Denkmalsturm - Zwischen Bismarck und Obama

Es ist in der Rückschau fast ein Wunder, dass Barack Obama ausgerechnet an der Siegessäule in Berlin eine fulminante Rede hielt. Sie ist preußischem Militarismus gewidmet und wäre eigentlich ein perfektes Ziel für den derzeit um sich greifenden Denkmalsturm.

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Phallushaft: Die Siegessäule in Berlin / picture alliance

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Alexander Marguier ist Chefredakteur von Cicero.

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Alexander Marguier

Für kultursensible Menschen ist der Große Stern in Berlin eine veritable Herausforderung. Der Kreisverkehr am Tiergarten birgt nämlich aufgrund seiner unübersichtlichen Vielspurigkeit nicht nur für Verkehrsteilnehmer allerlei Gefahren (ich war dort selbst schon mal in einen Unfall verwickelt), sondern bietet auch historische Zumutungen jeglicher Gestalt.

Es beginnt mit der phallushaften Siegessäule in der Mitte des Platzes, die an gleich drei gewonnene Preußenkriege (gegen Dänemark, Österreich und Frankreich) erinnert. Dass die Kannelierungen auch noch mit 60 vergoldeten Kanonenrohren aus Beutebestand ausgestattet wurden und das ganze Machwerk von einer Bronzestatue der Siegesgöttin Viktoria gekrönt ist, die in der linken Hand ein Feldzeichen mit dem Eisernen Kreuz hält, trägt auch nicht gerade zur Entspannung bei. Kein Wunder, dass der verstorbene CDU-Generalsekretär Heiner Geißler das Monument am liebsten in die Luft hätte sprengen lassen, noch bevor der Denkmalsturm jetzt groß in Mode kam.

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Christa Wallau | Fr, 17. Juli 2020 - 10:19

aus denen er erwächst, verdient diese Bezeichnung nicht.
Die lange Geschichte des homo sapiens mit all seinen Erfahrungen und Fortschritten (große Erfolge, aber auch immer mal wieder gewaltige Rückschläge!) hat mit den ersten Menschen begonnen und setzt sich fort bis zum Ende der Welt.
Wer sich als heutiger Mensch so vollkommen vorkommt, daß er meint, es stehe ihm zu, seine Vorfahren ultimativ zu verurteilen und ihr Andenken in den Schmutz zu ziehen, der ist nicht forschrittlich, sondern geistig beschränkt und arrogant.
Wie das Sprichwort sagt: "Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz."

Bilderstürmer sind Fanatiker.
Sie schaffen nichts Positives, vielmehr richten sie nur Zerstörungen an. Das nennt man nicht Kultur, sondern Barbarei.

Die der eigentlichen Problematik nicht gerecht werden, sondern Partei ergreifen.

Dafür, dass das Gedenken an bestimmte Persönlichkeiten am Leben bleibt - Persönlichkeiten, die nach heutigem Werteurteil keinen Platz in der Öffentlichkeit haben sollten!

Halt, schreien sofort die Neunmalklugen. Man kann Vergangenes nicht mit heutigen Maßstäben messen.

Gilt das eigentlich auch für Hitler und Stalin? Warum fordern die angeblich "Geschichtsbewussten", dass auch weiterhin öffentliche Orte nach dem Nazi-Steigbügelhalter Hindenburg benannt werden?

Weil - Zitat - wer seine "Vorfahren" verurteilt, und ihr Andenken in den Schmutz zieht, geistig beschränkt und arrogant ist" ?

Also verurteilen wir Hitler und Goebels nicht mehr? Was ist dann mit den DDR-Bonzen? Warum sind Honecker oder Ulbricht aus dem öffentlichen Leben verschwunden, wieso heisst Karl-Marx-Stadt wieder Chemnitz?
Weil wir "geistig beschränkt" ein Stück Geschichte "bereinigt" haben?

Was für eine Doppelmoral!

