetzung der Wehrpflicht, Rettungsschirme für Griechenland und besonders zuletzt: Grenzöffnung für Hunderttausende, die unkontrolliert in unser Land strömen - W o , bitte, waren denn da die großen Reden von Damen und Herren im deutschen Parlament, die Merkel Paroli geboten haben???
Ich kann mich an keine erinnern.
Am meisten fehlt es an der Bereitschaft, persönliche Verantwortung zu übernehmen. Lieber ducken sich unsere Volksvertreter hinter der Fraktionsdisziplin als ihrem Gewissen u. dem eigenen Verstand zu folgen.
Außer einer tapferen Frau hat bis heute k e i n CDU-Abgordneter seiner Partei den
Rücken gekehrt - dafür sind sie alle zu feige u. kleben an ihren sicheren Diäten.

Fritz Gessler | Fr, 10. August 2018 - 15:37

gegen wen wollt ihr krieg führen? gegen polen? gegen österreich? :))
ah, ja: gegen russland; auf befehl der USA.
deutschland braucht eigentlich keine armee - wohl aber einen einsatzfähigen militärischen (aussen)grenzschutz im rahmen der EU.
und deutschland - wie eigentlich alle modernen staaten - bräuchte DRINGEND eine art 'soziales pflichtjahr' als zivildienst. verpflichtend für alle jungen männer UND frauen ab 18.

werter Herr Gessler, ist nichts anderes als die perfide Umschreibung für Zwangsarbeit, die Sie - ohne Not - unseren Jugendlichen aufzwingen wollen. Sie ist weder GG-konform noch entspricht sie unserer freiheitlichen EU-Werteordnung. Darüber hinaus ist sie mitnichten ein Kennzeichen für einen modernen Staat, sondern eher in totalitären Systemen zu finden (siehe Nordkorea: 10 Jahre für Männer, 7 Jahre für Frauen).
Hingegen ist ein koordinierter EU-Außengrenzschutz durchaus zu begrüßen, da stimme ich Ihnen zu! Aber bitte nicht mit Zwangsdienstleistenden - das ist sinnfrei - sondern mit echten Profis und einer Struktur, wie sie mit der ABF (Australian Border Force) seit langem erfolgreich ist (operations- und support-group). Die bereits existierende EU-Küstenwache Frontex könnte dabei in einer neuen EBF (European Border Force) problemlos integriert werden. Wenn es uns dann noch gelingt, den Dienst für junge Menschen attraktiv zu machen, haben wir eine win-win-Situation für alle Europäer.

Dieter Würfel | Fr, 10. August 2018 - 15:47

Unabhängig vom desolaten Zustand der Truppe - wofür brauchen wir sie denn eigentlich? Vor wem soll sie uns verteidigen? Es wird hierbei oft auf die internationalen Entwicklungen hingewiesen. Kommt der böse Assad zu uns? Oder der böse Putin? Womöglich der böse Trump (wobei die Amis doch ohnehin schon seit langem in unserem Land sitzen)? Oder müssen wir wieder unsere Interessen im Hindukusch oder in sonstigen entlegenen Regionen dieser Erde verteidigen? Vor den "Eindringlingen" aus Afrika usw. konnte uns die Bundeswehr jedenfalls nicht schützen. Für innerdeutsche Belange (Katastrophen usw.) benötigen wir sie auch nicht, da gibt es genügend Organisationen, bei denen die Mittel besser aufgehoben werden.

Danke für Ihren Kommentar. Bis heute kann mir niemand schlüssig erklären, wofür wir die Bundeswehr, so wie sie definiert ist, eigentlich brauchen. Wir können natürlich den Reichsarbeitsdienst der Nazis umlabeln in einen Republikarbeitsdienst. Frage: wo ist der Unterschied?

