Ulrich Siegmund
Ulrich Siegmund (r.), Spitzenkandidat der AfD in Sachsen-Anhalt, spricht auf einer Kundgebung seiner Partei, 08.08.2026 / picture alliance/dpa | Matthias Bein

Das Personalproblem der AfD - Das richtige Argument in den falschen Händen

Der Versuch, Ulrich Siegmunds Fernstudium zu skandalisieren, ist krachend gescheitert. Doch das Humankapital-Problem der AfD ist dennoch real. Denn die Ächtung der Partei schreckt jene ab, die sie bräuchte – und zieht die an, die nichts zu verlieren haben.

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Shantanu Patni studiert Osteuropa-Studien an der Freien Universität Berlin. 

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Gert Postel, gelernter Briefträger mit Hauptschulabschluss, trat im November 1995 die Stelle eines Oberarztes im Maßregelvollzug des sächsischen Fachkrankenhauses für Psychiatrie in Zschadraß an. „Der Mann hat mich sofort überzeugt“, sagte sein Chef später. In 23 Strafverfahren wurde Postel als Gerichtsgutachter bestellt; zurückgewiesen wurde keines seiner Gutachten. Im Juli 1996 befürwortete das sächsische Kabinett seine Ernennung zum Chefarzt der forensischen Klinik in Arnsdorf, verbunden mit einer C4-Professur, damals der höchsten Besoldungsstufe für Professoren. Postel lehnte ab. Aufgeflogen ist er erst ein Jahr später, und das auch nur deswegen, weil die Eltern einer Kollegin bei einem Arztbesuch zufällig seinen Namen wiedererkannten.

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Walter Bühler | Fr., 14. August 2026 - 11:11

Es ist richtig: wir Wähler können nicht sicher sein, ob die AfD gut regieren wird. Es ist auch richtig, dass ihre Kandidaten wenig oder sogar keine Regierungs- und Verwaltungserfahrung gesammelt haben, und daher ist es auch durchaus möglich, dass sie schlecht regieren.

Aber wir Wähler haben andererseits jahrzehntelang leidvoll erfahren, dass die Alt-Parteien mit viel Regierungserfahrung auch nur schlechte Kandidaten aufstellen. Bei ihnen WISSEN wir aus Erfahrung, dass sie schlecht arbeiten.

Die AfD ist jedenfalls nicht daran schuld, dass sie keine Regierungs- und Verwaltungserfahrung sammeln konnte. Das ist eine fatale Folge der undemokratischen Brandmauer-Politik, mit der die Funktionäre in den Alt-Parteien und in den staatsnahen Institutionen sich an ihren Ämtern unerbittlich festgeklammert haben.
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Jedenfalls ist es absurd, wenn man Parteien wählt, bei denen man schon aus der Erfahrung weiß, dass sie den Staat beschädigen oder gar ruinieren.

Schlimmer kann es kaum werden.

... die Gesellschaftswissenschaften studiert haben, begegnen große Teile der Bevölkerung längst nicht mehr mit Bewunderung, sondern viel eher mit Misstrauen. Das liegt natürlich an der lautstarken Dominanz der woken und der bolschewistischen Sekten, die das öffentliche Bild der betreffenden Fakultäten an den Universitäten bestimmen. Das Vertrauen der Bevölkerung in die "Experten" aus diesem Bereich, die im ÖRR und in den staatsnahen Medien (in der "politischen Unterhaltungsindustrie") noch ein Zubrot verdienen, sinkt dramatisch.
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Es wird schwer sein, gerade in diesen Fakultäten seriöse und ernsthafte wissenschaftliche Arbeit wieder zur Norm zu machen. Die Gesellschaft hätte das bitter nötig.

Nix für ungut!

Der o. g. Artikel im aktuellen Heft (08/2026) beschreibt die Abhängigkeit der "Experten" in der Politik und den von ihnen ebenfalls abhängigen Zivilgesellschaften beschreibt das sehr gut.

Was wird uns da nicht alles als "wissenschaftlich erwiesen" verkauft? Prof. Wiesendanger hat zum Thema Einfluss des CO2 auf die Klimaveränderungen einmal sehr eindeutig beschrieben, dass wir maximal 10 - 15 % der Einflüsse auf unser Klima kennen. Dafür wird uns der Einfluss des Klimagases jedoch als 100% verkauft.

Sie haben vollkommen recht und ersparen mir viele Zeichen. Wen haben wir schon alles bei rot oder grün in höchsten Ämtern erleben müssen. Da haben die rhetorisch guten „Karrieristen“ längst das Ruder übernommen. Jura- oder Orchideen-Studium, dann als Assistent bei einem Abgeordneten und den Platz übernehmen. Dazu braucht es keine Praxis, die ein „Malermeister“ aus dem Osten vorweisen kann.