Herr Lenz, Karl- Marx- Stadt heißt wieder Chemnitz, weil es vor 1951 über 700 Jahre lang Chemnitz hieß, übrigens nach dem Fluß Chemnitz, dessen Name (die Steinige) slawischen Ursprungs ist. Die Mehrheit der Chemnitzer wollte das so. Der Kopf des Karl Marx steht aber noch in alter Größe an seinen Platz, und das ist gut so. Man hätte auch irgendwo ein Hitler- Denk- mal stehen lassen können, allerdings mit einer Inschrift, die ihn als den größten und verbrecherischsten Irren der deutschen Geschichte ausweist. Geht natürlich nicht, die „Ausgeburten des Hungers nach simulierten Nationalsozialismus“, wie Frank Böckelmann sie bezeichnete, hätten ihm Blumen zu Füßen gelegt und die Inschrift zerstört. So wie die AFA 161 in einer Kleinstadt in Sachsen das Bildnis und die Inschrift eines Bismarckdenkmals zerstörten und mit geschichtsrevisionistischen Sprüchen besprühten. Warum die Antifaschistische Aktion sich an Bismarck ausließ? Also Faschist war er sicher nicht.

war sicher kein Faschist. Aber ein überzeugter, bekennender Anti-Demokrat.

Müssen wir an solche Typen erinnern?

Karl-Marx-Stadt hiess früher schon mal Chemnitz, stimmt. Aber warum zu früheren Namen zurückkehren?

Richtig, die Umbenennung betraf nur eine relativ kurze Zeit.

Aber auch der zweifelhafte Ruhm eines "Hindenburg" oder "Bismarcks" betrifft nur einen kurzen Zeitraum. Im Gegenteil waren die "Nachwirkungen" der Leistungen beider Männer durchaus nachhaltiger: Hindenburg inthronisierte Hitler und verschaffte den Nazis die Macht, mit allen bekannten Folgen.

Bismarck vereinigte Preußen unter einem Despoten und zerstörte die demokratische Bewegung, u.a. mit Erlaß des Sozialistengesetzes. Es war ein Weltkrieg notwendig, damit sich endlich die Demokratie durchsetzen konnte - wenn auch in schwächlicher und vorübergehender Form, was sicherlich auch auf Bismarcks zuvoriges Treiben zurückzuführen ist.

Nein, an solche Typen muss man nicht erinnern.

bestimmten Lesern zu folgen, ist wirklich gut ausgeprägt. Leider kommt immer wenig mehr dabei heraus als: "Alles Nazis, alle, außer mir!" Natürlich nur sinngemäß. Die oben genannten Herren mit Hitler gleichzusetzen, ist ungewöhnlich schlicht. Aber Denkmalstürmer zeichnen sich ja eben nicht durch Wunsch nach Dialektik aus.

Denkmäler heißen 'Denk-Mal', weil sie zum Nachdenken und Erinnern einladen - über die Leistungen, Fehler, Widersprüche von Menschen (und oft auch der Epoche in der sie lebten und wirkten).
Die Umbenenner und Bewältiger wollen NICHT, daß wir uns erinnern. Sie wollen, daß wir VERGESSEN! Sie wollen - im Orwellschen Sinne -, Vergangenheit und Geschichte SELEKTIV neu schreiben. Sie wollen darüber ENTSCHEIDEN, an wen und was erinnert werden darf und an wen und was nicht.
Wer bestimmt, Herr Lenz, das 'heutige Werteurteil' ?
Sie und Ihre Genossen?
Was wird MORGEN sein?

Eine geläuterte Linke hätte durchaus Vorbilder, auf deren Ideen und Lebensleistungen sie sich berufen könnte:
Lassalle, Kolping, Jaures, Luxemburg, Dubcek, Companys
Heutige Linke vergessen die eigenen Leute!

Götz Aly hat begründet, warum wir an Hindenburg (im Guten wie im Bösen) weiter erinnern sollten.
https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/der-neulinke-totalitae
(Februar 2020; Berliner Zeitung)

höchst fragwürdig, wenn sie einen klaren Standpunkt vermeiden.