Ich bin entgegen einigen Foristen schon der Auffassung, daß eine Bundeswehr notwendig ist. Mögen wir auch momentan von vielen "Freunden" umgeben sein, ist das kein Garant dafür, daß dies bis in alle Zeiten so bleibt. George Friedmann sagte bereits, Amerika hat keine Freunde, Amerika hat Interessen. Das würde ich auch allen anderen souveränen Ländern so zuschreiben. Der Euro beweist es. Der Süden läßt sich vom Norden aushalten. Frankreich hätte gern Zugriff auf deutsche Bankeinlagen im Rahmen der europäischen Einlagensicherung. Wer sich die Zahlen verschiedener französischer, spanischer, griechicher Banken ansieht, weiß, was das bedeutet (faule Kredite). Das sind keine Freundschaftsbezeigungen, das ist die knallharte Wahrnehmung eigener Interessen. Solange Deutschgland zahlt, ist alles in Ordnung. Was, wenn wir es nicht mehr tun?! Spätestens dann wird es sich für diese "Freundschaft" erledigt haben. Momentan sind wir ja nicht einmal mehr in der Lage, unsere Grenzen zu schützen.

ingrid Dietz | Fr, 10. August 2018 - 16:27

dachte ich doch tatsächlich, dass unsere Bundeswehr dafür da wäre, die Bevölkerung zu schützen !

Das war ein großer Irrtum !

Die Bundeswehr darf uns doch im Inneren gar nicht schützen. Das ist Sache der Polizei. Die Kameraden schützen ihre Kasernen und sich gegenseitig (mit mehr oder weniger Laub auf dem Kopf) und wundern sich über mangelnde Akzeptanz und Anerkennung in der Bevölkerung. Von außen kommen nichts als durchgewinkte, erwünschte Migranten. Kein Handlungsbedarf. Im Inneren dürfen sie sowieso nichts machen. Soldat in Deutschland ist ein von jedem Sinn befreiter Beruf. Uns wird niemand verteidigen - weder nach außen noch nach innen. Schutz für uns, die wir schon länger hier leben - ist der größte Irrtum aller Zeiten. Wir haben uns der Welt komplett und schutzlos ausgeliefert und halten daran fest.

Yvonne Walden | Fr, 10. August 2018 - 16:52

Die Verantwortlichen der Bundeswehr überlegen seit langem, wie die Rekrutierung von soldatischem Nachwuchs effektiver und vor allem erfolgreicher praktiziert werden könnte.
Wie läuft dieser Personalgewinnungs-Vorgang denn in den übrigen Armeen unserer NATO-Partner ab?
Wie steht es um die Besoldung (Wehrsold) in den Partner-Armeen?
Bevor also überhaupt Überlegungen zur Reaktivierung der Wehrpflicht angestellt werden, sollten derartige Recherchen erfolgen und ausgewertet werden. Allerdings bleibt auch hier eine Frage vollkommen ungelöst: Wozu brauchen wir wirklich einen Personalaufwuchs in unserer Bundeswehr, die ja eigentlich nur zur Verteidigung unseres "Bundesgebiets" (und allenfalls des NATO-Territoriums) dienen soll?
Von welcher Seite gibt es eine "massive Bedrohung" etwa durch ausländische Streitkräfte oder terroristische Organisationen, die eine Aufstockung unserer Streitkräfte erfordert?
Bevor diese Fragen ungeklärt sind, können alle Überlegungen hintan gestellt werden.

Hätte man die Bundeswehr in der grausigen Kölner Silvesternacht auf die Domplatte schicken dürfen? Wohl eher nicht. Also sie dürfen uns vor sowieso nichts schützen. Sie sind einfach nur da. Ruhm, Ehre, Anerkennung erntet man so nicht. Vielleicht mal neu definieren, damit es dann auch mit Anerkennung klappt, dann von mir auch gerne Wehrpflicht für ausnahmslos alle nach israelischem Vorbild.

