Junge Männer warten vor einem Jobcenter
Junge Männer warten vor einem Jobcenter / picture alliance / CHROMORANGE | Michael Bihlmayer

Das gebrochene Versprechen - Ein Sozialstaat, der Stillstand organisiert

Deutschland hat das Versprechen gebrochen, dass Fleiß nach oben führt. Statt Chancen zu eröffnen, erstickt ein aufgeblähter Sozialstaat gesellschaftlichen Aufstieg. Gleichheit und Gerechtigkeit werden konsequent verwechselt und ziehen das Land ins Mittelmaß.

Autoreninfo

Alexander Steffen war von 2020 bis 2025 Vorsitzender der Jungen Liberalen in Nordrhein-Westfalen.

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Es war einst der Stolz der Bundesrepublik: das Aufstiegsversprechen. Wer sich anstrengte, wer lernte, wer Verantwortung übernahm, sollte es besser haben als die Generation vor ihm. Dieses Versprechen schuf den Glauben an Fairness, an Gerechtigkeit durch Leistung. Es war das Fundament des Wirtschaftswunders – und damit der gesellschaftlichen Stabilität und des Wohlstands von heute.

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Hans Jürgen Wienroth | Mo., 10. November 2025 - 07:58

Das sollte der Autor einmal dem Herrn Brodkorb erklären, der in seinem Artikel über den „sozialistischen Weihnachtsmann in New York“ die Ursache für den Aufstieg der Linken in einer größer werdenden Schere zwischen Arm und Reich sah. Jedoch ist es nicht auch das Versprechen der Linken, dass es sich auch „in Armut“ gut Leben lassen muss? In den 80ern wurde von der Politik propagiert, Niemand müsse sich schämen, Hilfe vom Staat anzunehmen, „Sozialhilfe“ zum Rechtsanspruch erklärt. Nicht mehr die Gleichberechtigung, sondern die Gleichheit wird von der Politik propagiert. Aber ist es Freiheit, wenn der Staat vorgibt, wie man zu Leben hat, wie man zu Denken hat?

Heute ist jeder verdächtig, der mit seinem Business Erfolg hat und durch viel Leistung Geld verdient. Das passt nicht zur sozialistischen Erzählung, dass alle Menschen gleich sind. Da wird ganz schnell die Neiddebatte gestartet, der hat das nicht „verdient“.

Wen wundert es da, dass niemand mehr in diesem Land investieren will?

IngoFrank | Mo., 10. November 2025 - 08:55

Wenn rd. 500 Unterstützungsmaßnahmen zum Bürgergeld in mehr als 1000 Gesetzen eingebettet sind ( waren es lt. Studie nicht sogar 3000 ?) läuft was falsch in diesem Land.
Es ist doch nicht mehr als eine riesen Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Ämter & Behörden inkl. der Justiz. Und nicht zu vergessen, Arbeiten die keinen wirklichen produktiven Nährwert haben und nur von Steuereinnahmen finanziert werden.
Jedes halbwegs funktionierendes privates Unternehmen achtet auf ein gesundes Verhältnis von Verwaltung und Produktion die die Verwaltung finanziert.
Was machen die Regierungen auf allen Ebenen? , Schreien nach noch mehr Steuern & noch gigantischeren Schulden.
Das das auf Dauer nicht gut gehen kann, dürfte auch dem letzten deutschen Deppen klar sein. Das dies alles noch in einer überbordeten Eu eingebettet ist, die ebenfalls einen Riesenanteil an der deutschen Misere hast, sei nur nebenbei erwähnt. Wen wundert’s ,wenn dort auch aussortierte Partei-Politiker das Sagen haben.
MfG a d E. R.

Walter Buehler | Mo., 10. November 2025 - 09:36

... den Dreschern uralter Phrasen aus den Alt-Parteien zuzuhören.

Diese PARTEIEN - genauer ihre Funktionäre - haben in den letzten Jahrzehnten ALLES getan, dass Wissen, Fleiß und Können in den Schulen keine Rolle mehr spielt, ohne jede Rücksicht auf die Folgen.

Nicht Deutschland und die Deutschen, sondern die in Deutschland regierenden Parteien einschließlich der FDP und der Bertelsmann-Stiftung haben das Bildungswesen in Deutschland auf den Hund gebracht.

Da beißt die Maus keinen Faden ab.

Wenn wir, das Volk, tatsächlich "die Fesseln der Bevormundung lösen" wollen, dann müssen wir uns zuerst von den Funktionären der Alt-Parteien und deren Berater und Hilfstruppen trennen.

Das gilt nicht nur für die Funktionäre und Ideologen der kommunistischen oder sozialistischen Parteien, sondern auch all jener Parteien, deren Regierungen die jetzige Lage erzeugt haben.

Eine FDP mit dummen Phrasendrescher:innen à la Strack-Zimmermann bleibt für mich unwählbar.

Nix für ungut.

empfehlen Sie denn nun Ihren Mitforisten zur Wahl angesichts der Phrasendrescher in allen Altparteien, von denen Sie sich hier ausdrücklich
distanzieren?

