Corona und Prostitution - „Es ist eine grausame Situation entstanden“

Das Coronavirus macht auch vor dem ältesten Gewerbe der Welt nicht Halt. Hier musste ebenfalls der Betrieb eingestellt werden. Die wirtschaftlichen Konsequenzen sind nicht nur für die Bordelle verheerend, erklärt die Geschäftsführerin des „Geizhaus“ in Hamburg.

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Die Coronakrise trifft auch das Rotlichtmilieu / picture alliance

Autoreninfo

Rixa Rieß hat Germanistik und VWL an der Universität Mannheim studiert und hospitiert derzeit in der Redaktion von CICERO.

 

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Isabella Neumann leitet seit 2009 das „Geizhaus“ im Hamburger Stadtteil Barmbek. Ihre Gewerbefläche beträgt 800 Quadratmeter und beherbergt mehr als zwanzig Räumlichkeiten. Damit gehört ihr Bordell zu einem der größeren in Deutschland. Da sie selbst lange Zeit als Sexarbeiterin tätig war, kennt sie das Milieu von seinen besten und schlechtesten Seiten.

Frau Neumann, wie beeinflussen die Auflagen zur Einschränkung des öffentlichen Lebens in Hamburg Ihren Betriebsalltag?
Schon vor der Schließung hatten wir heftige Einbußen. Es sind ganz wenig Kunden gekommen. Das haben wir letzte Woche schon voll gemerkt. Am Sonntag war dann gar nichts mehr los.

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Tomas Poth | Mi, 18. März 2020 - 11:39

Gibt es jetzt Umsatz- oder Verdienstausfall-Entschädigung für das horizontale Gewerbe?

christine köstner | Do, 19. März 2020 - 13:24

In reply to by Gast

wie geht es weiter mit selbständigen sexarbeitern und masseurinnen aus dem horizontalen gewerbe? wer finanziert uns jetzt?

Klaus Funke | Mi, 18. März 2020 - 11:40

Es gibt Schimmerers, als die Schließung von Bordellen, finden Sie nicht auch? Indes, das "älteste Gewerbe" der Welt wird davon nicht untergehen. Bedenklich ist allerdings, dass nun andere Wege gesucht werden. Die private Prostitution wird aufblühen. Und das ist keineswegs ohne Risiko, auch für die Corona-Ausbreitung. Insofern sind Bordelle als kontrollfähige Einrichtungen allemal besser. Aber der Staat hat jetzt eben den Rasenmäher recht niedrig eingestellt und da wird erstmal gemäht, ohne Rücksicht auf Verluste. Mal sehen, wann das rote Licht wieder angeht...

helmut armbruster | Mi, 18. März 2020 - 11:57

die Bordelle haben Aids, Rinderwahnsinn und sogar die Schweinepest prima überstanden.
Sie werden auch Corona überstehen.
Ob das unfreiwillige Nachdenken der Insassen zu etwas führen wird, muss man wohl bezweifeln.
Am Ende bekommen sie vielleicht sogar noch Staatshilfe, wenn sie nur laut genug jammern.

Dorothee Sehrt-Irrek | Mi, 18. März 2020 - 12:10

Bandbreite der Artikel.
Selten darüber nachgedacht, meist nur in Zusammenhang mit Krimis, aber auf den ersten Blick finde ich das mit dem Internet, wenn kontrolliert, in Ordnung.
Ist eine Trennscheibe derzeit nicht möglich und gewissermassen virtueller Sex?
Großartig, dass die junge Journalistin bei den Menschen und ihren Sorgen vor Ort ist.

