Priesterweihe
Szene einer Priesterweihe / Foto: SZ Photo/Picture Alliance/DPA

Die Missbrauchskrise der Kirche neu erzählt - Schuldiges Opfer?

Als Priester, Aktivist und Missbrauchsbetroffener wird Wolfgang Rothe mit dem Bayerischen Verfassungsorden geehrt. Doch hinter dem festlichen Auftritt stehen alte Skandale, Gerichtsentscheidungen und innerkirchliche Konflikte. Eine Geschichte über Macht, Schuld und Deutungshoheit.

Leven

Autoreninfo

Benjamin Leven, promovierter Theologe und Journalist, ist Redaktionsleiter Online der katholischen Zeitschrift Communio

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Es wurden 48 Persönlichkeiten geehrt, der Schauspieler Heiner Lauterbach und der Verleger Dirk Ippen sind darunter. Am 4.Dezember 2025 nahm auch Wolfgang Rothe aus den Händen der Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) den Bayerischen Verfassungsorden entgegen. Ein festlicher Moment im Münchner Maximilianeum. Der katholische Priester, so heißt es in der Begründung, trete vehement ein für die Rechte queerer Menschen und unterstütze Opfer sexuellen Missbrauchs, indem er ihnen eine hörbare Stimme verleiht. Rothe fordere den Mut zur Wahrheit, zur Aufklärung und zur Veränderung“.

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Ernst-Günther Konrad | Do., 29. Januar 2026 - 11:42

Warum? Wir erleben den Untergang der christlichen Amtskirchen. Eine kriminelle Vereinigung für mich zeitigt langsam ihren Niedergang. Und das ist gut so. Man braucht keine politisch ideologisierte, eine eigene Straftaten vertuschende Kirche.
Und die Politik macht es mit. Warum wohl? Wer weiß, welche Politiker damit involviert sind, bei Kindesmissbrauch, politischer Einflussnahme.

Karl-Heinz Weiß | Do., 29. Januar 2026 - 14:29

Die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in beiden Amtskirchen ist eine sehr schwierige Aufgabe und führt nur ganz selten zur "Befriedung ". Warum aber Ilse Aigner bei massiven Einwänden an der Ordensverleihung festgehalten hat, bleibt ihr Geheimnis. Die Chancen, den bisherigen Bundespräsidenten zu beerben, dürften aber damit erledigt sein. Oder steckt ganz einfach eine nicht seltene CSU-Taktik dahinter ? „A Hund is er scho".

Herbert Schultz-Gora | Fr., 30. Januar 2026 - 11:05

... im Sinne der Redensart «verschiedene Seelen wohnen in meiner Brust».
Eine «gut integrierte» Persönlichkeit ist dadurch gekennzeichnet, dass die «Anteile», die aus unterschiedlichen Erfahrungshorizonten verschiedener Lebensphasen resultieren, gut miteinander im Sinne eines »inneren Teams« verbunden sind.
Wenn jemand Anteile hat, die ein „Schattendasein“ führen, weil sie aus Entwicklungsphasen stammen, die von Leid, Mangel oder Ohnmacht geprägt sind, kommt die Person in Konflikt, wenn solche Anteile mit einem verantwortungsvollen erwachsenen Leben nicht zu vereinbaren sind.
Eine Hypothese, wie es zu manifestem Mißbrauch kommt, könnte lauten, daß »kindliche« Anteile, die nach Gesehenwerden, Geborgenheit und Nähe streben, sich in einem mit erwachsener sexueller Triebenergie aufgeladenen Zustand verbinden mit Impulsen, die aus Angst und Ohnmachtserfahrungen stammen und ins Gegenteil, also Machtstreben umgewandelt wurden.
Eine spezifische psychoth. Behandlung ist geboten.