Corona-Vierteljahresbilanz - Das Virus als Meister Propper

Zwölf Wochen nach Ausbruch der Pandemie hat das neuartige Coronavirus die Welt auf den Kopf gestellt - und dabei eine Art Inventur durchgeführt. Fünf Bereiche, die sich dauerhaft ändern könnten, auch wenn das Virus wieder weg ist.

Nie wieder wie vorher? Corona bremst die Kreuzfahrt aus/ dpa
Nie wieder wie vorher? Corona bremst die Kreuzfahrt aus/dpa

Autoreninfo

Christoph Schwennicke war bis 2020 Chefredakteur des Magazins Cicero.

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Ein Vierteljahr ist es nun her, dass das neuartige Coronavirus seinen Sturmlauf über den Globus begann. Zunächst einmal hat die Pandemie die Welt zum Stillstand gebracht. Jetzt aber wird erkennbar, dass das Virus in fast allen Bereichen des Lebens beschleunigend, reinigend und augenöffnend gewirkt hat.  Eine große Inventur ist in Folge des Virus in der ganze Welt im Gange. Eine große Reinungaktion. Das Virus als Meister Propper. Eine vorläufige Bilanz in fünf Punkten. 

1. Internationale Politik: Shutdown der Blender und Breitbeinigen

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gabriele bondzio | Mo, 8. Juni 2020 - 09:32

Bei dem man den Damen und Herren Verteiler noch weniger auf die Finger schauen kann.

Der Geblaumeierte ist, wie immer der Steuerzahler.
Und ich glaube auch nicht, dass Dieser sich aus dem Hamsterrad verabschieden kann um in „Schwebezustände“ abzutauchen.
Die Konzentration aufs Wesentliche ist eine schöne Vorstellung, Herr Schwennicke. Aber trifft auf eine völlig ungeübte Gesellschaft. Die gespalten ist in Dauer-Schweber und Dauer-Hamster.
Beiden Gruppen (trifft jedenfalls die Meisten) ist noch ein beträchtliches-ungeeignetes Konsum-Verhalten anerzogen worden. Was vor allem die Dauer-Hamster(ohne Ausruh-Vermögen) immer wider ins Rad zwingt.
Da sehe ich wenig Änderungs-Chancen.

Eine sehr kreative wie anschauliche Beschreibung und Kommentierung wie immer ist Ihnen da gelungen liebe Frau Bondzio! Wie Sie auch, kann ich den Optimismus von Herrn Schwennicke, was die finanziellen Transparenzkriterien bzw. das Eintreiben und Besteuern von global Playern vonseiten der EU-Institutionen betrifft, leider kein bisschen teilen. Für die Kreuzfahrt- für- alle-Hamster ist der Wühlgang zu den Terminals schlicht eingestürzt und erfordert schweres Gerät um den Schaden zu beheben. Das gleiche gilt für die Diesel-Benziner-Halden der Autobauer. Der elektroaffine Hamster gräbt sich seinen Gang nun oft zu ausländischen
Anbietern und beantragt seine eigene Ladestation in der hoffentlich vorhandenen Tiefgarage. Die KFZ-Versicherungen mit ihren viel höheren Tarifprämien für die Elektrowagen (wegen Brandgefahr/Akkus) wird's freuen. Genauso wie die Stromanbieter, die LEIDER wegen einem Abgabenanteil von mehr als 50% an den Staat (EEG&Co.), demnächst den Kilowattpreis ANGLEICHEN! LG

Ich widerspreche Herrn Schwennicke ungern. In diesem Fall aber doch. Dauerhaft Verhalten zu ändern, ist sehr schwer. Verhaltenstherapeuten werden Ihnen das bestätigen. Die Riesenkreuzfahrtschiffe werden vielleicht nicht mehr gebaut werden (ähnlich wie beim Fliegen der A 380 ja auch kein Erfolg ist). Die Menschen werden aber weiterhin durch das Mittelmeer o. ä. kreuzen wollen. Viele sind des Vielfliegens auch müde geworden. Die Bedingungen werden immer unangenehmer. Ob die Sheriffs dieser Welt die Verlierer sind, ist noch nicht ausgemacht und Kosten trägt sowieso immer der Steuerzahlende. Die EU wird so weiter wurschteln. Nö, groß etwas ändern wird sich im Alltag vermutlich auch nach der Pandemie nichts. Das Groß-Reinemachen wird ausfallen. Der Mensch ist so.