Deswegen frage ich Sie ganz direkt, ohne eine Antwort zu erwarten: Möchten Sie Leute wie Ulbricht, Honecker oder irgendwelche Stasi-Grössen wieder in Ihrem ostdeutschen Stadtbild erleben, entweder als Denkmal oder als Träger von Platz- oder Strassennamen?
Möchten Sie gerne an Hitler und Göbbels oder andere Anti-Demokraten erinnert werden, von denen es in unserer erfolgreichen "tausenjährigen Geschichte" nur so wimmelt, Herr Kamerad?
In letzter Konsequenz fordern Sie nämlich genau das - öffentliche Präsentationen zweifelhafter Charaktere. Denn offensichtlich glauben Sie, man brauche Denkmale, um beispielsweise über die Nazis nachzudenken.

Aber halt: Sonst regen Sie sich doch so gerne über den ewigen Schuldkult auf! Ja was denn nun?

Oder geht es nur um die "tapferen Konservativen", die Hindenburgs und Bismarcks. Deren Porträt Sie sich gerne ins Wohnzimmer hängen dürfen - zum "(Nach)-Denken", oder warum auch immer.

In anderen Ländern gibt es eine Reihe von Denkmälern, die mit der Absicht eine bestimmte Bevölkerungsgruppe zu demütigen errichtet wurden und auch heute noch dafür stehen. Wenn manche meinen, dass es sich nur um " Geschichte " handelt, oder um Folklore, dann ist dies unhistorisch. Ich fürchte man sollte immer sehr genau hinsehen.

Tonicek Schwamberger | Fr, 17. Juli 2020 - 10:40

. . . Ihre Worte sprechen mir aus dem Herzen. Ich gebe Ihnen in allen Hinsichten Recht - wie in den meisten Ihren Artikeln.

Markus MIchaelis | Fr, 17. Juli 2020 - 11:31

Vom jetzigen "staatstragenden Bürgertum", dass sich (was sehr gut ist) deutlich hinter den Antirassismus stellt, würde ich auch viel mehr Konsequenz erwarten: Luther hatte ich schon angeregt - zwar oft diskutiert, aber ohne Konsequenz. Menschen waren für ihn mehr "Ausführungsmasse" für Gottes Werk. Geht das heute noch? Aus Platzgründen verschone ich die meiste andere Kirchengeschichte und gehe zur deutsch-europäischen Geschichte: für den Adel, seine Kriege und später noch kurz Industriebarone sind viel mehr Menschen gestorben und haben elend gelebt, als durch Kolonialismus (der auch sehr schlimm war). Wir haben aber heute eine Bayrische Schlösserverwaltung, die Geschichte, die wir lernen rankt sich um Herrscher und deren Kriege - mit ein paar modernen Einsprengseln.

Es ist doch vollkommen klar, dass das alles weg muss ....? Oder wir bleiben doch etwas im Heute?

Da ist es immerhin so, dass von Europa ausgehend die Sklaverei abgeschafft wurde (die wurden in der Industrie zu teuer).

Ihre Ansicht ist sehr interessant, Herr Michaelis. Auch unsere Nachkommen werden die gleichen Probleme mit der Bewertung unserer Erfolge und Niederlagen haben, wie wir mit unseren Ahnen. Wie werden spätere Generationen den heutigen grün gefärbten Raubbau an der Ökologie und der Zerstörung der Lebensgrundlagen der Menschen im Kongo und in den Anden sehen? Sie werden dann wissen, dass das alles nur geschah, weil WIR so für die GRÜNEN waren, weil wir noch SAUBERE LUFT haben wollten und weil es uns einen Dreck scherte, dass dafür der CO2 Ausstoß für die Herstellung der Batterien NUR die Luft auf anderen Kontinenten massiv verschmutzte. Wie betitelt man dann später einmal die Kinderarbeit für die Kobaltförderung oder die Vertreibung der Indigenen aus den Anden für das Lithium? Nach heutigen ideologischen Maßstäben würde es sicher als kritisch-tolerante Identitätspolitik bezeichnet.

