Das Erbe Helmut Kohls - (K)eine ganz normale Familie

Der Streit der Familie Kohl gleicht einer modernen Tragödie. Walter Kohl, der Sohn, der nur seinen Vater wollte, gegen Maike Kohl-Richter, die neue Ehefrau, die sich stets als mehr begriff. Ihren Streit tragen sie auf dem Rücken des Toten aus

Maike Kohl-Richter flüstert Helmut Kohl etwas ins Ohr.
Maike Kohl-Richter hat Helmut Kohl nicht nur geliebt, sondern geradezu vergöttert / picture alliance

Autoreninfo

Dr. Hugo Müller-Vogg arbeitet als Publizist in Berlin. Der gebürtige Mannheimer war von 1988 bis 2001 Mitherausgeber der F.A.Z. Sein aktuelles Buch „Wolfgang Bosbach: Endspurt. Wie Politik tatsächlich ist – und wie sie sein sollte” ist im Herbst 2016 erschienen.

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Helmut Kohl hat seine Hannelore 1960 geheiratet. Sie bekamen zwei Söhne: Walter und Peter. Der Vater machte Karriere, war kaum zu Hause, die Mutter eine „verheiratete Alleinerziehende“. So lebten die Kohls wie eine ganz normale Familie in den siebziger und achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Vier Jahre nach dem Tod der Mutter im Jahr 2001 bekannte sich Helmut Kohl öffentlich zu seiner neuen Partnerin, Maike Richter. Drei Jahre später heirateten sie. Die Söhne standen der neuen Frau an der Seite des Vaters skeptisch bis ablehnend gegenüber. Zur Hochzeit wurden sie nicht eingeladen, wurden sogar nach der Trauung nur per Telegramm informiert. Das Verhältnis der Söhne zum Vater und seiner neuen Frau, die altersmäßig ihre Schwester sein könnte, wurde noch frostiger. Auch das ist in anderen Familien schon vorgekommen.

Eine Familie wie jede andere

Nach dem Tod des Vaters, der eigentlich ein Übervater war, gibt es den bei solchen Konstellationen keineswegs unüblichen Streit. Die zweite Frau will auf keinen Fall, dass der Verstorbene im Familiengrab bei seiner ersten Frau die letzte Ruhe findet; der ältere Sohn will genau das. Es ist ja kein Zufall, dass auf dem Grabstein des Familiengrabs unter dem Namen Hannelore Kohl viel Platz gelassen wurde. Zudem hat Helmut Kohl die angrenzende Grabstätte ebenfalls erworben. Dennoch sitzt die zweite Frau am längeren Hebel. Sie beruft sich auf den Wunsch des Verstorbenen, nicht im Familiengrab, sondern im Schatten des Speyrer Doms beigesetzt zu werden. Immerhin ist dies eine würdige Grabstätte für den Ehrenbürger Europas.

Das alles ist für Beteiligten wie Betrachter keine erfreuliche Situation. Aber wie gesagt: In gewisser Weise ging und geht es bei den Kohls zu wie in anderen Familien. Nur war Helmut Kohl eben kein Manager, sondern Bundeskanzler. Bei ihm galt und gilt wie bei anderen Spitzenpolitikern, dass das Private öffentlich wird und meistens auch politisch. Verschärft wird die Lage noch durch die Charaktere der beiden Hauptdarsteller dieses Trauerspiels, der Witwe und des ältesten Sohns.

Mehr als nur die Ehefrau

Die promovierte Volkswirtin Maike Kohl-Richter hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie sich nicht nur als die Frau an der Seite des Altkanzlers fühlt. Nein, sie sah sich schon zu Lebzeiten Kohls als die einzige legitimierte Interpretin seines politischen Lebenswerks und als künftige Verwalterin seines politischen Nachlasses. Sie hält sich zudem für eine große Politikexpertin. Einem langjährigen engen Kohl-Vertrauten aus dem Kanzleramt gab sie mehrmals zu verstehen: Wäre sie beim Wahlkampf 1998 schon an Bord gewesen, wären Kohl und die CDU/CSU niemals abgewählt worden. Der Herr verzichtete alsbald auf Besuche in Ludwigshafen, weil er sich nicht ständig diese Vorwürfe anhören wollte.