Wundern sollte sich keiner, werte Frau Sehrt-Irrek,
wissen wir doch alle aus Erfahrung, der Cicero geht
(auch) hin, wo's "wehtut". So isser nu mal.
[obwohl es naheliegen und die Versuchung groß sein
könnte, aber "...weiß, was Frauen wünschen", wäre
bei diesem Thema hier eher unangemessen. Deshalb
sollte man das auch besser lassen]

...da stimme ich Ihnen zu Frau Seehrt Irrek.
Besteht und wirkt schließlich von und für Menschen.
Da entstehen sicherlich schwerste Situationen.
Die Frauen-Ausbeutung , hier eine der brutalsten Formen, wird zunehmen.
Wenn es eine Farbenlehre für alle Formen der Menschen-Moral gäbe, würde Rot auf dieser Skala ganz sicher nicht in der unteren Hälfte stehen.
Um den letzten Platz herscht ohnehin dichtes Gedränge.
Tagtäglich.
Schön von , dass Sie sich dieser Menschen, dieses Themas annehmen, Frau Rieß

Jürgen Keil | Mi, 18. März 2020 - 12:39

"Wir haben tatsächlich mit Masken die Gäste empfangen und Fieber gemessen." Masken? Da geht nicht mehr viel. " Alle mussten sich die Hände desinfizieren."
Nur die Hände? Wie leichtsinnig.

Heidemarie Heim | Mi, 18. März 2020 - 12:45

Zu dem ich mir auch kurz Gedanken machte als unsere Kanzlerin in ihrer Aufzählung der zu schließenden Gewerbebetriebe auch Bordelle nannte. Jedoch dachte ich ähnlich wie Frau Neumann, das wohl viele ihre Dienste sozusagen privatisieren werden bzw. mehr Ausweichmöglichkeiten haben als andere selbstständige Gewerbe. Das Gute daran, auch dieser Aspekt innerhalb der Gesellschaft wird einmal näher beleuchtet. Besonders was die sehr "abseitigen Geschäfte und Folgen" wie moderner Menschenhandel und Sklaverei betreffen, bzw. durch die biederen auch hier "Geiz ist geil"-Kunden fortwährend befördert und am Leben gehalten werden.
PS: Ein Gedanke bezüglich dieser mehr oder weniger erzwungenen "externen Enthaltsamkeit"
wäre, ob und wie diese sich auf eine höhere Geburtenrate nach Corona auswirken könnte;-)?
Bleiben Sie gesund! MfG

Ernst-Günther Konrad | Mi, 18. März 2020 - 12:47

Danke Frau Rieß für diesen Artikel. Aus dem Leben gegriffen und ja, auch das horizontale Gewerbe macht all das mit, was Gastätten- Bar und Betreiber anderer Einrichtungen auch "erwischt" hat. Was jeden Arbeitnehmer, letztlich uns alle betrifft. Auch dieses Gewerbe muss den gleichen Weg gehen, wie alle anderen. Nur frage ich mich, die ausländischen Sexarbeiterinnen konnten doch eine Grenzschließung absehen. Wir sind in D doch immer noch etwas langsamer wie z.B. Österreich. Warum sind die Damen nicht wieder nach Hause, als die Coronakrise immer stärker zu Einschnitten in der persönliche Freiheit führte?
Wage mal die These, weil sie in D sich besser versorgt fühlen als in ihrem Heimatland. Aha, Es gibt schwarze Schafe, die irgendeinen Weg finden, doch ihr Geld zu verdienen. Vor allem auch das Geld zur Unterhaltung der Laufhäuser und deren übriges Personal und Logistik. Vielleicht wendet sich der ein oder andere mal wieder seinem Partner zu, da wäre ja die erste "Not" schon mal besiegt.

Romuald Veselic | Mi, 18. März 2020 - 13:37

Prostitution unterscheiden sich nur in Wahrnehmung. Wobei ich die Politprostitution, als wesentlich schlimmer empfinde. Infolge derer, am Ende, wesentlich mehr Menschen sterben oder Opfer werden.
Man sollte gelegentlich auch Zuhälter befragen.

Bernd Windisch | Mi, 18. März 2020 - 13:41

Danke für diesen Artikel. Die schlimmen Schicksale der beschriebenen Frauen aus Rumänien und anderswo befördern die eigene Demut sich den aktuellen Einschränkungen zu fügen. Für manche Menschen sind dies wirklich schlimme Zeiten.

lisa zimmermann | Mi, 18. März 2020 - 18:13

Ich habe doch gelesen, dass Menschen mit ausländischem Paß in ihre Staaten einreisen dürfen,

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