@M.Sonntag: ja, natürlich ist es möglich, dass spätere Generationen uns nach unseren heutigen Maßstäben beurteilen, nur dass sie konsequenter sein werden, also sehen, dass wir heute noch nicht gut waren. Möglich. Es kann aber auch sein, dass man sich wieder mehr Gott zuwendet (einem oder vielen) und unsere Zeit kritisch sieht, weil man solange auf rein ökologische oder soziologische Fragen abzielte. Oder irgendeine unserer (heute gutgemeinten) Aktivitäten führt in eine noch nicht absehbare Katastrophe. Dann wird man analysieren, wer sich alles heute positiv oder nicht kritisch genug über diese Sache geäußert hat. Vielleicht wird eine zukünftgie Cyborg-Generation uns auch anklagen, dass wir KI und Biotechnologie so schleppend vorangetrieben haben und damit den Aufbruch in etwas Neues verzögert haben oder gar fast verhindert hätten.

Das Gute an der Zukunft ist ja: es ist unvorhersehbar was kommt und wie gedacht wird. Deswegen ist es auch leichter die Geschichte zu be(ver)urteilen.

Herr Sonntag, ein gar treffliches Posting!
Ich gehe davon aus, dass sie Frau Annalena Baerbock "vorsätzlich" nicht erwähnt haben. Dieses koboldige Sommerinterview ist ja wahrhaftig nur hochnothpeynlich.
Sie lässt man in Ruhe und zu Gauland ein Shitstorm.
Lassen wir das, es ist müßig.

Bei Interesse kann man sich den Rohstoffabbau in aller Welt ansehen, u. a. bei youtube.
Was sind Maschinen?
Wir haben Kinder!
"Ey, haste schon das neue i-phon von Dingeskirchen?" - "Na klar ey, voll krass gut!"

Und unsere BW-Jungs sind z.B. in Mali.
"Kampf dem Terror, es lebe die Demokratie!"
Aha, soso.
Schlecht ausgerüstet und heimatlich als Rassisten, Rechtsextreme verunglimpft.

Schwefelabbau in Java. Mega-Muldenkipper fahren die Serpentinen entlang, rund um die Uhr. Daneben laufen barfuß Einheimische mit einem Korb auf dem Kopf: Schwefelbrocken.
Ne Kippe im Mund, weil die Luft so toll ist!

HARD CUT!

Und Herr Habeck sowie MP Günther liegen auf der Wiese und lassen sich von Pferden beschnuppern!
AUS!

z. B. bei der Zwangsprostitution mitten im aufgeklärten Europa. Bei der Zwangsheirat, auch bei Frauen, die mitten unter uns leben. In jedem Falle persönlicher "Besitz". Da schaut man weg und da ist Schluss mit Gleichheit.

Rainer Mrochen | Fr, 17. Juli 2020 - 12:07

... das haben Säulen nun einmal so an sich, daß sie so ähnlich aussehen wie ... Nun, ja. Wir sollten alle Hochhäuser umkippen.

Wer mit der deutschen Vergangenheit allerdings so "aufräumen" will, (wobei, wer bestimmt eigentlich was Unordnung ist?), wie das jetzt geschieht, der hat sich wahrscheinlich nie gefragt, was dieses Land ausmacht und wie es dazu gekommen ist. Ich beziehe mich hier ausschliesslich auf Dichterinnen/Denkerinnen, Dichter und Denker, Macher.
Jedenfalls bin ich glücklich, daß ich hier leben darf. Der derzeitige Furor ist nicht nur unnötig, sondern auch nicht zielführend, da er nicht Konsens behaftet ist. Aber, noch hat sich jeder Zeitgeist totgelaufen.

Heidemarie Heim | Fr, 17. Juli 2020 - 14:29

Was hat die Frau, Sorry! Göttin nicht schon alles an Elend gesehen, Umzüge mitgemacht und Bedrohungen inklusive Sprengstoffanschlag überlebt! Was siegreiche Alliierte, SED-Bonzen und sonstigen Revoluzzern nicht gelang, soll nun dem Fortschritt anheimfallen? Wir empören uns alle einfach so fest und lange bis das sexistische Symbol samt Kanonen und Siegeskranz von alleine bröselt? Man sollte sich aber beeilen damit! Der Goldpreis, immerhin 1,6Kg Blattgold liegt momentan so hoch wie seit 2001 nicht mehr;)
Was oder wer darf als Nächstes(r) dran glauben?Wird Preußen-König-Friedrich II. zum x-ten Mal
umgebettet? Die Museumsinsel mit den ganzen nach Kriegen zusammen geklaubten Beutestücken unseres Weltkulturerbes plattiert?
Am Schluss die Grabmale unzeitgemäßer Kandidaten, die unserem kulturellen Fortschritt im Wege stehen? Oder, meine letzte Frage, ist es an der Zeit diesem symbolpolitischen Irrenhaus zu entfliehen?;) MfG