Diese Frau hat Helmut Kohl, von dem sie gerne als „dem Kanzler“ sprach, wohl nicht nur geliebt, sondern geradezu vergöttert. Seine Feinde waren auch ihre Feinde. Sie dürfte Kohl auch darin bestärkt haben, viele Brücken zu alten Weggefährten abzubrechen, wenn diese den Altkanzler nicht so fehler- und makellos sahen wie sie.

Kohl war seit seinem Sturz im Jahr 2008 ein Pflegefall, lange Zeit noch geistig hellwach, aber kaum noch artikulationsfähig. Seine Frau hat ihn aufopferungsvoll gepflegt. Was aus dem Haus Kohl an politischen Stellungnahmen verlautete, kam im übertragenen Sinn aus ihrem Mund. Wenn Maike Kohl-Richter eine Versöhnung zwischen Vater und Söhnen gewollt hätte, ob da der alte, kranke Mann wirklich störrisch „Nein" gesagt hätte?

Wie der Vater so der Sohn

Walter Kohl, dem Vater in Statur und vom Naturell sehr ähnlich, kann es in Bezug auf Selbstbewusstsein und Sturheit mit der „Stiefmutter“ durchaus aufnehmen. An dem Bruch mit dem Vater war sicher keine Seite schuldlos. Aber der im bisherigen Berufsleben nicht sonderlich erfolgreiche Sohn begann auf recht geschickte Weise, mit der Vermarktung seines Schicksals oder was er dafür hielt, Geld zu verdienen – per Buch, in Vorträgen und Talkshows. Dass er wegen seines politischen Vaters in der Schule wie in der Bundeswehr gemobbt wurde, schildert er glaubwürdig. Auch dass er den Vater vermisst hat und die Familienidylle für Fotografen häufig nur gespielt wurde. Aber er ist sicher nicht das einzige Politikerkind, dem der Beruf und der Ruf des Vaters die Kindheit und Jugend bisweilen vergällt haben.

Irgendwie scheint Walter Kohl – sein Bruder Peter agiert viel zurückhaltender – die schlechten Tugenden seines Vaters geerbt zu haben: nachtragend und rachsüchtig zu sein. Von den guten scheint er weniger mitbekommen zu haben. 2011 veröffentlichte er das Buch „Leben oder gelebt werden“, eine bitterböse Abrechnung mit dem angeblich eiskalten und berechnenden Vater und zugleich eine Liebeserklärung an die Mutter, die diesen Despoten habe erleiden müssen. Danach haben Vater und Sohn nicht mehr miteinander gesprochen.

Walter Kohl hat aus der Abrechnung mit dem Vater ein Geschäft gemacht. Er nennt sich „Begleiter und Coach“ und bietet auf seiner Website an, anderen den Weg „zum inneren Frieden und mehr Lebensfreude“ zu zeigen. Sein Kalkül ist aufgegangen: Menschen zahlen Geld, um mit dem Sohn Kohls einen Blick durchs Schlüsselloch des Oggersheimer Bungalows zu werfen. Auch wenn es grotesk klingt: Kohl junior behauptet, er habe den Weg zur Versöhnung gefunden – zur Versöhnung mit sich selbst.

Eine moderne Familientragödie

Die Bilder, die die Öffentlichkeit zur Zeit aus Ludwigshafen serviert bekommt, sind Bilder einer Tragödie. In der zwei vor Selbstbewusstsein und Selbstüberschätzung schier berstende Personen auf dem Rücken des Toten eine Privatfehde austragen. Auch wenn Walter Kohl weiß, dass die Witwe seines Vaters die Stärkere in diesem Duell ist, gewinnt er dennoch: Bilder von dem von der eiskalten Witwe vor der Haustür abgewiesenen Sohn sind kostenloses Marketing für den „Begleiter & Coach“, der unter anderem dafür Hilfe anbietet, „wenn ungelöste, schmerzende biographische Erlebnisse wie Scheidung, Konflikte in der Familie oder persönliches Scheitern auf uns lasten“.