Ich stimme Ihnen zu:

"Diese PARTEIEN - genauer ihre Funktionäre - haben in den letzten Jahrzehnten ALLES getan, dass Wissen, Fleiß und Können in den Schulen keine Rolle mehr spielt, ohne jede Rücksicht auf die Folgen.
Nicht Deutschland und die Deutschen, sondern die in Deutschland regierenden Parteien einschließlich der FDP und der Bertelsmann-Stiftung haben das Bildungswesen in Deutschland auf den Hund gebracht."

Ganz speziell, was das Bildungswesen anbetrifft, würde ich gern von Ihnen erfahren, von welchen Leuten in Deutschland Sie sich eine Gesundung der desaströsen Verhältnisse erhoffen.
Oder haben Sie vielleicht die Hoffnung schon völlig aufgegeben?

Wolfgang Borchardt | Mo., 10. November 2025 - 09:46

Situation treffend beschreibt. Darüber eine Obrigkeit, die die Probleme nicht angeht - teils aus Unfähigkeit zu disruptiven Entscheidungen, teils aus der Überzeugung, dass es sich um Wohltaten handelt. Kein Handeln, sondern Angst vor dem Machtverlust, der mit der Verunglimpfung, gar dem Verbot Andersdenkender bekämpft werden soll. Die Empörungswellen gegen "Rechts" schlagen immer höher und werden am Ende die unter sich begraben, die sie verursacht haben. Auch der Trick, allen nicht Links-Grünen das Demokratieverständnis abzusprechen, um sie nur besser ausgrenzen zu können, funktioniert nicht. Demokratie kennt kein Monopol. Man mag die brüllstarken Brigaden für Sieger halten, weil die wirkliche Mitte schweigt. Aber auch lauteste Welle bricht sich am Fels. Aber auf dem Weg dahin hat sie schon mehr als genug Verwüstungen hinterlassen, mehr als nur ein Schiff kentern lassen. Jedenfalls die, auf denen "Vernunft" steht. Denn die ist weder links, noch grün, noch rechts.

Alexander J. Schabries | Mo., 10. November 2025 - 10:19

Preußen sei eine Armee, die sich einen Staat hält, sagte man im 18. Jahrhundert. In der BRD halten sich die politischen Machthaber in Symbiose mit der Bürokratie ein Volk. Der nicht produktive/wertschöpfende Teil der Bevölkerung dominiert den wertschöpfenden Teil. Die Krucks dabei ist das ständige Anwachsen des ersteren. Da nun aber alles von der Wertschöpfung in einem Gemeinwesen abhängt - die traumtänzerischen Wolkenkuckucksheimer und ihre hanebüchenen Ideen helfen da auch nicht weiter- führt das zwangsläufig zur Überlastung der Wertschöpfenden. Deren Unmut begegnet man, teils prophylaktisch, mit zunehmender Restriktion und beeinflusst Erziehung, Bildung, Sozialstruktur etc. in seinem Sinne. Ziel ist die Konsolidierung der eigenen parasitären Existenz und der damit einhergehenden Privilegien. Im Grunde entsteht ein Feudalsystem in dem die Herrschenden nur das eigene Wohlergehen in ihrem kurzsichtigen Auge haben. Die Handlungen des politischen Personals sind hier eindeutig.

Ernst-Günther Konrad | Mo., 10. November 2025 - 11:19

Nur so viel zu dem Thema. Das Mittelmaß haben wir längst hinter uns Herr Steffen. Wir bewegen uns auf den Abgrund zu. Und nicht vergessen. Daran war auch eine FDP beteiligt.
Aber was schreibe ich denn. Abgrund kennt ihr ja. Ihr steht bereits davor.

Markus Michaelis | Mo., 10. November 2025 - 12:06

Ja, auch der Sozialstaat, so nett er gemeint ist, kann eine Gesellschaft ersticken. Es ist aber grundsätzlicher: es gibt kein absolut Gutes. Unsere Ges. hat sich nach Nazi-Läuterung, Wirtschaftswunder, 68er-Öffnung, westlicher Dominanz der 90er zu sehr in eine Absolutheit hineingesteigert die Welt in Gut (die eigene Weltsicht) und Böse einzuteilen.

Gerechtigkeit wird dann zur nicht heilbaren Empörung über alle nicht ganz richtig Gerechten. Die offene Gesellschaft/Weltoffenheit wird zur Anmaßung/Lächerlichkeit zu glauben, dass alle Menschen dem eigenen Weltbild folgen und keine anderen Bezüge hätten. Menschenrechte werden zur Anmaßung nach Belieben allen Menschen dazugehörige Menschenpflichten auferlegen zu dürfen und der Unfähigkeit mit realen Menschen/Gesellschaften und Ungewissheiten/Widersprüchen umzugehen.

Diese Gesellschaft braucht eine grundlegende Kritik an ihrer eigenen Heiligsprechung. Mehr "Wir und Die" wäre auch gut - die Möglichkeit, dass andere nicht "Wir" sein wollen.