- Wielers Zahlenzauber
Das Robert Koch-Institut geht von mehr Geimpften aus, als offiziell erfasst wurden. Die entscheidende Frage ist aber nicht die nach der wahren Impfquote. Vielmehr muss endlich geklärt werden, warum man am RKI von einem statistischen Fehltritt zum nächsten stolpert.
Die Wahrheit ist ein gar seltsam Ding: Oft steht sie über Monate hinweg wie der sprichwörtliche Elefant im Raum, verstellt dort jegliche Sicht und Perspektive, geht mit lautem Getöse auf und ab, und dennoch scheut man sich, ihr auch nur ein einziges Mal vorurteilsfrei ins Gesicht zu schauen. Und wenn man sich dann doch einmal näher mit ihr befasst, dann braucht es oft noch Wochen, manchmal gar Monate oder Jahre, bis sie sich im öffentlichen Bewusstsein als das vorstellt, was sie wohl wirklich ist: die Wahrheit nämlich, und nichts als die Wahrheit.
So oder ähnlich verhält es sich dieser Tage wohl auch mit dem abermaligen Zahlensalat am Robert Koch-Institut (RKI): In einem Bericht von vergangenem Donnerstag nämlich hatte das Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Gesundheitsministeriums mit einem Mal Zweifel an sich selbst geäußert – genauer gesagt, an den Zahlen, die man dort tagein, tagaus zur Corona-Impfquote aneinandergereiht hatte. In nahezu buchhalterischer Fleißarbeit hatte man so über die zurückliegenden zehn Monate seit Beginn der Impfkampagne eine Impfquote von 79,1 Prozent für mindestens einmal geimpfte Erwachsene errechnet, während sie für vollständig Geimpfte bei 75,4 Prozent liegen sollte.