Wer das Geschehen im Haus Kohl in den vergangenen zehn, zwölf Jahren verfolgt hat, konnte ahnen, dass es nach dem Tod des Patriarchen nicht zur Versöhnung, ja nicht einmal zu einem beiderseitigen Bemühen um Gesichtswahrung kommen wird. Offenbar scheint keiner der Beteiligten den weisen Satz des früheren Stuttgarter Oberbürgermeisters Manfred Rommel zu beherzigen: „Beim Tod endet jede Feindschaft.“ Hätten Maike Kohl-Richter und Walter Kohl gemeinsam ein unwürdiges Schauspiel inszenieren wollen, um dem Ansehen des Verstorbenen zu schaden – sie hätten sich nicht anders zu verhalten brauchen als in den vergangenen Tagen.

Dr. Florian Bode | Mo, 26. Juni 2017 - 16:27

Wahr gesprochen Herr Müller-Vogg. Wer über einen Schicksalsschlag nicht zusammen mit Verwandten oder Freunden hinweg kommt, sollte zum Psychotherapeuten gehen oder sich einen Hund kaufen. Dieses genze Gekotsche wegen Allem und Jedem ist eine Verschwendung von Zeit und Geld.

Michaela Diederichs | Mo, 26. Juni 2017 - 16:46

Sympathien werden weder der einen noch der anderen Seite zufliegen. Ein sehr treffender Artikel.

Jürgen Scheit | Mo, 26. Juni 2017 - 17:51

Müller-Vogg beschreibt den Fall Helmut Kohl völlig zu Recht als gar nicht so seltene Familientragödie, wie sie insbesondere zwischen Zweit-Ehepartnern und den Sprößlingen aus vorangehender Ehe oder Partnerschaft (meist schon sehr früh) entsteht und oft bis zum Exzess "gepflegt" wird, wobei es übrigens meist um rein materielle Dinge geht und alle ach so "edlen" menschlichen Eigenschaften auf der Strecke bleiben...
Mit einem immer wiederholten Gerücht sollte aber jetzt endlich Schluß sein: Helmut Kohl saß seit 2008 als Pflegefall im Rollstuhl, angeblich als Folge seines Sturzes im Eigenheim. Formal richtig, nur ist er nicht einfach über seinen Perserteppich gestürzt, sondern weil er einen Schlaganfall erlitten hatte!! Alle hierfür typischen Symptome waren klar erkennbar und sichtbar. In diesem Sinne habe ich schon vor Jahren erfahren: Der Bruder eines guten Bekannten war zufällig & zeitgleich mit Kohl in derselben Promi-Reha, wo seinerzeit der Schlaganfall Kohl's das Haupt-Thema war.

Mathias Trostdorf | Mo, 26. Juni 2017 - 19:56

Hat mir gut gefallen, Ihr Artikel, Herr Dr. Müller-Vogg, zwischen den unzähligen, die es zu lesen gab. Vielen Dank.

Michaela Diederichs | Mo, 26. Juni 2017 - 21:29

Zerwürfnis mit dem Sohn ist nachvollziehbar. Ich habe das Buch gelesen. Aber Zerwürfnis mit dem Chauffeur, der ihm jahrelang treu diente? Menschen müssen sich auch immer daran messen lassen, wie sie mit Untergebenen, Getreuen und Weggefährten
umgehen.

Michaela Diederichs | Mo, 26. Juni 2017 - 22:30

Ich bin überzeugt, dass Maike Kohl-Richter nur das Beste für ihren Mann wollte und will. Doch jeder Schritt muss für einen Menschen der Geschichte, wie Helmut Kohl es war, sehr gut bedacht werden. Was schadet seinem Ansehen, was schmälert sein Vermächtnis? Wie wird die Nachwelt ihn in Erinnerung behalten? Bei aller Sorge um ihren geliebten, schwer kranken Mann, den zu pflegen sie sicherlich viel Kraft gekostet hat, ist ihr der Blick dafür m. E. verloren gegangen. Kindern, Enkelkindern, engen Freunden und Weggefährten, die Abschied nehmen wollen, den Weg zu versperren, ist sicherlich das schlechteste Signal, das sie in die Welt senden konnte. Im Angesicht des Todes Größe zu zeigen, da hätte sie viel Boden für den Altkanzler wett machen können. Wenn Liebe blind macht, schadet sie dem Liebenden und dem Geliebten, denn wir sehen ihn nicht so, wie er ist, sondern so, wie wir ihn gerne hätten. Das hat kein Mensch verdient.

