Platzeck - Der Deichgraf und die Frauen

Von Ute bis Jeanette: Matthias Platzeck und die Frauen

Ute Platzeck ist eine selbstbewusste, politische Frau. Wer die Fraktionsvorsitzende des Potsdamer Bürger-Bündnisses, einer engagierten lokalen Wählergemeinschaft, auf Matthias Platzeck anspricht, erntet bestenfalls eine unwillige, knappe Antwort. Ja, sie war die Ehefrau des Ministerpräsidenten, Betonung auf „war“. Das wiederum sei nun so lange her, dass sich Nachfragen eigentlich nicht schickten. Und doch erklärt vor allem die längst vergangene Beziehung zu seiner ersten Ehefrau Ute den Wandel Platzecks in den späten siebziger Jahren vom überzeugten Sozialisten zum Systemkritiker.

Die sportliche, brünette Ute stammt aus einem evangelischen Elternhaus, das dem DDR-Regime kritisch gegenübersteht. Sie kennt den Liedermacher Stefan Krawczyk und den später inhaftierten Wehrdienstverweigerer Arnold Vaatz. In ihrer offenen Art, die auch die häuslichen Diskussionen in der jungen Ehe kennzeichnet, ist sie damals, was Platzecks Einstellung zur DDR angeht, durchaus „prägend“, wie er später bekennen wird. Sechs Jahre lang hält die Verbindung, das Paar bekommt drei Töchter, 1984 wird die Ehe geschieden.

Bis heute steht Matthias Platzeck im Kontakt zu seiner Familie. Im Gedächtnis geblieben ist das Gruppenfoto mit seinen drei inzwischen erwachsenen Töchtern am Tag seiner Vereidigung zum Ministerpräsidenten. Es half, das öffentliche Bild des „Frauenverstehers“ zu zeichnen. Ute Platzeck nahm – der Nachfragen offenbar überdrüssig – in diesem Sommer, 21 Jahre nach der Trennung, wieder ihren Mädchennamen an. In der Wendezeit lebt Umweltaktivist Matthias mit der Ärztin Christina zusammen. Sie hat einen kleinen Sohn mit in die Beziehung gebracht, man bestreitet das Leben gemeinsam in Potsdam-Babelsberg. Geblieben ist lediglich eines der wirklich raren Fotos aus dem Privatleben Platzecks: traute Frühstücksszene in Schwarz-Weiß.

Im Jahr 1997 wird Matthias Platzeck bundesweit bekannt. Als Umweltminister von Brandenburg, bislang wenig medienerfahren, stemmt er sich entschlossen und öffentlichkeitswirksam gegen die unaufhaltsame Oderflut. Die Zeitungen schreiben ihn hoch zum „Deichgrafen“, das Morgenmagazin sendet fast täglich aus dem Oderbruch. Und immer wieder befragt ihn die Fernsehreporterin Carla Kniestedt, vor der Wende Journalistikstudentin in Leipzig, Redakteurin beim Neuen Deutschland und Korrektorin, unverwechselbares Kennzeichen: dunkelroter Bubikopf. Den öffentlich-rechtlichen Interviews folgen private Gespräche, Journalistin liebt Politiker, Brandenburg hat sein Traumpaar: Schröder-Köpf auf Landesebene. Geblieben sind etliche Fotos von gemeinsamen Presseball-Besuchen. Und den eingeweihten Zuschauer beschleicht jedes Mal ein etwas peinliches Gefühl, wenn RBB-Moderatorin Carla Kniestedt in ihrer Sendung „Klipp und Klar unterwegs“ den Liebhaber von einst nun ganz kühl und sachlich als „Herr Ministerpräsident“ anspricht.

Der Umweltminister wird Oberbürgermeister von Potsdam. Und wieder spielt sein Beruf Amor: Im Vorzimmer arbeitet Jeanette Jesorka, bescheiden, blond, allein erziehend. Im März 2001 tritt sie der Babelsberger SPD bei, als 600. Mitglied, „Es war ein langer Prozess, von der Wende bis heute. Aber wenn man sich zu einer politischen Richtung bekennt, dann kann man die Partei auch mit nach außen vertreten“, wird sie von der Parteizeitschrift zitiert. Die zeigt dazu ein großes Foto von ihr – vielleicht haben die Genossen bereits eine Vorahnung. Es soll noch ein knappes Jahr und einen Karrieresprung Platzecks dauern, bis sich das Paar öffentlich zu seiner Liebe bekennt: Jeanette Jesorka wird die inoffizielle First Lady der Mark. Wo immer das Paar auftritt, zeigt es seine Liebe: Ungezählt sind die Fotos des Händchen haltenden Landesvaters.

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