Brigitte Miller | Fr, 17. Juli 2020 - 16:02

"Am Dienstagmorgen hatte Beatrix von Storch mit einigen Mitgliedern der AfD-Jugendorganisation Junge Alternative eine Karl-Marx-Büste in Berlin zeitweise verhüllt. Nun ermittelt deshalb der polizeiliche Staatsschutz gegen sie.
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Nach der vorübergehenden Verhüllung eines Karl-Marx-Denkmals in Berlin ermittelt der polizeiliche Staatsschutz gegen die AfD-Politikerin Beatrix von Storch und andere Beteiligte. Es bestehe der Verdacht des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch. Die Aktion sei nicht angemeldet gewesen.
Mit der Aktion wollte von Storch nach eigenen Angaben gegen die aktuelle Rassismusdebatte in Deutschland protestieren. Diese sei „zur Bilderstürmerei verkommen“ und habe die Zerstörung des politisch-kulturellen Erbes zum Ziel."
Marx war Rassist und Antisemit, so von Storch.

Jürgen Keil | Fr, 17. Juli 2020 - 16:56

Der Zeitgeist war so. Im Kaiserreich hatte die übergroße Mehrheit der Menschen kein Problem mit Kolonialismus, Nationalismus und Kaiserkult. Der Schwarze war ein Neger und der Indianer war eine Rothaut. Man muss das nicht mögen, aber es war eben so. Wollen wir also jetzt richtig moralextrem sein, müssen Millionen Europäer die Bilder und Fotographien ihrer, und die Andenken an ihre Urgroßeltern vernichten. Sie müssen nach Afrika oder China reisen und sich persönlich für das Fehlverhalten und die rassistische Grundhaltung ihrer Vorfahren entschuldigen und ihre Sparguthaben als Wiedergutmachung überweisen.
Warum nicht, wenn sie sich dann besser, moralischer und fortschrittlicher fühlen? Ein gutes Gewissen ist ein gutes Ruhekissen.

Ellen Wolff | Fr, 17. Juli 2020 - 19:44

Wer von Euch ohne Makel ist, der mache mit. Wer hat eigentlich damit angefangen? Für mich ist die Hybris dieser Menschen unerträglich. Aber so sind Fanatiker, man kann nur hoffen, dass die meisten von denen irgendwann wieder zur Besinnung kommen. Dann könnte man vielleicht wieder ins Gespräch darüber kommen, wie wir hier gemeinsam dafür sorgen können, das die Welt für alle Menschen eine bessere wird. Aber Vorsicht, was für den einen eine bessere Welt wäre, wäre für den anderen unerträglich.

Gunther Freiherr von Künsberg | Sa, 18. Juli 2020 - 17:10

Die Aussage eines Denkmals muss so interpretiert werden, wie der Zeitgeist es zum Zeitpunkt von dessen Errichtung zum Ausdruck gebracht hat.
Das Schleifen von Denkmälern ist eine Handlung, die den Beweis dafür liefert, dass der Täter den Sinn eines Denkmals, nämlich mal nachzudenken, nicht in der Lage ist zu erfassen.
Wenn am Ende dieses Jahrhunderts ein Historiker sich mit dem Holocaust-Denkmal befassen wird, wird er sich mit der Aussage auseinandersetzen müssen, ein Politiker habe von einem Denkmal der Schande gesprochen. Er wird die Frage stellen müssen, was sich die Veranlasser des Denkmals bei dessen Errichtung gedacht haben. Kommt er zum dem Ergebnis, dass das Denkmal die Schande sei verkennt er die Intuition, die zu diesem Denkmal geführt hat. Es kann nur die Interpretation geben, dass das Denkmal der Schande an schändliches Tun erinnern soll, das nie wieder geschehen soll. Jede andere Interpretation wäre Geschichtsfälschung.