Alexander Wildenhoff | Di, 27. Juni 2017 - 00:49

Bei allem Respekt - Herr Müller-Vogg - dass Sie der Witwe näher stehen als dem Sohn ist offensichtlich.

Schade.
Denn die alten Lateiner hatten es schon richtig erkannt: de mortibus nihil nisi bene. Denn auch der alte Helmut konnte ein richtiger Kotzbrocken sein. Und Walter weiß das wie kein anderer.

Klaus Luchterhand | Di, 27. Juni 2017 - 16:26

In reply to by Alexander Wildenhoff

,ich bin kein "alter Lateiner" sondern nur ein "alter Deutscher" und verstehe deshalb ihren gelehrten Senf nicht. Hätte auch einiges zum Angeben, brauche das aber gottseidank nicht zur Selbstbestätigung.

Arne Bruhn | Di, 27. Juni 2017 - 18:18

In reply to by Klaus Luchterhand

"alten Deutschen"! "Angeben", da haben Sie recht, müssen Leute, die das nötig haben. Auch ich habe mich einmal mit Latein herumquälen müssen, aber...
Dennoch ist ein Spruch erhalten geblieben, der hier eigentlich gut passt. "Suum quiqe" Auf deutsch "Jedem das Seine!"

Jürgen Möller | Mi, 28. Juni 2017 - 07:10

In reply to by Klaus Luchterhand

Selbst "alten Deutschen" dürfte der lateinische Ausdruck bekannt sein - ansonsten hilft Googeln; versuchen Sie es einfach mal.

Wichtig machen oder nicht, - wenn man schon zitiert, sollte man auch richtig zitieren.
Aber sowohl "de mortibus" als auch "Suum quiqe" sind fehlerhaft.
Daher gleich noch eins: Si tacuisses ... usw., eh schon wissen, wir alten Lateiner.

Thomas Birk | Sa, 1. Juli 2017 - 22:05

In reply to by Kurt Hartmann

...philosophus mansisses."

"Hättest Du geschwiegen, wärest Du weise geblieben."
Nun sind wir hier aber nicht in der Lateinschule!
Verlangen wir bitte nicht, dass jeder Kommentator das Latinum erworben hat.
Und: es debattiert sich etwas geschmeidiger, wenn alle verständlich schreiben,
Rechtschreibfehler vermeiden und höflichen Anstand wahren. DAS zeigt Bildung!

helmut armbruster | Di, 27. Juni 2017 - 08:13

warum heiraten jüngere Frauen Männer, die ihre Väter sein könnten, und die oft auch noch gesundheitlich angeschlagen sind?
Wir können es nicht wissen, aber auffallend ist, dass diese Männer meistens gut situiert sind und hohe Pensionsansprüche haben, aus denen dann hohe Witwenrenten entstehen.
Das kann alles nur Zufall sein, aber ebenso gut kann es auch kein Zufall sein.

Mathias Trostdorf | Di, 27. Juni 2017 - 11:12

In reply to by helmut armbruster

Das finanzielle ist sicher auch ein Aspekt, aber irgendwo stand doch, daß Frau Richter schon bevor sie mit Herrn Kohl zusammen war, ihre Wohnung in eine Art Kohl-Museum umgestaltet hatte. Das klingt wie eine Art Fan- oder Groupiegeschichte, oder auch eine Anbetung oder Verklärung, wie sie in religiösen Kreisen vorzufinden ist. Wie auch immer. Wir kennen nur Details und beurteilen das ganze aus der Ferne.

Dorothee Sehrt-Irrek | Di, 27. Juni 2017 - 10:58

dass mich Augsteins Kolumne überzeugt hat mitsamt dem Foto von Walter Kohl, Helmut Kohls Sohn.

Dr. Lothar Sukstorf | Di, 27. Juni 2017 - 13:15

Entschuldigung, was gehen uns eigentlich die Kohlschen Familienangelegenheiten an? Sind wir allesamt nur noch zu "Spannern" mutiert? Lasst doch die Kohls in Ruhe!

Rolf Pohl | Di, 27. Juni 2017 - 14:39

In reply to by Dr. Lothar Sukstorf

Schlicht nicht möglich, schließlich handelt es sich hier um einen der Kohls der 16 Jahre lang Deutscher Kanzler war, Deutsche Politik maßgeblich prägte. Damit jemand der die Allgemeinheit über den Tod hinaus interessiert.