Ein gemeinsamer EU-Haushalt mit der Konzentration auf das "Wesentliche" bedeutet doch mit anderen Worten: Ein Bevormundungspaket aus Brüssel, in dem nicht das Wirtschaften sondern die Erfüllung ideologische Vorgaben das Ziel ist. Dabei wird aufgeteilt in Dauer-Hamster, Dauer-Schweber und Funktionäre. Die Gesellschaft wird dahingehend noch eingeübt, keine Sorge. Denn D. profitiert doch am meisten davon...sagt man.

Christa Wallau | Mo, 8. Juni 2020 - 11:16

Im Gegensatz zu Herrn Schwennicke, der in meinen Augen ein (sehr liebenswerter) Dauer-Optimist ist, schaue ich nicht in eine bessere Zukunft - hin zu mehr "Wesentlichkeit".

Der deutsche Bürger, ob gut situiert oder nicht,
wird in der EU seiner MItbestimmungs- und Kontrollrechte, (die ihm in einer Demokratie doch eigentlich garantiert sein sollten) sukzessive beraubt und den Bedingungen einer europäischen, zentralen Finanz-Regierung unterstellt.

Eine Änderung des allgemeinen Verhaltens hin zu einer Entschleunigung halte ich ebenso für einen schönen Traum. Bei einzelnen Menschen,
vor allem finanziell gut abgesicherten Leuten, mag ein Umdenken einsetzen, aber der Durchschnittsbürger bleibt - wie sie Sie richtig schreiben - in seinem Hamsterrad.
Man sollte den Zwang der Konsumgesellschaft und die Macht der Gewohnheit nicht unterschätzen.

über dieses Land teilen Sie grundsätzlich immer, liebe Frau Wallau.

Denn wie Sie fast tagtäglich feststellen, ist dieses Land am Ende, ruiniert, für immer (?) verloren, von seinen Bürgern aufgegeben.

Denn der Mensch, insbesondere der Deutsche, denkt nur noch an Konsum, frönt einem schnöden Materialismus!

Nur, was mich etwas verwundert: Die AfD möchte doch auch denen, die bislang mit Gier, Geiz und Neid hintenanstehen mussten, zu den gleichen materialistischen Freuden verhelfen! Und besonders den Wendeverlierern im Osten der Republik. Erzählen uns jedenfalls, wenn auch in schönen Worten, Hoecke & Co.

Oder ist die AfD im Zuge der Coronakrise zur Besinnung gekommen? Weg vom nationalistischen Quatsch, hin zu einer global menschenfreundlichen, anti-materialistischen, auf innere Werte ausgerichteten, ja fast schon spirituellen Partei, allerdings ohne alten, religiösen Mief?

Ansonsten waren es - zugegeben in der Vergangenheit - doch eher die Grünen, die materiellen Verzicht predigten.