Heidemarie Heim | Fr, 10. August 2018 - 17:28

Ja mag sein das wir unser Land bei einem direkten Angriff mal wieder verteidigen müssen. Aber was hat man von Reservisten, die irgendwann mal 1 Jahr in Nato-olive gekleidet und ausgebildet an Antikmaterial die Verteidigungslinien halten sollen? Das würde heute wie schon früher keinen Sinn machen, zumal man schon im dicksten Kalten Krieg und einer bestehenden DDR in Stunden rechnete bis die Russen uns platt gemacht hätten mit ihrer Übermacht. Heute wahrscheinlich in Minuten. Sicher aber noch bevor die dann mobilisierten Exwehrpflichtigen die Computer mit den Abwehrprogrammen hochgefahren hätten. Wenn diese überhaupt funktionieren würden nach dem russische Hacker sie vorher geimpft haben. Nichts für ungut aber wie gesagt kann man die erforderlichen Einsatzkräfte/Spezialisten so nicht rekrutieren. Es geht im Diskurs vielmehr um die Heranziehung dringend benötigter Lückenfüller in "Diensten der Gesellschaft", die gefälligst ihre verwöhnten Hintern bewegen sollen! Sagt`s doch einfach! MfG

Hannes Köppl | Fr, 10. August 2018 - 19:22

Die Notwendigkeit der Landesverteidigung ist bereits eingetreten. Die Hauptaufgabe einer Verteidigungsarmee ist es, die Grenzen und das Land vor Bewaffneten und Unbewaffneten zu schützen.

Michaela Diederichs | Fr, 10. August 2018 - 21:31

Allgemeine Wehrpflicht auch für Menschen mit zwei Pässen, wenn sie ihren Wohnsitz in Deutschland haben, halte ich für gegeben und vertretbar und darf auch nicht an der sexuellen Ausrichtung orientiert sein. Alle müssen da durch. Das kann in der Verfassung so verankert werden. Wenn dann aber wieder -zig Ausnahmeregelungen, Klagen, Ausflüchte, religiöse Gründe etc. möglich sind, um das zu umgehen, wird das ad absurdum geführt. Die Bundeswehr ist nach Aussetzung der Wehrpflicht doch gar nicht mehr im Bewusstsein der Menschen verankert, weil sie auch niemals präsent ist und nichts darf - außer beim Stapfenstreich für ausscheidende Präsidenten oder wenn Staatsgäste mit militärischen Ehren empfangen werden. Dürfte die Bundeswehr bei - sagen wir mal - Aufständen durch wütende, renitente Migranten eingesetzt werden zur Wahrung der inneren Sicherheit? Derzeit vermutlich nicht. Das ist Sache der Polizei. Die Bundeswehr ganz neu aufgestellt und ausgerichtet werden.

Michaela Diederichs | Fr, 10. August 2018 - 22:05

Dienst am und für Menschen statt Bundeswehr gerne - in einem sehr eng beschränkten Rahmen. Altenheime, Krankenhäuser, Feuerwehren, Technisches Hilfswerk, Johanniter, DRK, Behindertenwerkstätten etc. und zwar unabhängig von Glaubensrichtungen. Dienst am Menschen ist jedem zuzumuten. Selbst der Papst wäscht einmal jährlich (ausgewählte) Füße. Aber Theater, Kirche/Moschee/Synagoge/Tempel, NABU etc. klares Nein. Wenn die Hintertür der persönlichen, "sauberen", nicht belastenden Neigung offen steht, werden sich Menschen verständlicherweise immer dafür entscheiden. Wollen wir das gesetzlich verhindern, landen wir in der Zwangsarbeit. Die ist verboten. Und nun? Doch verpflichtender Reichsarbeitsdienst? Na, dann mal los.

Sylvia Zarnack | Sa, 11. August 2018 - 10:16

Einen Aspekt vermisse ich in der jetzigen Debatte:
Die "sog." Wehr"pflicht" wurde schon vor Jahren als extrem ungerecht empfunden, da nur ein Teil der jungen Männer eingezogen werden konnte. Viele machten damals den gesellschaftlich willkommenen Ersatzdienst oder gingen frei aus. Außerdem hieß es, sie würden im Vergleich mit anderen Ländern zu spät ins Berufsleben eintreten.
Dieses und andere Argumente - ob zutreffend oder nicht - sollten nicht unerwähnt bleiben.