Die Sukstorf und die Pohls z.B. sollten allerdings in Ruhe gelassen werden, sofern keiner aus ihren Reihen Kanzler/in etc.pp war oder ist.
Denn, für die Sukstorfs und die Pohls interessiert sich ganz Deutschland nur sehr eingeschränkt.

ob sich für mich oder Sie jemand oder niemand interessiert ist vollkommen wurscht...Kohl ist tot. Und mit Toten geht man respektvoll und würdevoll um. Vor seinem Tod hat man ihn in der Öffentlichkeit kaum noch wahrgenommen. Und - Person öffentliches Interesses hin oder her - UNS ALLE, gehen die Interna um Kohl Sohn, Familie, 2. Ehefrau nichts - - gar nichts an. Man sollte die Toten ruhen lassen! Und nicht die Zwistigkeiten durch die Medien ausschlachten lassen. Das erachte ich im Umgang mit Toten und deren Familien als respekt- und würdelos

Dorothee Sehrt-Irrek | Di, 27. Juni 2017 - 15:02

In reply to by Dr. Lothar Sukstorf

Kohl war mit seiner Familie Teil der politischen Öffentlichkeit. Macht lebte nicht abgeschirmt wie in der DDR?
Es geht auch um eine Kultur der pol. Öffentlichkeit.
Wie Leute leben darf den pol. Interessierten angehen, denn Frau Richter-Kohl und wohl auch sein Sohn bestimmen Helmut Kohls politisches Erbe mit?
Das Bild von Walter Kohl zeigt nur eine ungeheure Ähnlichkeit mit dem Vater, für mich war ausschlaggebend der Schreibstil, den Augstein moniert.
Kohl hatte m.E. mindestens dreierlei, die persönliche Selbstbeweihräucherung in der politischen Inszenierung gerade auch seines Alltags, den Machtwillen in der Partei und die Wehleidigkeit/Animosität/Selbsterhabenheit über Kritik gegenüber der Presse, siehe dazu auch die Kolumne? von Herrn Fleischhauer auf SPON.
Ich habe Kohl nie gemocht, aber...
Familie Kohl ist fast der Normalfall, also ein Phänomen unserer Zeit.
So habe ich Augstein gelesen.
Steinbrück/s Frau durfte leiden, das war Politik, Herr Dr. Sukstorf?
Trau schau wem!

Kohl war eine Person öffentlichen Interesses. Jetzt ist er tot. Was gehen die Öffentlichkeit die Dinge des Sohnes und der Ehefrau etc. an? Was Kohl als Kanzler tat, hatte etc. ist jetzt irrelevant. Man sollte die Toten ruhen lassen und die Persönlichkeiten und somit die Totenruhe und Familienangelegenheiten würdig respektieren.

Was Augstein/Speiegel oder andere absondern ist nicht der Maßstab. Obwohl viele der Medien wohl meinen, Sie seien Maßstabbildend. Der Spiegel z.B. ist weder die 4. Macht im Staat, noch der 3. Senat des Verfassungsgerichtes. Helmuth Schmidt und seine Familie hat man nach seinem Tod würdevoller und respektvoller behandelt. Es ist schon gar nicht die Aufgabe der Medien - auch, wenn es sich um eine Person öffentliches Interesses handelt - die Trauerangelegenheiten um den Tod eines Familienangehörigen auszuschlachten. Zurückhaltung und Achtung wären besser angebracht.

Dorothee Sehrt-Irrek | Mi, 28. Juni 2017 - 11:18

In reply to by Dr. Lothar Sukstorf

Auch wenn ich Kohl nicht schätzte, so ist mir gerade auch in Hinblick auf eine Merkel die familiäre Ruhe wichtig, die meines Erachtens notwendig ist, einen politischen Blick auf Kohls Erbe zu werfen.
Die evtl. Unfähigkeit der Familie, dies für eine immerhin politisch signifikante Person der Zeitgeschichte in entscheidenden Momenten der deutschen Geschichte zu leisten, ist ein kleines Mosaiksteinchen für mich in der Beurteilung Kohls, der m.E. immer große Worte fand, in der Umsetzung jedoch, wie ich fand, nicht überzeugen konnte.
Wer nicht regeln kann, was er lebt, was will ich mit so einem Politiker oder dem, der nicht lebt, wie er regelt.
Ich habe bzgl. solcher Leute gerne Konsequenzen gezogen und keine Probleme damit, wenn ich nach diesen Massstäben gemessen werde.
Wenn Sie mehr Respekt vor dem Tod anmahnen, so würde ich zuvörderst immer selbst danach leben, als es von anderen verlangen.
Ich bin zufrieden, wenn die Menschen Respekt vor den Lebenden haben und halte mich auch an.