Hans Jürgen Wienroth | Mo, 8. Juni 2020 - 12:48

Ich kann Ihre Begeisterung leider in keinem Punkt teilen. Ob die „Blender“ tatsächlich die schlechteren Führer sind, wird erst die Zukunft zeigen. Schließlich gab es auch in einzelnen Staaten der USA einen Lockdown. Betroffen vom Abschwung sind durch die Globalisierung aber auch die nicht geschlossenen Länder. Ohne Rohstoffe keine Produktion, so einfach ist das.
Das der Bund für die Flüchtlingswohnungen mehr zahlt ist richtig, aber warum rufen die „sicheren Häfen“ nach noch mehr Flüchtlingen, wenn sie sich die vorhandenen schon nicht leisten können? Das wir über (Unternehmens-)Steuern direkt einen EU-Haushalt finanzieren sollen entspringt linker Logik, so als würde uns das nichts kosten.
Ihre „kreative Zerstörung der Wirtschaft“ mag ökologisch sinnvoll sein, aber wovon wollen die vielen Stadtbewohner leben, wenn Wirtschaft, Handel und Tourismus stark reduziert wurden? Seien wir froh, dass es noch ein paar Hamster gibt, die für unsere Sozialleistungen arbeiten.

Selbstverständlich Herr Wienroth, dass steht in meinem Kommentar nicht in Frage gestellt.
Es ging in meinen Sätzen dazu eher darum, dass ein "Schwebezustand" für viele Menschen überhaupt nicht möglich ist. Aus den Konsumgewohnheiten und weil sie auch Verpflichtungen (z.B.Kredite) eingegangen sind.

Manfred Schmidt | Mo, 8. Juni 2020 - 17:15

Gehätschelt wird weniger die Verbrenner-Autoindustrie sondern alles um die E-Mobilität,
jedoch ziemlich erfolglos.
In Anbetracht des Supports und einer Bewegung, die sich des Attributs Zukunft im Namen bedient, eine kräftige Missbilanz. Man ist gerade dabei ein bewährte Technolgie mit Potential etwas zu opfern, dessen Nutzen für das Klima, unter Würdigung aller Parameter, derer nicht wenige eher verschwiegen bzw. bagatellisiert denn publiziert werden, für einen maximal marginalen Klima Nutzen zu opfern. Fehlende Reichweite und Ladeinfrastrukur sind da eingentlich nur ein Nebenaspekt. Bezieht man allein die Zahl der Kohlekraftwerke, die weltweit ans Netz gehen in einen Gesamtbetrachtung ein, ist der Hype um die E-Mobilität mit Irrwitz noch milde umschrieben.
Sie taugt kaum als nicht subventionswürdige Brückentechnologien und müsste sich so dem Wettbewerb stellen. Dazu müssten mindestens umweltkritische Stoffe für die Akkuherstellung als Umweltmalus einbezogen werden.

Ernst-Günther Konrad | Di, 9. Juni 2020 - 06:39

das könnte auch ganz anders kommen. Das Sie natürlich nur im Konjunktiv schreiben können, kann ich auch hierzu nur im Konjunktiv antworten. Es könnte auch sein, dass sich einige EU-Staaten an dem "weiter so" nicht mehr beteiligen werden. Es könnte sein, dass die Virushysterie noch den Regierungen auf die Füße fällt. Bei allen Versuchen, kritische Meinungen zu verhindern und medial zu steuern, macht sich doch eine Gegenbewegung breit. Sicher auch einige Spinner, aber eben auch Menschen, die ihre unterschiedlichsten Sichtweisen zugänglich machen. Kann man alles glauben, muss man nicht. Angeblich sind eine Mehrheit für die Corona Maßnahmen und es sollen sogar viele sein, die behaupten, es ginge alles zu schnell. Nun, das Wochenende zeigte ein anderes Bild. 1000nde Menschen auf den Straßen zeigten, was sie von Mundschutz und Abstand halten. So viel zu Wunsch und Wirklichkeit. Ob die Menschen in Europa dem illegalen Konstrukt erlauben, ihr Steuergeld zu verprassen? Das bezweifele ich.

Ronald Z. Wilhelm | Di, 9. Juni 2020 - 17:26

Sie werden mir ja noch zu einem richtigen Links-Grünen!
Ein Lob! Wer hätte das erwartet? (Welche Zeitschrift soll ich denn jetzt lesen wenn ich die Meinung meiner "Gegenseite"
erfahren will?? Nun ja, Sie haben ja noch genügend Autoren an der Hand...)