Siegmund macht es richtig, indem er sich mit vielen Kandidaten intensiv auf die Regierungsübernahme vorbereitet. Viele seiner Mitstreiter wollen die Politik zum Besseren verändern, wollen ihr ggf. vorhandenes Wissen und ihre Erfahrung einsetzen. Es kommt darauf an, die richtigen Leute an den richtigen Platz zu bringen, anders als die „etablierten Parteien“ mit ihrem omnipotenten, vielseitig einsetzbaren Personal.

Noch gibt es in der AfD viele, die für die Sache kämpfen, aber die Zahl der „Karrieristen“, die nur am eigenen Vorankommen arbeiten, nimmt mit jedem Parlamentssitz stark zu.

Urban Will | Fr., 14. August 2026 - 11:15

AfD schaut und anfängt, Zweifel zu hegen, sollte bei Grün weitermachen. Was von dort in höchste Ämter kam trotz komplett fehlender Ausbildung, Abschluss, etc., ist himmelschreiend. Aber das nur am Rande.

Die gesellschaftliche Ächtung vieler Menschen, die bei oder für die AfD arbeiten ist eine Widerlichkeit. Und sie wurde so gewollt und gesteuert. Auch von den Medien.

Die auf Befehl vom politischen Gegner der AfD von dessen Schoßhündchen beim „Verfassungsschutz“ (= Regierungsschutz für Linksgrünwoke) ausgestellten Gutachten „gesichert rechtsextrem“ waren mM nach hauptsächlich dazu gedacht, dieser Partei das Leben auch in Sachen Personal-Rekrutierung schwer zu machen.
Und sollte Siegmund MP werden, wird er mit einem ihn überall behindernden Apparat altparteilicher Beamten konfrontiert werden.
Aber das weiß er längst und wird entsprechend vorbereitet sein.

Und wenn der Siegeszug der AfD weitergeht, wird es noch dreckiger.
„Unsere Demokratie“ gibt ihre Allmacht so schnell nicht her.

H. v. Weissensand | Fr., 14. August 2026 - 11:46

treibt Siegmund schon länger um. In Interviews ist er auf die Mitarbeiter schon zugegangen und möchte an jedem loyalen Beamten festhalten. Den ein oder anderen muß er austauschen, zum einen um treue Gefährden zu belohnen und die eigene Agenda abzusichern. Wie bei anderen Parteien eben auch. Außerdem, Weiterbildung hilft... siehe Siegmund. Auf die Schule der Verwaltung hat er dann auch Zugriff...

Thomas Veit | Fr., 14. August 2026 - 14:33

Antwort auf von H. v. Weissensand

Boykottbewegung in den Behörden dann wirklich ist/wäre, käme die AfD in SA an die Macht...??

Bei ca. > 40% echter Ablehnung der Führung im Behördenpersonal kann das schon deutliche Auswirkungen auf das Funktionieren selbiger haben..., das ist nicht zu unterschätzen... >> 'unschöne Dinge' passieren dann plötzlich..., Veränderungen werden unter Vorwänden verschleppt..., der Krankenstand steigt plötzlich deutlich an, gerade wenn jede Kraft für z.B. eine Umstrukturierungsmaßnahme vor Ort dringend benötigt wird... ... usw. usf.

Niemand kann wirklich gegen seine eigene Verwaltung regieren in Deutschland.

Ob dem tatsächlich so ist - > 40% aktive Ablehnung in den Verwaltungen... - weiß wohl wirklich derzeit niemand...

Man könnte genauso gut auch davon ausgehen, dass die aktuell 42% AfD-Zustimmung im Lande auch in die Verwaltungen hinein trägt, wenn auch nicht 1:1 allerdings... 🤔

PS: in Thüringen war seinerzeit auch der Untergang des Landes vorhergesagt, als Bodo R. an die Macht kam...

Aber mit den SED Erben samt Rammelow der Absturz des Thüringer Bildungssystems sehr wohl…..
Thüringen gehörte immer mit Bayern & Sachsen zur bundesdeutschen Spitze.
Heute finden wir uns im letzten Drittel wieder …..und das hat auf die Zukunft unseres Landes m M schon eine recht negative Auswirkung …..
Mit besten Grüßen ins Weimaer Land

S. Kaiser | Fr., 14. August 2026 - 13:09

Ja, soweit gut herausgearbeitet. Aber, in die Zukunft blickend, sollte man die Kraft des Faktischen und des Opportunismus - vor allem innerhalb der regierungserfahrenen Union – nicht unterschätzen. Denn so, wie sich die Union vor allem im Westen dem grünen Zeitgeist unterworfen hat, wird sie sich im Osten sukzessive den Blauen anpassen (müssen). Die Spaltung der CDU scheint unausweichlich. Hermann Binkert, Gründer von INSA, meinte mal in einem Interview, so wie AfD-Wähler in gewissen Milieus diskriminiert würden, wäre man im Osten eher stigmatisiert, wenn man sich den Grünen zuwenden würde. Man bedenke: teilw über 40% dort für die AfD. Heißt, für eine opportunistische, machtgetriebene CDU ist es illusorisch im Osten schwarz-grün anzustreben, sondern dort gäbe es eher eine Annäherung an die AfD. Womöglich auch regierungserfahrene Überläufer. Man erinnere sich an das Skandalfoto von CDU-Fraktionschef Guido Heuer mit Ulrich Sigmund …

Leider ist hier niemand zu sehen, der den gewaltigen Problemberg anzugehen in der Lage wäre. Und die AfD hat durchaus auch Fachleute und es könnten dann mehr werden, wenn es keinen Sondermut mehr braucht, um Mitglied dieser geächteten Partei zu sein.

