Corona-Krise - Raus aus dem Wohlfühlmodus!

In Deutschland ist der Höhepunkt der Corona-Krise noch nicht erreicht. Die Bevölkerung muss sich von dem gewohnten Gefühl der Sicherheit verabschieden und mehr noch: Verantwortung übernehmen.

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Omnipräsent: Das Coronavirus / picture alliance

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Er veröffentlichte u.a. „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“ und „Kulturpessimismus. Ein Plädoyer". Zuletzt erschien von ihm „Politischer Kitsch. Eine deutsche Spezialität“ bei Claudius.

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Alexander Grau

Epidemien sind, wie sonst nur Kriege, immer auch eine Herausforderung für eine Gesellschaft. Wie krisenfähig ist sie? Wie stabil? Wie solidarisch? Und vor allem: Wie schnell ist sie in der Lage, auf die neue Herausforderung zu reagieren? Eine der größten humanen Errungenschaften der Moderne erweist sich in solchen Krisen als Problem: Das Sicherheitsgefühl.

Der moderne Mensch des Globalen Nordens hat dank Hochleistungsmedizin, Sozialstaat und internationaler Sicherheitspolitik weitgehend verlernt, was für Menschen über Jahrtausende selbstverständlich war: Dass alle Ruhe trügerisch ist und schon morgen das Unheil vor der Tür stehen kann. Es ist ein wenig paradox. Eben weil wir glücklicherweise in der Lage sind, schnell und effizient auf Epidemien zu reagieren, laufen wir Gefahr, genau das nicht zu tun. Dabei ist es allerhöchste Zeit, den Wohlfühlmodus zu verlassen.

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Brigitte Simon | Sa, 14. März 2020 - 14:37

Herrn Graus Aussagen könnte Merkel durchaus zum Plagiatieren animieren. Dazu müßte sie aus ihrem schwarzem Loch entporsteigen. Doch ihrem Demoskopen Matthias Jung fehlt noch die rote Linie. Merkel benötigt eine funktionierende Kabinetts-Crew mit der Fähigkeit voraussehend zu Denken und tatkräftig handeln. Doch das erlaubt Merkel ihren Vasallen nicht. Denn uneigennützige Führung erlaubt sich Merkel nie.
Nach Ausbruch des europaweiten Coronavirus läßt sie wertvolle Zeit verstreichen und nicht, wie es der Virologe Alexander Kekulè von ihr fordert, eine deutschlandweite Informationskampagne zu star-ten, nicht peu a peu zu handeln. Sie erkennt oder will nicht die Brisanz beim Namen nennen. Die Be-völkerung beruhigen, Führungsstärke zu beweisen. Als gewollte Regierungschefin des größten EU-Landes müsste sief ür eine bessere Koordination kämpfen, dem Erreger entgegenzutreten. Eine einheitliche Strategie einfordern. Nein, sie kocht Spahns übergelaufenes und eingetrocknetes Süppchen.

Brigitte Simon | Sa, 14. März 2020 - 15:10

Der eine schließt Grenzen, Deutschland nicht, der andere streicht Flüge, zurecht nach China, etliche nur nach und nach wie wir....
Die deutsche GroKo, namentlich die Union, ist in dieser weltweit umfassenden Tragödie ein Wirrwarr, eine Farce. Denn was kann wichtiger sein als die Gesundheit, die Unversehrtheit der Merkels anvertrauten Menschen? Meineid?
Wir befinden uns bereits in einer, nur gemeinsam zu bewältigenden, Tragödie. Eigensucht ist nicht angebracht.
Wir befinden uns, von mir pathetisch ausgesuch-tem Substantiv, in einer vermeintlichen modernen "Sintflut". Gegen diese müssen wir antreten. Kämpferisch dagegenhalten. Ein neues Denken?!
Richtig bennent das Alexander Grau mit:
"Raus aus dem Wohlfühldenken"
Ich füge hinzu: "Auch wohlfühlendes Denken für und mit unseren Mitmenschen".

helmut armbruster | Sa, 14. März 2020 - 16:06

Das wären Verluste wie in den größten Schlachten der beiden Weltkriege.
z.B. deutsche Tote Stalingrad = 150.000 während der Kampfhandlungen + ca. 100.000 in sowjetischer Gefangenschaft
oder tödliche Verluste Verdun 1916: Deutsche ca.
150.000, Franzosen ca. 167.000
Man kann es kaum glauben, dass uns vielleicht Verluste in solcher Größenordnung bevorstehen und das mitten im Frieden.

