Terrorattentat auf den CSD, Berlin Tiergarten
Terrorattentat auf den CSD, Berlin Tiergarten / picture alliance / nordphoto GmbH | Nordphoto / Engler

CSD-Anschlag in Berlin - „Nicht TikTok radikalisiert Menschen – es ist die Ideologie“

Psychische Probleme und schwierige Biografien: Die Extremismusexpertin Gülden Hennemann hält diese Erklärungen allein für unzureichend. Islamistische Gewalt lasse sich nur verstehen, wenn die dahinterstehende Ideologie ernst genommen werde.

Clemens Traub

Autoreninfo

Clemens Traub ist Cicero-Redakteur. Zuletzt erschien von ihm das Buch „Future For Fridays?“ im Quadriga-Verlag (Bastei Lübbe).

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Gülden Hennemann hat lange Zeit für den Verfassungsschutz gearbeitet und ist nun Leiterin der Zentralen Koordinierungsstelle für Maßnahmen gegen Extremismus im Justizvollzug (ZKE) und der Operativen Einheit Extremismusbekämpfung im Justizvollzug (OpEEx), Justizvollzugsanstalt (JVA) Nürnberg. Außerdem ist die in München aufgewachsene Politikwissenschaftlerin Mitglied des Beraterkreises Islamismusprävention und Islamismusbekämpfung im Bundesinnenministerium.

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Markus Michaelis | Mo., 27. Juli 2026 - 18:47

Könnte ein Grund dafür nicht auch sein, dass das unsere eigenen Ideologien gefährden würde? Wir kennen negative Ideologien (völkisch, rassistisch, kolonialistisch, kapitalistisch) und gute (Demokratie, Menschenrechte, Soziales) und erwarten, dass alle Menschen sich in dieses Schema als Täter oder Opfer einordnen lassen. Alles andere ängstigt ein wenig, weil sich dann ja niemand mehr auskennt.

Bei uns gehen wir selbstverständlich davon aus, dass jemandem entweder Kenntnisse in den guten Ideologien (Demokratie etc.) fehlen oder er zuviele Kenntnisse in falschen Ideologien mitbekommen hat. Würde es nicht naheliegen anzunehmen, dass bei 8 Mrd Menschen, hunderten Stämmen in Afrika und Asien, verschiedensten religiös-gesellschaftlichen Strömungen, nicht alle Menschen in unser Raster passen und deren Ideologien für sie auch eine Bedeutung haben?

Noch ein Gedanke kommt mir dazu: muss eine Ideologie erst an einer Uni festgestellt und definiert werden, damit sie für die Menschen wirksam sein kann? Auch schon vor den ersten Universitäten haben ja Menschen Sitten, Gewohnheiten, Glaubenssätze gehabt, die ihr Denken und Handeln zumindest mit geleitet haben, ganz ohne dass Experten oder Forschungsprojekte das festgestellt und festgelegt hätten, was da genau geglaubt werden kann und was nicht.

Mein Gefühl ist, dass wir die Welt und die Menschen manchmal in zu starre und eingeschränkte Raster pressen wollen, die manchmal mehr über uns selber als über die Welt und die Menschen aussagen?

Konstantin Richter | Mo., 27. Juli 2026 - 19:28

Was für eine Rumeierei. Wir müssen also noch genauer hinschauen. Also noch genauer, als wir es ohnehin schon machen. Und nach dem nächsten Mord müssen wir eben einfach noch genauer hinschauen. Ich meine, man sollte die unkontrollierte Einwanderung aus islamgeprägten Ländern unterbinden. Dann erledigt sich vieles von selbst. Mit anderen Kulturkreisen haben wir so gut wie keinen Ärger.

Maria Arenz | Di., 28. Juli 2026 - 09:43

Antwort auf von Konstantin Richter

kann es nicht gewesen sein, was der KI nicht gefallen hat. Also wohl die "morgenländische P..t". Die Wirkung von KI in Bezug auf Klarheit und Originalität des Ausdrucks im öffentlichen Diskurs ist bedrückend.

Ingo Frank | Mo., 27. Juli 2026 - 20:27

bekäme ich auch bei der Erkenntnis nach Ankunft im gelobten reichen Land wenn die Erkenntnis kommt, das auch dort die „gebratenen Tauben eben auch nicht von allein auf die Teller fliegen“
Und meine Traumata ? Und mein Bedürfnis nach Sicherheit, wenn ich in der Innenstadt etwas zu tun habe in unmittelbarer Nähe des Messermordes parke …..ich kann es nicht mehr hören .. , statt diesem ganzen Gelaber würde mich brennend interessieren, welcher Berliner Richter mit welchem Parteibuch hat trotz allen den Attentäter vom CSD in Berlin wieder frei gelassen ? ( Heute im Sonderteil WISO berichtet) Ist er aus dem Dienst entfern wurden oder darf er weiter Recht sprechen ?
MfG a d Erfurter Republik

Thorwald Franke | Mo., 27. Juli 2026 - 21:01

Wie das Interview schön zeigt, kann der Islamismus dort einhaken, wo schon "konservative" Werte vorhanden sind. Nur: Es sind eben keine konservativen Werte. Es ist der blanke Traditionalismus.