Entschuldigung...Persönliches von Ihnen, Ihre persönlichen Obliegenheiten interessieren mich nicht. Sie gehen mich schlichtweg nichts an und deshalb will ich auch gar nichts davon wissen.

Dorothee Sehrt-Irrek | Mi, 28. Juni 2017 - 11:48

In reply to by Dr. Lothar Sukstorf

ein wegweisender Teil unserer politischen Öffentlichkeit. Als solcher wurde er gewürdigt, weniger als Kanzler.
Deshalb war ein Staatsbegräbnis möglich, für eine Art Kanzler-> politischer Philosoph.
Helmut Kohl kann man m.E. beim besten Willen nicht mit Schmidt vergleichen.
Die Welt war zu Schmidts Trauerfeier in der St. Michaeliskirche, das vorangestellte Lied war das Abendlied von Matthias Claudius, der den Wandsbecker Boten? herausgab. Ich liebe ja Kant dafür, dass er Königsberg nicht verlassen hat, um bei Land und Leuten zu bleiben, denke ich. Ich bin ganz, wenn ich die um mich habe.
Die Politik fasst solche Größe nur selten, bei Schmidt gelang es und Helmut Kohl ist, wird doch gebührend als erster europäischer Staatsmann gewürdigt.
Ich war bei meinem Besuch an Fichtes und Hegels Grab - Dorotheenstädtischer Friedhof Berlin - ganz irritiert, dass sie da liegen.
Sie leben in ihren Werken.
Jetzt liegt da Christa Wolf, ich ehre sie in ihren Nächsten.
Nu, Nachkommen Kohls?

Arne Bruhn | Di, 27. Juni 2017 - 18:05

Sie haben Manfred Rommel zitiert: „Beim Tod endet jede Feindschaft.“ Das gilt aber nur für die Verstorbenen! (so weit man weiß)

Eveline Zingler | Di, 27. Juni 2017 - 21:02

Was ich persönlich sehr traurig finde, war das Pflichtbewußtsein, die Disziplin und der Verstand der Hannelore Kohl. Eine Allergie ist nicht unheilbar, wenn man den Auslöser erkennt. Sie kämpfte für ihren Mann in voller Überzeugung und vergaß ihre Seele. Sie äußerte sich nach seiner Spendenaffäre, sie hätten den 2. Weltkrieg überstanden, sie würden auch hiermit fertig werden. Was für ein Vergleich: die Spendenaffäre mit dem 2. Weltkrieg!
Sie lehnte psychologische Hilfe ab, leider! Sonst hätte sie erkennen können, was ihr der Körper sagen wollte. Ihre Allergie war psycho-somatisch.
Was wollte sie "nicht ans Licht kommen lassen", nur die Spendenaffäre, vielleicht noch andere Frauen"? Sie war gegen das "ans Licht kommen" sie war gegen das "Licht". Der Körper zeigte es ihr durch ihre Licht-Allergie.
Es ist sehr schwer für Allergie-Patienten den Auslöser in der Psyche zu suchen. Ich persönlich brauchte ca. 40 Jahre dafür.

Dorothee Sehrt-Irrek | Mi, 28. Juni 2017 - 11:57

In reply to by Eveline Zingler

Sie setzen sich in Bezug zu Hannelore Kohl.
Diese Bezüge hat man auch zu Personen des öffentlichen Lebens.
Ich delegiere meine politische Macht an einen Kanzler.
Es gibt auch eine andere Bezüglichkeit, wie wir sie in Thornton Wilders "Unsere kleine Stadt" finden.
Und wenn ich mal so sagen darf, das war m.E. ein Teil der politischen Öffentlichkeit der Familie Kohl.
Der Kanzler aus Oggersheim mitsamt Familie, CDU-Vision für Deutschland.
Und sogesehen haben die Kinder jedes Recht auf den Zutritt zu diesem politischen Raum ihrer Jugend.
Ansonsten hängt es eher vom Testament ab.
Dass Schmidt eine Tochter hatte, wie er lebte, erfuhr man doch eher am Rande oder von ihm selbst, kurz vor seinem Tod.