Markus Michaelis | Fr., 14. August 2026 - 13:15

Das im Artikel geschilderte Problem ist denke ich real und erschwert politisch-gesellschaftliche Anpassungen. Wie schon öfters geschrieben, sehe ich ein Hauptproblem in der Überforderung der alten Mitte. Ihr Welt- und Selbstbild passen nicht mehr zu all den Veränderungen (sehr viele).

Auf die Überforderung wird zu sehr mit scharfer Ausgrenzung anderer Sichtweisen reagiert, was dann zu dem Effekt führt, dass "Nicht-Mitte-Strömungen" eher nur radikalere, wenig nachdenkliche, sehr überzeugte Menschen anziehen, oder eben solche, die nichts zu verlieren haben. Andere Strömungen werden von der Mitte dann notwendig abgelehnt, weil deren Vertreter erkennbar zu extrem sind.

In "normalen" Zeiten ist sowas wahrscheinlich auch ein stabilisierendes Element. Jetzt ist die alte Mitte aber überfordert und dann schaukelt sich das auf. Man zementiert sich in seinen Gruppen ein, über Veränderungen will man eher nicht nachdenken, weil das destabilisierende Sprengkraft hat.

Markus Michaelis | Fr., 14. August 2026 - 13:23

Wenn ich kritisiere, dass die alte Mitte nicht über Veränderungen nachdenken will, mag das auf den ersten Blick unverständlich sein, weil es ein Hauptargument der alten Mitte ist, dass sie die notwendigen Veränderungen erkannt hätte (mehr EU, weniger Nationalstaat, klimafreundliche Wirtschaft, regelbasierte Weltordnung, allgemeine Menschenrechte, Migration als Bereicherung etc.) und rechtspopulistische Strömungen sich gegen diese alternativlosen Entwicklungen sperren würden.

An allem ist immer etwas dran, auch an dieser Sicht. Aber was ich dazu entgegengesetzt meine ist, dass die alte Mitte (a) viele andere Fragen gar nicht sehen will und (b) zu den genannten Veränderungen zu sehr das Bild hat, dass jetzt die ganze Welt sich nach den Sichtweisen der deutschen Mitte ausrichten würde. So macht Veränderung immer jedem Spaß. Aus meiner Sicht steht man vor einer realen Welt und deren Veränderungen, die sich nicht an der deutschen Mitte orientieren, zu hilflos und überfordert.

Markus Michaelis | Fr., 14. August 2026 - 13:29

Vielleicht noch zu dem Argument, dass man nicht nur "stänkern" sollte, sondern konstruktiv, miteinander, zusammen Dinge verbessern und aufbauen sollte. Ja sicher, aber wie kommen wir dahin und was heißt "zusammen". Wir feiern Nietzsche, Frankfurter Schule, Musil, Tucholsky und tausend andere, die ihre jeweiligen Gesellschaften kritisiert haben, auch sehr fundamental kritisiert haben, weil wir all diese anderen und vergangenen Gesellschaften auch kritisieren - oft sehr fundamental kritisieren.

Nur wir heute sind so gut geworden, dass sich eine fundamentalere Kritik verbietet. Unsere Gesellschaft ist heute so gut, dass man sie immer erstmal feiern sollte, seine volle Unterstützung öffentlich kundtun sollte, um dann am einen oder anderen Detail konstruktiv die eine oder andere Verbesserung beizutragen.

G. Fischer | Fr., 14. August 2026 - 14:36

Um gute Politik zu machen, braucht es keinen hochdotierten Abschluss (ist heute eh nicht mehr viel wert, siehe Mario Voigt Thüringen). Es braucht gesunden Menschenverstand, eine gute Auffassungsgabe, Offenheit für andere Argumente, genug Lebenserfahrung auch außerhalb des Politikzirkels und vor allem Mut zu Entscheidungen. Und da sind wir genau bei den Mitgliedern der AfD, die mehr Mut als alle anderen brauchen, in dem derzeit in Deutschland aufgehetzten und diskriminierenden Umfeld sich zu dieser Partei offen zu bekennen.

Jens Böhme | Fr., 14. August 2026 - 16:53

Sind investigative Journalisten und ähnliche Koryphäen (hier abgeordnetenwatch.de) nicht selbst in der Lage korrekt zu recherchieren?