Ein Konservativer ist vollkommen offen für die Vernunft und offen für moderne Dinge, solange sie nur vernünftig sind. Ein Traditionalist ist das nicht. Der Traditionalist hält an Dingen fest, auch gegen jede Vernunft. Und das ist der Nährboden für alles nur erdenklich Schlechte. Ein Traditionalist glaubt alles, was in seinem heiligen Buch steht wörtlich. Ein Konservativer tut das nicht.

Im Christentum haben wir Traditionalismus doch auch geächtet: Wenn die Piusbrüder sagen, eine historisch-kritische Lesart der Bibel sei Unsinn und Politiker müssten sich der Autorität der Kirchenmänner unterwerfen, dann sagen wir: Nein. Ganz einfach nein. Wir sind säkular und aufgeklärt. Und wir spielen auch kein Ringelpiez mit Anfassen mit den Piusbrüdern. Sondern die sind dann einfach raus aus dem Spiel.

Frau Hennemann "umschreibt" so Einiges.Doch den Begriff Tradition bzw. ausschließlich in oder nach ihr zu leben und aus Angst bzw. der Negierung von allem anderen außerhalb meines sicheren Einflussgebiets oder Milieus vermeidet auch die Expertin.Denn warum sagte man in früheren Zeiten:"Es ist schwer,aus dem Milieu zu kommen oder besser diesem zu entkommen." Es hinter sich zu lassen um trotz geringerer Startchancen seitens des Elternhauses sozial aufzusteigen und mutig seinen eigenen Weg zu gehen.Vergleichbar mit dem Austritt aus einer Sekte.Und um ein Extrem zu bemühen,was geht in den Köpfen von Eltern ab,die z.B. ihre Töchter wegen der Tradition "beschneiden" heißt genital verstümmeln und zunähen lassen oder weil die Familienlehre in Gefahr ist meist von einem nahen Verwandten umbringen lassen?Weil es die Tradition vorschreibt und dem Milieu geschuldet ist,in dem es die Pflicht der Eltern ist dieses an die Kinder ohne großen Spielraum weiter zu geben und Gehorsam fördern! MfG

Chris Groll | Mo., 27. Juli 2026 - 21:05

Islam(isten) nehmen den Koran ernst. Sie befolgen ihn und somit das Wort des mohammedanischen Gottes.
Sure Ahzab Vers 27
Und Er gab euch zum Erbe ihr Land, ihre Wohnstätten und ihren Besitz und auch ein Land, das ihr (vorher) nicht betreten hattet. Und Allah hat zu allem die Macht.
Sure 9:5
Und wenn nun die heiligen Monate abgelaufen sind, dann tötet die Heiden, wo (immer) ihr sie findet, greift sie, umzingelt sie und lauert ihnen überall auf! Wenn sie sich aber bekehren, das Gebet verrichten und die Almosensteuer geben, dann laßt sie ihres Weges ziehen! Gott ist barmherzig und bereit zu vergeben

Gisela Hachenberg | Di., 28. Juli 2026 - 12:59

Der fürchterliche Mörder ist tot. Gottlob! Müssen wir uns jetzt noch damit beschäftigen, warum, wieso und weshalb er Terrorist wurde? Ich denke nein. Herr Traub fragt und fragt, und die Antwort immer „wir müssen, wir müssen“. Warum müssen wir im Land das alles mitmachen, und sollen auch noch hinterfragen? Die Muslime kommen, die meisten angeblich als „Flüchtlinge“. Sie werden versorgt, man versucht zu integrieren, was in den meisten Fällen misslingt, aber wir sollen auch noch hinterfragen, warum es misslingt. Diese Menschen haben eine Bringschuld, nicht wir Bürger dieses Landes. Wie lange soll dieses ganze Dilemma noch weitergehen? Man wagt sich bald nicht mehr vor die Tür, geht schon gar nicht mehr auf hochgesicherte Veranstaltungen. Ja toll!!!

Schade liebe Frau Hachenberg, aber meine Antwort wurde abgelehnt.Habe darin wohl etwas zu deutlich aus dem Herzen geschrieben. Wir sind alle, so denke ich erschöpft sowie der Psychologisierung von Tätern leid, die man zudem im Wissen um ihre Gefährlichkeit frei und unkontrolliert oder nachdem sie 3x an einer "Trainingsmassnahme" teilgenommen haben wieder auf die Öffentlichkeit los lässt. Nur so viel, ich weiß auch nicht wie es weitergehen soll.Und ich kann und will mich nicht an die täglich 70 oder mehr Messerattacken gewöhnen oder vom Rest meines Lebens davon abhalten lassen vor die Tür zu gehen! Aber ich meide unübersichtliche Orte oder Menschenansammlungen, Veranstaltungen um nicht zum Zielobjekt möglichen Terrors zu werden.Hoffe, es kommt dieses Mal durch! LG

Theodor Lanck | Di., 28. Juli 2026 - 18:05

"warum es innerhalb religiöser Begründungen ein solches Potenzial gibt, schwerste Straftaten und Radikalisierungsprozesse zu rechtfertigen" -

ein Blick auf die Verbreitungsgeschichte des Islam könnte weiterhelfen, ebenso auf die Grundlagen (Fundamente) dieser "Religion".