Joachim Kopic | So, 15. März 2020 - 15:41

In reply to by Gast

Da kommt doch die Einwanderungswelle genau richtig ... noch dazu wird alt gegen jung getauscht
Nur ironisch gemeint (analog ARD - aber halt, dass gilt ja nur für die ÖRlichen und wird deshalb höchstwahrscheinlich der Zensur zum Opfer fallen ;)
Gez. Ein 67jähriger

Dominik Roth | Sa, 14. März 2020 - 22:10

1% Sterblichkeitsrate pro definiertem Zeitraum und 60% Infektionsrate sind derzeit reine Annahmen. Vom mathematischen Produkt dieser beiden Kennzahlen hängt derzeit alles ab. Die Bandbreite, was alles passieren kann ist m.E. extrem groß.
Insofern stimme ich in vielem zu.

STEFAN KREPPEL | So, 15. März 2020 - 01:17

In Italien und Spanien gehört der Begrüssungskuss zum üblichen Ritual. Auch zwischen Männern so man in engere Beziehung steht. Gespräche finden lauter und auf kurzer Distanz statt. Die eher reservierten Engländer liegen im Vergleich noch vor den Franzosen und Deutschen auf einem niedrigerem Infektionniveau. Ich habe zu diesem Thema keine professionelle Kenntnis und akzeptiere, gegen mein Gefühl. Ich hoffe, mit den Massnahmen können Risikogruppen geschützt und Todesfälle verhindert werden

gabriele bondzio | So, 15. März 2020 - 11:12

trennt sich die Spreu vom Weizen. Auf die Politik gesehen, kristallisiert sich hier fähiges Politik-Personal, von Unfähigen.
Das Anfälligste, unser Gesundheitswesen, wurde trotz immer höherer Beiträge der Bürger, in vielen Ebenen zurück gespart und wird ohne Zweifel (wie in Italien) an Grenzen stoßen.
Vorratshaltung, besonders im medizinischen Bereich, stößt in unserem (so reichen Land) schon hart an die Grenze. Obwohl uns der Gipfel noch bevorsteht. Notfallpläne wurden über Jahre nicht aus den Schubladen geholt. Einheitliches Vorgehen im Land, Fehlanzeige! Wir waren immer am Weltretten. Und auch jetzt noch, wo Regierungen um uns, beschließen Grenzen dicht zu machen. Beschließt Berlin die Erhöhung der Rundfunkgebühren. Das ist schon blanker Zynismus.

Der Bundestag hat am Freitag unter anderem auch Zeit verwendet auf die "Erste Beratung des von den Fraktionen der CDU/CSU und SPD eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Förderung der beruflichen Weiterbildung im Strukturwandel und zur Weiterentwicklung der Ausbildungsförderung". Sollen wir darob die Hände ringen?

Wenn es schon "blanker Zynismus" sein soll, dass das Parlament weiter seiner Arbeit nachgeht, wird es mit der weiteren Steigerung der geäußerten Empörung schnell schwierig.

gabriele bondzio | Mo, 16. März 2020 - 08:38

In reply to by Gast

Es ist doch auffällig, dass unbeliebte Dinge schnell durchgezogen werden, wenn die Bevölkerung anderweitig abgelenkt ist.
Was wenig mit ihrer Entgegnung, "(...)dass das Parlament weiter seiner Arbeit nachgeht"...zu tun hat.

Bernhard Weber | So, 15. März 2020 - 19:50

Wir sollten uns ein Beispiel an Österreich nehmen.
Dessen Kanzler wird ja von uns als etwas rechts-denkend angesehen. Aber er handelt entschlossen auch im Sinne einer Schadensminimierung bei Menschenleben. SARS in 2003 haben wir locker und ohne Angst in China (Jeeptour Seidenstraße) überstanden.
Aber momentan habe ich (79 Jahre) kein gutes Gefühl.

Norbert Heyer | Mo, 16. März 2020 - 07:46

Ich weiß, es ist verpönt, von Führung zu reden. Das Wort hat gerade bei uns einen unangenehmen Nachgeschmack. Jetzt ist die „mächtigste Frau“ der Welt gefragt, jetzt muss sie die Richtung vorgeben. Was passiert? Zuerst tritt sie mit dem Gesundheitsminister auf, die zweite Verkündung der bitteren Medizin überlässt sie dem Finanz- und dem Wirtschaftsminister. Jetzt hat man sogar Grenzen geschlossen, war doch angeblich nicht möglich. Diese Krise hat auch etwas Gutes: Die Aussagen der Kanzlerin entpuppen sich als falsch und andere EU-Staaten handeln einfach ohne auf das zögernde
Deutschland zu warten. Corona wird zum Waterloo für Frau Merkel, die Machterhalt über notwendige Maßnahmen stellen wollte. Ich hoffe, dass im Angesicht dieser Krise andere Politiker Verantwortung übernehmen und der Kanzlerin raten, sich endlich zurückzuziehen. Sie ist am Ende, es muss ein Umdenken erfolgen, sie - wie schon Herr Schröder sagte - „schafft es nicht.“ Hoffen wir mal auf anstehende Veränderungen.