Dorothee Sehrt-Irrek | Mi, 28. Juni 2017 - 12:13

In reply to by Eveline Zingler

schaue ich nicht nach anderen Frauen.
Dann war Familie für sie vlt. der Hort ihres Lebens.
Dann mit einem Kanzler verheiratet zu sein, geht einfach über jede Disziplin.
Die Nacht war dann vielleicht eine Freundin?
Da Hannelore Kohl nun nicht an Helmut Kohls Seite liegt, erachte ich sie würdig, von mir bedacht zu werden, denn Politik war für mich auch mit unbedingter Verantwortung verbunden, mein Leben aber mit meiner Wahrheit.
Zum 60. Geburtstag verglich ich meinen Vater auch mit Kant und fügte an, dass er unendlich mehr gehabt habe und dass wir Kinder hoffentlich einmal die Wahrheit seines Lebens gewesen sein würden.
Ich hatte 2 Jahre lang jeden Kontakt zu ihm verweigert.
Danach hatte er seine Familie wieder und seine Liebe zum Leben.

Horst Bertram | Mi, 28. Juni 2017 - 07:08

Da seid dem Tod von Herrn Dr. Kohl eine journalistische Dauerberieselung durch und in sämtlichen Medien stattfindet , ist ein "heraushalten" kaum mehr möglich. Es wäre wünschenswert wenn die Medien, nachdem eine Nachricht vermeldet wurde , sich dieses ständige permanent weitere Aufbauschen und pausenlose Wiederholen abgewöhnen könnten. Damit wäre vielen Menschen gedient und es würde etwas mehr Ruhe einkehren. Solange sich alle selbst übertreffen wollen ist der Sache in kleinster Weise gedient.

Steafn Elstner | Mi, 28. Juni 2017 - 12:21

Wie kommen Sie denn auf die Idee, Walter Kohl als "wenig erfolgreich" zu bezeichnen?
Ist das ein "wenig erfolgreicher" Versuch, dem rebellischen Sohn einen billigen Vater-Neid-Komplex anzudichten?
Was verstehen Sie im Schatten des "großen Helmut" denn als "Erfolg"?

Hanno Woitek | Mi, 28. Juni 2017 - 20:14

Von Der Nach-Feierabend-Gespielin im Kanzleramt in Bonn beim großen Europäer und Spendengauner Kohl zur Sachwalterin bedeutender Zeitgeschichts-Unterlagen, die sie nicht rausrücken will. Das ist schon eine Karriere!!! Vielleicht wird durch deren Veröffentlichungen ja erst so richtig sichtbar, was für ein Geldbeschaffer etc. Kohl wirklich war.
Aber das unser Bundespräsident vor sowas kuscht Inkl. Kanzlerin - immerhin war sie ja auch sein Mädchen - ist schon eine arge Politposse.

Silas Loy | Do, 29. Juni 2017 - 14:16

... und überhaupt als Person der Zeitgeschichte hätte Kohl seinen Nachlass umfassend und detailiert ordnen müssen, auch die Beerdigung, mit vertauenswürdigen Zeugen und beglaubigt, hinterlegt bei einem Notar.

Offensichtlich hat er das nicht getan und deshalb jetzt diese unwürdige Posse zwischen den streitenden Hinterbliebenen, der Sohn für seine Mutter, die Witwe gegen sie.

Barbara Kröger | Fr, 30. Juni 2017 - 11:25

Hallo Frau Sehrt-Irrek, Frau Zingler,
Helmut Kohl ist tot und wurde beerdigt. Über seine politischen Handlungen kann und muss man diskutieren, aber sein Familienleben sollte Privatsache sein und bleiben.
Hannelore Kohl hatte sicherlich kein einfaches Leben und hat in jungen Jahren das Schicksal vieler Frauen und Mädchen im Osten teilen müssen.
Man wird ihr und ihrer Lebensleistung nicht gerecht mit Sätzen wie: „Mit einem Kanzler verheiratet zu sein, geht einfach über jede Disziplin.“ So, bitte nicht!